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“30 Jahre SAE Institute”

Auch wenn der Weg der SAE am Anfang sicherlich kein einfacher Weg war, lässt sich die SAE heute mit seinen 49 internationalen Niederlassungen als das weltweit führende private Ausbildungs-Institut im Medienbereich bezeichnen, und das nicht mehr nur für die Audiobranche.
Zu dem klassischen SAE-Bereich „Audio" sind im Laufe der Jahre viele andere Medien-Bereiche hinzugekommen, vom Print- oder Webdesign, bis hin zu Film- und TV- Produktionstechnologien - alles, was für eine zeitgemäße Medienproduktion von Bedeutung ist. Da die SAE auf jegliche staatliche Unterstützung verzichten muss, müssen die Studenten selbst in ihre Ausbildung investieren.* Doch das Geld ist sicherlich gut angelegt - vorausgesetzt, der Student bringt die notwendigen Eignungen und vor allem das notwendige Engagement mit.
Die Abschlüsse der SAE sind in der Industrie in den letzten Jahren mehr und mehr auf Akzeptanz gestoßen, in den ersten Jahren war dies besonders im Kreis der Skeptiker sicherlich anders. Die liegt nicht zuletzt daran, dass viele SAE-Absolventen heute erfolgreich im Medien-Business in Spitzenpositionen vertreten sind. Um das Netzwerk für die berufliche Weiterbildung und Entwicklung auch nach der SAE-Ausbildung aufrecht zu halten, wurde am 1.1.2003 die SAE-Alumni Association gegründet. Im Oktober dieses Jahres traf sich diese Organisation der „Ehemaligen" im Rahmen der 2. Alumni Convention mit unzähligen Branchenvertretern wie Herstellern, Vertrieben, Toningenieuren, Produzenten u.a. Das „Get together" fand mit vielen Workshops und Produktpräsentationen in den Räumen der Berliner SAE statt. Lediglich die „Jubiläums-Party" wurde in einen angesagten Berliner Club ausgelagert. Hier konnte man den Slogan der SAE Alumni Association förmlich spüren und riechen: Connect local - Network global!
Wir hatten in Berlin die Gelegenheit zu einem interessanten Gespräch mit SAE-Gründer Dr. Tom Misner. Auch wenn die eine oder andere Passage im Verlauf der SAE im Detail sicherlich steinig war, stellt sich die Gesamtentwicklung der SAE als Bilderbuch-Erfolgsstory dar. Neben der weltweiten Gründung der heute 49 internationalen SAE Institute, wurden auch international anerkannte Ausbildungsinstitute akquiriert. Dazu kommt die, ebenfalls international vertretene Gruppe der „301 Studios" mit Sitzen in Köln, Stockholm, Sydney und Byron Bay in Australien. Allgemeines Staunen in der Audio-Branche löst schließlich die Übernahme des englischen Mischpult-Herstellers NEVE durch die SAE Group aus.
Xound: Wie ist die Idee geboren worden, die SAE zu gründen?
Tom: Die Idee entstand aus einem Witz heraus. Heute vor genau 30 Jahren besuchte ich meine Mutter in Sydney und arbeitete dort in verschiedenen Studios. An einem Nachmittag war ich mit ein paar Freunden unterwegs und fragte, ob es nicht interessant wäre, wenn ich ein paar interessierten Leuten erklären würde, was ich so im Studio als Produzent oder Toningenieur mache. Da sagte ein Freund von mir, du meinst so was wie eine „School of Audio-Engineering"? Ja, genau so etwas meinte ich. Das war das erste Mal, soweit ich mich erinnere, dass ich an so was gedacht habe. Dann kam ein anderer Bekannter und sagte, er hätte ein kleines Studio und bat mich darum, das Studio ein wenig auf Vordermann zu bringen. Nachdem das Studio fertig war, sollte ich an zwei Tagen in der Woche für ihn Werbung machen. Dann kam mir die Idee, an den anderen Tagen ein paar Leute zu unterrichten und ihnen zu erklären, wie man so im Studio arbeitet. Ich war davon überzeugt, es gäbe vielleicht 15 bis 20 Leute in Sydney, die sich dafür überhaupt interessieren. Dann habe ich eine Annonce in die Zeitung gesetzt - so etwas wie „Ton-Ingenieur-Kurs" - und innerhalb von ein bis zwei Wochen waren 20 Leute angemeldet. Der erste Teilnehmer, der kam, fragte mich, wo er sich einschreiben könnte? Ich hatte kein Einschreibeformular - wir hatten nichts in der Art gehabt - und musste noch schnell eins zusammenbauen (lacht).
