"She plays with the Stars"

Die Nacht vom 26.11.06 auf den 27.11.06 sollte für die Stuttgarter Band „Submarien" Einiges verändern. Mit den Worten "...und der deutsche Rockpreis in der Hauptkategorie „Rock" 2006 geht an: ...Submarien!" Bereits unmittelbar nach dem Auftritt der Stuttgarter Formation rund um die kubanische Sängerin Barbara Padron Hernandez munkelte man hinter den Kulissen, dass diese Band extrem gute Chancen habe. Aber auch das Publikum vor der Bühne im Duisburger „Theater am Marientor" schien von der Performance der Band sichtlich begeistert. „Hast du die geniale Band mit der barfüßigen Sängerin gesehen?", fragten mich einige Leute wenig später.
Normalerweise werden die Submarien-Auftritte stets durch eine Video-Liveshow unterstützt, die jedes Konzert zu einem multimedialen Highlight werden lässt. Doch auch ohne visuelle Effekte überzeugten Submarien alleine mit ihrer Musik sowohl das Auditorium als auch die Jury.
Submarien, das sind neben Sängerin Barbara Gitarrist Johnny Park, Keyboarder Adrian Thoma und die Rhythmus-Gruppe mit Jens Schmelzle am Bass und Heiko Peter am Schlagzeug. Barbara, die sich von Mick Jagger ebenso inspiriert fühlt wie von Freddie Mercury, beweist beim Singen und Songschreiben gleichermaßen viel Talent wie beim Zeichnen von Comics (einige Kostproben auf der Submarien-Webseite) und ist von Kind auf mit der englischen Sprache groß geworden. So liegt es auch nahe, in Englisch zu singen. Selbst wenn sich zur Zeit viele junge, deutsche Bands auf „Deutsch" fixiert haben, ist dies für Submarien selbst kein Thema.
Die Musik von Submarien ist weder lustig noch melancholisch, aber ungeheuer intensiv, eine Mischung aus frecher, rockiger Power mit großen Gesangsmelodien (getragen durch eine unglaublich große Stimme). Submarien geht unter die Haut!
Zur Zeit bereiten sich Submarien auf das kommende Album vor und sind dabei, die Songs im Rahmen einer Proberaum-/Vorproduktion „einzufangen".
Wir besuchten die sympathischen Musiker im Proberaum und hatten Gelegenheit zu einem netten Gespräch.
Xound [X]: Wie ist Submarien entstanden, wie habt ihr euch gefunden?
Jens: Johnny und Barbara kannten sich schon länger von früheren Projekten. Auch wenn die beiden mit diesen Projekten nicht so zufrieden waren, merkten sie schon, dass sie beide ganz gut zueinander passen. Klar war, dass sie in jedem Fall etwas zusammen machen wollten, jedoch mit anderen Leuten. Ich hatte Johnny bereits während meines Studiums an der Hochschule der Medien kennen gelernt, wir haben dort ein paar „Unplugged"-Konzerte gespielt. Wir lernten schließlich auch Adrian dort kennen, der ebenfalls dort studiert. Heiko kannten wir ebenfalls von vorherigen Bandprojekten. Wir hatten dann einen Auftritt mit dieser Formation, wobei Barbara im Publikum saß - Jonny hatte sie eingeladen. Am nächsten Tag fragte sie uns: „Wollt ihr nicht meine Band sein?"
X: Wie lange liegt das zurück?
Heiko: Das war im Frühjahr 2005...
Adrian: Das heißt, wir können bald „2-Jähriges" feiern.
Jens: Von diesem Punkt an ging alles ganz schnell. Wir haben uns dann in dem „sagenumwobenen" Proberaum unter dem Stuttgarter Marienplatz - der uns dann auch den Namen gegeben hat - getroffen und erst einmal Songs gespielt, die Barbara zum Teil schon „Singer/Songwriter"-mäßig „in der Tasche" hatte. Barbara hatte eine CD mit Songs, die einfach mit Gitarre aufgenommen waren, diese haben wir dann mit der Band arrangiert. Am Anfang war der Sound noch sehr popig, aber nach und nach hat sich unser Bandsound entwickelt. Heute geht es sehr schnell: Sobald irgendwelche Ideen da sind, klingt es sofort nach uns.
