Advertisement

Grundsatzartikel

Studio-Tüff

Login






Passwort vergessen?
Noch kein Benutzerkonto?
Registrieren
Advertisement

David Brandes, Produzent und Manager von Vanilla Ninja (eins 05) PDF Drucken E-Mail

"Vanilla Ninja"

5741AB10

Zappt man z.Zt. durch die verschiedenen TV-Sender, so trifft man in den meisten Fällen auf eine Band: Vanilla Ninja. Ob in Form eines Interviews, als TV-Auftritt in einer Show oder im Rahmen einer Co-Moderation bei verschiedenen Sendungen, Vanilla Ninja sind momentan  „allgegenwärtig". So könnte man vermuten, dass hinter dieser Formation aus Estland die enorme Power eines großen internationalen Schallplatten-Konzerns steckt, doch alles ist ganz anders.

Hinter dem Erfolg von Vanilla Ninja steckt neben den Musikerinnen Lenna Kuurmaa, Katrin Siska, Maarja Kivi und Piret Järvis, vor allem David Brandes, bekannt u.a. durch Erfolge mit Chris Norman, Bad Boys Blue und Erotic.

Obwohl die Plattenfirmen die Band ablehnten, und auch die TV- und Radio-Sender sich zunächst zurückhielten, hat David Brandes seinem Instinkt vertraut und nicht locker gelassen. In einer Art von „One Man"-Show  hat er dieses Projekt zu dem gemacht, was es heute ist -Vanilla Ninja erreicht in diesen Tagen mit seinem aktuellen Album „Traces of Sadness" Platinstatus. 

Diese ungewöhnliche Erfolgs-Geschichte macht  vielen Musikern und Produzenten Mut. Wir hatten Gelegenheit zu einem Gespräch mit David Brandes.

Xound (X): Erst einmal zur Geschichte von Vanilla Ninja. Wie bist du auf die Mädchen   aufmerksam geworden, wann hast du sie kennen gelernt?

David Brandes (DB): Im Januar 2003 erhielt ich erstmals das Angebot, die Band zu produzieren. Im Sommer entschloss ich mich dann zu einer Zusammenarbeit.

X: Wie kam es denn dazu, dass dir dieses Projekt angeboten wurde?

DB: Damals war ich gerade mit zwei Projekten in den estischen Charts vertreten. Auf Platz eins mit „Bad Boys Blue" und auf Platz drei mit den „Erotics". Durch diesen großen Erfolg in Estland ist die dortige Plattenfirma auf mich aufmerksam geworden und kam dann auf mich zu, um mir „Vanilla Ninja" anzubieten.

5794B14X: Wie wurde dir das Projekt denn vorgestellt?

DB: Zuerst wurden mir Fotos und MP3s der Mädchen zugeschickt. Jedoch hat mich die Musik nicht wirklich überzeugt. Die Stimmen waren derart bearbeitet, dass man kaum heraushören konnte, ob es sich um einen Sänger oder eine Sängerin handelt und der Sound war mehr in Richtung „Bubble Gum" - nicht gerade das, was ich machen wollte. Meiner Meinung nach hätte die Musik mehr im Pop-Rock-Stil sein müssen.

X: Und was hat dich überzeugt, dich der Band anzunehmen?

DB: Die Esten haben einfach keine Ruhe gelassen. Sie waren davon überzeugt, dass das Projekt unter meiner Obhut funktionieren würde und ließen nicht locker. Als ich dann aufgrund einer gemeinsamen Tour der „Bad Boys Blue" und den „Erotics" nach Estland kam, schaute ich mir einen Gig von „Vanilla Ninja" an und lernte sie anschließend kennen. Dann war für mich die Entscheidung gefallen, dass ich die Band produzieren würde. Zu diesem Zeitpunkt war mir jedoch noch nicht klar, welch großes Potential in den Mädchen steckt. Ich habe zugesagt, erst einmal zwei Titel für die Gruppe zu machen. Als diese nach längerem Herumexperimentieren fertig waren, kam die Band dann zum Einsingen in mein Studio nach Deutschland. Nachdem Lenna, eines der Mädels, anfing zu singen, bekam ich regelrecht Gänsehaut - und das passiert mir wirklich nicht oft! Das Gefühl, dass ein Song oder eine Stimme einen sofort ergreift, kommt selten vor.

X: Da kann ich nur zustimmen.

DB: Von diesem Zeitpunkt an war mir klar, dass die Zusammenarbeit funktionieren würde. Ich wusste, das wird ein Erfolg! Die Musik, die ich mit „Vanilla Ninja" mache, geht in eine ganz andere Richtung als der Debut-Longplayer, den sie bereits vorher in Lettland veröffentlicht hatten.

X: Hatte die Band in ihrer Heimat denn Erfolg mit dem Longplayer?

DB: Erfolgreich war sie schon, aber die Musik war ein ganz anderer Stil. Mir war wichtig, das stimmliche Talent der Mädels mehr zum Vorschein zu bringen. Als ich dann zusammen mit den Mädels im Studio war, hatten wir alle sehr viel Spaß bei der Produktion der Songs. Für mich als Songwriter und Producer steckt natürlich viel Herzblut in der Arbeit, weshalb mir auch sehr nah lag, dass die Mühen nicht umsonst waren. Ich wusste, „Vanilla Ninja" hatten große Chancen auf Erfolg. Ich war der Überzeugung, auch wenn nicht gleich die erste, dann würde auf jeden Fall die zweite oder dritte Singleveröffentlichung ein Erfolg sein. Aber kein Major-Plattenlabel hat den Atem für so etwas. Bei denen geht es ja nicht darum, ob ihnen ein Projekt gefällt, sondern darum, ob es erfolgreich in die Charts einsteigt. Und wenn das nicht der Fall ist, ist eine Band spätestens mit dem zweiten Flop einfach weg vom Fenster. Dieser Gefahr wollte ich mich nicht aussetzen.