Und dann begann der Unterricht. Für mich war es leicht, den Leuten im Unterricht etwas zu erklären und es dann später auf dem Pult zu zeigen. Ohne es irgendwie geplant zu haben, kam es eigentlich, dass aus dem Unterricht immer mehr Praxis wurde. Ich konnte nicht anders, ich war ja kein Lehrer.
Ich habe halt etwas zur Theorie erzählt: So arbeitet ein Mikrofon, so wird es aufgebaut usw. - ich habe das eine oder andere aufgeschrieben und dann ging´s ab ins Studio. Ich konnte es kaum erwarten, die Leute endlich ins Studio zu bringen. Im Studio waren dann eine 4-Spur-Sony-Bandmaschine und lediglich ein kleines Pult. Zuerst habe ich die Teilnehmer in kleine Gruppen aufgeteilt und aus diesen Gruppen entwickelte sich dann, dass auch einzelne Leute an den Geräten gearbeitet haben. So kam es mehr und mehr zum individuellen Praxis-Unterricht. Später fragte mich dann jemand, ob es auch solche Kurse in Melbourne gibt? Da dies nicht der Fall war, fing ich auch dort an, Fuß zu fassen.
10 Jahre später ging ich dann nach England, um zu schauen, wie die „Großen" dort Toningenieur-Unterricht machen. Und zu meiner Überraschung gab es da keinen einzigen Kurs. Also habe ich auch dort angefangen ein Ausbildungs-Programm aufzubauen. Es gab also keine Art „Master-Plan". Alles ist nach und nach gewachsen. In den ersten sechs bis sieben Jahren war es sehr chaotisch und danach eher normal chaotisch (lacht). Erst in den letzten 10 Jahren etablierte sich die SAE als Gesamtes und wurde mehr und mehr anerkannt.
Xound: Es gibt ja jetzt weltweit viele SAE-Filialen. Merkt man von Land zu Land Unterschiede in Bezug auf Vorbildung oder Qualitätsstandards?
Tom: Nein. Der Kurs ist prinzipiell überall gleich gehalten, mit Ausnahme von ca. 15 bis 20 Prozent der Inhalte. In Deutschland haben wir z.B. Themen wie Synchron-Ton mit dabei. In Australien behandeln wir das Thema überhaupt nicht, weil es dort keinen Sinn macht. Dafür finden wir dort mehr „Livesound". D.h. die Kurse sind den verschiedenen Märkten angepasst. Und überall gibt es Kurse, die einen höheren Standard und andere, die einen etwas niedrigeren Standard haben. Aber man könnte nicht sagen, dass der Standard in Amerika beispielsweise höher oder niedriger als in Deutschland ist. Wir versuchen, alle Kurse weltweit von unserem Unterrichtswesen her gleich zu halten.
Xound: Die SAE bietet auf der einen Seite eine seriöse Ausbildung an, auf der anderen Seite wird es aber hier gerade in Deutschland gar nicht offiziell anerkannt...
Tom: Ja, o.k. Es ist ein politisches Ding. Wir arbeiten mit der Middlesex-University zusammen. Leute, die über die SAE einen Bachelor-Titel erlangen, bekommen diesen Titel nicht von uns, sondern von der Middlesex-University verliehen. Und Middlesex ist eine offiziell von der EU anerkannte Universität. Laut dem, in der EU beschlossenen, Schulgesetz von 2000 müssten die deutschen Universitäten und Behörden einen EU-weiten Abschluss anerkennen. Aber manche Universitäten hier in Deutschland, zum Beispiel in Berlin oder in München, sagen ganz einfach, das machen wir nicht. Auch viele englische Unis verhalten sich ähnlich und erkennen die deutschen Abschlüsse nicht an, obwohl sie den Titel eigentlich anerkennen müssten.
Aber es hat auch mittlerweile nicht mehr den Wert für uns. Eine staatliche Anerkennung in Deutschland streben wir gar nicht mehr an. Wir bieten mit der SAE eine Ausbildung, eine praktische Ausbildung mit einem englischen Bachelor-Abschluss, die von der Industrie akzeptiert wird. Warum soll ich diese Ausbildung nochmals um 400 bis 500 Unterrichtstunden erweitern, um den staatlichen Kriterien zu entsprechen?
