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“You complete my Soul”

Es kommt nicht selten vor, dass sich einzelne Musiker von Formationen wie Boy- oder Girl-Bands von ihren, oft erfolgreichen, Projekten lösen und den Weg einer Solo-Karriere einschlagen. Nicht immer sind diese Versuche erfolgreich, was zeigt, dass es nicht ausreicht, bekannt zu sein, sondern dass letztlich zählt, was der einzelne daraus macht. So hat auch Marc Terenzi, ehemals Mitglied der Boy-Formation „Natural" den „Absprung" geschafft. Bereits mit seinem ersten Album hielt sich Marc, übrigens seit Februar 2004 mit Sarah Connor verheiratet, für viele Wochen in den Top Ten der deutschen Charts, mal ganz abgesehen von seinen ständigen Single-Erfolgen.
Xound hatte Gelegenheit zu einem Gespräch mit dem sympathischen US-Amerikaner.
Xound: Marc, wie bist du zur Musik gekommen?
Marc: Mein erstes Instrument war Piano. Als ich sieben war, begann ich Klavier zu lernen. Meine Mutter arbeitete in einer Kirche und dort gab es ein Piano. Wir hatten kein Geld für ein eigenes Instrument, so ging ich immer mit, um Klavier üben zu können - ich verbrachte dort stundenlang im Keller.
Noch als Kind sah ich einen Komödianten, Voctor Borg, der sehr gut Klavier spielte. Das hat mich völlig inspiriert, und ich hatte den Wunsch, so gut Klavier spielen zu können, dass ich auch gleichzeitig dazu singen könnte. Als ich etwa 12 war, ging ich zum ersten Mal zu einem Konzert, es war Aerosmith. Das Konzert fand in Boston satt, und ich erinnere mich noch: Ich hatte den wirklich allerschlechtesten Platz erwischt, weit am Ende der Arena. Es war wahrscheinlich der letzte Platz von 60.000 und doch habe ich mich so großartig gefühlt, als hätte die Band nur für mich gespielt. Danach war mir klar, dass ich in einer Band spielen muss.
Zum nächsten Weihnachtsfest schenkte mein Vater mir eine Gitarre. Es war kein teures Instrument - lediglich eine einfache 50Dollar-Gitarre - doch es war „meine" erste Gitarre. Ich hatte kein Geld für Gitarrenunterricht, so ging ich zu Freunden und lieh mir Gitarrenbücher mit Akkord-Tabellen aus. Ich lernte immer mehr Akkorde, hörte viele Songs und versuchte die Akkorde mitzuspielen. Ich spielte Aerosmith- oder Bon Jovi-Songs und übte so gleichzeitig zu spielen und zu singen. Später fragten mich andere Jungs in der Middleschool, ob ich Lust hätte, Sänger in ihrer Coverband zu werden. Und so kam ich zur ersten Band. Wir hatten in der Band einen unglaublich guten Gitarristen. Er spielte meist Ibanez-Gitarren, aber er ließ mich in der Band seine echte Fender spielen. Für mich war das endlich mal eine „richtige Gitarre". Ich habe Stunden um Stunden mit dieser Gitarre verbracht, um alle möglichen Tricks herauszufinden und ich wurde immer besser.
Ich lernte auch viel durch die Auftritte. Zunächst waren das allerdings Gigs in kleinen Bars, wo wir über viereinhalb Stunden Coversongs vor fünf Leuten gespielt haben.
Als nächstes wollte ich eine gute Akustik-Gitarre haben, mit einer Akustik-Gitarre kannst du jederzeit mit einfachen Mitteln ein kleines Konzert machen - du setzt dich einfach hin und singst dazu. Mit der E-Gitarre macht es meist erst Sinn bei einem „großen" Konzert auf der Bühne oder in der Band, und du brauchst immer einen Gitarren-Amp. Da ich kein Geld hatte, konnte ich mir auch keinen Amp leisten. Von daher war eine Akustikgitarre für mich schon ideal. Ich zog los und kaufte mir eine Akustikgitarre. Ich muss sagen - ich konnte mir ja nichts teures leisten - dieses Instrument war schon schrecklich. Die Saiten lagen unten am Korpus um fast zwei Zentimeter über dem Griffbrett. Irgendwann ist mir dann auch der Hals gebrochen. (lacht)
Einige Zeit später zog ich mit einem meiner besten Freunde nach Orlando, Florida. Ich wollte einfach meinem Traum nachgehen, etwas mit Musik zu machen. Ich wollte gerne in einer Band spielen, ohne dass ich genau wusste, wie und was. Ohne Geld fuhren wir dann nach Orlando. Dort spielte ich Piano und sang in einer Hotelbar. Ich spielte jeden Abend in der Bar, dafür bekamen wir als Gage ein Zimmer. Das ging etwa drei Monate lang. Danach arbeitete ich im „House of Blues", zwar nur als Security-Mann, aber ich wollte einfach in der Nähe der Musik sein. Im „House of Blues" spielten viele gute Musiker, angefangen bei B.B. King bis zu ... ja, eigentlich war es für jede bekannte Band angesagt, im „House of Blues" aufzutreten.
