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„Aus drei mach eins“

Die in den letzten Jahren gestiegene Leistungsfähigkeit nativer DAW-Systeme (Digital Audio Workstation) verlagerte immer mehr Teile des Produktionsprozesses in den Computer. Eine Anforderung an die Programme ist es heute, diese Flut von Aufgaben für den Anwender transparent und einfach zu gestalten, Anforderung an die Hardware, dies zu unterstützen. Total Recall ist gewiss eine feine Sache, doch nicht zu unrecht nutzen viele Toningenieure gerne eine analoge Bearbeitung vor der Aufnahme und kaufen teure Analog-Summierer. Selbst ein kleines Heimstudio kommt um den Erwerb eines ordentlichen Audio-Interfaces nicht herum. Und eine Hardware, die die Steuerung wichtiger Programmfunktionen mit "echten" Reglern und Tastern und möglichst von Monitorfunktionen ermöglicht, ist ebenfalls eine sehr sinnvolle Anschaffung. Yamaha´s N12 vereint alle diese Möglichkeiten in einem Gerät.

Konzept
Audio-Interface, Mischpult, Controller, Abhöreinheit, eventuell Channelstrips, externe Effektgeräte, Analog-Summierer, Kopfhörerverstärker... die Überschrift für diesen Artikel hätte demnach auch "Aus x mach eins" lauten können. Die Vorteile dieser Verschmelzung liegen auf der Hand: Ein Gerät für viele Aufgaben, das bedeutet geringere Stellfläche, weniger Kabel, geringere Probleme mit Inkompatibilitäten, weniger unterschiedliche Bedienkonzepte und Bezeichnungen und - sicher eines der Hauptargumente - ein günstigerer Preis, als wenn man alles einzeln kauft. Auf der anderen Seite gilt es zu bedenken, dass man beim Kauf nicht mehr so flexibel ist, also teilweise Funktionen "mit kauft", die man für die eigene Arbeitsweise nicht benötigt oder im umgekehrten Fall auf Spezialfunktionen (die vielleicht nur ein Hersteller anbietet) verzichten muss. An den Supportfall möchte man gar nicht erst denken, denn ein solcher Umstand bedeutete, dass die ganzen zusammengelegten Funktionen in einem grauen Karton auf dem Weg zurück zum Hersteller gingen und bis auf Lautsprecher und Computer eine leere Workstation zurückbliebe. Als Beruhigung sei gesagt: Auf dem N12 steht "Yamaha" drauf, was soweit ich weiß das japanische Wort für "Qualitätsarbeit" ist.

