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"Königliche Klänge”

„We will rock you", das lauteste Musical Deutschlands, das seit dem 12. Dezember 2004 den Musical Dome in Köln rockt, tritt aufgrund des großen Zuschauerandrangs die Verlängerung an. Wir wollten herausfinden, was diese Show so anziehend macht. Es handelt sich hier nicht um typische Musicalsongs, sondern um echte Rockmusik von Queen, gespielt von einer echten achtköpfigen Rockband auf/mit hohem Niveau. Insgesamt sind 24 Musiker inkl. Notbesetzung beteiligt, wobei Brian May, Gitarrist, und Roger Taylor, Schlagzeuger und Sänger von Queen, die Produzenten und musikalischen Supervisor des erfolgreichen Musicals We will rock you sind, das die beiden zusammen mit dem Autor Ben Elton entwickelt haben. Obwohl die Show, außer in Köln, in Melbourne, Sydney, Madrid, Las Vegas und London aufgeführt wird, nehmen sich May und Taylor die Zeit, um den Musikern persönlich Anweisungen zu geben, damit diese es so authentisch wie möglich klingen lassen können.
Die Band befindet sich während der ganzen Show auf einer so genannten Bandplattform oberhalb der Bühne, meist hinter einem Vorhang, d.h. die Musiker werden bis zur letzten Szene verborgen, um gegen Ende der Show mit dem Überraschungseffekt der Enthüllung gefeiert zu werden. Nun zeigt sich, wer die ganze Show so grooven lässt.
Wir haben die Band zu einem interessanten Gespräch aus ihrem Versteck gelockt.
Xound: Ihr seid alle von den unterschiedlichsten Orten hier zusammengekommen. Wie bekommt man einen Platz in der Rockband des Musicals We will rock you?
Brandon: Einige Musiker waren schon vorher im Theaterbereich tätig und dadurch haben sie von den Auditions gehört. Wir haben alle Auditions gespielt und gewonnen, so haben wir den Job bekommen. Etwa die Hälfte der Band sind richtige Rockmusiker, die noch nie in einem Musical mitgewirkt haben.
Oliver: Der Standardweg ist folgender: Es gibt eine Audition, die wird ausgeschrieben. Für We will rock you haben sich ca. 450 Musiker beworben. Zunächst gab es eine Vorauswahl. Die Leute, die nach der Vorauswahl übrig blieben, kamen zu einer sogenannten Vor-Audition und das Kondensat dieser Audition wiederum (geleitet vom damaligen Supervisor Mike Dixon aus London, wo das Musical uraufgeführt wurde) kam in die sogenannten Finals. Zu diesen Finals kamen dann auch Brian May und Roger Taylor von Queen dazu. Die Finals gingen über zwei Tage mit jeweils ca. 70 Musikern und das Kondensat dieser zwei Tage sitzt jetzt hier.
Xound: Ihr seid insgesamt 24 Musiker, die rotieren?
Brandon: Mit den Notbesetzungen und allem drum und dran, ja kann sein.
Oliver: Zuerst wurden nur zwei Parallelbands gesucht. Eine sogenannte „Principal"-Band und eine „Deputy"-Band. Die „Principal"-Band ist die Band, die angefangen hat. Parallel dazu wurde dann die „Deputy"-Band eingearbeitet. Die „Deputy"-Band war auch schon bei den ersten Proben dabei und seither haben wir ein alternierendes System, also jeder Stuhl ist quasi beliebig zwischen Principal und Deputy austauschbar. Mittlerweile sind die Grenzen so verschwommen, dass die Unterscheidung nicht mehr wirklich gemacht wird.
Weil schnell klar war, dass zwei Musiker pro Position auf Dauer nicht ausreichen würden, haben wir noch sogenannte „Emergencies" dazu genommen. Die „Emergencies" wurden jetzt auch eingearbeitet und daraus ergibt sich wahrscheinlich die Summe von 24 Musikern. Ich weiß die Gesamtzahl gar nicht genau, wir haben nie wieder gezählt.
Xound: Wenn verschiedene Musiker zusammenkommen, dann funktioniert das manchmal besser, manchmal weniger gut. Haben sich Traumkonstellationen in der Bandbesetzung herauskristallisiert?