Für mich war es cool, „ganz nah" dran zu sein.
So traf ich schließlich auch auf Lou Pearlman. Ich hatte schon eine Band zusammengestellt, mit dem Namen „Natural". Natural war im Prinzip wie eine Boy-Group, mit dem Unterschied: Wir konnten wirklich Instrumente spielen, und wir waren in der Lage, einen rockigeren Sound zu liefern. Wir mieteten dann einen Proberaum von Lou Pearlman in dessen Gebäude, hier probten eine Menge anderer Bands, die mit Lou Pearlman arbeiteten. Eines Tages wollte er eine Band bei den Proben besuchen, die ein paar Tage vor uns hier geprobt hatte und so stand er plötzlich mitten im Proberaum. Er sagte: „Oh, wer seid ihr Guys?"
„Wir sind die Band Natural", erklärten wir ihm.
Er war begeistert - „eine Boy-Group, die Instrumente spielen kann" und er zeigte Interesse, uns zu signen. Einen Tag später sprachen wir über einen Vertrag. Einen Monat später dann unterschrieben wir den Vertrag und waren bereits unterwegs nach Deutschland, da wir einen Termin bei BMG hatten. Zu dieser Zeit war BMG noch BMG.
Es folgte eine aufregende Zeit, wir tourten rund um die Welt. Ich spielte zu dieser Zeit Gibson E-Gitarren und Taylor Akustik-Gitarren, da Lou mit den Firmen einen Deal hatte. Davon abgesehen waren es natürlich gute Gitarren und da wir wirklich um die ganze Welt reisten, war es wichtig, dass sie nicht irgendwann mal auseinander fallen.
Xound: War das der Erfolg, von dem du geträumt hattest?
Marc: Ich wollte weiter kommen. Mit der Zeit wurde mir mehr und mehr klar, dass mir die Musik als Ganzes doch sehr wichtig ist, und so machte es mich nicht mehr zufrieden, nur in einer Band zu singen und gut auszusehen.
X: Hast du es je bereut, Mitglied einer Boygroup gewesen zu sein?
Marc: In der Boy-Band zu sein, war für mich schon eine große Erfahrung, aber ich hatte auf der anderen Seite das Gefühl, etwas von dem aufgeben zu müssen, an das ich geglaubt habe, damit das Bandprojekt funktioniert.
X: Wenn ich deine Musik höre, so bekomme ich den Eindruck, dass Melodien für dich sehr wichtig sind?
Marc: Ja, unbedingt. Mir geht es um mehr, als lediglich nur gute Musik zu machen. Gute Basslines oder Gitarrenriffs aufzunehmen ist die eine Sache, aber gute Melodien darüber zu singen eine ganz andere. Für mich ist es wichtig, dass es noch Rock´n´Roll bleibt, allerdings mit guten Pop-Melodien. Ich finde, das ist eine großartige Kombination, was allerdings - um noch mal auf „Natural" zu sprechen zu kommen - vorher nicht wirklich erlaubt war.
Ich bin nun bei der gleichen Plattenfirma „X-Cell" wie meine Frau. Die Leute unterstützen mich und lassen mich machen, was ich machen möchte.
Xound: Du bist ja nun schön länger hier in Deutschland...
Marc: Ich fühle mich schon wie zu Hause.
Xound: Wie findest du das Niveau der Musiker hier im Vergleich zu den USA?
Marc: Ich habe ja für mein Solo-Projekt nach einer Band gesucht. Ich wollte unbedingt eine gute Band. Ich wollte die besten Musiker der Welt (lacht). Wir suchten in den USA, an Orten wie z.B. Nashville, Tennesse, in Bosten und Orlando, wo es durchaus eine Menge guter Musiker gibt, doch ich fand meine komplette Band letztlich in Deutschland. Es gibt wirklich sehr viele gute Musiker hier in Deutschland.
