Xound: Ihr seid gerade in der Vorbereitung eures zweiten Albums. Wie kam es dazu, dass ihr nun bei der Studio /Produzenten-Suche eure Fühler in Richtung USA ausgestreckt habt?
Lucky: Wir sind schon von Beginn an stets sehr umtriebig gewesen und haben uns mit unserem Material immer und überall beworben. Für uns war es wichtig, zu Leuten Kontakt zu knüpfen, die in der Musikindustrie unterwegs sind. Es gehörte zu den berühmten Lorbeeren, die man irgendwann mal nach dieser Arbeit erntet, als sich Tony Bongiovi Montags abends im Oktober 2008 auf meinem Handy gemeldet hat und sagte: „Hallo, ich bin Tony Bongiovi aus Amerika. Du hast mir etwas zugeschickt, mir gefällt das und ich möchte, dass ihr nach Amerika kommt, um eine Vorproduktion mit uns zu machen.“
Xound: Habt ihr euer Material einfach so dort hin geschickt, oder gab es bereits vorher Kontakte?
Lucky: Es gab bereits Kontakte, die sich über Monate entwickelt haben. Auch wenn er keine konkrete Vorstellung davon hatte, wusste er schon, dass da was kommen würde. Er wusste lediglich, dass es da eine Band gibt, die es wissen will und die etwas Besonderes hat: nämlich eine Bouzuki in der Rockmusik. Das hat ihn wohl neugierig gemacht und sein Interesse geweckt. Zum Glück hat ihm das Material auch noch gefallen.
Xound: Wie kam es konkret zu Tony‘s Einladung?
Lucky: Er hat mir in diesem Telefonat gesagt: „mir gefällt das, was ihr macht, das ist unique, das gibt es in dieser Form nicht.“
Er erzählte mir zunächst, dass er ein Produzent ist, der genau das sucht: nämlich innovative Bands - das hat auch seine Vergangenheit z.B. mit den Ramones gezeigt. Als er angefangen hat diese Band zu produzieren, wollte sie niemand haben, weil sie so schlecht waren. Er liebte aber die Authentizität dieser Band, er fand es gut, dass sie so viele Ecken und Kanten hatten. So hat sich alles entwickelt und später wurde es ein Welterfolg. Es gibt weitere Beispiele in seiner Karriere und das hat er mir alles erklärt. Tony sagte dann: „lange Rede , kurzer Sinn, ihr müsst hier hin kommen.“ Er schlug mir eine Woche im Dezember 08 vor, ich sollte die Termine mit der Band klären und er würde gerne mit uns drei Songs vorproduzieren. Das Produkt gefiel ihm, er wollte damit sehen, ob die Chemie zwischen Produzent und Band stimmt und ob wir als Band leistungsfähig sind. So kam der Termin zu Stande und wir sind rüber geflogen.
Xound: Wie ging das mit eurem Equipment?
Lucky: Wir haben einen kleinen Teil unseres Equipments mitgenommen, Gitarren, Bässe, Bouzuki oder eine Fußmaschine - alles was so ohne Probleme machbar war. Wir haben allerdings vorab eine Aufstellung geschickt, was wir brauchen. Als wir ankamen, stand alles bereit.
Xound: Wie viele Titel habt ihr produziert?
Lucky: Wir haben bereits vorher eine Vorproduktion von fünf Songs hier in Christoph‘s eigenem Studio gemacht. Diese Songs hat Tony mit seinem Team gehört und davon drei Titel ausgewählt. Das Ziel war, mindestens zwei Titel fertig zu machen.
Janni: Tony Bongiovi sagte mir später, nachdem wir fertig waren, dass er eigentlich damit gerechnet hatte, dass wir nur einen Song inkl. Mastering komplett fertig bekommen würden. Am Ende waren es dann drei. Ich denke, das hat für uns gesprochen und hat Tony auch das Gefühl gegeben, dass wir professionell miteinander arbeiten können. Das war sehr positiv.
Xound: Habt ihr das Gefühl gehabt, dass Tony Bongiovi ganz anders arbeitet, gibt es eine Art Geheimrezept?
Lucky: Ich kann aus Musikersicht etwas dazu sagen, Christoph vielleicht eher aus Produzentensicht, da er selbst häufig produziert.
Es war in jedem Fall ein anderes Arbeiten – die wissen genau, was sie wollen. Man ist so vorgegangen, dass man erst einmal mit uns über die Songs diskutiert hat. Dann wurden Lösungen gefunden, Strukturen angepasst, Gesangslinien bearbeitet, die Aussprache und die Texte überprüft – wir haben hier ja mit „Native Speakern“ zu tun. Das sind alles Dinge, die haben wir hier in diesem Maße noch nicht erlebt.
Christoph: Was mir sofort aufgefallen ist, war, dass die Leute dort alles in den roten Bereich gefahren haben. Das war schon extrem, das ganze Pult war am clippen.
Xound: Was war das für ein Pult?
Christoph: Ich weiß es nicht mehr genau, aber es war ein analoges Pult.
Xound: Das darf ja schon mal clippen.
Christoph: Ja, es klang halt richtig fett.
Lucky: Was halt auch interessant war, dass die Leadstimme gleich 6 oder 7 mal gedoppelt wurde – das kannten wir hier auch nicht. Klar doppelt man schon mal eine Stimme an manchen Stellen aber teilweise lagen dort bis zu 14 Stimme-Tracks übereinander, wovon 3 oder 4 permanent durchlaufen. Es war schon anders, als wir das hier gewohnt sind.
Xound: Aber das klang dann nicht wie normal gedoppelt?
Lucky: Nein, gar nicht, aber es veränderte sich ein wenig die Klangfarbe der Stimme.