Martin: Das ist ja gerade das Interessante daran: Jeder spielt anders. Kein Tag ist gleich, da die Musiker ja rotieren. Die Leute spielen zwar auf einem hohen Niveau, aber immer ein bisschen anders. Das ist das Lebendige in der Show, man reproduziert nicht jeden Tag dasselbe, jedes Mal immer wieder ein anderes Schauspiel.
Xound: Ihr habt wahrscheinlich ein sehr tightes Programm, die Show muss ja laufen. Gibt es aber trotzdem Passagen, wo ihr die Möglichkeit habt, je nach Situation die eine oder andere Passage zu wiederholen oder ist alles taktmäßig ganz genau ausgezählt?
Boris: Also in dieser Show ist relativ viel ausgezählt, es sind halt wirklich Rocksongs, die wir spielen. In anderen Shows gibt es häufig solche Sicherheitstakte, die vom Dirigenten gezählt werden. Dieser sagt dann Bescheid, wenn es weiter geht, wenn z.B. auf der Bühne gesprochen wird. In unserer Show sind nur in den Songs "I want to break free" und "Flash" solche Passagen enthalten. Sie können mal zwei bis drei Takte länger oder kürzer sein.
Brandon: Es geht bei unseren Variationen weniger um Taktzahlen, die Frage ist eher, wie viel von Gitarre, Keyboard und von den Drums improvisiert wird. Queen machte sehr strukturierte Musik und es handelt sich hier nicht um ein „Greatful Death"-Musical. Die Musiker halten die Richtung jeden Abend ein und trotzdem spielen sie verschieden. Zwischen den beiden Haupt-Drummern ist der Unterschied am deutlichsten zu hören.
Boris: Die Drum-Score ist relativ festgelegt. Sie fängt links oben an und hört rechts unten auf. Der Song ist komplett aufgeschrieben, aber es gibt eben solche Sachen wie Fill-Ins, bestimmte Breaks, die René, der andere Drummer, und ich total unterschiedlich spielen, weil wir von unterschiedlichen Stilrichtungen beeinflusst sind - ich von den Seventies, René von den Achtzigern. Wir beide benutzen quasi diesen Effekt, den Roger Taylor (Queen) benutzt hat, um die Songs nach Queen klingen zu lassen, haben aber trotzdem unsere eigene Stilistik mit eingebracht. Roger Taylor sagte, weil auch wir dieselbe Musik spielen, sollte jeder sie so spielen, wie er sich wohlfühlt.
Xound: Die Gitarrensounds sind sehr Queen-mäßig. Gab es da Vorgaben von Brian May?
Matthias: Es ist gerade bei den Gitarren sehr wichtig, dass sie so klingen wie Queen. In der ganzen Show wurde sehr viel Wert aufs Equipment gelegt. Es sind Vox AC 30 im Einsatz, die von Greg Fryer modifiziert worden sind, die gleichen, die eben auch Brian May spielt. Außerdem spielen wir teilweise mit der Six-Pence-Münze, also nicht mit Plektrum, um näher an den Sound heranzukommen. Den Feinschliff bekamen wir dann in den Proben von Brian May selbst, er hat uns seine Vorstellungen kundgetan, indem er einfach Parts vorgesungen bzw. vorgespielt hat und wir haben dann daran gearbeitet.
Xound: Wie lange habt ihr bis zur ersten Show geprobt?
Boris: Das waren drei Wochen Proben bis zu den Previews und dann drei Wochen Previews bis zur Premiere, also insgesamt sechs Wochen.
Xound: We will rock you ist das lauteste Musical Deutschlands. Wie laut ist es bei euch auf der Bühne auf eurer Band-Plattform?
Matthias: Auf der Plattform ist es total ruhig, das Einzige, was man akustisch hört, sind die Drums/Percussions und das, was wir von der Bühne zurückbekommen. D.h. wir spielen alle über Kopfhörer.
Xound: Aber braucht man denn nicht die „flatternde Hose", um das richtige Rockgefühl zu bekommen?
Oliver: Ich stehe auf einer Shaker-Plattform, d.h. unter mir ist im Boden ein 18"-Shaker montiert, der ordentlich rappelt und vibriert, dadurch habe ich dieses Gefühl mit einem Ampeg SVT auf einer Bühne zu stehen und das ist schon wichtig. Bei den Gitarren ist es leider nicht so, sie müssen halt so damit klar kommen.
