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René Decker, musikalischer Leiter der Yvonne Catterfeld-Band (vier 06) PDF Drucken E-Mail

"Live-haftig"

ReneDecker-(8)

Yvonne Catterfeld´s Charterfolge sind gewiss unbestritten, aber auch live überzeugt die Band der sympathischen Sängerin immer wieder vor ausverkauften Konzerthallen.Jede Band hat mindestens einen wichtigen Kopf, der die musikalischen Fäden in der Hand hält. Bei Yvonne´s Band hat Keyboarder und Saxophonist René Decker die Rolle des musikalischen Direktors übernommen. Wir trafen uns mit René zu einem herzlichen Gespräch in seinem Haus im Osten Berlins. Hier lebt er mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen und betreibt sein eigenes Studio.

Xound: René, wie bist du zur Musik gekommen?

René: Ich bin in Thüringen, genauer gesagt in Meiningen aufgewachsen. 
Auf Wunsch meines Großvaters habe ich angefangen, Musik zu machen. Er wollte unbedingt, dass ich Trompeter werde, hat mir allerdings im Alter von sechs oder sieben Jahren  zunächst eine Gitarre gekauft. Mit acht Jahren bin ich dann zur Musikschule gegangen, diese habe ich bis zum 16. Lebensjahr besucht. Danach wollte ich Saxophon studieren.
Es gab jedoch nur einen einzigen Ausbildungsplatz für Saxophon und dieser ist dann aber an jemand anderen vergeben worden, was ich leider erst zwei Wochen vor Studienbeginn erfahren habe. Da habe ich erst einmal KFZ-Schlosser gelernt, wobei ich jedoch parallel zur Ausbildung - damals noch heimlich - in Profibands spielte.
Dazu zählten z.B. ein Tanzorchester in Suhl und eine Bluesband in Thüringen. Aus der Bluesband ist später eine Band Namens Brommoss entstanden, die Musik im Stil von Kansas und Toto machte. Mit dieser Band konnte ich schon mal über den Thüringer Zaun schauen. Bei dieser Band handelte es sich um eine so genannte Förderband, die Band wurde durch den Bezirk gefördert.

Xound: Wie darf ich das verstehen, dass du  „heimlich" in der Band gespielt hast?

korgcatterdecker_12René:  Da ich noch halb Schüler war bzw. meine Lehre absolvieren musste, und da es Berufsbands waren, in denen ich spielte, brauchte man eigentlich einen Berufsausweis. Dieser wurde entweder nach einem Studium oder nach einem Spezialschulabschluss „zuerkannt".
Aber zum Glück ging alles gut und ich habe mit dieser Band schon Tourneen z.B. nach Russland ans schwarze Meer gemacht - das wurde alles von Berlin aus organisiert.
Parallel zu meinem Livespielen habe ich aber schon immer viele Studioaufnahmen eingespielt, auch bereits in Thüringen.
Als ich 18 war und ausgelernt hatte, kam auch gleich ein Angebot aus Berlin von einer Band namens Ute Freudenberg und „Elefant". Diese Band war ähnlich wie die Puhdys und Karat sehr erfolgreich. Ich bin dann von heute auf morgen nach Berlin gezogen, von heute auf morgen hatte ich auch plötzlich 20 Gigs im Monat. Im Osten wurde das Geld ja eher durch Vielspielerei verdient. Es gab stets so genannte Bezirkstourneen, d.h. man ist z.B. nach Dresden gefahren und hat doch alle Läden abgeklappert usw. Auf diese Weise kamen halt die Gigs zustande. Aufgrund des Status, den diese Band hatte, haben sie es geschafft, dass ich Reisekader wurde. So durfte ich mit 18 Jahren das erste Mal „raus" und konnte mir ein Bild machen. Wir haben beispielsweise im Ruhrgebiet auf dem UZ-Pressefest gespielt und kamen sogar bis nach Kuba. Später kamen dann kommerziellere Sachen.
Es gab im Westen zwei unterschiedliche Schienen, die man fahren konnte: Einmal über die Künstleragentur und zum anderen über die FDJ. Die FDJ war sehr mächtig und war in der Lage Dinge durchzusetzen, die die Künstleragentur nicht geschafft hat.
Ute Freudenberg ist dann nach einem Auftritt in der aktuellen Schaubude in Hamburg geblieben. Nach einem halben Jahr Pause habe ich bei NO 55, einer Band um den „City"-Geiger mitgespielt. Die Musik war Rockmusik, teilweise mit Balkan-Einflüssen, mal etwas ganz anderes. Hier spielte ich Keyboard und Saxophon.

