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Reamonn´s Drummer Gomezz (vier 06) PDF Drucken E-Mail

„Wish“

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Seit vielen Jahren belegt die fünfköpfige Band mit ihren Songs immer wieder regelmäßig die oberen Ränge der Charts. Die Band besteht seit 1998 aus Keyboarder und Percussionist Sebastian Padotzke, Sänger Raymond  Garvey, Bassist Philipp Rauenbusch , Gitarrist Uwe Bossert und Drummer Mike Gommeringer alias Gomezz. Das aktuelle Reamonn-Album trägt den Titel „Wish“, und tatsächlich scheinen für die Musiker viele Träume in Erfüllung gegangen zu sein. Zum ersten Mal produzierte Reamonn ein Album  im Los Angeles unter der Regie von Greg Fidelman, der bereits Bands wie Audioslave, Slipknot, Red Hot Chili Peppers und Marilyn Manson betreute. Die Band – die u.a. als hervorragende Live-Band gilt - hat sich beim neuen Album an Lebendigkeit und Authentizität übertroffen: Reamonn, wie man die Fünf von ihren besten Konzerten her kennt. Wir hatten Gelegenheit zu einem Gespräch mit Reamonn´s Drummer Gomezz.

Xound: Wie hat es sich ergeben, dass ihr für die Produktion des neuen Albums in die USA gegangen seid?

Gomezz: Das war eher ein Zufall. Als wir begonnen haben, für unser Album Songs zu schreiben, überlegten wir auch, welchen Produzenten wir für das Album nehmen könnten. Wir haben uns weltweit mit verschiedenen Leuten getroffen u.a. auch mit Greg Fidelman. Als wir mit Greg gesprochen haben, war uns schnell klar, dass er unser Album produzieren muss. Greg sagte von vorneherein, dass es am Geschicktesten sei, alles in Los Angeles zu machen. Er weis halt hier genau, in welchem Studio er welchen Sound bekommt, wo wir Equipment her bekommen können, wenn wir etwas brauchen, ebenso hat er hier auch gleich die richtigen Assistenten  usw. Das Gespräch hat uns überzeugt, und so gingen wir rüber nach L.A.

Xound: War das Arbeiten  in L.A. viel anders als hier?

Gomezz: Das erste Album haben wir ja damals in Wales produziert, das zweite Album in Italien und das dritte in Spanien. Man hat jetzt schon einen Unterschied gemerkt. Alleine die Studios waren schon anders, ich will nicht unbedingt sagen besser, halt anders. Es war ein ganz anderer Vibe. Das begann schon bei den Proben. Unser Proberaum befand sich in einem alten, abgelegenen Haus mit drei, vier Proberäumen. Neben uns haben z.B. „Audioslave“ geprobt, und da kamen halt irgendwann mal „Queens Of The Stoneage“ rein, das war  für uns schon abgefahren. Wir waren plötzlich mit den ganzen großen Leuten wie „Rage Against the Machine“ und „Soundgarden“ zusammen.  Ich bin halt mit diesen Idolen groß geworden und dann stehen plötzlich jeden Tag Chris Cornell und Tom Morello nebenan und reden mit dir. Für die Leute dort war das ganz normal.

reamonn_promise_foto2_300cmGenauso im Studio: Wir haben z.B. im „Sound City“ aufgenommen. Wenn du rein kommst, hängen hier überall Gold- und Platin-Alben von „Nirvana“, "Rage Against the Machine" oder den „Red Hot Chili Peppers“. Alle haben hier bereits aufgenommen. Das ist schon ein irres Gefühl - du hast zu Hause all diese Scheiben stehen und plötzlich bist du auch ein ganz, ganz kleiner Teil von dieser Musikgeschichte. 

Ich glaube alles,  diese Atmosphäre, dieser Vibe,  hat uns bei der Produktion extrem beeinflusst.