Matthias: Wir haben einen sehr guten Monitor-Sound, jeder von uns hat sein eigenes Pult und jeder mischt sich seinen Monitor-Sound selbst.
Wie schon erwähnt ist es auf der Band-Plattform total leise. Die Amp-Teile von den AC30´s befinden sich direkt über unseren Köpfen, die Speaker-Cabinetts mit den Lautsprechern sind dagegen - „abgemiked" - in einem isolierten Raum untergebracht und dadurch für uns eigentlich unhörbar.
Somit bekommen wir normalerweise kein Feedback. Wir haben aber kleine Übungs-Amps, Brian May-Specials, die sogenannten "Deacy´s" (benannt nach dem Erbauer John Deacon, Queen's Bassist), die wir zusätzlich verwenden, um auf der Bühne Feedback zu bekommen.
Xound: Ein Musical läuft über einen langen Zeitraum. In der Regel fängt man an, im kleinem Rahmen zu variieren und über einen längeren Zeitraum verändert sich die Musik mehr und mehr. Gibt es da hin und wieder ein Geraderücken? Wer ist dafür verantwortlich, den „roten Faden" nicht zu verlieren?
Brandon: Ich sorge ab und zu dafür, dass wir den roten Faden nicht verlieren. Wenn man so viele Shows spielt, tendiert man, um sie aufregend zu halten, dazu, mit der Zeit schneller zu werden, was natürlich nach einer Weile für die Tänzer und Sänger absolut unmöglich wird. Ich sage dann, okay gehen wir zurück zum ursprünglichen Tempo.
Oliver: Wobei ich sagen muss, ich habe in meinem Leben an sehr vielen Produktionen mitgewirkt, was die Tempi der Show angeht, ist dies die disziplinierteste, die ich je gemacht habe. Wir behalten unseren Freiraum und trotzdem wird sorgfältig darauf geachtet, dass das Framework immer sehr tight ist und da bleibt, wo es sein soll.
Brandon: Und uns wird nie langweilig dabei, diese Musik jeden Abend zu spielen, weil sie verdammt gut ist. Die Songs haben wirklich Substanz.
Xound: Du hast eben die Tempi angesprochen. Zählt ihr mit Metronom ein oder geht ihr nach Gefühl?
Boris: Bei mir ist es so, Brandon zählt mich ein, ich nehme Brandons Tempo ab, habe aber selbst auch ein Metronom, dasselbe, das Brandon hat. Manchmal überprüfe ich das Tempo noch mal, aber wir sind eigentlich immer drauf.
Klar hängt das Tempo auch von der Stimmung ab. Wenn man einen schnellen Tag hat, merkt man das schon am Klick, dann geht der ganze Song weiter nach vorne, wenn man einen relaxten Tag hat, ist man ganz weit hinten, aber es ist trotzdem immer dasselbe Tempo, es fühlt sich nur anders an.
Martin: Wir sind eigentlich immer relativ konstant auf dem Tempo drauf.
Brandon: Bei der Gelegenheit möchte ich darauf hinweisen, dass es hier nur drei Songs mit Klick gibt. Einer, damit die Aufnahme von Freddy Mercury mit uns „singen kann", und bei den anderen beiden müssen wir mit der Videoleinwand synchron sein. Ansonsten gibt es keine Klick-Tracks in der Show.
Martin: Es geht darum, dass es groovt, es geht nicht darum, Erbsen zu zählen. Es muss rocken, das ist die Prämisse, so soll es sein und das ist das A und O der Show. Wenn man sich Queen live anhört oder auch die Studioaufnahmen, dann ist das Tempo durchaus variabel und das ist ja nicht schlecht, sondern ganz im Gegenteil einfach musikalisch - „Musical Timing".
Boris: Brandon lässt es auch manchmal laufen. Wenn wir z.B. aus irgendwelchen Gründen zu schnell sind und Brandon sieht es und ich auch, schauen wir uns an, und dann kann es aber sein, dass Brandon sagt, klingt gut, fühlt sich gut an, weiter so, das lassen wir diesmal. Es bricht dann keine Hektik aus, uhh wir müssen unbedingt langsamer werden.
Xound: Ihr seid jetzt schon eine Weile dabei. Träumt ihr nachts von den Queen-Songs?
Oliver: Komischerweise hier nicht, bei anderen Shows war es so, West Side Story hat mich zum Beispiel verfolgt.