Xound: Was passierte nach der Wende?

René: Nach der Wende ist dieses, vom Staat organisierte System mit Künstleragenturen usw. erst einmal zusammengebrochen. Klar, viele Leute wollten natürlich erst einmal die „Originale" aus dem Westen hören. Es hat auch viele Jahre gedauert, bis sich neue Strukturen entwickelt haben.
Über Freunde - u.a. über die „Spliff"-Crew, hatte ich das Glück, dass ich gleich ´90/´91, auch wieder nach einem Studiojob, bei Nena eingestiegen bin. Ich habe dort ein Jahr gespielt. Es folgten Projekte mit „Spliff"-Sänger und Gitarrist "Potsch" Potschka, mit Achim Heider, Weather Girls, Kim Fischer und Kai Diener, der heute Sarah Connor produziert.
Das war meine Westberliner-Connection, die auch bis heute noch existiert.

Xound: Wie bist du zur Yvonne Catterfeld-Band gekommen?

René: Ich habe seinerzeit die Stadtstudios aufgegeben und bin aufs „Land" gezogen. In den zwei Jahren habe ich nichts produziert. Als das Studio hier fertig war, habe ich zwei Chor-Platten gemacht und über diese Chor-Arbeit hat sich der Kontakt ergeben.
Ich bin mit dem damaligen Schlagzeuger und dem Tonmeister von Yvonne befreundet, Stefan Schmidt und Peter Micheiloff, die zu diesem Zeitpunkt gerade das Projekt aufgebaut hatten. Es gab eine Band und nach ein paar Testkonzerten stellte man fest, dass alles noch ein wenig dünn ist, und man hat sich Gedanken darüber gemacht, wie man das Ganze noch Chor-mäßig ein wenig stabilisieren kann. Für das erste kurze Set von Yvonne - sie spielte damit im Vorprogramm von Nena - haben wir dann hier die Chöre und Click-Tracks produziert, damals noch im Tascam DA-88 Format. So sind wir zusammengekommen.
Ein halbes Jahr später stand Yvonne´s große Tour an, und da hat sie mich gefragt, ob ich mitspiele.

IMG_33122Xound: Seit wann bis du der musikalische Leiter der Band?

René: Am Ende der ersten Tour gab es eine kleine Umstellung bei den Musikern, und da ich ohnehin die ganze Vorbereitung hier bei mir gemacht habe, wurde die musikalische Führung an mich übergeben.

Xound: Wie gehst du vor, wenn du das Konzept der Studioproduktion für die Live-Situation umsetzt?

René: Es war eine ideale Zusammenarbeit mit Jeo in Hamburg, der fast alle Produktionen gemischt hat, aber auch mit Schallbau und allen Komponisten, die mir ihre Original-Produktionen geschickt haben. Alle Sessions waren leicht zu öffnen, d.h. alle Songs sind aufgegangen (lacht). Auf diese Weise konnte man  gleich sehen, was wo gespielt wird und was man gegebenenfalls weglassen kann. Was zu spielen ist, hören sich die Live-Musiker selbst heraus. Zum Teil werden noch Instrumentals eingebaut, Parts verlängert usw., um das Ganze konzertgerechter zu machen. Bei allen Songs haben wir zusätzlich eine Click-Spur, bei einigen Songs sogar eine Notspur mit Yvonne´s Stimme.

