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Glashaus-Sängerin Cassandra Steen (drei 05) PDF Drucken E-Mail

„Haltet die Welt an“

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Als sich Cassandra Steen und Moses Pelham im Februar 2000 zum ersten Mal treffen, ahnt noch niemand, welcher Erfolg die beiden, gemeinsam mit Produzent Martin Haas, in den folgenden Jahren erwarten wird. Schon bald formiert sich das Projekt Glashaus, das gleichnamige Album wird bereits Ende 2000 fertiggestellt. Bereits die erste Single „Wenn das Liebe ist" wird zum Top5-Hit und auch die Folgesingles halten sich über 30 Wochen in den Media Control Charts. Viele Auszeichnungen folgen - u.a.  nominiert die Deutsche Phonoakademie Glashaus für drei Echo Awards.

Mit dem aktuellen Album „Drei" und der vorausgeschickten Single „Haltet die Welt an" knüpft Glashaus an seine stetige Entwicklung an und überzeugt wieder einmal durch seine enorme Power, die in der Ruhe der Tracks verborgen ist. Xound hatte Gelegenheit zu einem Gespräch mit Glashaus-Sängerin Cassandra Steen.

Xound [X]: Die erste veröffentlichte Single aus eurem neuen Album hat den Titel "Haltet die Welt an". Basiert der Songtext auf einer konkreten Geschichte?

Cassandra Stehen [C]: Viele, die sich den Text genau anhören, meinen, es geht in dem Lied um eine Liebesbeziehung. Ich denke, es geht hier um einen ziemlich großen Verlust, etwa eines Elternteils oder eines Kindes. Viele denken bei dem Text auch einfach an den Verlust eines Partners - was natürlich auch ein großer Verlust ist - aber meiner Meinung nach geht es hier um den Kontakt zu einem Menschen, der noch um einiges intensiver ist. Deutlich wird dies, meine ich, im dritten Vers, wo angesprochen wird, dass es in dem Lied eigentlich um einen Todesverlust geht.

X: Ist das eine Sache, die einer von euch selbst erfahren hat?

C: Das ist gut möglich. Genau kann ich das nicht sagen, da Moses den Text geschrieben hat. Vielleicht hat er selber ähnliche Erfahrungen gemacht oder bei anderen etwas in dieser Art mitbekommen.

X: Es fällt auf, dass eure Musik immer extrem sanft rüberkommt und doch sehr unter die Haut geht - viele andere Bands „schreien" viel lauter. Meinst du, dass diese ruhige Atmosphäre letztendlich die Power eurer Musik ausmacht?

C: Das macht uns, Glashaus, aus und das hat immer für Glashaus gestanden. Wenn ich mich jetzt auf einmal im Namen von "Glashaus" hinstelle und „herumschreie", würde uns das keiner abnehmen - wir selbst auch nicht. Ich denke diese ruhige Kraft in unserer Musik ist unsere Stärke.

X: Das ist gerade in der heutigen Zeit sehr bewundernswert, wo doch alles um uns herum sehr laut und dicht ist.

CassandraSteen094C: Ich denke genau aus diesem Grund sehnen sich viele Menschen auch mal nach Ruhe, in welcher Form auch immer. Wenn sie diese Ruhe durch unsere Musik finden, freut uns das.

X: Auf eurem Album befindet sich ein 15min-Titel - „ Ich liebe" - bei dem einige eurer größten Anhänger mitwirken durften. Wie ist diese Idee entstanden?

C: Die Idee stammt von Moses. Über "eBay" haben wir Gesangsunterricht von uns versteigert, außerdem hatten unsere Anhänger die Möglichkeit, uns auf den Anrufbeantworter zu singen.

X: Weißt du, wie viele sich anlässlich dieser Aktion bei euch gemeldet haben?

C: So genau kann ich das nicht sagen, aber es waren viele, Hunderte.

X: Und wie viele Bewerber sind letztendlich bei dem Song dabei?

C: Alle. Deshalb ist das Lied auch 15 Minuten lang geworden.

X: Die Idee, so viele Menschen mit einzubeziehen, ist wirklich gut - gerade bei solch einem Thema.

C: Sie durften ja auch die Mitmenschen, die sie lieb haben, grüßen. Jetzt können sich alle, die mitgemacht haben, selber auf dem Glashaus-Album hören. Ich denke, die Leute wollen gerne an solchen Aktionen beteiligt sein.

X: Hat Moses allein alle Texte für "Glashaus" geschrieben?

C: Bei einigen habe ich mitgeschrieben, das waren etwa zwei, drei Titel. Ich habe ja parallel sehr viel an meinen eigenen Sachen gearbeitet.

X: Für Künstler ist ja ein Album oftmals gleichzeitig ein Lebensabschnitt. Ist das bei eurem neuen Album auch so?

C: Bei diesem Album - wir haben damit schon 2001 begonnen - fließen mehrere Lebensabschnitte mit ein. Einige Lieder sind wirklich schon recht früh entstanden. Man kann also das Album nicht irgendeinem bestimmten Jahr bzw. Lebensabschnitt zuordnen.

CassandraSteen050X: Ihr habt also einen großen, zeitlichen Bogen gespannt. Aber wenn man so lange an einem Projekt arbeitet, durchlebt man doch immer neue Entwicklungen und Erfahrungen. Wie ist das, wenn man sich dann nach der Fertigstellung die Sachen anschaut, die man zu Beginn der Album-Produktion gemacht hat?