Anschluss- und Routingmöglichkeiten

Yamaha hat mit dem N12 nicht einfach ein vorhandenes Mischpult aus dem Regal gezogen und die zusätzlichen Funktionen eingebaut. Es ist eine vollständige Neuentwicklung, denn nur so können diese Aufgabenbereiche ineinander greifen und die viel beschworenen Synergieeffekte auftreten. Dadurch sind einfache und sinnvolle Bedienelemente wie der "Input Select" in jedem Kanal möglich: Dieser entscheidet, ob das Line- bzw. Mikrofonsignal oder der Output gleicher Nummer durch den analogen Kanalzug mit EQ, Kompressor, Fader und Routing geschickt wird. Die Abteilung "Control Room" ist genau so, wie sie sich jeder Anwender wünscht. In der Mitte prangt ein griffiges „Control Room Level“-Poti, in Reichweite Mute, Dim (Absenkung) und Talkbacktaste (aktiviert Dim und ist regelbar). Auch ein externer 2-Track-Recorder kann angeschlossen werden, vielleicht ist dies auch "nur" die Stereoanlage, um über die Monitore Musik hören zu können, ohne Kanalzüge dafür zu belegen. Als weitere Quellen lassen sich "Stereo" (die Analogsektion des Pultes), der "Aux"-Mix (für die Kopfhörermischung), DAW (Software-Output) und "5.1", also Surround (!) anwählen. Selbst an regelbare Bus-Übertragungen wurde gedacht: "DAW to Aux" und "DAW to Stereo" gibt es genauso wie "2TR to Stereo". Als Speaker können entweder drei unterschiedliche Pärchen oder ein 5.1-Surround-Setup genutzt werden. Wirklich perfekt macht diese Sektion noch die Tatsache, dass es zwei getrennt arbeitende Kopfhörerverstärker gibt: "Control Room" für den Ingenieur und "Aux" für den Musiker.
Die Kanalzüge verfügen über kleine LED-Meterketten (sehr sinnvoll!), lassen sich mit einem Schalter auf den Stereo-Bus routen und entweder Pre- oder Post-Fader Solo abhören. Leider gibt es keinen Post-Fader Aux-Abgriff, der einzige Aux liegt fest vor dem Channelfader, was für unabhängige Kopfhörermischungen zwar notwendig ist, aber den Einsatz externer Effektgeräte erschwert. Jedoch ist in das N12 ein Reverb eingebaut, welches zwar nur in wenigen Parametern verändert werden kann, aber durchaus ordentliche Qualität liefert und nicht nur als "Dreingabe" verstanden werden kann.
Die acht Mono-Inputs verfügen über vollwertige und qualitativ hochwertige Mikrofonvorverstärker. In Blöcken zu je vier Inputs lässt sich eine 48V-Phantomspeisung nutzen, alle Inputs verfügen über Insert, Pad und ein Hochpassfilter, dessen Grenzfrequenz bei 80 Hz liegt. Eingang 8 bietet statt Phaseninvertierung einen Hochimpedanzschalter, womit E-Gitarren und E-Bässe direkt eingespielt werden können - sehr praktisch. Die in den Mono-Kanalzügen eingesetzten "Sweet Spot"-Kompressoren werden mit nur zwei Reglern bedient ("Morphing" und "Drive"), die kombinierte Parameter steuern. Ich hatte meine Bedenken, aber es klappt erstaunlich gut! Die Software, mit der sich die Kompressoren vom Rechner aus bearbeiten lassen, wird jedoch den ein oder anderen enttäuschen: Hier lassen sich nicht wie vielleicht vermutet übliche Parameter wie Attack, Release, Peak/RMS, Knee und dergleichen einstellen, sondern lediglich andere Charakteristika in das N12 laden. Auch ein Stereo-Link ist mit der Software nicht möglich.
Über die Flexibilität von Fußschalter-Anschlüssen und die beiden MIDI-Buchsen freut sich sicher jeder. Die Anschlussmöglichkeiten des N12 wären perfekt, gäbe es auch hier die Mittlerweile zum Standard gehörende Consumer-S/PDIF-Schnittstelle oder gar eine mehrkanalige ADAT- oder die professionelle AES/EBU-Digital-Schnittstelle.

Einbindung
Die Installation des Gerätes ist denkbar einfach. Angenehm und verständlich sind die Anleitungen, problemlos der Betrieb. Dies gilt in erster Linie für die Audiofunktionen, denn möchte man das gesamte Potential des N12 nutzen, muss es mit Cubase betrieben werden. Einige Funktionen sind für diesen Sequencer maßgeschneidert, andere Programme werden eher stiefmütterlich behandelt. „Record Ready“ in den Kanalzügen wäre ein Beispiel. Dies wäre sicher ohne größere Probleme möglich, z.B. mit Schablonen und Patches oder zumindest mit der Offenlegung der Anbindung den Nutzern der vielen anderen Sequencer einfacher zu machen. Wegen einer Hardware wird wohl niemand seinen Sequencer wechseln. Fairerweise muss dazu gesagt werden, dass Yamaha mit dieser Art von Produktpolitik weiß Gott nicht alleine dasteht: Sie ist heute leider oft Usus. Glücklicherweise funktionieren mit allen Programmen die Hauptfunktionen, so etwa das Transportfeld.
Nutzt man hingegen Cubase, ist Yamaha´s N12 eine Offenbarung. Anders kann es nicht gesagt werden. Das ergonomische Konzept ist dem Standard-Workflow hervorragend angepasst, sämtliche Funktionen sind sinnvoll und hilfreich.

Fazit
Das Konzept des N12 erschließt sich dem Ein- oder Umsteiger sicher nicht auf Anhieb. Schließlich ist diese Gerätegattung neu und recht komplex. Die kurze Einarbeitung lohnt sich jedoch, und wer erfahrener ist, kann sich viel Erkundungsarbeit durch einen Blick in das Blockschaltbild ersparen. Die eingangs beschriebenen Synergieeffekte durch die Funktions-Union treten definitiv auf, gemeinsam mit den sehr guten Audiowerten und dem schlüssigen Bedienkonzept ergibt sich ein positives, für Cubase-User sogar sehr positives Bild des N12. Yamaha schafft es, Kunden mit unterschiedlichen Anforderungen ein durchdachtes und ausgereiftes Produkt zu einem wirklich fairen Preis anzubieten.


www.yamaha.de
UVP: 1.199 EUR


Yamaha N12

- Digital Mixing Studio
- FireWire (mLan)
- acht Mic/Line Inputs
- zwei Stereo-Channels
- DAW-Steuerung (Cubase Ready)
- Controlroom-Sektion
- acht Kompressoren, Reverb
- durchdachtes und flexibles Routing