X: Wie seid ihr auf die Idee gekommen, euch beim deutschen Rock- und Pop-Preis anzumelden?
Jens: Ich hatte die Anzeige für die Anmeldung in irgendeiner Zeitschrift gesehen -wahrscheinlich war´s Xound (lacht). Zwei Tage vor Anmeldeschluss hatten wir noch einen Auftritt, alles war sehr hektisch, und ich hatte gerade noch eine Briefmarke im Schrank und 20 Euro für die Anmeldung in einer Kategorie, ansonsten hätte ich die Anmeldung sicherlich nicht weggeschickt. Wir haben gar nicht damit gerechnet, dass wir etwas gewinnen würden. Auch die Songauswahl wahr mehr oder weniger Zufall. Es hieß ja, man sollte einen Song einsenden oder eine Album-CD, von der dann jedoch nur der erste Titel angehört würde. Wir hatten halt nur die EP und der erste Titel ist zufälligerweise „She plays with the Stars", mit dem wir auch gewonnen haben.
X: Wie war das, als ihr aufgetreten seid, habt ihr gespürt, dass ihr gewinnen würdet?
Barbara: Das Ganze ging so schnell vorbei. Für mich war das fast wie im Schockzustand, du hast gar keine Zeit, über irgendetwas nachzudenken. Wir haben uns hinter der Bühne aufgewärmt, indem wir ein wenig herumgesprungen sind. Ich hab mir dann meine Schuhe ausgezogen und dann ging's schon los. Zwischendurch gab's ein paar Probleme: Mitten im Song war der Bass aus Versehen mal kurz ausgestöpselt.
X: Was hat das mit dem Barfuß-Singen auf sich?
Barbara: Wenn ich mit Schuhen vor so vielen Leuten auf der Bühne stehe, dann werde ich irgendwie ganz „hibbelig". Ohne Schuhe fühl ich mich dann gleich zu Hause, wie im Proberaum. Als wir dann von der Bühne kamen, meinte ein anderer Musiker, der vorher aufgetreten ist, zu mir, wir würden sicherlich den ersten Preis bekommen. Als dann die Preise vergeben wurden, hatte ich schon das Gefühl, wir werden schon irgendetwas bekommen, ich hätte vielleicht mit dem zweiten Platz gerechnet.
X: Hat sich durch den Preis etwas für euch verändert?
Adrian: In den ersten zwei Wochen nach dem deutschen Rock- und Pop-Preis gab es schon einen größeren Ansturm auf unsere Webpage. Dann haben sich auch viele Zeitungen und Zeitschriften gemeldet, die über uns berichten wollten. Ebenso wurden wir vom Sender SWR3 eingeladen. Normalerweise muss man sich ja selbst darum bemühen, hier wahrgenommen zu werden, doch durch den Preis gab es eine Art kleinen „Medienrummel" und viele Medien sind von sich aus auf uns zugekommen.
X: Haben sich durch den Preis auch neue Konzerte ergeben?
Adrian: Wir sind gerade dabei, uns für die Festivals im Sommer zu bewerben, ebenso planen wir eine Tour, da hilft der Preis schon. Das ist schon eine Referenz, mit der man arbeiten kann.
X: Spielt ihr gerne auf Festivals?
Adrian: Uns ist es schon lieber, wenn wir ein komplettes Konzert über anderthalb oder zwei Stunden spielen anstatt auf einem Festival gerade mal eine halbe oder 3/4 Stunde zu spielen. Dann ist der Auftritt schon fast vorbei, bevor man erst richtig warm wird.
Heiko: Wir haben auch sehr unterschiedliche Songs, manche sehr rockig, andere wiederum eher Balladen-artig. Wenn wir ein längeres Konzert spielen, so können wir unseren gesamten Stil präsentieren. Auf einem Festival spielen wir maximal fünf oder sechs Songs, das sind dann vielleicht sechs harte Songs, d.h. es kann sich gar kein richtiger Bogen entwickeln.
