Advertisement

Grundsatzartikel

Studio-Tüff

Login






Passwort vergessen?
Noch kein Benutzerkonto?
Registrieren
Advertisement

Peilomat (eins 06) PDF Drucken E-Mail
„Sieger-Trio“

Peilomat014

Als Sieger des letzten Rock- und Pop-Preises ging das junge Trio Peilomat hervor.

Der Grundstein für Peilomat wurde vor gar nicht allzu langer Zeit gelegt. Im März 2004, liefen sich die drei Jungs, Flo Peil, Sebi Wagner und Hennich Marien beim Studiengang für Popmusik der Musikhochschule Hamburg zum ersten Mal über den Weg. Es sollte kein Zufall sein: Die drei - Baujahr 79 bis 81 - landen im gleichen Proberaum und schon bald zeigt sich, dass sich die Jungs menschlich und musikalisch bestens verstehen.

Im August 2004 beschließen die drei schließlich, auch nach dem Kurs gemeinsam weiterzumachen. Das war nicht ganz einfach, weil jeder vorher andere Bands verlassen musste. Doch für Alle stand von Anfang an fest: „Wenn wir das machen, dann richtig. Mit Haut und Haaren. Keine halben Sachen."

Peilomat sind Proberaum-Nomaden. Da sie viel unterwegs sind, haben sie keinen eigenen Raum, sondern proben immer bei anderen Bands - und das ziemlich oft. So wurde im letzten Jahr in ca. 20 verschiedenen Proberäumen in Köln, Bitburg, Hamburg, Schwerin, Berlin, Mannheim usw. fleißig geschrieben und gerockt.

Trotz der jungen Peilomat-Geschichte kann die Band auf über 60 Konzerte zurückblicken. Auch hier gilt es immer wieder, logistische Hürden zu nehmen, so bleibt Hennichs Schlagzeug meist zu Hause, da im Auto kein Platz mehr ist. Der Peilomat-Drummer benutzt dann in der Regel ein Drumkit der anderen Bands, die vor Ort sind. Das mag auch Peilomats sehnlichsten Wunsch nach einen Bandbus erklären.

Wir hatten Gelegenheit, die drei bei einem Konzert am zweiten Weihnachtstag im Kölner Basement zu treffen. Auch hier räumte Peilomat wieder mal so richtig ab, mit unglaublich frischer Energie teilt das Trio gekonnt seine Songs aus uns reißt das Publikum aus dem Weihnachtsschlaf. Ich bin mir ganz sicher, von dieser Band werden wir noch eine Menge hören.

Peilomat016Xound [X]: Ihr habt beim deutschen Rock- und Pop-Preis 2005 den ersten Platz gemacht. Hat sich für euch dadurch etwas verändert?

Flo: An der Band an sich ändert sich ja nichts, wir machen dasselbe wie vorher, doch man merkt, dass wir mehr im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen. Es klingelt sehr oft das Telefon. Viele Leute, die sich vorher nicht für uns interessiert haben, zeigen plötzlich Interesse - das ist ganz schön.

Sebi: Auf der anderen Seite sollte man das nicht überbewerten -es gehört auch viel Glück dazu- und man muss genauso hart oder vielleicht sogar noch härter weiterarbeiten, um nach vorne zu kommen.

X: Ich finde, ihr seid ganz schön fit auf euren Instrumenten. Bei vielen, jungen Musikern erlebt man immer wieder krasse Gegenbeispiele.

Sebi: Das Wichtige ist nicht nur sein Instrument gut zu beherrschen, sondern es geht ja darum, dass man das, was man im Kopf versucht hat, auf das Instrument zu übertragen. Ob das nun schwierig ist oder nicht, es kommt letztlich darauf an, wie es klingt und mit wie viel Herz es gespielt wird.

Flo: Wir sind ja alle ganz unterschiedlich zu unseren Instrumenten gekommen. Wir kennen uns auch noch nicht so lange. Ich bin eigentlich Schlagzeuger und habe bereits mit fünf/sechs Jahren angefangen, Schlagzeug und Klavier zu lernen. Gitarre spiele ich erst, seit ich 12 oder 13 bin. Peilomat ist die erste Band, in der ich richtig Gitarre spiele.

Sebi: Zur Musik gehört ja auch der Enthusiasmus. Musik hört man zwar, aber man sieht sie auch, was gerade beim Live-Konzert noch als weitere Komponente dazu kommt.

X: Ohne gewisse handwerkliche Fähigkeiten hast du doch keine Chance. Was nützt dir noch so viel Enthusiasmus, wenn du dein Gefühl nicht umsetzen kannst?

Hennich: Klar geht's auch mir darum, technisch versierter zu werden, aber wenn ich in der Band spiele, muss ich das nicht unbedingt zeigen. Es geht nicht darum, nur schön zu spielen, sondern darum, die Energie rüberzubringen, die man selbst in dem Moment fühlt. Wenn man nur die ganze Zeit daran denkt, alles „korrekt" machen zu müssen, so hat das Ganze keinen Wert.

