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„Von Herzen – das Beste“

Mit dem Titel „Von Herzen – das Beste“ veröffentlichte Glashaus, alias Cassandra Steen, Martin Haas und Moses Pelham, ein Destillat ihrer mehr als sechsjährigen kreativen Arbeit. Die neue Kompilation, bestehend aus CD und DVD, liefert insgesamt 20 der „wichtigsten“ Glashaus-Songs – mehr als 80 Minuten - sowie 17 Videos inkl. Making-Of und Video-Tagebuch. Wir hatten Gelegenheit zu einem Gespräch mit Martin Haas.
Xound: Wie ist das, wenn man nach so einer doch recht langen Zeit zurückblickt und alles noch mal Revue passieren lässt?
Martin: Moses und ich haben gerade noch darüber gesprochen. Moses macht ja jeden Sonntag eine eigene Radiosendung bei Planet Radio und einen Tag vor der Veröffentlichung des neuen Albums war die Sendung genau diesem Thema gewidmet. Es ist ja tatsächlich über sechs Jahre her, seit wir die ersten Glashaus-Titel aufgenommen haben, aber andererseits kommt es einem doch ein bisschen so vor, als wäre es erst gestern gewesen. Du hörst dir plötzlich wieder Titel an, die du Jahre lang nicht gehört hast, aber es fühlt sich nicht so an, als wäre es sehr lange her. Daran merkt man erst einmal, wie schnell die Zeit vergeht. „Von Herzen – das Beste“ ist jetzt nach drei Alben oder nach fünf /sechs Jahren eine Art Zäsur für uns.
Xound: Das heißt aber nicht, dass es das letzte Glashaus-Album ist?
Martin: Es ist nicht so, dass wir sagen, wir würden nie wieder ein Album machen, es gibt jedoch zunächst mal eine Pause. Das Album ist eine Art Rückblick auf das, was man gemacht hat, aber es ist kein endgültiger Abschied. Wir arbeiten zur Zeit an vielen anderen Projekten und Cassandra kümmert sich im Augenblick um ihre Solo-Karriere, was sie ja vorher schon bei 3p begonnen hat, allerdings jetzt ohne 3p. Es ist sicherlich gut, wenn Cassandra ein wenig Zeit hat, sich selbst zu verwirklichen.
Xound: Wie kam die Auswahl der Tracks auf „Von Herzen – das Beste“ zu Stande?
Martin: Es gab verschiedene Kriterien: Zum einen sollten alle Singles dabei sein. Der Titel „So lange“ war zwar keine Single , aber es war der allererste Titel, den wir aufgenommen haben – das muss um 1999 gewesen sein. Der Titel existierte bereits vorher, es war der erste Titel, den Cassandra gesungen hat als wir uns gerade kennen gelernt hatten. Und so gehörte auch dieser Titel unbedingt auf die Compilation. Dieser Titel gehörte auch zu jeder Show, d.h. nach dem Intro kam bei jedem Glashaus-Konzert immer dieser Song. „Bis dann“ war zwar auch keine Single, aber es war stets der letzte Titel bei unseren Konzerten und sicherlich auch ein ganz wichtiger Glashaus-Titel. Alles in allem haben wir die für uns wichtigsten Titel ausgesucht. Sicherlich gibt es da immer noch andere Titel, die man gerne auf dem Album finden würde, doch man muss sich halt entscheiden.
Moses schreibt im Booklet des Albums zu jedem Titel einen Kommentar, wie der Titel entstanden ist, warum wir uns für diesen Titel entschieden haben, usw.
Xound: Bei Filmen und Videos werden nach Jahren schon neue Versionen als „Directors Cut“ veröffentlicht. Habt ihr auch über solche Möglichkeiten nachgedacht, neue Versionen zu veröffentlichen?
Martin: Die „Diretors Cuts“ sind ja bei uns schon die Original-Album-Titel. Wenn es der Platz zugelassen hat, haben wir dann schon auf den Alben z.B. längere „Spezial-Versionen“ der Singles auf den Alben gehabt. Aber „Von Herzen – das Beste“ beinhaltet ja nicht nur die CD, sondern auch eine DVD. Hier findet man noch jede Menge Sachen, an die selbst wir uns nicht mehr erinnert haben. Hier findet man z.B. unsere allererste Radio-Tour dokumentiert, diverse Live-Konzerte und Tourneen sowie alle Videos.
Xound: Du bist ja u.a. Produzent von Sebastian Hämer. Sebastian ist über sein Demo, welches er euch geschickt hat, entdeckt worden. Glaubst du, dass dieser Weg heute noch echte Perspektiven darstellt?
Martin: Das witzige war ja bei ihm, dass er das Demo noch nicht mal selber eingeschickt hat, sondern eine Freundin – sogar ohne sein Wissen. Das war schon ein spezieller Fall. Ich glaube, selbst wenn jetzt nicht jeder, der etwas einschickt, sofort einen Plattenvertrag bekommt:
Wenn jemand Talent hat und etwas Außergewöhnliches zu bieten hat, dann wird er auf diese Art immer wieder eine Möglichkeit finden, auf sich aufmerksam zu machen.
Xound: Dazu müssen die Sachen natürlich überhaupt gehört werden, sonst haben die Leute gar keine Chance. Ich hätte nicht gedacht, dass es heute überhaupt noch Sinn macht, Demos an eine Plattenfirma zu schicken.
Martin: Das mag ja bei anderen Plattenfirmen so sein. Wir hören schon hin. Bei uns funktioniert dieser Mechanismus noch. Wir haben auf diese Weise noch weitere Künstler kennen gelernt. Mit einem Künstler fangen wir auch jetzt an zu arbeiten. Es ist nicht unbedingt so, dass wir irgendwelche Ausschreibungen oder Castings machen, um auf Talentsuche zu gehen. Wenn jedoch etwas an uns herangetragen wird, was uns gefällt, widmen wir uns schon diesen Projekten, wenn wir die Zeit haben.
Sicherlich haben auch gute Dinge heute weniger Chancen als früher, und es wird immer schwieriger. Daher würde ich auch niemandem empfehlen, alles auf eine Karte zu setzen, seinen Job aufzugeben oder sein Auto zu verkaufen, um zu versuchen, mit Schallplatten sein Geld zu verdienen. Selbst wenn jemand extrem talentiert ist, Erfolg zu haben ist heute gar nicht mehr so leicht. Vor 10 Jahren konnte man von einem ansehnlichen Erfolg noch ganz gut leben. Heute kann man mit einem ansehnlichen Erfolg gerade mal überleben. Trotzdem glaube ich, dass sich Talent und Beharrlichkeit auf die Dauer doch durchsetzen. D.h., wenn jemand gut ist und Ausdauer hat, wird er irgendwann schon Erfolg haben.
Ich glaube es wird auch neue Wege geben. Es ist sicherlich nicht für alle Zeit abgeschrieben, dass man mit Musik Geld verdienen kann.
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