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Test: Korg MR-1000 PDF Drucken E-Mail
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„Mobiler 1-Bit Recorder“

Seit kurzem erst produziert Korg Tools für den Recordingbereich, zwei 1-Bit Master-Recorder. Den „kleinen“ Korg MR-1 haben wir bereits in Xound-Ausgabe drei|07 vorgestellt. Hier nun der „große Bruder“ für die Profis, der MR-1000.

Konzept
Beim MR-1000 handelt es sich einen mobilen 2-Kanal-Recorder auf der Basis der 1-Bit-Sampling-Technologie, der jedoch gegenüber dem kleinen Bruder MR-1 über eine Reihe professioneller Ausstattungsmerkmale verfügt.
Im PCM Aufnahme-Format lässt sich der MR-1000 mit Samplerates bis zu 192 kHz (24 Bit) betreiben, im hochauflösenden 1-Bit Format liegt die Samplerate bei 5,6 MHz.
Mit der eingebauten Standardfestplatte (40 GB Kapazität) liefert der Stereo-Recorder eine Gesamt-Aufnahmezeit von 60 Stunden bei 16 Bit und 44,1 kHz Samplingrate, wobei maximal ca. sieben Stunden an einem Stück, d.h. ohne Unterbrechung aufgenommen werden können.
Der MR-1000 macht spontan einen sehr robusten Eindruck, was gerade für den Einsatz „unterwegs“ wichtig ist. Geliefert wird der MR-1000 mit einer passenden Umhänge-Tasche, bei der auch die wichtigen Anschlüsse und Bedienelemente stets zugänglich sind. So kann der Recorder auch beim Einsatz stets geschützt in der Tasche verbleiben.
Mit seinem beleuchteten LC-Display für Aussteuerung und Menuführung ist der Recorder auch bestens für den Einsatz im Dunkeln gerüstet.
Das kompakte Gerät kann über ein mitgeliefertes, externes Netzteil, aber auch über Batterien bzw. Akkus (8x 1,5 Volt) mit dem nötigen Strom versorgt werden. Wie beim kleinen Bruder, bietet auch der MR-1000 einen USB-Anschluss, über den sich Aufnahme-Daten zwischen Recorder und einem externen Conmputer hin und her transferieren lassen. Ebenso liegt dem MR-1000 eine so genannte „AudioGate“-Software für Windows XP und Mac OS X bei, mit der sich die hoch aufgelösten 1-Bit Aufnahmen nachträglich in die verschiedensten Aufnahme-Formate umwandeln lassen. Auf diese Weise lassen sich je nach späterer Verwendung des Materials von einem hochwertigen „Master“ alle möglichen „schlechteren“ Formate ableiten.

