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„Die zweite Generation“
Der Mackie HR824-Studiomonitor wurden erstmals auf der AES-Convention Ende 1996 vorgestellt, die HR624 präsentierte man im Jahr 2001 als kleinere Variante – zunächst wurden diese Monitore nicht wirklich ernst genommen, ja sogar von vielen anfangs belächelt. Ich persönlich hatte im Jahr 2000 den ersten „ernsthaften“ Kontakt mit den HR824 und war zugegebenermaßen zuerst auch etwas skeptisch, was aber durch eine intensive Arbeit mit dieser Abhöre sehr schnell ins Gegenteil umschlug. Dieser erste Kontakt wurde schnell zu einer „sehr guten Freundschaft“, denn ich konnte mit den HR824 nach kürzester Zeit überaus gut arbeiten (aufnehmen und mischen). Seltsamerweise verfolgten mich diese aktiven Nahfeld-Monitore seit dieser Zeit kontinuierlich durch die verschiedensten Studios – immer wieder traf ich auf die HR-Serie von Mackie. Gerade bei Studio-Monitoren habe ich die definitive Meinung, dass ein und derselbe Monitor in einem Raum perfekt funktionieren und im nächsten Raum komplett untergehen kann. Doch egal, in welchem Regieraum ich mit den HR-Monitoren (hauptsächlich waren es die HR824) gearbeitet habe, egal, ob großer oder kleiner Regieraum, egal, ob 5.1- oder Stereo-Setup, egal, ob Rock- oder Jazz-Produktion, diese Monitore funktionierten irgendwie immer, ich konnte immer gleich „loslegen“, ohne mich vorher auf die Abhöre „einarbeiten“ zu müssen. Natürlich stellten die Mackie HR-Monitore nie eine „State of the art“-Referenz für mich dar – das kann man wohl bei Studiomonitoren dieser Preiskategorie auch nicht erwarten – aber die Hauptsache war und ist, dass ich mit diesen Monitoren immer sehr gut arbeiten konnte, und das ist schon mal sehr viel wert.
Nun ist ca. ein Jahrzehnt vergangen, ohne dass die HR-Serie eine „Frischzellenkur“ erfahren hat – Ähnliches kennt man ja auch z.B. von Genelec – generell besteht ja auch keine Notwendigkeit einer neuen Generation, wenn die „alte“ doch gut funktioniert, nach dem Motto „never change a running system“. Aber für Verbesserungen hat man ja immer ein offenes Ohr. Umso gespannter war ich persönlich, als die Mackie HR624 MK2 unser Studio erreichten, denn dass ich eine nicht allzu kleine Erwartung an die neuen HR-Monitore hatte, sollte nun jedem nach meinen „Lobgesängen“ auf die alte HR-Serie klar sein. Schauen wir also, ob der Zusatz „MK2“ auch wirklich eine positive (hörbare) Weiterentwicklung zu bedeuten hat.
Fakten
Äußerlich kann man erst einmal bemerken, die neuen HR-Monitore sind eine „runde Sache“ geworden – auch hier kann man den Vergleich zu Genelec ziehen – was eckig war, ist runder geworden. Die HR624 MK2 erscheinen von ihrer Formgebung her sehr gefällig, es gibt keine eckigen Kanten mehr. Das „Esche schwarz“-Gehäuse ist Vergangenheit, stattdessen glänzen nun die Seiten sowie Ober- und Unterseite im edlen, schwarzen Klavierlack-Glanzfinish, Vorder- und Rückseite sorgen in mattschwarz für einen entsprechenden optischen Kontrast. Die Monitore haben die Maße 333x219x319mm (HxBxT) und wiegen stolze 10,6kg. Front- und Rückseite wurden aus Aluminium gefertigt, das restliche Gehäuse besteht aus Echtholz – diese Kombination sorgt für eine hohe Gehäusesteifigkeit. Die Frontplatte wurde mit dem Ziel designt, Beugungseffekte so weit wie möglich zu minimieren sowie eine breite und gleichmäßige Abstrahlung zu erhalten. Die HR624 MK2 ist mit einem 6,7“-Woofer (mit 1,25“ Schwingspule) sowie einem 1“ Titanium-Hochtontreiber ausgestattet. Auf der Vorderseite der Box findet sich der Power-Schalter, der von einem Leuchtring eingefasst ist, der neben dem „Power On“-Status auch eventuell auftretende Übersteuerungen signalisiert – des weiteren befindet sich hier ein drehbares Mackie-Logo (je nach Aufstellart – liegend oder stehend – kann das Logo entsprechend ausgerichtet werden).