Xound: Wie lange habt ihr euch vorbereitet? Sind die Songs erst in L.A. im Proberaum entstanden oder hattet ihr die Songs schon vorher fertig?

Gomezz: Wir haben 2005 den größten Teil des Jahres mit Songwriting verbracht. Wir hatten in diesem Jahr zwar einige Auslandsauftritte, in Deutschland haben wir uns dagegen eher rar gemacht. Nachdem wir uns entschieden, mit Greg zusammenzuarbeiten, haben wir ihm alle Sachen rübergeschickt, die in unseren Augen etwas taugten - von fertigen Songs, über Demos,   bis hin zu irgendwelchen Groove- oder Gitarren-Ideen. Er hat uns daraufhin ein Feedback gegeben und wir haben die Sachen entsprechend überarbeitet. Den Feinschliff haben die Songs dann zusammen mit Greg im Proberaum in L.A. bekommen.

Insgesamt waren wir vier Monate drüben, von denen wir kapp acht Wochen im Proberaum verbracht und an den Song gearbeitet haben. Da wir ein „rundes“ Album wollten,  haben wir uns auch erst bei den Proben entschieden, welche Songs wir aufs Album nehmen.

Wir wollten all unseren Songs und unseren Ideen eine Chance geben und so haben wir sechs Tage in der Woche von morgens bis tief in die Nacht gearbeitet - Sonntags war frei. Die Arbeit war sehr intensiv, sehr ergiebig, und es hat einen Mega-Spaß gemacht. Es war ein ganz anderes Arbeiten, wobei jeder von uns sehr viel gelernt hat.

Nachdem wir im Proberaum abgebaut haben, sind wir sofort ins Studio, haben aufgenommen und anschließend gemischt.

Xound: Live Spielen ist ja eine eurer Stärken, hier kommt eine ganze Menge rüber. Hattet ihr auch im Studio die Möglichkeit vieles zusammen einzuspielen?

Gomezz: Beim ersten Album haben wir ja alle Basics live eingespielt. Beim zweiten und dritten Album dagegen wurde alles nach und nach eingespielt, d.h. erst Schlagzeug, dann Bass usw., was halt viel schneller ging, ich habe einfach vier oder fünf  Takes eingespielt und man hat sich den besten ausgesucht.

Bei unserem neuen Album sagte Greg - er hatte uns auch live gesehen - gleich bei unserem ersten Gespräch: Ihr müsst das Album live aufnehmen. Er fand das zweite und dritte Album ein wenig zu steril. Klar, man konzentriert sich als Musiker auf seinen Part - ich habe ja meist nur zur Guide-Spur und zum Klick gespielt.

Gregs Vorschlag entsprach auch unseren Vorstellungen, auch wir wollten das Album möglichst live einspielen. Und so ergab sich, dass wir manche Songs zwanzig oder dreißig mal gespielt haben, bei den ersten zehn Takes war halt das Schlagzeug total super, aber der Vibe war nicht da, es hat sich einfach nicht so gut angefühlt. Greg hat nie darauf Wert gelegt, dass alles perfekt gespielt ist, er wollte stets diesen besonderen Moment einfangen. Er hat auch nie nach dem Take gesagt, wir hätten gut gespielt, sondern dass es sich gut anfühlt. Das war sozusagen der Leitfaden während unserer Produktion, da stand plötzlich wieder die Musik im Vordergrund.

