Kleiner Mann ganz groß
Mit dem Namen Waldorf verbindet man automatisch Synthesizerlegenden wie den Microwave, den Q oder den Wave-Synthesizer oder die PPG-Legenden. Die renommierte Synthesizercompany aus deutschen Landen schickt sich nach vielen Durststrecken, die mehrfach fast das Aus bedeuteten, nun wieder an, mit einem kleinen weißen Kästchen, Blofeld genannt, den Markt der elektronischen Musikinstrumente aufs Neue aufzurollen.
Schon das Äußere, mit den sieben Endlosreglern aus Edelstahl, sowie die inneren Eckwerte mit drei Oszillatoren und allen Wavetables des Microwave II/ XT lassen Spannendes erwarten. Zudem wird das Instrument bei einer Fertigung in deutschen Landen zu einem Preis von unter 500,--€ angeboten. Wir wollen sehen, ob Waldorf mit dem Blofeld an den Klang der Legenden aus dem eigenen Haus anknüpfen kann.
Äußerlichkeiten und Anschlüsse
Der Blofeld kommt in einem schlichten, aber eleganten weißen Metallgehäuse daher, dass erst einmal solide Verarbeitung verspricht und mit vier Gummifüßen wirklich bombenfest auf dem Schreibtisch steht. Auch auf einer geneigten Oberfläche, wie einem Keyboard oder einem Rack, steht er sicher und verlässt auch bei exzessiver Bedienung der Regler nicht seinen Platz. Das ist leider nicht bei allen Geräten dieser Bauart so. Es ist schon sehr nervend, wenn ein Gerät ständig seinen Platz verlässt und deswegen eigentlich immer festgegaffert werden muss. Dies ist beim Blofeld definitiv nicht zu befürchten. Auf der Rückseite befinden sich neben dem Ein-/Ausschalter folgende Anschlüsse: Neben dem Anschluss für das Netzteil liegt ein MIDI IN-Anschluss, gefolgt von einem USB Device-Anschluss. Es folgen zwei Standardklinkenbuchsen für die Audioanschlüsse Left/Stereo Right und der Kopfhöreranschluss. Man kann die spartanische Midi-Ausstattung bemängeln, sie relativiert sich jedoch durch das Vorhandensein aller Midi-Funktionen via den USB-Bus, der problemlos ohne Treiberinstallation, sowohl auf dem Mac, als auch unter Windows seinen Dienst versah. Der ein oder andere wird auch Einzelausgänge vermissen, kann der Blofeld doch 16-fach multitimbral betrieben werden, aber dies sind alles Sachen, die dem Preis des Geräts geschuldet sind und insofern absolut in Ordnung gehen. Auf der Oberseite befindet sich links das Display mit 128 x 64 Pixel und weißer LED-Hintergrundbeleuchtung – klein zwar, aber zur grafischen Darstellung von Hüllkurven und ähnlichem absolut ausreichend. Die sieben Edelstahlregler haben eine gut fühlbare Rasterung und lassen sich sehr angenehm regeln. Man hat das Gefühl einer hochwertigen Verarbeitung und so macht die Arbeit mit dem kleinen Waldorf richtig Spaß.
Aufbau und Stimmenarchitektur
Der Blofeld ist im Aufbau ein waschechter Synthesizer mit virtuell analoger Klangerzeugung, der je nach Belegung bis zu 25 Stimmen erzeugen kann und dabei 16-fach multitimbral zu betreiben ist. Er bietet ab Werk an die 1000 Sounds, von denen viele mit den Wavetables des Q und des Microwaves erzeugt werden. Pro Stimme stehen drei Oszillatoren zur Verfügung, die folgende virtuell analoge Modelle anbieten können: Puls mit Pulsbreitenmodulation und regelbarer Brillanz, Sägezahn mit regelbarer Brillanz, Dreieck und Sinus. Zusammen mit den kompletten Wavetables aus der Microwave-Reihe also ein mächtiger Klangbaukasten. Weiterhin bietet das Gerät Frequenzmodulation und Synchronisation zwischen den Oszillatoren, einen Ringmodulator für die Oszillatoren 1 und 2, sowie einen Rauschgenerator mit integriertem Filter. Zur weiteren Klangformung bietet der Blofeld zwei unabhängige Multimode-Filter mit umfangreichen Funktionen: Resonanz bis zur Selbstoszillation, Tiefpass 24 db/12 db, Bandpass 24 db/12 db, Hochpass 24 db/12 db, Bandsperre 24db /12 db, Kammfilter mit positiver und negativer Rückkopplung, sowie den PPG-Tiefpassfilter. Dazu gesellen sich zwei Verzerrerstufen pro Stimme, mit regelbarer Verzerrung und wählbarer Verzerrerkurve, Q-Verzerrerkurve, harte, mittlere und weiche Sättigung, Sinus-Shaper. Über eine frei programmierbare Matrix mit 16 Einträgen lassen sich beliebige, auch ganz komplexe Verschaltungen herstellen. Der Blofeld eignet sich also auch hervorragend für Sounddesigner und Klangtüftler. Drei LFOs und vier schnelle Hüllkurven runden das Bild ab. Alle Möglichkeiten hier aufzuzählen würde den Bericht sprengen, nur soviel lässt sich sagen: Die Geschwindigkeit und Ansprache der Hüllkurven kommt schon sehr analog daher und lässt zusammen mit den Filtern von knackigen Bässen bis zu bissigen Solosounds wirklich alles zu, was man von einem Synthesizer erwartet. Auch ist das Zusammenspiel der Regler mit der grafischen Anzeige flüssig genug, um eine Bedienung in Echtzeit zu ermöglichen. Der Blofeld stellt pro Part einen leistungsfähigen Arpeggiator zur Verfügung, der Patterns bis zu 16 Schritten mit diesen Parametern zulässt: Akzentuierung, Position, Länge, Glide, Pause, Akkord, vorige Note erneut, Random Note. Mit der grafischen Darstellung ist die Programmierung der Patterns ein Kinderspiel. Eine reichhaltige Auswahl an Soundbeispielen bietet gute Ausgangspunkte für eigene Exkursionen. Die Effektabteilung bietet einen Effekt-Slot pro Part und einen globalen Effekt also zwei gleichzeitig ansprechbare Effekte. Die verfügbaren Effekttypen beinhalten Chorus, Flanger, Phaser, Overdrive sowie Triple FX (S&H, Ring Modulation und Chorus). Das Delay und das Clocked Delay sind nur für den Effekt 2 verfügbar, ebenso wie der Hall. Die Qualität der Effekte geht absolut in Ordnung, wenn man auch von dem Hall nicht die Qualität eines Studiodevices erwarten sollte (wäre auch ein wenig viel verlangt). Schlussendlich bietet das Gerät noch die verschiedenen Spielmodi Poly, Mono, Dual und Unisono, mit einstellbarer Stimmenzahl.