Jens: Man darf das nicht so verstehen, dass die verschiedenen Songs von uns nicht zusammenpassen, aber das Ganze hat eine gewisse Dramaturgie. Wenn wir ein Konzert von anderthalb Stunden planen - wir haben meist noch Visuals oder Gastmusiker dabei - so machen wir uns schon Gedanken, dass der Auftritt einen richtigen Bogen bekommt, wie eine Geschichte. Das geht auf Festivals nur bedingt
Barabara: Durch die Festivals können wir allerdings viele neue Leute auf uns aufmerksam machen.
X: Wie viele Titel habt ihr in eurem Repertoire?
Adrian: Wir spielen über 20 aktuelle Songs. Das sind mehr als zwei Stunden Programm
X: Wie entstehen eure Sounds?
Johnny: Oft ist es so, dass Barbara und ich irgendwelche Grundideen haben. Meist habe ich vorher ein paar Akkordfolgen, die ich Barbara aufnehme und sie macht Melodien und Texte dazu. Manchmal hat auch Barbara von vorneherein eine konkrete Song-Idee. Danach arbeiten wir die Songs im Proberaum aus. Es gibt aber auch manchmal die Situation, dass ein neuer Song gemeinsam mit allen spontan im Proberaum entsteht.
X: Habt ihr so etwas wie einen musikalischen Direktor, einen Chef, oder geht bei euch alles demokratisch zu?
Jens: In Bezug auf die Song-Entstehung geht es schon sehr demokratisch zu. Meist ist es jedoch so, dass Barbara nochmal das letzte Wort hat.
X: Die Chefin also?
Adrian: Es ist nicht unbedingt so, dass sie von vorneherein sagt, so und so wird das gemacht, aber wenn ihr etwas im Song nicht passt, dann machen wir es nicht. Denn Barbara ist ja unser „Gesicht", unsere Stimme. Wenn sie sich unwohl fühlt, dann ist das weitaus gravierender, als wenn ich mit einem Akkord nicht glücklich bin.
Wir versuchen uns schon alle zurückzunehmen, damit die Stimme im Vordergrund steht.
X: Das ist ja nicht bei allen Bands so.
Barbara: Es gibt schon solche Bands, bei denen sich die Musiker in den Vordergrund drängen und der Sänger wird dann immer kleiner...
Adrian: ... und genau das wollen wir nicht.
X: Im Augenblick seit ihr ja dabei, alle Songs als Demos aufzunehmen. Macht ihr das hier im Proberaum?
Adrian: Ja, wir machen die Demos alle im Proberaum. Die Songs sind eigentlich schon alle fertig. Es geht nur noch darum, die Songs „auf Scheibe" zu bringen. Wir machen dabei jetzt auch keine großen Soundexperimente - diese Aufnahmen sollen ja nicht verkauft werden. Wir möchten einfach mal relativ schnell alle Songs wie in einer Art Momentaufnahme festhalten. Wir möchten dann mit diesem Material rausgehen und die Titel mit entsprechenden Partnern professionell aufnehmen.
X: Habt ihr nach dem Rock- und Pop-Preis hier schon Angebote von Verlagen, Plattenfirmen oder Produzenten bekommen?
Jens: Mäßig. Es waren zwar einige Angebote dabei, allerdings nicht das, was wir uns vorgestellt haben. Wir hatten auch bereits vorher einzelne Angebote von Verlagen, jedoch hatten diese weniger an uns als Band Interesse, sondern sie wollten uns lediglich unsere Songs abkaufen.
Wir könnten auch wie bei der letzten EP wieder unsere Songs im Proberaum aufnehmen, wir bekommen da schon einen guten Sound hin. Aber das ist nicht das, was wir wollen.
Wir möchten mit unserem Material nun einen Produzenten finden, der unser Material gut findet und vor allem kreativ in uns investiert, sodass wir gemeinsam eine Linie finden. Und so können wir das Material dann gemeinsam aufnehmen.