reamonn_promise_foto5_300cmSo findet man auch auf der Platte immer wieder Passagen, wo die Gitarre mal ein bisschen verstimmt ist oder ein Snare-Schlag mal daneben liegt. Doch wir haben uns bewusst für diese Takes entschieden, weil sie gut rüber kommen. Es gab andere Takes, die waren vielleicht perfekter gespielt, aber wir waren uns alle einig, dass die Takes, für die wir uns letztlich entschieden haben, alle etwas Besonderes vermitteln. Bei einem Song hatte Uwe z.B. einfach aus Spaß beim Warmspielen ein Gitarren-Lick gespielt. Greg war begeistert und sagte, „Hey, spiel das doch gleich mal“.  Wir haben dann den Song gespielt und merkten, es funktioniert wirklich gut. Als wir den Song dann einspielen wollten, kam aus der Regie der Kommentar: „Alles o.k., das war´s schon, der Song ist fertig.“ Der Take war bereits aufgenommen. Der Part kam ja völlig spontan und eiert ein wenig in sich, doch es hatte eine Magie. Obwohl Greg meinte, Uwe würde das nicht mehr so hinbekommen, haben wir trotzdem noch mal einen Take aufgenommen und tatsächlich: Greg lag richtig, der neue Take war zwar technisch perfekter, weil Uwe das Riff auch geübt hatte, doch es war völlig anders und hatte lange nicht mehr den Charme wie der erste Take.

Xound: Es ist ja auch wichtig, einen Produzenten zu finden, der Mut genug hat, solche Dinge zuzulassen.

Gomezz: Ja, auf jeden Fall. Ich muss gestehen, dass wir am Anfang schon ein wenig unsicher waren, und dachten, das könnte man ja alles viel besser spielen - wir wissen ja auch, dass wir das hinbekommen. Doch Greg war der Meinung, das interessiert niemanden, der Song ist wichtig. Greg, der auch schon bei Produktionen der „Red Hot Chili Peppers“ mitgearbeitet hat, sagte: „auch die nehmen so ihre Platten auf“. Lustigerweise lief abends im Radio „Californication“ und da vielen mir sofort einige Dinge auf, die wir besprochen hatten. Greg hatte Recht: Einige Snare-Schläge z.B. klangen völlig anders, da hatte der Drummer halt mal einen Rim getroffen. Viele Dinge sind mir vorher noch nie aufgefallen.

Ich glaube es ist wichtig, dass man jemandem wie Greg, der schon bei so vielen Mega-Sellern mitgewirkt hat, einfach vertraut.

Xound: Durch die vielen Editier-Möglichkeiten ist leider das „echte“ Musikmachen mit all seinen kleinen interessanten Unwägbarkeiten ein wenig in den Hintergrund geraten.

Gomezz: Ja, leider nützt es aber nichts, wenn alles perfekt editiert ist, aber der Rest nicht rüberkommt. Uns ist bei „Wish“ mal wieder bewusst geworden, dass es letztlich um Musik geht. Warum stehen die Leute heute noch auf alte Beatles- oder Led Zeppelin-Produktionen? Hör dir die Platten an, die werden teilweise fünf bis sechs Beats schneller im Song, die Fills sind teilweise total im Off , da stimmt z.T. gar nichts, aber du denkst: „Was für ein geiler Song“; und genau darum geht´s. Wie du schon sagtest, wenn man uns live sieht, merkt man, dass wir an die Musik glauben, dass hier jede Menge Herzblut drin steckt, und dass wir das selber sind, und genau das wollten wir mit unserem aktuellen Album transportieren.

Xound: Wenn ich dich frage, ob ihr die nächste Platte noch mal in den USA aufnehmen würdet, bekomme ich bestimmt ein eindeutiges „Ja“ als Antwort?

Gomezz: Wir spielen in nächster Zeit sehr viel in Europa. So gehen wir nächste Woche auf England-Tour, dann kommt Frankreich, Irland usw., d.h. wir sind die nächsten anderthalb Jahre etwa auf Tour, aber dann sind fast wieder zwei Jahre vorbei und es steht das nächste Album an. Lustigerweise haben wir uns vor kurzem darüber unterhalten, wo wir unsere nächste Platte aufnehmen werden. Es kam ein einstimmiges „L.A.“. Es war für uns so ein sehr einprägsames Erlebnis, musikalisch wie menschlich, wir sind auch als Band noch mehr zusammengewachsen.

www.reamonn.com