Klang und Bedienung
Die Bedienung des Blofeld ist erfreulich übersichtlich geraten. Über die beiden Regler unterhalb des Displays wählt man einmal eine der Soundbänke A bis H an, mit dem anderen Regler wählt man einen Category-Filter an. Über die Kategorien Arpeggio, Athmo, Bass, Drum, FX, Keys, Lead, Mono, Pad, Percussion, Poly und Sequence werden dann über die Soundanwahl links nur noch Sounds dieser Kategorie angewählt. Sehr praktisch, wenn man beispielsweise einen bestimmten Bassklang sucht oder eine Fläche. Die vier Regler für die Editierung werden mit den Tastern durch die beleuchteten Menüs geführt. Dies funktioniert sehr flüssig. Man würde sich natürlich über noch mehr Regler freuen, vielleicht ähnlich wie beim Urvater der Synthis, dem Minimoog. Aber natürlich wäre dann auch ein anderer Preis für den Blofeld aufzurufen. Der Klang jedenfalls ist über jeden Zweifel erhaben. Neben vielen Klassikern gibt es jede Menge Sounds aus dem Microwave und wir haben Blofeld mit dem Original verglichen und mussten zum Teil verblüffende Ähnlichkeit feststellen. Manche Sachen klangen dann sogar besser, da der Blofeld Effekte an Bord hat, die das Original nicht hatte. Die Library des Blofeld jedenfalls kriegt einen dicken Pluspunkt, weil hier viele Klänge schon vom Namen auf Erzeuger wie Tangerine Dream, Kraftwerk, Schulze oder Jarre hinweisen, bzw. Namen wie Ricochet oder ähnliches auf die Vorfahren hinweisen. Alles ist mit Liebe programmiert und unbedingt praxistauglich. Highlights für mich sind die Bässe, viele Pads, sowie die Leadsounds und die ganze Arpeggioabteilung. Hier klingt es zum Teil wie vor 30 Jahren und das ist keinesfalls abwertend gemeint. Aber jeder sollte sich hier sein eigenes Urteil bilden.
Fazit
Viele User haben vielleicht unterschwellige Vorurteile gegen diese kleinen Kisten, die immer ein wenig nach Spielzeug aussehen, beim Blofeld wird man sicherlich schon nach kurzer Zeit seine Meinung revidieren müssen. Das kleine Ding hat dermaßen viele Features unter der Haube und überzeugt klanglich auf der ganzen Linie. Auch die eingefleischten User von Plug-In-Instrumenten sollten den Blofeld mal neben ihrem Equipment anspielen. Hier sind Latenzen einfach ein Fremdwort und das macht einfach ein völlig anderes Spielgefühl. Für Live-Einsätze ist das Ding jedem Computerenvironment überlegen. Bringt man dann noch den für ein Instrument aus deutscher Fertigung unverschämt günstigen Preis ins Spiel, bleiben eigentlich keine Fragen offen. Alle, die jetzt noch nicht zufrieden sind, können ja auf die große Ausführung des Blofeld, den Stromberg warten, die sicher bald kommen wird.
Waldorf Blofeld Synthesizer
25 Stimmen
16-fach multitimbral
mehr als 1000 Sounds
stabiles Metallgehäuse
7 Endlosregler aus Edelstahl
5 Taster
Grafikanzeige 128 x 64 Pixel, s/w, weiße LED-Hintergrundbeleuchtung
MIDI LED
Lautstärkeregler
Stereoausgang
Kopfhörerausgang
Midi-Eingang
USB- MIDI In/Out
arbeitet mit Standard USB MIDI Treiber aktueller Betriebssysteme
Windows ME minimum, Windows XP oder neuer empfohlen
Mac OS X 10.2 minimum, Mac OS X 10.3 oder neuer empfohlen
Externes Universal-Steckernetzteil
UVP 449,--€
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