Sämtliche Anschlüsse und Bedienelemente befinden sich auf der Rückseite. Als Audio-Eingänge stehen XLR, 6,3mm Klinke (beide symmetrisch) sowie Cinch (unsymmetrisch) zur Verfügung – die Anschlüsse befinden sich übrigens von unten senkrecht versenkt, was ich persönlich als etwas unpraktisch empfinde (die Netzbuchse liegt auch hier). Die Eingangsempfindlichkeit kann über ein versenktes Kreuzschrauben-Poti eingestellt werden – der Regelbereich reicht von „Off“ bis +4dBu, wobei die Position für
-10dBV als Mittelstellung markiert ist. Des Weiteren finden sich hier vier Wahlschalter:
- „Acoustic Space“: Hier können die Monitore in ihrem Bass-Verhalten je nach Aufstellungsort kompensiert werden. Zur Verfügung stehen die Positionen „A – Quarter“ (Positionierung der Monitore in einer Ecke – die Bässe werden um 4dB abgesenkt), „B – Half“ (Positionierung der Monitore direkt an einer Wand – die Bässe werden um 2dB abgesenkt) und „C – Whole (Normal)“ (Positionierung der Monitore im Freifeld).
- „Low Freq Filter“: Hier kann ein 80Hz LowCut-Filter aktiviert werden.
- „High Freq Filter“: Hier können die Monitore die Höhen betreffend im Frequenzgang um +/-2dB beeinflusst werden. Die Anhebung bzw. Absenkung wurde als Shelving-Filter realisiert, der ab 10kHz die volle Bearbeitung erreicht hat, jedoch weit vorher (ab ca. 750Hz) mit einer sanften Kurve einsetzt.
- „Power Mode“: Hier kann die Betriebsart des Monitors eingestellt werden (Standby, Auto On, On). Im „Auto On“-Modus schaltet die HR624 MK2 ab einem Eingangspegel von
-74dBu automatisch von „Standby“ in den „On“-Modus. Hier geht es im Prinzip ums „Stromsparen“ – im Standby-Mode verbraucht der Monitor gerade einmal 12 Watt.
Die HR-Monitore arbeiten mit einer Passiv-Membran, die im Inneren auf der Rückseite angebracht ist – dies ist eine durchaus übliche Alternative zum Bassreflex- oder komplett geschlossenen Gehäuse. Mackie verspricht mit diesem Konzept eine verbesserte und erweiterte Tieftonwiedergabe – die untere Frequenz (-3dB) des Übertragungsbereiches der HR624 MK2 ist immerhin mit 45Hz angegeben, was für eine Box mit diesen kompakten Ausmaßen schon erstaunlich weit unten liegt. Die Monitore verfügen über eine magnetische Abschirmung, so dass man sie also auch in unmittelbarer Nachbarschaft zu „Röhrenmonitor-Dinosauriern“ aufstellen könnte.
