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"Das Volks-Drumkit"
"V-Drums” - bei dieser Bezeichnung denkt der informierte Schlagzeuger direkt an sehr, sehr gute, aber leider auch ziemlich kostspielige E-Drumkits aus dem Hause Roland. Das HD-1 ins Rennen geschickt, um dem "ziemlich kostspielig" etwas entgegenzusetzen und E-Drums in „weihnachtsgeschenktaugliche“ Preisregionen zu befördern. Und dass "nicht teuer", nicht zwangsweise "nicht gut" bedeuten muss, das beweist das vorliegende V-Drums Kit HD-1.
Gesamtkonzept und Aufbau
Beim HD-1 handelt es sich um mehr als ein abgespecktes Kit, vielmehr handelt es sich um ein äußerst durchdachtes Produkt mit stimmigem Konzept. So erhält der Käufer eine vielsprachige DVD, die ihm den Aufbau erleichtert und ihm Grundlagen des Schlagzeugspiels vermittelt. Des Weiteren lassen sich auf der Internetseite Übungsvideos ansehen und Playalong-Songs herunterladen. Es gibt dort sogar einen "Room Layout Simulator", mit der man sein Zimmer mit allen Möbeln virtuell nachbilden kann, um auszuprobieren, in welche Ecke das HD-1 am besten passt (kein Witz!).
Das Kit kommt in einem(!) großen Karton, der aber dennoch in ein Auto passt und auch alleine bewegt werden kann. Schon beim Öffnen erlangt man die Gewissheit, dass bei diesem Produkt Menschen zugange waren, die mitdenken können: Es gibt auf dem Karton eine Anleitung, wie man das Set wieder verpacken kann! Natürlich gibt es eine sehr detaillierte Aufbauanleitung für das Set, doch diese ist auch als Video auf der DVD. Schritt für Schritt wird dort wirklich alles genau erklärt. Die Toms sind vormontiert, der Schlagzeuger muss nur noch die restlichen Pads anbringen, die dort bereitliegenden Kabel einstecken und kann loslegen. Das Set ist auch von unerfahrenen Usern sicher in zehn Minuten aufgebaut - während andere noch auspacken, wird unterm Weihnachtsbaum vielleicht schon getrommelt.
Auf der DVD gibt Schlagzeuger Johnny Rabb eine methodisch wirklich gelungene Anleitung für Anfänger. Der Schlagzeuger in der Totalen, beide Füße, Schlagzeugnotation mit "mitlaufender" Position und visualisierte Anschläge auf einer HD-1-Skizze werden simultan gezeigt.
Hardware und Pads
Wie ein akustisches Standard-Schlagzeug verfügt auch das HD-1 über eine Snare, drei Toms, Bassdrum, Hi-Hat und zwei Becken. Das Set ist somit zwar vollständig, kann aber auch nicht erweitert werden. Auch die Verstellmöglichkeiten beschränken sich auf das Wesentliche: Das Angleichen des Sets an die Körpergröße des Spielers. Ob Kind oder großer Erwachsener, jeder findet seine optimale Spielposition. Die Festlegung des Aufbaus hat durchaus didaktische Gründe, was vor allem Anfänger vor Fehlhaltungen bewahrt. Jeder Nutzer sollte vor dieser Meldung den Hut ziehen: Sämtliche Kabel des Kits werden in den Rohren verlegt. Kein Kabelsalat! Hurra!
Anders als bei den ganz großen E-Drumkits wird hier keine Bassdrum-Maschine mit Pad eingesetzt, sondern ein Schaltpedal, welches aber erstaunlich gut läuft und sogar einen konkreten Druckpunkt aufweist. Selbst sonst häufig kritische schnelle Doppelschläge sind damit möglich. Das Pedal der Hi-Hat ist mit dem der Bassdrum identisch. Anstelle zweier Hi-Hat-Becken, die mit der üblichen Stange bewegt werden, kommt hier ein normales Beckenpad zum Einsatz. Verständlich, denn "richtige" E-Hi-Hats kosten beinahe so viel wie das gesamte HD-1. Und das Spielgefühl dieser Hi-Hat ist hervorragend!
Die Snare verfügt als einziges Pad über die Triggertechnik mit Gewebefell. Nun, dies ist schließlich die Haupttrommel, auf der am ehesten gepresste oder gefederte Schläge gemacht werden. Als seinerzeit die Mesh-Heads auf der Musikmesse vorgestellt wurden, war es interessant, in die erstaunten Gesichter der Trommler zu schauen, die das erste Mal auf derartige Triggerflächen geschlagen haben ("Das spielt sich ja wirklich wie ein richtiges Fell!"). Und so auch beim HD-1: Die Response ist absolut authentisch! Wirbel, ja selbst die leisesten Schläge, die nur durch Fallenlassen des Stockes aus geringer Höhe erzielt werden ("Ghostnotes"), werden gut umgesetzt. Zusätzlich zum Haupt-Trigger besitzt das Snare-Pad einen Trigger für das Rim, also den Spannreifen. Mit ihm lassen sich Side-Stick-Sounds oder Rim-Shots erzeugen.
