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Test: Roland SP-555 PDF Drucken E-Mail

„Creative Sampler“

Die Hardware-Sampler waren einst die wichtigsten Klangerzeuger im Studio, die sowohl Sounds von konventionellen Instrumenten wie Gitarre oder Piano erzeugen, als auch den Bereich der Synthesizer und Sound-Module abdecken konnten. Unverzichtbar waren sie auch im Bereich des Sounddesigns oder beim „Einfliegen“ von Chorpassagen in Mehrspurproduktionen, wo sie quasi die Anfänge des Harddisk-Recordings darstellten.

Mit dem Einzug des Computers in alle Produktionsumgebungen wurden sie Stück für Stück vom Markt verdrängt, auch klangvolle Namen wie z.B. EMU beschäftigen sich heute eher mit der Herstellung von Soundkarten für den PC denn mit hochwertigen Instrumenten. Dabei haben die konventionellen Hardware-Sampler immer noch große Vorteile gegenüber den Rechnerpendants, denn Begriffe wie Latenz oder Timingstabilität sind für sie Fremdworte. In einer Nische haben sie sich dennoch behaupten können: Unter Bezeichnungen wie Groovebox, Creative Sampler oder Music Production Center erfreuen sie sich großer Beliebtheit und sind doch nichts anderes als Hardware-Sampler mit einer Steuerung über anschlagsdynamische Pads. Der Roland SP-555 schlägt genau in diese Kerbe und soll sowohl DJ´s wie auch die Remixer und Liveperforming-Artists ansprechen.

Äußeres und Inneres
Nach dem Auspacken präsentiert sich der SP-555 als schickes Kästchen im Retro-Look mit dreistelliger LED-Anzeige und 16 großen, beleuchteten Pads. Auffallend ist die XLR-Kombibuchse oben links, die schaltbar Kondensator-Mikrofone mit 48 Volt Phantompower, dynamische Mikrofone und Line-Instrumente oder Gitarren über Klinke anschließbar macht. Zusätzlich gibt es noch ein eingebautes Mikrofon. Die Verarbeitung der Taster und Regler, die größtenteils beleuchtet sind, macht einen soliden Eindruck und die Beschriftung der einzelnen Taster macht eine sichere Bedienung möglich. Eingeweihte werden sehr schnell mit dem Gerät zurechtkommen, und ein kurzer Einsatz in der Musikschule mit Kindern aus der Keyboardklasse machte deutlich, dass der SP-555 einen außerordentlich hohen Spaßfaktor besitzt, das Urteil fiel hier mit „Sehr cool!“ eindeutig positiv aus. Unter der Haube wartet der Roland SP-555 mit folgenden Daten auf: Die Klangerzeugung stellt 12 Stimmen bereit, die in 24 Bit bei 44,1kHz aufgezeichnet werden können. Der SP-555 basiert auf einem eigenen Soundformat, kann jedoch WAV- oder AIFF-Dateien importieren und exportieren. Über den USB-Port und das umfangreiche Softwarepaket kann er also sowohl auf der Windows-Ebene als auch mit den Apfel-Rechnern kommunizieren. Der interne Speicher ist mit 30 MB recht sparsam bemessen, kann jedoch mit handelsüblichen CompactFlash-Karten auf 2 GB erweitert werden. Verwalten kann das Gerät maximal 32 Samples intern, also 2x 16 Pads in einer Bank, auf den CompactFlash-Karten können jeweils 128 Samples verwaltet werden. Diese Samples werden direkt vom Speicher in den Sequencer ausgelesen, der ca. 8000 Noten erfassen kann und in 32 Patterns intern und 128 Patterns pro Karte organisiert ist. Obwohl es keine Song-Funktion gibt, lässt sich hiermit allerhand anstellen. Über neun anwählbare Quantisierungsraster lässt sich rhythmische Ordnung schaffen, sodass auch Ungeübte schnell zu den gewünschten Ergebnissen kommen. Ein Highlight im SP-555 ist die Effektabteilung, die neben den direkt anwählbaren Effekten Superfilter, Voice Transform, Delay, Isolator und DJFX Looper über eine Matrix noch folgende als MFX bezeichneten Multieffekte bereitstellt:
Flanger, Phaser, Wah-Wah, Tremolo, Reverb, Tape Echo, Chorus, Filter+Drive, Distortion, Overdrive, Fuzz, Slicer+Flanger, Ring Modulator, Pitch Shifter und chromatischen Pitch Shifter, Compressor, Equalizer, Subsonic, Lofi Compressor, Noise Generator, Radio Tuning, Vinyl Simulation, Distortion+Pan, Overdrive+Pan, Amp Simulator, Bit Crash, Step Filter, Step Ring Modulator und Reverse. Die Effekte sind von bekannt hoher Roland-Qualität und tun auch in vielen anderen Roland-Devices ihren Dienst. Ist ein Sample mit Effekt versehen, kann es direkt auf ein neues Pad geroutet werden, so dass auch interessante Effektschichtungen möglich sind. Ebenfalls mit an Bord ist der beliebte D-Beam, der mittels Handbewegung Einfluss auf die Parameter „Synthesizer“, „Filter“ und „Trigger“ gibt.
Auf der Rückseite stellt der SP-555 folgende Anschlüsse bereit: Neben dem obligaten Anschluss für das Netzteil gibt es Line-In und Line-Out im Cinch-Stereo-Format, einen USB-Anschluss sowie MIDI In/Out-Buchsen. Ein Anschluss für ein optionales Roland-Pedal rundet das Bild ab. Der SP-555 kann also in allen gängigen Umgebungen eingesetzt werden.