Barbara: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele Produzenten sich lieber auf eine einzelne Sängerin fixieren, als mit einer echten Band zu arbeiten. Die Sängerin können sie dann einfach hin und her dirigieren - mal ein wenig mehr nach rechts, ein weinig nach links, usw.
X: Eine Band ist ja vielen zu anstrengend. Man muss mit vielen diskutieren, man muss auf die einzelnen Musiker Rücksicht nehmen, u.v.m.
Barbara: Wieso, es gibt doch nicht viel zu diskutieren, wenn dieser Mensch uns toll findet. (lacht)
Jens: Es macht ja keinen Sinn, wenn uns jemand sagt: Arbeitet mit weniger Gitarren, das verkauft sich besser. Wir wollen schon unser Ding machen.
Adrian: (lacht) Wieso, wenn sich weniger Gitarren gut verkaufen, dann machen wir das doch auch.
Johnny: ...oder ganz ohne Keyboards. (alles lacht)
X: Wir befinden uns momentan in einer Zeit, wo es dem Plattenbusiness relativ schlecht geht. Wenn man früher selbst als Newcomer einen guten TV-Auftritt hatte, so rannten die Leute am nächsten Tag in die Plattenläden und man war nach wenigen Tagen in den Charts...
Barbara: Warum bin ich jetzt erst geboren worden?
X: Der Weg ist gerade für Newcomer heute deutlich steiniger geworden und man muss schon ganz schön zäh sein, um sich durchzusetzen. Wo kommt eure Motivation her?
Barbara: Es gibt keinen anderen Weg. Ich habe vielleicht ein großes Ego, aber ich glaube an das, was ich mache. Ich möchte nicht als Musiker enden, der lange Zeit an sich geglaubt hat und dann schließlich resigniert und als Hobby-Musiker in einer Coverband spielt.
Ich glaube, ich spreche für die ganze Band: Wir wollen es einfach schaffen. Es gibt doch nichts Schöneres, als dass wir mit unserer Musik viele Leute erreichen. Mein Leben macht ohne Musik keinen Sinn.
Adrian: Die Motivation kommt automatisch, wenn man im Proberaum gemeinsam etwas kreatives schafft. Das ist ein irrsinniges Glücksgefühl und das ist halt auch wahnsinnig schön, wenn man dieses Gefühl mit der Gruppe zusammen erlebt.
Barbara: Oft sieht man gar nicht die einzelnen Schritte. Man fühlt nur, es geht weiter, es entsteht eine Magie und das macht uns lebendig.
Heiko: Gerade das letzte Jahr hat uns kontinuierlich weitergebracht.
X: Was wäre denn euer größtes Ziel?
Johnny: Mit der Musik so viel Geld zu verdienen, dass man ordentlich leben kann. Damit meine ich nicht fünf Ferrari´s, die vor der Türe stehen.
Barbara: Ich muss heute immer sehen, wie ich mein Geld verdienen kann, und dann mache ich halt die verschiedensten Jobs, wie in der Kneipe arbeiten usw. Doch andererseits denke ich auch immer daran, dass ich in diesem Augenblick wieder an neuen Songs hätte arbeiten können, wenn ich die Freiheit dazu hätte. Und diese Freiheit und finanzielle Unabhängigkeit, jeden Tag Musik machen zu können, meine ich.
Adrian: Es geht ja nicht darum, reich zu werden. Das Geld hilft halt enorm dabei, immer weiter machen zu können.
Barbara: Wenn wir in der Vergangenheit mehr Geld gehabt hätten, so wäre uns bestimmt vieles leichter gefallen, doch wir schaffen es auch so. Es ist in etwa vergleichbar damit, als wenn man sich ein Haus mit seinen eigenen Händen baut.
Jens: Alles, was wir bisher erreicht haben, haben wir aus eigener Kraft geschafft. Wir machen ja auch die gesamte Verwaltung, Organisation und Booking noch selber. Doch wenn man sieht, wie es immer mehr wächst, wenn man sieht, wie man sich mehr und mehr eine Fan-Basis erspielt, das ist schon ein irres Gefühl.
Adrian: Wie das eigene Kind, wenn man jeden Tag dabei ist und sieht, wie es wächst.
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