Der Übertragungsbereich wird von Mackie mit 45Hz-22kHz (-3dB) angegeben, der maximale Schalldruckpegel (pro Paar) mit 115dB(SPL), die Leistung der Woofer-Endstufe mit 100 Watt, die Leistung der Hochtöner-Endstufe mit 40 Watt, die Signal-to-Noise Ratio mind. 93dB und der maximale Eingangspegel mit +20dBu. Die Crossover-Frequenz der internen, aktiven Frequenzweiche liegt bei 3kHz – hier kommt übrigens ein Linkwitz-Riley-Filter zum Einsatz, das mit 24dB/Oktave arbeitet. Als Schutzschaltung verfügen diese aktiven Nahfeldmonitore selbstverständlich über einen Überhitzungsschutz („Thermo-Protection“). Der Vollständigkeit halber soll hier noch erwähnt sein, dass die HR624 MK2 über eine THX PM3 Zertifizierung verfügen – was (meiner Meinung nach) eher ein gutes Verkaufsargument für Händler als ein Qualitätsmerkmal ist.
Praxis
Ich war von Anfang an erleichtert, dass man es bei der MK2-Version der HR-Monitore nicht mit einem komplett neuen bzw. anders klingenden Monitor zu tun hat. Der Charakter der „alten“ HR-Serie wurde generell beibehalten – hier gab es ja auch, wie anfangs bereits erwähnt, keine Notwendigkeit, alles komplett anders zu gestalten. Die nächste Erleichterung stellte sich bei mir ein, als ich tatsächliche Verbesserungen gegenüber dem Vorgänger-Modell erkennen konnte. Eine echte Verbesserung ist z.B. die räumliche Abbildung – man kann einzelne Signale besser orten, Räume erscheinen plastischer und der gesamte Sound hat mehr Tiefe als vorher. Im Bassbereich wird nun auch definitiv mehr geboten, wenngleich dieser Bereich etwas weicher erscheint als beim Vorgänger – was aber nicht heißen soll, dass es in den tiefen „matscht“, vielleicht wäre „wärmer“ auch der passendere Begriff. In den Mitten hat sich keine großartige Veränderung eingestellt, man erhält immer noch eine gute Auflösung dieses kritischen Frequenzbereiches, so dass man einzelne Signale oder Signalanteile auch in einem komplexen Mix gut nachvollziehen und trennen kann. Die Höhen klingen etwas feiner und edler, wodurch der Gesamtsound auch etwas luftiger nach oben wirkt. Alles in allem ist der Gesamtsound der HR624 MK2 sehr ausgeglichen, die einzelnen Frequenzbereiche greifen gut ineinander über. In Sachen Dynamik verdient sich dieser Monitor ebenfalls gute Noten – man könnte sagen, dass er den Eingangssignalen aufs Wort folgt.
Abschließend kann ich mit gutem Gewissen behaupten, dass die neuen HR624 MK2 ein Fortschritt in die richtige Richtung sind – ich kann den „Neuen“ tatsächliche Verbesserungen attestieren, die auch weit über Optik hinaus gehen.
Fazit
Mackie ist mit der HR624 MK2 eine tatsächliche Verbesserung zum Vorgängermodell gelungen. Man erhält einen aktiven Nahfeldmonitor, mit dem man absolut professionell arbeiten kann. Natürlich sind gerade Monitore immer Geschmacksache, aber ich kann nur empfehlen, sich diese Abhöre einmal zu Gemüte zu führen. Das Preis/Leistungsverhältnis ist auf alle Fälle mehr als fair.
www.mackie.com
UVP: ca. 560 EUR (pro Stück)
Mackie HR624 MK2
- Tief/Mittelton-Lautsprecher: 6,7“-Woofer
- Hochtöner: 1“ Titanium-Treiber
- Übertragungsbereich: 45Hz-22kHz (-3dB)
- Maximaler Schalldruckpegel (pro Paar): 115dB(SPL)
- Leistung der Woofer-Endstufe: 100 Watt
- Leistung der Hochtöner-Endstufe: 40 Watt
- Signal-to-Noise Ratio: mind. 93dB
- Maximaler Eingangspegel: +20dBu
- Crossover-Frequenz: 3kHz |