In den letzten Jahren hat sich auch bei den herkömmlichen Pads bezüglich der Sensibilität und des Spielgefühls viel getan. Die drei Tom-Pads verfügen über eine angenehm und präzise spielbare Gummi-Triggerfläche. Auch die drei identischen Spielflächen für Crash-, Ride- und Hi-Hat-Becken lassen sich gut spielen. Hier gibt es zwar keine separaten Triggerflächen für Bell, Schulter und Rand, doch lassen sich die entsprechenden Sounds durch die Anschlagstärke umschalten.
Das Drum-Modul
Als Herzstück verdient das mitgelieferte Modul genauere Betrachtung. Hier werden die Signale der Pads in tatsächliche Drumsounds konvertiert. Wichtig: Das Modul ist sehr einfach zu bedienen, und dies gilt für sämtliche Funktionen. Der Nutzer hat die Wahl zwischen zehn verschiedenen Drumsets. Darunter befinden sich verschiedene akustische Drumsets, unter anderem ein Double-Bass-Kit. Auch "exotische" Kits mit Vocal- oder Outer-Space-Samples finden sich darunter, die jedoch weder „albern“ wirken oder sich schnell abnutzen. Die Qualität der Samples ist so, wie man es von einem echten Roland V-Drum erwartet: Grandios! Auch die sonst so kritischen Release-Phasen sind sauber und lang. Vor allem der so wichtige Snare-Sound kann sehr gut überzeugen. Snare-Rolls und -Flams werden sehr gut umgesetzt. Man merkt sofort, dass Roland nicht am falschen Ende gespart hat (z.B. bei den Wandlern). Möchte der User die Soundmöglichkeiten nutzen, die Soft- oder Hardware bietet, kommt der MIDI-Out zum Einsatz: Über diesen Port lassen sich die Steuerdaten der Pads ausgeben. Auch die Möglichkeit der Aufzeichnung in einem Sequencerprogramm mit vollständiger nachträglicher Bearbeitung wird damit eröffnet. Für das Üben unerlässlich sind das selbsterklärende Metronom und die Anschlussmöglichkeit für externe Quellen. Dem Playalong zu den Lieblingssongs oder zu Übungsmaterial steht damit nichts mehr im Wege. Ob über Kopfhörer oder die Stereoanlage gehört wird, entscheidet der User. Es gibt allerdings noch eine weitere Möglichkeit, die Zubehörsets.
Zubehörsets
Der PM-01 ist ein preisgünstiger Bassreflex-Monitor, welcher im Idealfall unter die Snare gestellt wird. Dadurch erklingen die meisten Sounds auch ortungstreu. Auch das gehört zu jedem Schlagzeug: Passend zur Standgröße des HD-1 gibt es einen ordentlichen Drum-Teppich TDM-1. Das Zubehörkit DAP-1 beinhaltet Kabel, Kopfhörer, Schlagzeughocker und Sticks.
Fazit
Das V-Drums Lite HD-1 hinterlässt einen wirklich guten Eindruck. Es ist ein "rundes" Produkt, von der Aufbauanleitung, über die Verarbeitungsqualität bis hin zur multimedialen Unterstützung für Anfänger. Dadurch ist es eine uneingeschränkte Empfehlung für Anfänger, die in den eigenen vier Wänden üben möchten, trotzdem aber keinen Nachbarschaftsstreit vom Zaun brechen wollen. Sicher: Es gibt noch preiswertere Kits, aber der geringere Preis zollt dann seinen Tribut. Roland gelingt die Gratwanderung, ein preiswertes und qualitativ hochwertiges Set anzubieten.
Auch als Heimset für Besitzer eines akustischen Schlagzeugs ist das HD-1 nicht zuletzt aufgrund des geringen Platzverbrauchs und des günstigen Preises eine Überlegung wert. E-Gitarristen und Keyboarder können meist zuhause üben, aber die meisten Trommler scheuen sich davor, alleine in unbeheizten, oft weit entfernten Proberäumen vor sich hin zu spielen.
UVPs:
V-Drums Lite HD-1: 789 EUR
PM-01 Monitor: 115 EUR
TDM-1 Drum Teppich: 71 EUR
DAP-1 Zubehör-Kit: 84 EUR
www.hd-1.rolandmusik.de
Roland V-Drums Lite HD-1
- vollständiges, kompaktes E-Drumkit
- Gewebefell-Snarepad
- drei Tompads
- drei Beckenpads
- Soundmodul mit zehn Drumkits
- Begleit-DVD |