Und dieser zusätzliche Unterricht hätte nicht unbedingt etwas mit der eigentlichen Materie zu tun. Dafür müssten wir zusätzliche Professoren haben, die unterrichten dürfen, und wir müssten letztlich von den Studenten für diesen zusätzlichen Unterricht Tausende von Euros mehr verlangen. Dass der Student sich so etwas unbedingt wünscht, glaube ich nicht.
Xound: Wenn man sich so ansieht, was in Deutschland an Kursen und Fortbildungen gefördert wird. Hier werden Arbeitslose vom Arbeitsamt beispielsweise zu unsinnigen und teuren Computerkursen an Fortbildungsinstitute geschickt, die wiederum den Gewerkschaften gehören, wodurch die Gewerkschaften ein beachtliches Geschäft machen. Es ist doch sehr bedauerlich, dass für die jungen Leute unserer Branche nichts getan wird.
Tom: Ja! Harvard ist z.B. nicht staatlich anerkannt. Wer fragt danach? Diesen Status - o.k., das hat eben Hunderte von Jahren gedauert - hat Harvard halt erreicht. So haben auch wir in vielen Ländern einen konkreten Status erreicht, ob staatlich oder nicht staatlich, das ist egal. Eine staatliche Anerkennung war am Anfang wichtig, als wir noch viel kleiner waren und die Leute noch gefragt haben: „SAE, was ist das und seid ihr auch morgen noch da?"
Jetzt sind wir 20 Jahre in Deutschland. Okay 20 Jahre ist nicht die Welt, aber es ist recht unwahrscheinlich, dass wir kleiner werden, eher werden wir größer.
Auch in anderen Branchen spielt eine „staatliche Anerkennung" keine Rolle.
Nehmen wir z.B. die Automarken. Man kauft sich keinen BMW, weil er staatlich anerkannt ist, staatliche Anerkennung hilft halt in manchen altehrwürdigen Bereichen.
Allerdings werden wir als SAE ab nächstem Jahr in Australien den Namen „Uni" tragen dürfen. Wir dürfen zurzeit zwar schon Bachelor-Abschlüsse vergeben, weil es ja ein Uni-Abschluss ist. Jedoch dürfen wir den Namen „Universität" erst ab nächstem Jahr tragen.
Xound: Wie sehen deine Zukunfts-Visionen in Bezug auf die SAE aus?
Tom: Wir haben gestern ein Manager-Meeting gehabt, und wir haben nun vier „Qualitätsinspektoren". Diese reisen - ohne Ankündigung - von Schule zu Schule und schauen sich genau an, was die Schule so macht. Ungefähr so wie bei McDonalds (lacht).
Xound: Diese machen sozusagen Stichproben?
Tom: Ja, genau. Die Qualitätsinspektoren überprüfen dann: Macht die Schule den richtigen Unterricht? Sind die Lehrer gut ausgebildet? usw. Wir etablieren das SAE-System so immer mehr und möchten - ohne, dass uns der Staat oder irgendeine Behörde etwas vorschreibt - unsere eigene Qualitätssicherung haben. Es ist interessant, dass der deutsche Staat jetzt gerade über eine komplette Wendung der Ausbildungsmethoden diskutiert. Das ganze heißt „Outcome based learning", wo der Lehrer im Prinzip in die Klasse kommt und sagt: „Heute werdet ihr das und das lernen.", und geht dann von diesem Punkt aus den umgekehrten Weg. Diese Methode vorfolgen wir bei der SAE schon lange. Mir ist wichtig, wenn ein Student zu mir kommt und sagt, er möchte Graphik lernen, um Layouts zu erstellen, dann kann er, wenn er den Kurs fertig hat, das Layout für ein Magazin machen, er kann ein Buch-Design erstellen, er kann es. Und zwar nicht nur theoretisch, wie es gehen könnte, sondern er hat es auch bereits etliche Male während des SAE-Kurses gemacht. Das wird sich nicht ändern und auch das ist genau das, was wir weiter etablieren werden. Es wird, so glaube ich, in der Zukunft auch in Deutschland private Unis und mehr private Hochschulen geben, ähnlich wie in England und in den Staaten. Ich könnte mir vorstellen, dass auch wir so etwas wie eine private Hochschule werden. Das wäre dann sozusagen die „staatliche Anerkennung".
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