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Keith Carlock und Rhani Krija (Sting-Musiker) (vier 04) PDF Drucken E-Mail

"The Rhythm of Sting"

STINGMI4

Es gibt sicherlich für Musiker die unterschiedlichsten Ziele, doch wenn man es geschafft hat, irgendwann einmal mit Sting im Studio oder auf der Bühne zu stehen, ist dies sicherlich  für einen Vollblutmusiker mehr als nur ein Kompliment. Schon von Beginn seiner Solo-Karriere an findet man in Sting´s Band stets die Weltbesten, die Creme de la Creme unter den Musikern. Hier beweist der „Chef" durch seine Auswahl an charaktervollen Virtuosen einen exzellenten Geschmack.

So auch aktuell mit Drummer Keith Carlock (32) und Percussionist Rhani Krija (32), der  bereits auf dem Sacret Love-Album mitgewirkt hat.

Rhani Krija, geboren in Marokko, lernte schon als Kind die verschiedenen Stile der nordafrikanischen Musik kennen und genießt internationalen Ruf , arabische, andalusische, afrikanische und Latin-Rhythmen authentisch zu spielen. Rhani beherrscht neben den üblichen Percussion-Instrumenten wie Congas und Bongos auch eine große Palette an exotischen Instrumenten wie Darabouka, Djembe uvm. In Deutschland lebend hat Rhani in den letzten Jahren eine Reihe von Produktionen für Major Labels eingespielt, so auch Sacret Love für niemand geringeren als Sting.

Keith Carlock wurde in Mississippi geboren und studierte Musik an der Texas State University. Nach seinem Studium spielte er zunächst für einige Jahre als Profi-Musiker in der Dallas Area. Keith, heute in New York City lebend, hatte seit dieser Zeit viele Studio-Sessions  und Live-Auftritte mit bekannten Musikern von Paula Abdul, den Blues Brothers, Richard Bona, Wayne Krantz, Grover Washington und zuletzt Steely Dan. 

Zur Zeit ist Sting wieder einmal auf  Tour rund um den Globus, beginnend mit Europa und Nordamerika. Im Herbst 2004 geht's zunächst wieder zurück nach Europa. Während ihres Köln-Aufenthaltes  hatten wir Gelegenheit zu einem Gespräch mit den beiden sympathischen Musikern.

Xound: Wie seid ihr zu Sting gekommen?

StingMusiker59Keith: In erster Linie durch Empfehlung. Im letzten Jahr tourte ich mit Steely Dan durch die USA, und während einer Tourpause bekam ich einen Anruf, dass Sting einen Drummer für die Tour benötigt. Es kam sehr überraschend, aber Sting scheint der Empfehlung vertraut zu haben, von wem auch immer sie ausging. 

Xound: Wie fühlt man sich, wenn man solch einen Anruf bekommt?

Keith: Ich war erstmal -im positiven- geschockt, denn da muss ja schon ein wenig Zufall mitgespielt haben. Aber ich war schon sehr glücklich und natürlich aufgeregt, das angehen zu können. Und jetzt bin ich froh hier zu sein, es macht sehr viel Spaß.

Rhani: Ich bin von Manu Kaché empfohlen worden. Manu Kaché hatte Aufnahmen von mir gehört, die ich mit einem Freund von mir, Djamel Laroussi, einem Algerier, der in Paris lebt,  gemacht habe.

Irgendwann, das war im Dezember 2002, ich glaube es war sogar an meinem Geburtstag, rief mich dann Kipper, der Sting-Produzent an. Ich war gerade dabei, zu unterrichten.

Xound: Wie lange probt eine Band in dieser Liga für die Tour?

Keith: Vor dem aktuellen Tourstart probten wir nur etwa zwei Wochen, man muss jedoch sagen, dass wir vorher auch bereits längere Zeit für die Promotion-Tour geprobt hatten.

Rhani: Ja, während der Promotion-Tour spielten wir bereits eine Reihe von Live-Shows. Zu dieser Zeit spielte noch Vinnie Colaiuta - Keith kam erst im Oktober dazu.

Xound: Wenn man eine Tour beginnt, so startet man mit einem bestimmten Arrangement der Songs. Entwickeln sich die Basic-Songs während einer Tour weiter?

Keith: Generell ist ja jeder einzelne Gig für eine Band immer wieder etwas Einzigartiges, aber bei Sting  ist dieses Phänomen sehr extrem. Sting hat eine eigene Philosophie. Er sieht die Studio-Aufnahmen, wie wir sie auf den Platten finden, lediglich wie eine Art Skizze. Und so wechselt er ständig Dinge beim Soundcheck, verändert Arrangements, macht Vorschläge, bestimmte Sachen mal anders zu spielen usw. So wachsen die Arrangements von Show zu Show. Die Songs verändern sich ständig, und das ist gut so. Gerade, wenn du eine solch lange Tour machst, bleibt das ganze immer frisch. Stell dir vor, du müsstest jeden Abend exakt das Gleiche spielen, das wäre doch langweilig.