Xound: Ist diese Notspur für den Fall gedacht, dass die Stimme mal ausfällt?

René: Wir hatten ja keine Erfahrung, es war ja Yvonne´s erste große Tour. Wir wussten ja nicht, wie reagiert die Stimme im Laufe der Tour auf Nebel, muss man mit Befeuchtern arbeiten usw. So hat man diese Spur mit angelegt, doch diese haben wir bisher kein einziges Mal eingesetzt. Nach der ersten Tour-Woche wussten wir, wir dürfen keinen Nebel einsetzen,  doch Yvonne hat die Tournee sehr gut durchgestanden, wobei sie allerdings auch sehr diszipliniert war. Sie raucht nicht, trinkt nicht und ist stets früh ins Bett gegangen.
Ansonsten kommen „vom Band" bzw. vom Computer  nur ein paar Loops, hier und da eine Akustik-Gitarre  und zusätzliche Strings, die typisch fetten Jeo- oder Lalo-String-Arrangements. Unterstützend werden diese noch live mitgespielt.
Nach den ersten 10 Gigs merkt man meist, wo es klemmt, wo vielleicht dramaturgische Lücken entstehen und dann wird entsprechend korrigiert.

Xound: Wenn man live zum Click-Track spielt, fühlt man sich dabei nicht wie „an die Leine genommen"? Man kann ja nicht mehr völlig frei spielen und nur eingeschränkt auf das Publikum reagieren.

USB-STICK---198René: Den Click hören ja nur der Drummer Felix Lehrmann und der Percussionist Topo Gioia aus Argentinien, und die spielen so schön drum herum, dass man in keinem Augenblick das Gefühl hat, man würde zum Click spielen. Wir können auch durchaus mal den einen oder anderen Chorus mehr spielen, es ist auch schon vorgekommen, dass der Rechner ausgestiegen ist, und wir komplett live gespielt haben. Auch das funktioniert.

Xound: Welche Software verwendest du im Rechner?

René: Ich habe stets mit Logic gearbeitet, in letzter Zeit setzte ich aber mehr und mehr auch Motu´s Digital Performer Software ein. Ich habe vor kurzem erst zwei Produktionen damit aufgenommen. Wenn du dich über Jahre auf eine Software eingeschossen hast, so ist der Umstieg nicht einfach, doch manchmal - und so ist es sicherlich auch beim DP - lohnt sich der Aufwand. Wir haben auch Motu´s Hardware eingesetzt: Stefan Schmidt hat jedes Konzert mit Motu HD192-Interfaces mitgeschnitten, u.a. auch, um eventuell Aufnahmen für unsere Live-DVD-Produktion editieren zu können. Doch diese Sicherheits-Aufnahmen wurden nicht benötigt. Es wurde nichts repariert, so wie man die DVD hört, wurde sie auch live eingespielt - Glück gehabt (lacht).

Xound: Welche Rolle spielt die Band bei den Studioproduktionen?

René: Bei der nächsten, sich gerade in Vorbereitung befindenden Platte, wird Yvonne mit verschiedenen Teams zusammenarbeiten.
Früher war die Band bei Produktionen außen vor, jetzt sind wir in einer Phase, wo man sich zusammensetzt und verschiedene Sachen ausprobiert. Auch wir haben hier etwas für die neue Platte produziert.
Eines der ersten Projekte, an dem ich im Studio mitgearbeitet habe, war Yvonne´s Duett mit Eric Benet, produziert von Walter Afanasieff.
Das ist auch eine neue Epoche für Yvonne, sie hat jetzt zu Hause ein kleines Setup mit einem 17" Powerbook, Klavier, einem Motu Ultralight Interface und hat sich ein schönes Mikrofon gekauft. Sie beginnt gerade, sich einzuarbeiten.

www.decker-music.com