Flo: Die beiden Jungs haben ja Bass und Schlagzeug gelernt - und bekommen ja noch immer Unterricht - bei mir ist es so, ich bin, zumindest was das Gitarrespielen angeht, Autodidakt. Ich bin auch sicherlich nicht der herausragendste Gitarrist. Ich sehe meine Aufgabe in der Band, Song-dienlich zu spielen. Ich versuche timingmäßig gut zu sein, aber ich spiele z.B. kein Solo, und wenn ich das probiere, geht's auch meist in die Hose (lacht). Jeder in der Band hat seinen Job übernommen und das trägt zum Gesamtsound bei, und natürlich ist dabei ein gewisses handwerkliches Können Grundvoraussetzung. Daraus ergibt sich meist auch das Arrangement, was ebenfalls eine wichtige Rolle spielt. Sebi dürfte handwerklich sicherlich der Fitteste von uns sein, wird dadurch auch sehr gefeatured, spielt z.B. mehrstimmige Sachen auf dem Bass und macht viele technisch anspruchsvolle Dinge. Ich begleite unsere Songs mit der Gitarre und bin halt nicht der typischen Instrumentalist, der im Vordergrund steht.

X: Durch eure Besetzung ergibt sich ein sehr spezieller Sound.

Sebi: Deshalb wollten wir auch von Anfang an im Trio spielen. Das Trio lässt auf der einen Seite sehr viel Platz, auf der anderen Seite muss man aber aufpassen, dass man nicht zu viel macht. Und dieses Arrangement erarbeiten wir gemeinsam in unseren Proben. Wir sehen uns hier noch in einer Art Findungsphase, wir sind noch lange nicht dort angelangt, wo wir letztlich hin wollen.

Wir spielen halt sehr viel und probieren jede Menge aus. Wir brauchen diese Zeit, um unseren Weg zu finden.

Peilomat_01Flo: Durch das Trio hat man im Prinzip begrenzte Mittel. Wenn man dagegen mit einem zweiten Gitarristen oder mit einem Keyboarder spielt, macht jeder was, und schon ist das Arrangement voll. Wir wollen, dass es rockt, dass ein gewisses „Rockbrett" da ist und wollen auf der anderen Seite, dass es auch harmonisch und vielschichtiger klingt. Wichtig ist, dass man den Sound nicht zu eintönig macht, da helfen uns natürlich auch die mehrstimmigen Gesänge, ein Stilmittel, was wir bewusst einsetzen, damit z.B. der Refrain schön aufgeht. Manchmal spielt auch Sebi ein paar Elemente, macht ein paar außergewöhnliche Sounds, die ansonsten vielleicht ein Keyboarder übernehmen würde. Wir probieren Vieles, um unsere begrenzten Mittel halt optimal auszunutzen.

X: Ja, das gibt eurem Sound einen ganz persönlichen Charme.

Sebi: Das freut uns. Es ist ja immer so subjektiv, aber wir stehen auf das, was wir machen. Wir wollen die Songs halt popig machen und auf der anderen Seite auch rocken, d.h. wir versuchen halt zwei Schienen zu vereinen: Eine Art Radiotauglichkeit und dann wollen wir live halt richtig Gas geben.

Hennich: Wichtig ist auch, dass man diese Energie transportieren kann. Pop hat manchmal auch einen faden Beigeschmack, denn viele Leute, die Pop machen, wirken ein wenig blutleer, wie ferngesteuert. Wenn man Pop macht, ist es wichtig, dass man die Energie möglichst direkt zum Publikum transportiert, dann wird auch Pop-Musik gut angenommen.

X: Wie entstehen eure Songs?

Sebi: Flo schreibt die Texte und kommt dann mit den Ideen zu uns. Manchmal sind die Songs schon recht weit, manchmal noch nicht. Dann arrangieren wir die Songs gemeinsam im Proberaum - Hennich und ich bringen dann wieder andere Einflüsse mit ein - wobei dann noch mal eine ganze Menge passiert. Das Endergebnis hat halt meist eine gewisse Eigenheit.

X: Gibt es konkrete Pläne für eine CD?

Flo: Durch den Rock- und Pop-Preis haben wir nun viele neue Kontakte bekommen, und es gibt auch von Plattenfirmen einige interessante Angebote. Es steht so gut wie fest, dass wir 2006 eine Platte aufnehmen werden, wo und mit wem überlegen wir noch.

Wir sind mit verschiedenen Produzenten im Gespräch und müssen einfach mal schauen, mit wem wir am besten arbeiten können. Wir würden gerne im März/April mit Aufnahmen beginnen.

X: Wie wichtig ist es für euch, dass euch ein potentieller Produzent möglichst viel Freiraum lässt?

Sebi: Wir sind immer dankbar für Kritik, aber ich glaube, dass wir schon sehr genau wissen, was wir möchten, aber ich glaube auch, dass wir Leute brauchen, die das, was wir Sound-mäßig in unseren Köpfen haben, auch Sound-mäßig umsetzen können. Wir drei liefern ja schon einen großen Input, und da wir auch viel live spielen, ist für uns vieles klar. Hier gilt es dann, das Ganze auch so authentisch wie möglich einzufangen, aber wir haben kein Problem damit, wenn uns jemand ein paar Tipps gibt, hier und da was am Arrangement zu ändern, hier und da etwas wegzulassen oder eventuell etwas zu ergänzen.

Flo: Ich arbeite auch als Songwriter und Produzent und daher ist der Prozess, die Platte zu machen nicht das Problem. Wir erhoffen uns von einem Produzenten, dass halt noch mal jemand von außen an die Band herantritt und eine Art „unbeteiligte" Meinung dazu kommt.

Wichtig ist trotzdem, dass er versteht, was wir uns vorstellen.

Es sollte niemand sein, der sagt, ihr müsst jetzt alles ganz anders machen.

www.peilomat.com