Boris: Ich träume eher von Desastern, meine Horrorvorstellung schon seit Beginn der Show ist, dass die Band-Plattform irgendwann nach vorne wegkippt und wir alle runter rutschen. Das habe ich tatsächlich mal geträumt. Das war nicht so witzig und ich bin dann schweißgebadet aufgewacht. Aber von den Songs habe ich eigentlich nicht geträumt.
Brandon: Ich träume manchmal, dass die Musiker mit falschen Instrumenten dasitzen, Martin mit Akkordeon, Oliver mit der Tuba und wir sollen "We will rock you" spielen. Es ist ganz schrecklich.
Kilian: Von den Stücken habe ich wenig geträumt, aber ich habe geträumt, dass wir zusammen im Schullandheim waren.(Gelächter) Das zeugt, glaub´ ich, von der guten Stimmung, die unter uns herrscht, auch auf der Band-Plattform.
Band 1:
Brandon Ethridge - Keyboard
Yi Zhou - Keyboard
Matthoas Simoner - Gitarre
Frank Rohles - Gitarre
Oliver Poschmann - Bass
Boris Ehlers - Drums
Martin Esser - Percussion
Band 2:
Jeff Brück - Gitarre
René Detroy - Drums
Kilian Haiber - Keyboard
Martin Hesselbach - Percussion
David Lang - Gitarre
Rolf Sander - Bass
Klaus Tenner - Keyboard
Kurz-Biographien:
Brandon Ethridge, Music Director: Brandon Ethridge stammt aus den USA - hat in amerikanischen und deutschen Theatern als Komponist, musikalischer Leiter, Pianist, Sänger, Gitarist, Saxophonist, Akkordeon- und Tubaspieler, Schauspieler und als Tänzer mitgewirkt. Als Sänger und Gitarrist wurde er mit dem 4. Platz für Best Song by an Unsigned Artist von MTV-Europe ausgezeichnet.
Matthias Simoner, Guitar: Matthias Simoner wurde in Melk an der Donau (Niederösterreich) geboren.Er studiert an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien Gitarre bei Peter Legat und Martin Kelner.Unter vielen anderen Projekten spielt Matthias in seiner Band "The Horny Funk Brothers" zusammen mit Ex-"Tower of Power" Sänger Hubert Tubbs.
Frank Rohles, Guitar: Frank Rohles, geboren in Burgos, Spanien, erhielt als Kind ein Jahr Unterricht auf der spanischen Gitarre, den er als Autodidakt fortführte und später um E-Gitarre erweiterte. Nach einem BWL-Studium entschied er sich für die Musik. U.a. spielt Frank Rohles in seiner Band Faro.
Boris Ehlers, Drums: Boris Ehlers begann mit 4 Jahren das Schlagzeugspielen - studierte Drums/Percussion in Osnabrück und Hamburg - auch als Komponist und Arrangeur tätig, außerdem Dozent an mehreren Musikschulen.
Oliver Poschmann, Bass: Oliver Poschmann absolvierte bislang 4000 live Auftritte; arbeitete mit Künstlern wie Paul Young, Bobby Kimball, Laith al Deen,...; als Verleger und Produzent arbeitete er in der Karibik und erhielt eine Auszeichnung der "National Cultural Foundation Barbados". Er schreibt für die Musikfachpresse; sein 1991 erschienenes Handbuch für E-Bass gilt als Standardwerk.
Martin Esser, Percussion: Musikstudium an der Hogeschool der Kunsten in Hilversum/NL; spielte für diverse Musicals, Les Misérables, Evita, Miami Nights,...; außerdem Auftritte mit Acts wie Ace of Base; ist Percussionist in der Tourband von Lucy Diakovska.
Kilian Haiber, Keyboard: Klavierstudium in Zürich; arbeitet auch als Arrangeur und Produzent; besitzt ein eigenes Label, KI-music; trat auf Konzerten/TV u.a. mit den Schweizer Künstlern, Susan Orus, Mr. Swiss Country John Brack und Natacha.
Jeff Brück, Guitar: Jeff Brück brachte sich als Kind selber das Schlagzeugspielen bei; mit 12 nahm er Unterricht in klassischer Gitarre und spielte bald in diversen Rockbands; er arbeitete u.a. mit Nena und Falco meets Amadeus.
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