C: Man kann schon sagen, dass man sich weiterentwickelt und im Laufe der Zeit viel dazu lernt. Ich persönlich habe mich stimmlich und textlich weiterentwickelt, Moses in der Vielfältigkeit seiner Texte und in der Art und Weise, wie er in Zusammenarbeit mit Martin Haas die Produktion angegangen ist. Es hat allen wieder einmal Spaß gemacht und ich finde, das hört man auch. Wir sind alle an dem Album wieder ein Stück gewachsen und ich finde, das merkt man. Wir sind sehr stolz darauf.

X: Oft ist das ja so, wenn man sich ältere Sachen noch einmal anhört, dass man -obwohl man es immer noch gut findet - das Gefühl hat, man würde heute das Eine oder Andere anders machen. Ist das bei euch auch so?

C: Ich glaube nicht. Ich denke, dass jede Platte von Glashaus oder überhaupt jede Platte, an der Moses gearbeitet hat, dem entspricht, wie er zum Zeitpunkt des Schreibens und der Produktion empfunden hat. Er würde wohl alles wieder genauso machen wie damals und nichts verändern.

X: Es ist ja auch wichtig, dass man selbst akzeptiert, was man in der Vergangenheit gemacht hat.

C: Man ändert sicher seine Meinung über eine Aussage, jedoch sollte man zu dem stehen, was einen zu einem früherem Zeitpunkt bewegt hat, z.B. einen Text zu schreiben. Ich denke, auch Moses würde nichts verändern wollen - er würde einfach ein neues Lied schreiben - als Antwort auf sich selbst.

X: Wie sieht es mit deinem Soloprojekt aus - ist da in nächster Zeit etwas geplant?

C: Mein Soloprojekt ist in Arbeit, es zieht sich nur alles ein bisschen hin. Unter anderem, weil ich immer noch auf der Suche nach Produzenten bin und einer der Produzenten, mit dem ich zusammenarbeite, momentan selber sehr viel unterwegs ist. Außerdem habe ich noch viele Nebenprojekte, von denen ich persönlich viel lerne, auch für meine Soloplatte.

X: Hast du einen Wunsch, was das neue Album angeht?

C: Ich wünsche mir, dass es möglichst viele Menschen von der Seele her berührt und vielen Menschen hilft. Bei den ersten beiden Glashaus-Alben gab es auch diverse Titel,  bei denen Leute der Meinung waren, dass sie ihnen weitergeholfen haben. Zum Beispiel hat sich jemand unsere Musik im Knast angehört, der sich die Platte von seinem letzten Geld bestellt hat. Wenn man so etwas hört, berührt einen das ganz besonders. Auch wenn das nicht viele Menschen sind, wünsche ich mir, dass denen, die unsere Texte nachvollziehen können, unsere Musik dann auch wirklich etwas bringt.

CassandraSteen084X: Es ist ja auch wichtig, ein Feedback zu bekommen, dass man Menschen mit seiner Musik berührt hat, dass vielleicht eine Botschaft angekommen ist.

Das direkteste Feedback bekommt man bei Konzerten. Habt ihr denn eine Tour geplant?

C: Die Tour wird im Herbst stattfinden, wir werden aber bereits in den kommenden Wochen bis über den Sommer auf vielen Festivals auftreten.

X: Arbeitest du lieber an neuen Sachen im Studio oder stehst du lieber auf der Bühne?

C: Früher bin ich überhaupt nicht gerne live aufgetreten, weil ich extrem schüchtern war. Aber ich habe mittlerweile gesanglich so viel gelernt und mehr an den Auftritten gearbeitet, dass ich beides gern mache. Was mir weniger gut gefällt, sind Videodrehs. Das hat ja nichts direkt mit Musikmachen zu tun. Aber die Videodrehs sind natürlich sehr wichtig für die Werbung. Das Schöne an Konzerten ist natürlich die Resonanz, die man vom Publikum zurückbekommt und auch die Möglichkeit, Lieder noch einmal neu zu interpretieren. Je nachdem, in welcher Stimmung man zum Zeitpunkt des Auftrittes gerade ist, bringt man die Texte immer wieder anders herüber.

X: Es gibt viele junge Musiker, die versuchen überhaupt erst einmal gehört zu werden, um später vielleicht einmal einen Plattenvertrag zu bekommen, was ja heutzutage immer schwieriger wird. Kannst du jungen Musikern einen Ratschlag geben, wie man an die Sache heran gehen sollte?

C: Die Dinge ändern sich immer wieder, und auch die jetzige Situation in der Musikbranche wird sich wieder ändern! Ich denke, das Wichtigste überhaupt ist - und das gilt nicht nur für die Musikbranche - der Glaube an sich selbst. Man kann das natürlich erst lernen, wenn man damit zu tun hat, aber es ist oftmals schwierig, weil man durch viele Dinge abgelenkt wird. Ich kann nur hoffen, dass Menschen, die wirklich etwas für Musik empfinden, es dann auch schaffen. Diesen Menschen wünsche ich das wirklich. Ich hab aber ein Problem mit Leuten, die Musik machen, nur um schnell Geld zu verdienen. Es gibt viele, die von ganz klein an singen und mit dem Herzen dabei sind. Diese Leute haben einfach eine Gabe, auch ohne dass sie vielleicht Musik studieren. Und ich kann ihnen nur raten: Gebt nicht auf und glaubt an euch.

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