Klang und Bedienung
Auch ohne das Studium der Bedienungsanleitung konnte man dem SP-555 nach kurzer Zeit die ersten Töne entlocken, die grundlegenden Bedienschritte erschlossen sich quasi von selbst. Hier tat auch das eingebaute Mikrofon gute Dienste und ebenso die Aussteuerung über die Hintergrundfarben des LED-Displays (blau für Pegel, rot für Overload) funktionierte einwandfrei. Diese selbsterklärenden Vorgänge sind für ein solches Gerät sehr wichtig, da ja nicht nur die Ober-Profis Freude an einem solchen Gerät haben sollen. Das Bedürfnis, sich in das Manual zu vertiefen, wird nur auftauchen, wenn die ersten Gehversuche schon von hörbaren Erfolgen gekrönt wurden. Hier schlägt sich das Roland-Gerät sehr gut, und auch im Live-Betrieb sollte sich das Gerät bei ungünstigen Lichtverhältnissen gut bedienen lassen. Der Klang ist wie zu erwarten ohne Fehl und Tadel, und durch die sehr umfangreiche Effektabteilung kommen auch die Klangtüftler auf ihre Kosten. Wer noch mehr Steuerungsmöglichkeiten, Anschlüsse oder sonstige Features sucht, wird auf dem Sampler-Markt sicherlich auch fündig werden, jedoch ist das Roland-Konzept des SP-555 in Abwägung von Preis und Leistung als absolut gelungen zu bezeichnen. Als kleine Zugabe erhält man zur Zeit von Roland noch eine CD mit einer Sample Library von Überschall mit vielen guten und brauchbaren Sounds, die Lust auf mehr machen.

Fazit
Den Roland SP-555 kann man sowohl dem DJ und Live-Künstler als ultimatives Live-Tool an die Hand geben als auch dem ambitionierten Home-Klangtüftler zur Erstellung eigener Grooves und Klangwelten. Hier lässt sich der SP-555 natürlich auch als Audio-Interface einsetzen. Die Bedienung des Gerätes macht definitiv Lust auf mehr und durch die umfassende Softwareausstattung mit Cakewalk Sonar LE und den Editor-Softwares für Mac und Windows ist diese Sample-Station ein Allrounder in fast allen Umgebungen zu einem sehr fairen Preis. Es lohnt sich auf jeden Fall, den SP-555 einmal anzutesten.

www.rolandmusik.de

UVP: 549 EUR

Roland SP-555

Polyphonie: 12 Stimmen
Sampling-Frequenz: 44,1 kHz
Daten-Format: SP-555 Original-Format (WAV/AIFF Import/Export möglich)
Sampling-Modi: STANDARD, LO-FI
Interner Speicher: Samples: 32 (16 Samples x 2 Bänke) Inkl. vorinstallierter Samples, Patterns: 32 (16 Patterns x 2 Bänke) Inkl. vorinstallierter Patterns
Speicherkarte (CompactFlash) Samples: 128 (16 Samples x 8 Bänke), Patterns: 128 (16 Patterns x 8 Bänke)
Loop Capture Max. Aufnahmezeit: ca. 15 sek.
Pattern-Sequenzer Notenspeicher: Interner Speicher (Inkl. vorinstallierter Samples): ca. 8.000 Noten, Speicherkarte (CompactFlash): ca. 8.000 Noten, Auflösung: 96 Ticks pro Viertelnote, Pattern-Länge: 1 bis 99 Takte, Aufnahmemethode: Realtime Loop Recording (mit Quantisierungs-Funktion)
Effekte: 37 Typen
Signalverarbeitung AD-Wandlung: 24 Bit, DA-Wandlung: 24 Bit
Pads: 16, anschlagsdynamisch
Display: 7 Segmente, 3 Zeichen (LED)
Anschlüsse: LINE IN (L, R) (Cinch), LINE OUT (L, R) (Cinch), Kopfhörer (PHONES) (Stereoklinke), MIC (Klinke / XLR, Hi-Z, Phantomspeisung), Pedal (Klinke), MIDI (IN, OUT), USB (unterstützt USB MIDI und USB Audio), Netzteil,
Abmessungen: 280 (B) x 263,7 (T) x 73,7 (H) mm
Gewicht 1,8 kg (ohne Netzteil)