Bedienelemente und Anschlüsse
Für den professionellen Einsatz ist der MR-1000 mit den entsprechenden Anschlüssen versehen. Bis auf die regelbare Kopfhörer-Buchse (6,3mm Stereo-Klinke) befinden sich sämtliche Anschlüsse inkl. Netzteil- und USB-Buchse auf der Geräte-Rückseite.
Die Ausgänge sind als symmetrische XLR´s sowie parallel als unsymmetrische Cinch-Buchsen ausgelegt.
Als Eingangs-Buchen finden wir zwei (L und R) Neutrik-Kombibuchsen vor, die gleichermaßen als symmetrische XLR-, wie auch als symmetrische Klinkenbuchsen für Mikro- oder Line-Signale fungieren. Für den Anschluss von Kondensator-Mikros lässt sich darüber hinaus über einen kleinen Schalter eine 48V Phantom-Power aktivieren. Über einen zweiten Schalter lässt sich ein interner Limiter (sozusagen als „Pegel-Notbremse“) aktivieren. Zur groben Anpassung des Eingangspegels bietet der MR-1000 einen weiteren kleinen Schalter auf der Geräterückseite, die Fein-Einstellung für die Aussteuerung erfolgt auf der Vorderseite individuell für jeden Kanal über ein koaxialen Regler. Als Aussteuerungs-Anzeige bietet der MR-1000 neben zwei Peak-LED´s für L und R zwei hochauflösende Bargraphs, die im beleuchteten LC-Display des MR-1000 dargestellt werden. Eine weitere LED warnt den User parallel zur entsprechenden Spannungs-Status-Anzeige im großen Display frühzeitig, falls die Ladung der Batterien bzw. Akkus zu Neige geht.
Man sollte den MR-1000 in jedem Fall stets über die Ein/Aus-Taste abschalten, denn nur auf diese Weise fährt das System sicher runter und speichert alle notwendigen Daten.
Im Akku/Batterie-Betrieb lässt sich „energiesparend“ eine automatische „Shut-Down“-Funktion aktivieren. Der MR-1000 schaltet dann automatisch ab, wenn er - je nach eingestellter Zeit - nicht benutzt wird.
Wie es sich für einen „echten“ Recorder gehört, ist auch der MR-1000 mit den typischen Laufwerksfunktionen ausgestattet. Dazu zählen eine Stop-, eine Vor- wie eine Rückspultaste (kann auch zum Springen von einem zum nächsten Marker verwendet werden) sowie die Tasten für Play/Pause und Record. Letztere Funktionen werden jeweils durch zusätzliche Status-LED´s angezeigt. Während der Aufnahme bzw. Wiedergabe dient die Record-Taste zum Setzen von Positions-Markern, um später ganz konkrete Stellen einfach wieder zu finden. Bei jedem Setzen eines Markers zeigt das Display sofort die Zeitinformation der gespeicherten Position an. Im Pause-Betrieb funktioniert das Setzen von Markern leider nicht, hier würde der MR-1000 beim Drücken der Rec-Taste in Aufnahmebereitschaft gehen.

Menuführung
Mittels der Menu-Taste lässt sich jederzeit – d.h. auch während der Aufnahme und Wiedergabe - zwischen einem der MR-1000 Menus und der Standard-Anzeige (beinhaltet z.B. Aussteuerungs-Anzeige sowie weitere Informationen: Bezeichnung der Aufnahme, Auflösung/Samplerate, und Timecodeanzeige) umschalten. Die gesamte Menuführung erfolgt im Prinzip über einen Endlos-Drehregler, der gleichzeitig auch als Druck-Taster arbeitet. Über den Drehregler lässt sich nun durch die Menustrukturen navigieren - über einen kurzen Druck auf den Regler werden die Funktionen schließlich angewählt. Zurück geht’s jeweils wieder über die Menu-Taste.
Die Hauptmenupunkte des MR-1000 sind bezeichnet als:

-Library: Zum Verwalten und Archivieren der Aufnahmen, in beliebigen Ordnerstrukturen inkl. Namensgebung, zum Verwalten und Editieren von Markern, zum Schützen von Projekten vor Überschreiben.
-Play-Mode: Hier lässt sich z.B. einstellen, ob ein einzelnes File bzw. Projekt oder ein kompletter Ordner abgespielt werden soll, ebenso lassen sich hier wie bei einem CD-Player Play-Listen erstellen sowie Repeat- oder Shuffle-Funktionen (wiederholte oder zufällige Wiedergabe) nutzen.
- Play-List: Dient zum Erstellen und Verwalten von Play-Listen.
- System: Beinhaltet alle System-Einstellungsmöglichkeiten für Datum/Uhrzeit, Display-Kontrast/Beleuchtung, AutoShut Down, Festplatten-Infos inkl. Formatierungsfeature, Update-Möglichkeit neuer Betriebssoftware.
- USB-Mode: In diesem Modus betrieben, wird der MR-1000 vom angeschlossenen Computer als „Laufwerk“ erkannt, Daten können beliebig hin- und hergespielt werden.
-Record-Mode: Erlaubt die Einstellung des Aufnahme-Formates.


Aufnahme-Formate
Als mögliche Formate für die Aufnahme stehen beim MR-1000 vier verschiedene Alternativen zur Auswahl:

WAV (BWF)
Bei diesem Format handelt es sich um ein lineares, unkomprimiertes PCM Multibit-Format. Die meisten dürften dieses Format als gängiges File mit der Endung „.wav“ von ihren Computer-Systemen kenn. Als Auflösung lässt sich zwischen 16 und 24 Bit wählen. Als Samplingrates stehen die Frequenzen 44,1 kHz und 48 kHz sowie jeweils die doppelten und vierfachen Raten bis zu schließlich 192 kHz zur Verfügung.