Christoph: Interessant war auch, dass sie alle Songs 4 Beats langsamer eingespielt haben. Am Ende wurden die Aufnahmen wieder hoch gepitched. Lucky hört sich nun nach einem 20-jährigen Jungen an.
Lucky: Dabei bin ich schon 22 (alles lacht).
Christoph: Ich hatte zwar gelesen, dass man früher mit Bandmaschinen schon mal so gearbeitet hat. Ich selbst habe das aber auch noch nie gemacht. Dieses Hochpitchen hat den Songs aber eine ganze Menge gebracht. Alles wirkt offener und vor allem: das sägt!
Lucky: Man hat sehr viel Wert auf gute Basisarbeit gelegt. Schlagzeug wurde z.B. sehr akribisch aufgenommen. Jede Kleinigkeit wurde dabei beachtet und alles hatte stets sehr viel Punch.
Christoph: Unser Bassist ist kein aggressiver Bassist aber er musste dort wirklich mal reinhauen. Die Produzenten haben ihm immer wieder gesagt, kommt hau noch mehr rein, du kannst das noch aggressiver spielen.
Lucky: Die haben alles bei den Aufnahmen bis zum Letzten ausgereizt.
Janni: Wir sind bei unseren Aufnahmen ja auch immer sehr detailverliebt, von daher war das o.k., wir konnten somit auch sehr gut damit umgehen.
Lucky: Was wir in jedem Fall gelernt haben ist, dass man schon ein dickes Fell haben muss. Stell dir vor, da kommt jemand mit einer dicken Referenzliste - den hat man aber noch nie gesehen – und der fummelt dann plötzlich gewaltig in deinen Songs rum. Er dreht jeden Song um, stellt u.U. alles auf den Kopf.
Wenn wir jetzt 16 Jahre alt gewesen wären, hätten wir uns sicher auf den Schlips getreten gefühlt. Jetzt sind wir „Ü 30“ und konnten damit anders umgehen.
Xound: Ich denke, wenn man als Band oder Songwriter alles besser weiß, braucht man keinen Produzenten.
Christoph: Ja, genau.
Xound: Es ist ja manchmal auch hilfreich, wenn jemand von außen dazu stößt und die Songs zunächst mal aus einer gewissen Distanz betrachtet. Entscheidend ist natürlich, dass man diesem Menschen vertraut. Von daher war es sicherlich gut, dass ihr die Gelegenheit hattet, das erst einmal auszuprobieren.
Lucky: Wir haben im Nachhinein schon das Gefühl, dass Tony Bongiovi unsere Musik auf den Punkt bringt. Auch wenn wir z.T. anderer Meinung waren, hat er uns zugehört. Wir konnten ihn mit unseren Argumenten überzeugen, und er hat dann auch zugelassen, dass wir unseren Weg gehen. An anderen Stellen kamen von ihm Vorschläge, wo wir uns sofort einig waren: „Ja, das ist es“.
Xound: Wie geht es jetzt weiter?
Lucky: Wir haben nun das große Glück: Tony Bongiovi hat uns zugesagt, dass er das gesamte nächste Album produzieren möchte. Wir haben das in Amerika vorproduzierte Material auch dem Label vorgestellt und arbeiten nun bereits an neuem Material. Immer wenn wir etwas Neues haben, schicken wir es rüber in die USA. Das wird dann gehört und wir bekommen ein Feedback zurück. Mittlerweile sind auch noch weitere Leute im Boot, wie z.B. Co-Produzent Fabio Trentini – glücklicherweise konnten wir ihn für uns gewinnen. Er beleuchtet die Sachen auch noch mal als Europäer. So hoffen wir, dass wir alle gemeinsam das optimale Ergebnis hinbekommen werden.
Xound: Es ist ja heute kein Geheimnis mehr, dass die Budgets bei Plattenfirmen und Labels extrem geschrumpft sind. Ich kann mir vorstellen, dass auch ein Tony Bongiovi konkrete Vorstellungen davon hat, was er mit solch einer Produktion verdienen möchte. Wie wird eure Produktion finanziert?
Lucky: Es ist in der Tat so, dass heute keine Plattenfirma einen – nicht zurückzahlbaren – Vorschuss von 100.000 EURO zahlen würde, so dass man seine Produktion machen kann. Daher braucht man alternative Wege, und daher braucht man auch ein ordentliches Netzwerk und eine vernünftige „Unternehmensstruktur“ – als Band sind wir ja so etwas wie eine Firma.
Glücklicherweise haben wir schon seit zwei Jahren ein Management, welches sich um die Finanzangelegenheiten kümmert. Ein Teil der Finanzen wird sicherlich gedeckt über den Produzenten, der viel bessere Konditionen herausholt, ein Teil wird gecovered durch Geld, über das unser Management verfügt und ein weiterer Teil durch Sponsoren, die unser Management über spezielle Deals gewinnt. Das Schöne für uns ist, dass wir uns nicht selbst um diese Dinge bemühen müssen und uns auf die Musik konzentrieren können.
Xound: Macht euer Management noch andere Projekte, oder seid ihr mehr oder weniger exklusiv dort ?
Lucky: Wir sind zum Glück die einzige Band, die dieses Management betreut.
Xound: Ich könnte mir vorstellen, wenn andere Bands dieses Interview lesen, dass viele gerne wissen möchten, wer euer Manager ist – vielleicht sogar um sich selbst dort zu bewerben.
Janni: Genau aus diesem Grund wollen wir auch keine Namen nennen.
Xound: D.h. euer Management steht auch nicht auf eurer Platte?
Lucky: Zumindest nicht mit richtigem Namen (lacht).
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