Xound: Leider schielen ja immer noch sehr viele A&R-Chefs der Plattenfirmen oder diverse Musik-Manager voller Ehrfurcht über „den große Teich" und glauben, nur in den USA gäbe es gute Musiker und sie behandeln viele unserer Musiker eher als „Nobodys"....
Marc: Die Meinung dieser Leute kann ich nicht teilen, es gibt in Deutschland viele großartige Musiker. Ich habe einige Talente hier kennen gelernt. Auch wenn sie nun meine Frau ist, aber auch Sarah hat eine großartige Stimme und braucht sich keinesfalls hinter den amerikanischen „Stars" zu verstecken. Mag sein, dass es für die Musiker von Deutschland aus nicht so viele Möglichkeiten und Wege gibt, sich der ganzen Welt zu präsentieren, aber das heißt keinesfalls, dass es hier keine guten Musiker gibt.
Ein Phänomen, was mich in Deutschland wirklich fasziniert hat, sind die Festivals. Du bist auf der Bühne und nach dir spielt eine Techno-Band, dann kommt eine Rap-Gruppe und eine Pop-Gruppe. Das Publikum möchte einfach Musik hören. Das findet man in den USA nicht, dass Leute zu einem Festival kommen, um sich die verschiedensten Stilrichtungen anzuhören.
Ich habe auch den Eindruck, dass die Leute hier in Deutschland nicht Musik machen, nur um Geld zu machen. Die Leute, die ich kennen gelernt habe, machen es, weil sie Musik lieben. Und es gibt eine Menge Musiker, die in verschiedensten Bands und Projekten mitspielen. So auch mein Gitarrist Dennis Hormes. Dennis ist - neben all meinen Vorbildern wie Richie Sambora, Stevie Ray Vaughan und dieser Art von Leuten sicherlich einer der besten Gitarristen, die ich je gesehen habe. Und er lebt hier in Deutschland. Es gibt eine Menge großer Talente hier und ich bin stolz darauf, meine Band gefunden zu haben. Dennis war auch derjenige, der mir einige neue Gitarren-Modelle vorstellte. Als E-Gitarren spielen wir nun eine Reihe verschiedener Yamaha-Gitarren. Es sind wirklich extrem gute Gitarren, doch ich hatte viele der Instrumente vorher gar nicht gekannt. So sagte Dennis mir auch: „Komm und probiere mal die Alvarez Akustik-Gitarren", und ich war begeistert. Für mich sind die Alvarez-Gitarren alles in allem die besten Akustik-Gitarren, die ich je gespielt habe. Ganz gleich, ob du live spielst oder im Studio, du brauchst nur eine Gitarre, um alles abzudecken. Dazu kommt noch der gute Support von Alvarez, die Leute helfen uns, wo es geht. Gerade wenn du viel auf Tour bist, weißt du so etwas zu schätzen.
Xound: Zur Zeit ist deine neue Single „You complete my Soul" in allen Medien präsent. Wann können wir mit dem nächsten Album rechnen?
Marc: Im Augenblick arbeiten wir bei mir zu Hause - ich habe ein Studio in meinem Haus - an der Vorproduktion für das nächste Album, welches wahrscheinlich im nächsten Frühjahr veröffentlich wird. Das gute an der heutigen Technik ist, dass man wirklich spontan an Songs arbeiten kann, kann sie überall mit hinnehmen und woanders daran weiterarbeiten. Da ich viel unterwegs bin, schreibe ich auch viele Songs „on the road".
Xound: Ja, es gibt heute eine Menge interessanter Tools für kreative Leute...
Marc: Exakt! Was ich so nebenbei noch entdeckt habe: Ich arbeite mit meinem Computer halt auch an Filmen oder Videos, hab mich mit Editing und solchen Dingen beschäftigt. Du kannst mit relativ preiswerten Tools halt bereits eine ganze Menge selber machen und brauchst nicht, wie früher, eine Million Dollar in ein Studio zu investieren.
Xound: Gibt es schon eine konkrete Idee, wie das neue Album sein wird?
Marc: Ich möchte, dass die Songs auf dem neuen Album einen geschlosseneren Sound haben. Beim ersten Album hatten wir viele verschiedene Arten von Sounds, wenn es auch sicherlich ein gutes erstes Album war.
Aber wir haben keine Eile, wir haben auch keine konkrete Deadline, so schreiben wir im Moment halt so viele Songs wie möglich, mit dem Ziel, das beste Material für ein Follow-Up des ersten Albums zu finden.
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