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Neuer Stern in der Mittelklasse
Mit dem PSR-S900 schickt Yamaha ein neues Keyboard ins Rennen, das in der Mittelklasse einen neuen Standard setzen soll, sind doch viele Features aus der Oberklasse neben einigen neuen Ausstattungsmerkmalen in dieses Gerät eingeflossen. Schon auf der diesjährigen Musikmesse konnte man sich während der Vorführungen einen ersten Klangeindruck verschaffen, wir wollen sehen, ob sich die sehr guten ersten Eindrücke in diesem Test bestätigen lassen.
Aufbau
Die elegante und schlichte Erscheinung des S900 erinnert spontan an den Tyros. Viele der Bedienelemente und das große Farbdisplay mit den umrahmenden Tastern werden den Yamaha-erfahrenen User vor keinerlei Probleme stellen und einen sofortigen Einstieg in das Gerät ermöglichen. Schon beim Tyros gefiel mir die große Anzahl an Tastern und Gruppen, die in Styles und Instrumenten-Kategorien eingeteilt sind. So ist bei der Suche nach Styles und Instrumentenklängen ein schnelles Navigieren in den Menus sichergestellt, und dies stellt einen großen Spaßfaktor im Umgang mit dem Keyboard sicher, ist doch nichts ärgerlicher, als sich in den Menus eines solch umfangreichen Instruments zu verirren. Denn zu bieten hat der S900 eine Menge. Die technischen Spezifikationen stellen sich wie folgt dar:
Der S900 verfügt über eine 128-fache Polyphonie und stellt mit dieser insgesamt 891 Klänge im bewährten „AWM Stereo-Sampling“ zur Verfügung, die wie folgt eingeteilt sind (u.a. in die Yamaha-typischen Kürzel inklusive Ausrufungszeichen):
480 XG-Voices und 19 Drum- und Effekt-Kits sowie 392 Voices darunter 26 Cool! Voices, 20 Live! Voices, 15 Mega! Voices, 22 Sweet! Voices und schlussendlich 23 Super Articulation Voices. Dies ist ein gewaltiges Klangpotential, das zusammen mit den insgesamt 305 Styles ein für diese Instrumentenklasse außergewöhnliches Klangerlebnis entfaltet. Ähnlich zum Tyros kann man für jeden Style vier OTS (One Touch Settings) abrufen, die auch mittels der „OTS-Link“-Taste zu den vier Variationen des jeweiligen Styles synchronisiert werden können und so ein variationsreiches Spiel ermöglichen.
An aktuellen Features stellt der S900 einen Internetanschluss via LAN-Port über Ethernet oder USB bereit, der den S900 völlig stressfrei Kontakt mit der Yamaha-Website aufnehmen lässt, um hier neue Styles, Klänge oder Songs nachzuladen sowie eine Audiorecording-Funktion bereitstellt, die ebenso einfach wie genial Audioaufnahmen beispielsweise auf einen USB-Stick möglich macht. Über den Mikrofonanschluss inklusive „Vocal Harmony“-Funktion sind Karaokeaufführungen möglich, die über die Textfunktion im Display oder den Video-Out-Anschluss für einen Fernseher unterstützt werden.
Mit einer Verstärkung von 2x 12 Watt wird der Klang des S900 druckvoll und sehr ausgewogen ans Ohr gebracht, das anschlagsdynamische 61 Tasten Keyboard scheint auch vom Tyros abzustammen und lässt sich sehr angenehm und präzise spielen. Der S900 stellt für die Verbindung mit der Außenwelt folgende Anschlüsse bereit: Neben den Audioausgängen (L, R, L+R) und dem Kopfhöreranschluss vorn gibt es auch Aux-Eingänge (L und R) und einen Mikrofonanschluss. Die MIDI In/Out-Buchsen und die „USB to Host“- und „USB to Device“-Anschlüsse sorgen neben der Ethernet-Buchse für die Verbindung zu Instrumenten-Controllern, Massenspeichern und Computern. Zwei Pedalanschlüsse und die Video-Out-Buchse runden das Bild ab. So ist der S900 für fast alle Anwendungen gerüstet und kann mit einem Gewicht von 11,5 kg auch gut transportiert werden.