Xound: Gibt es regelmäßige Proben während der Tour?

Keith: Ja, wir proben meist während des Soundchecks. So ändern wir Dinge, mit denen Sting vielleicht beim letzten Gig nicht so ganz glücklich war. Manchmal kommt auch ein ganz neuer Song dazu.

Xound: Während einer langen Tour hat man ja kaum Kontakt zu seinen normalen Freunden oder seiner Familie. Wird die Band hier zur Familie?

Keith: Oh, eine sehr persönliche Frage.

StingMusiker03Rhani: Ja, die Band ist natürlich schon eine Art Familienersatz. Man hängt viel zusammen. Man fährt zusammen, man fliegt zusammen, und man unternimmt auch gerne was zusammen, aber man hat auch seine Freiräume. Keith und ich unternehmen sehr viel gemeinsam, wir sind im gleichen Alter, haben viele gemeinsame Interessen und sind in vielen Dingen einer Meinung.
Es ist eine unglaublich schöne Band. Ich habe noch vor kurzem mit jemandem darüber gesprochen, man spielt einfach und spürt, dass alles positiv ist. Es gibt keinerlei Auseinandersetzungen zwischen Musikern. Es ist eine angenehme positive Atmosphäre, und man hat trotzdem Raum genug, auch mal alleine zu sein. Jeder respektiert das und von daher funktioniert alles sehr gut., ganz gleich, wie lange die Tour sein wird.

Xound: Wenn man auf der Bühne steht, gilt es für viele Musiker, einen Spagat zwischen Spontaneität oder „Sicherheit" hinzubekommen. Welcher Aspekt ist für euch wichtiger?

Keith: Ich spiele am liebsten jeden Abend etwas anders. Von meinem musikalischen Background her liegt mir eher das Improvisieren und nicht unbedingt jeden Abend die gleichen Pop-Songs zu spielen. Aber das ist natürlich nicht immer möglich. Während einer Tour haben wir einen konkreten Job, das Repertoire zu spielen und unseren „Boss" zufrieden zu stellen (lacht). Aber das ist auch o.k. so. Es gibt immer wieder Freiräume, wo du den einen oder anderen Song etwas anders spielen kannst.

Rhani: Bei mir ist es so ähnlich. Ich mag auch gerne improvisieren, aber wir machen hier halt Pop-Musik. Es geht vor allem bei Sting auch um den Gesang, es geht um den Text, und so muss man manchmal ein wenig straighter spielen , so dass man dem Gesang nicht in die Quere kommt. Aber trotzdem riskieren wir ab und zu mal was. Wenn jemand mal mit einer neuen Idee kommt, riskieren wir es gerne - so lange das in einem gewissen musikalischen Bereich bleibt.

Xound: Was mögt ihr lieber, im Studio oder Live zu spielen?

Keith: Ich mag es schon, im Studio kreativ zu sein - falls du kreativ sein darfst - aber ich spiele lieber Live, vor Leuten. Live zu spielen macht mir mehr Spaß.  
Es ist ein gutes Gefühl, den direkten Draht zum Publikum zu haben, das ist auch einer der wichtigsten Gründe, warum ich Musik mache.

Rhani: Ich mache beides gerne. Ich mag auch sehr gerne Studio-Sessions, und ich sehe mich auch fast als Studiofreak, nicht hinterm Mischpult sondern beim Spielen im Aufnahmeraum. Aber die Energie bei einem Live-Auftritt ist durch nichts zu ersetzen. Ich liebe es, die Freude und Begeisterung mit dem Publikum zu teilen, für die Leute zu spielen, das ist das Größte.

Xound: Für viele junge Bands ist es heute sehr schwierig Fuß zu fassen. Welchen Tipp könnt ihr den jungen Musikern mit auf den Weg geben?

Keith: Es hat vieles auch mit den modernen Technologien zu tun. Es gibt heute so viele Möglichkeiten zu Hause am Computer, Musik zu machen, ohne ein einziges Instrument spielen zu können. Jeder kann heute eine Platte machen, wenn er die Geräte hat, es ist unglaublich. Auch wenn dies viele Vorteile hat, kann ich den jungen Leuten nur sagen: „Bleibt so pur und direkt wie möglich dran am eigentlichen Kern der Musik. Lernt ein Instrument spielen, spielt mit anderen Musikern  zusammen." Das ist es, worauf es ankommt. Und das ist durch nichts einfach zu ersetzen.

Rhani: Das Wichtigste ist, dass man sein Instrument liebt, dass man an Techniken arbeitet - ich meine damit nicht, irgendwelche Techniken nachzuahmen, sondern eigene Techniken zu erarbeiten, um letztlich eine eigene Identität zu bekommen. Man muss sein Instrument erforschen und entdecken, man muss sein Instrument beherrschen .Wenn dann der „Zeitpunkt" kommt, so ist man auch bereit. Und noch eines ist wichtig: Immer positiv denken.

www.rhanikrija.de