5790B01_highX: Wie sah denn die Alternative aus?

DB: Ich muss sagen, erst mal bin ich sprichwörtlich gegen die Wand gelaufen und habe viel Geld in eine TV-Kooperation investiert. Es war ein langer, mühsamer Weg. Ich erinnere mich noch gut an hämische Kommentare aus Produzentenkreisen und von Plattenfirmen über meine Überzeugung von dem Erfolg der Mädels. Jemand stellte zum Beispiel mal den Vergleich auf, ich würde mit einer Schrotflinte auf einen Nagel in der Wand schießen und darauf hoffen, ihn zu treffen. Ich erwiderte, dass das totaler Schwachsinn sei, und dass er diese Aussage irgendwann bereuen würde.

X: Hast du nie daran gedacht aufzugeben?

DB: Ich war total von meinem Projekt überzeugt. Mir hätten tausend Leute sagen können, ich habe keine Chance. Auch über die Kommentare von anderen, es gäbe keinen Markt für die Band, habe ich hinweggesehen. Ich hätte niemals mein Ziel vor Augen verloren. Mittlerweile kann ich über das Geläster am Anfang natürlich nur noch schmunzeln. Ich wusste von Anfang an, dass „Vanilla Ninja" ein Erfolg wird!

X: Also hast du einfach gespürt, dass die ganze Arbeit Sinn macht. Aber du wirst doch nicht der Einzige gewesen sein, der Sympathie für diese Art der Musik hatte. Es gibt doch immer andere, die das Gleiche verspüren.

DB: Die gibt es und gab es bestimmt auch, nur waren die am Anfang nicht zu sehen.

X: Da kannst du ja wirklich von Glück reden, dass du die Kurve bekommen hast. Das ist ja durchaus nicht selbstverständlich. Mann muss die potentiellen Fans natürlich erst einmal  erreichen. Wie ist dir das gelungen?

DB: Das Schwierigste in unserer Branche ist wirklich die Schnittstelle zu überwinden und die Entscheidungsträger zu überzeugen. Um mit „Vanilla Ninja" erst einmal zu „The Dome" zu kommen, hab ich wirklich jeden, den ich irgendwie kannte, kontaktiert und fast angebettelt, meinem Projekt eine Chance zu geben. Durch meine tiefe Überzeugung von der Band, bestand natürlich für mich persönlich die Gefahr, als „Schwätzer" dazustehen, wäre der von mir versprochene Erfolg ausgeblieben. Ich hatte jedoch keinen Zweifel an meinem Projekt.

X: Wenn du so sehr von etwas überzeugt bist, dann musst du diesen Weg gehen. Du hast sogar dafür ein eigenes Label gegründet. Wie kam es dazu?

DB: Ich habe einen Vertriebsvertrag mit Sony geschlossen und habe das Management selbst in die Hand genommen. Ich habe als eine Art „One Man"-Show die komplette Betreuung der Band übernommen.

5775B17X: Du hast dich also auch ans Telefon gesetzt und jeden kontaktiert, den du brauchtest?

DB: Ja! Vom Songwriting, über die Produktion, bis  hin zur Vermarktung war das Projekt mein „Baby".

X: Wie ist das denn heute, wenn man so einen Weg gegangen ist, wie du ihn gewählt hast, und viele Entscheidungen aus dem Bauch heraus getroffen hat, jedoch von anderen immer wieder heruntergespielt und belächelt wurde? Wie ist das, jetzt den Leuten gegenüberzutreten,  die nicht an dich geglaubt haben?

DB: Ich denke eine gewisse Genugtuung ist bei mir schon vorhanden. Aber ich führe das nicht an. Die Betroffenen wissen ja, was sie gesagt haben und ich weiß es auch. Ich erwähne es nicht direkt, auch weil ich denke, dass man sich auf diese Art und Weise eine Menge Respekt verschaffen kann. Jetzt ist das einfach ein anderer Talk mit diesen Leuten als früher. Jemand sehr erfolgreiches aus dem Bereich Marketing zum Beispiel, der mir in der Vergangenheit ausschließlich negative Kommentare ans Ohr geworfen hat, kam auf mich zu und meinte, dass er sich jetzt mit mir auf Augenhöhe unterhalten könne.

X: Das ist ja durchaus ein Kompliment.
A&R -Leute, die sich genauso wie du ein Thema in den Kopf gesetzt haben und dafür gekämpft haben,  gibt es heute nicht mehr. Was denkst du, gibt es für junge Musiker überhaupt eine reelle Chance auf dem Musikmarkt, auch wenn sie nicht jemanden wie dich haben, der ein Thema in Eigeninitiative durchboxt?

DB: Das ist eine heikle Frage. Ich stehe sozusagen an der Seitenlinie und sehe, was andere Leute in der Branche machen. Ich denke, oft wird einfach zu wenig an den Acts gearbeitet. Ganz wichtig ist meiner Meinung nach die Liebe zu einem Thema, wie das bei mir der Fall war. Du musst Dinge tun, die man von einem herkömmlichen A&R-Manager nicht erwarten kann. Ich zum Beispiel begleite „Vanilla Ninja" überall hin. Ich habe mich in die Band „Vanilla Ninja" verliebt. Nur so entwickelt man auch Überzeugungskräfte, denen so schnell niemand ausweichen kann. Wenn du ganz viel Glaube und Gefühl zu einer Band entwickelst und dich mit dem Thema beschäftigst, dann bist du in der Lage, es richtig nach vorne zu bringen.

www.vanilla-ninja.de