Handling und musikalische Einsatzmöglichkeiten
Die Auswahl der musikalischen Styles erfolgt auf der rechten Seite des Instruments, die Styles sind nach musikalischen Kriterien in 12 Gruppen eingeteilt - von Pop/Rock, über Swing & Jazz und Latin, bis Movie & Show und World Music. Auch eine User-Gruppe zur Kreation eigener rhythmischer Gewächse fehlt nicht. Darunter liegt die Abteilung „Style Control“ mit Tastern für drei Intros und drei Endings sowie die vier Variationen jedes Styles. Die „Start/Stop“- und „Sync Start/Stop“-Tasten liegen hier direkt unter den Tasten für „Tempo“, „Metronome“ und der „Tap Tempo“-Taste, um ein Tempo manuell durch Anzählen einzugeben. Die „Transpose“-Tasten zur schnellen Transponierung der Tonart sind hier ebenfalls zu finden. Die Einstellung der Instrumentenklänge findet sich auf der rechten Seite mit der Einteilung in 16 Taster und Instrumentengruppen. Auch hier findet man eine musikalisch sinnvolle Anordnung der wichtigsten Instrumentengattungen. Darunter die Bearbeitungsfunktionen dieser Instrumente mit Tastern für „Harmony/Echo“, „Touch“, „Sustain“, „Mono“, „DSP“ und „DSP Variation“. Ganz wichtig: Links befinden sich zwei Taster für die Transponierung der Klänge in Oktavschritten nach oben und unten. Die braucht man während des Spiels immer mal, denn naturgemäß ist beim Einsatz der Begleitautomatik der Platz für das Solospiel nicht mehr so riesig auf der Tastatur. Über den vier Tastern für das „One Touch Setting“ liegen die Taster für „Part On/Off“ und „Part Select“: Damit lassen sich für die rechte Tastaturseite zwei verschiedene Klänge ein- und ausschalten und auch getrennt während des Spiels mit „Select“ umschalten und erlauben so variable Dual-Klänge. Das Gleiche ist für die linke Hand zusätzlich zur Automatikbegleitung vorhanden, hier jedoch nur in einer Funktion. Vier „Multipad“-Schalter für Zusatzinstrumente und acht Registrierungstaster liegen in der Mitte des S900. Nach Aufruf einer Style- oder Instrumentengruppe findet die weitere Auswahl im großen Farbdisplay des S900 statt. Alle wichtigen Informationen wie Name oder Charakteristik eines Klanges oder Styles, das Tempo oder seine Programmiergruppe (Sweet!, Live! oder Super Articulation) lassen sich hier ablesen und über die 10 seitlichen Taster „A“ bis „J“ direkt anwählen. Im Gesamtüberblick hat man absolute Kontrolle über das Geschehen im Gerät und kann über die unterhalb des Displays angebrachten „+/-"-Taster auch die Lautstärkebalance der verschiedenen Abteilungen über die Fader im Display einstellen, als da sind: „Song“, „Style“, „Multipad“, „Mikrofon“, „Linke Hand“, „Rechte Hand 1“ und „Rechte Hand 2“. Zusätzlich kann man über die Taster „Part Mixing Control“ und „Part Channel On/Off“ noch in die Balance der einzelnen Stylekomponenten wie Drums oder Bass eingreifen bzw. einzelne Komponenten ganz ausschalten, falls man beispielsweise mal mit einem echten Bassisten spielen möchte. Das Handling in diesem gesamten Bereich ist vorbildlich gelöst und auch für Anfänger nach kurzer Zeit quasi selbsterklärend. Neben der „Function“-Taste, die den Zugang zu den Grundfunktionen und den tiefergehenden Eingriffen in die Programmierung ermöglicht, liegen zwei Taster, die zu zwei neuen Features führen: USB und Internet. Der Druck auf die Taste Internet lässt den S900 bei angeschlossenem Ethernet-Kabel an das häusliche Netzwerk vollautomatisch die „Seite des Herrn“ suchen, in diesem Fall natürlich die Yamaha-Website. Und hier lässt sich einfach navigieren und Inhalte von Styles und Sounds, bis zu kompletten Songs vorhören und herunterladen. Das Ganze funktioniert also auch ohne Computer und ist auch für Internet- und Computer-Unerfahrene problemlos zu realisieren.
Die andere Neuerung versteckt sich hinter dem Taster USB: Neben der Möglichkeit des Ladens und Sicherns von Styles oder Songs, also eigentlich des kompletten Contents des S900, gibt es auch den Taster „Audiorecording“: Nach Druck auf diese Taste lässt sich auf einen handelsüblichen USB-Stick das gesamte Spiel auf dem S900, auch Gesang mit angeschlossenem Mikrofon, aufzeichnen und als WAV-File auf dem USB-Stick ablegen und von hier aus auf eine CD brennen oder als MP3-File über das Internet übertragen oder auf einem MP3-Player ablegen. Und das Beste ist sicherlich, dass das Ganze ohne Formatierungsprobeme, ohne Einstellung der Aussteuerung oder ähnlichem auf Anhieb funktioniert. Hier sehe ich viele Nutzungsmöglichkeiten, von der Kontrolle des eigenen Spiels oder im Schulungsbereich, bis zur Erstellung des eigenen Songs und der Präsentation bei der Freundin auf CD.
Klang und Fazit
Der Klang des S900 wird allen, die den Tyros schon einmal gehört haben, bekannt vorkommen - ein klares und druckvolles Klangbild, das sowohl bei modernen Styles als auch bei ruhigen Pop-Ballads oder Big Band Styles sehr gut rüberkommt. Im „Musicfinder“ lässt sich wunderbar nach Styles und passenden Sounds stöbern, viele Styles sind nach einem konkreten Titel arrangiert und deren Umsetzung ist musikalisch durch die Bank hervorragend gelungen.
Die Einzelklänge sind hervorragend programmiert und geben den Charakter und die Eigenheiten des Originals perfekt wieder. Hier noch ein Tipp am Rande: Ich beobachte bei den Keyboardspielern oft als bevorzugte Spielweise das Spiel ohne Anschlagsdynamik in der rechten Hand. Dies hat man naturgemäß im Unterricht von Beginn an so gelernt, hat jedoch den Nachteil, dass viele Sounds ihr eigentliches Potential nicht entfalten können. Speziell die „Super Articulation“-Sounds beziehen ihren Charme durch die Änderungen in der Artikualtion und die kleinen Nebengeräusche, die allesamt durch die Programmierung über die Anschlagsdynamik und die Spielweise entstehen. Meist lässt sich durch die Einstellung der Touchfunktion im Function-Menu ein guter Kompromiss erreichen, der die Klänge in ihrer ganzen Schönheit erklingen lässt und den Spieler trotzdem nicht überfordert. Die Styles haben durch die neuen Programmierungen gerade im Pop/Rock noch einmal eine Steigerung erfahren, so dass der S900 eigentlich in allen Umgebungen eine gute Figur macht.
Wem ist der S900 zu empfehlen?
Eigentlich allen ambitionierten und fortgeschrittenen Spielern, die höchste Anforderungen an die Authentizität der Styles und Sounds stellen. Dies macht ihn auch für den Einsatz an den Schulen interessant, wenn ein Gerät mit hervorragenden Sounds auch für Aufführungen und die Erstellung von Playbacks auf CD und Computer gesucht wird. Nicht zuletzt wird es auch User geben, die den S900 einem Tyros vorziehen, weil er durch geschicktes Abspecken von verschiedenen Zugriffsmöglichkeiten einfacher und direkter zu bedienen ist und trotzdem noch die Klangfülle dieses Instruments bieten kann. Ich sage dem S900 eine große Zukunft und Akzeptanz auf dem Markt voraus, und jeder Interessierte sollte das Instrument einmal einer genauen, eigenen Spielprobe unterziehen.
UVP: 1.849 EUR
www.yamaha.de
Yamaha PSR-S900
- 61 Tasten mit Anschlagdynamik
- 891 Klangfarben inkl. XG, 15 Mega! Voices und 23 Super Articulation Voices
- 128-fache Polyphonie
- 305 Styles inkl. 4 Variationen, 3 Intros, 3 Endings, 1 Break
- 4 One Touch Settings pro Style
- Farb-Display für Noten und Songtexte
- Music Finder
- Flash ROM Speicher
- 8 Registrationsspeicher pro Bank
- Digital Effekte: 34 Reverb-, 29 Chorus-Typen; 4 DSP-Blöcke
- Pitch Bend- und Modulations-Rad
- Internet Direct Connection
- Eingebauter Netzwerk-Anschluss (LAN-Port)
- Text-Viewer
- Video Out
- Mic-Anschluss und Vocal Harmony
- USB-Audio Recorder
- 2 Wege Bassreflex Lautsprecher-System mit 2x 12 Watt
- Abmessungen [B x T x H]: 100,3 x 43,3 x 14,8 cm
- Gewicht: 11,5 kg |