Bei sämtlichen 1-Bit-Formaten lässt sich stets zwischen zwei Samplingrates (2,8 MHz und 5,6 MHz) wählen.
Generell gilt: Je besser die Aufnahmequalität, desto höher ist der Speicherbedarf.

Die Tabelle zeigt die Aufnahmezeit der Stereo-Aufnahme pro 1 GB Festplatten-Kapazität.

WAV-Format Aufnahmezeit 1-Bit-Format Aufnahmezeit
44.1kHz/16 Bit 90 Minuten DFF 2,8 MHZ 22 Minuten
44.1kHz/24 Bit 60 Minuten DFF 5,6 MHZ 11 Minuten
48 kHz/16 Bit 85 Minuten DSF 2,8 MHZ 22 Minuten
48 kHz/24 Bit 55 Minuten DSF 5,6 MHZ 11 Minuten
88.2 kHz/24 Bit 30 Minuten WSD 2,8 MHZ 22 Minuten
96 kHz/24 Bit 25 Minuten WSD 5,6 MHZ 11 Minuten
176.4 kHz/24 Bit 15 Minuten
192 kHz/24 Bit 13 Minuten



DFF (DSDIFF)
Dieses 1-Bit-Format (das Kürzel steht für „Direct Stream Digital Interchange File Format“) findet u.a. bei der SACD (Super-Audio-CD) Verwendung.

DSF
Dieses 1-Bit-Format wird bei manchen Sony-Geräten verwendet und steht für „DSD Stream File“.

WSD
Die Abkürzung steht für „Wideband Single-Bit Data“ und stellt ein offizelles, vom „1-Bit- Konsortium“ definiertes 1-Bit Audio-Format dar.

Die AudioGate-Software
Über die mitgelieferte AudioGate-Software werden sämtliche o.g. Recording-Formate unterstützt. Dazu kommen sogar noch AIFF-Formate bis 192 kHz und bis zu 32 Bit (Fließkomma-Auflösung).
Die Kommunikation mit der AudioGate-Software, ganz gleich ob bei Windows XP oder Mac OS X Systemen erfolgt über USB 2.0.
Befindet sich der MR-1000 im USB-Modus, so taucht der Recorder nach dem Anschließen des USB-Kabels als Laufwerk auf dem Schreibtisch des Rechners auf.
Innerhalb der Software lädt man nun die gewünschten Songs oder Files ein, ob per Drag & Drop oder über das Browser-Menu.
Die Benutzeroberfläche bietet neben den Laufwerksfunktionen inkl. Shuttlerad auch Aussteuerungs-Anzeigen sowie kleine Editier-Funktionen wie Zerschneiden und Zusammenfügen von Songs, Fade-In /Out (Ein- und Ausblenden des Tracks) , Gain (Pegelangleichung zwischen –24 und +24 dB) sowie eine DC Cut-Funktion. Letztere dient dazu, einen möglichen DC-Offset (damit lässt sich gegebenenfalls der Headroom erweitern) in der Aufnahme abzuschalten.
Um die Song-Files nun zu konvertieren, wählt man lediglich das entsprechende File an und drückt den Export-Knopf, worauf sich das Menu mit den Format-Parametern öffnet.

Anwendung und Fazit
Bereits der kleine MR-1 überzeugte als Mini-Recordinggerät mit großer Aufnahme-Qualität, doch für den professionellen Anwender bietet sich eher der MR-1000 mit seinen professionellen Ausstattungsmerkmalen von den Anschlüssen bis hin zum komfortablen Handling an.
Als Master-Recorder leistet der MR-1000 überzeugende Arbeit, ob bei Live-Konzert-Aufnahmen, beim Fieldrecording für Film- oder TV-Sound, für Reportagen oder als Master-Recorder im Tonstudio.
Gerade für Profis, die beim Arbeiten mit digitalen Mehrspursystemen gerne analog summieren, bietet sich solch ein System an.
Die Aufnahme-Qualität des MR-1000 ist beeindruckend: klar, transparent und dynamisch wie das Original. Interessant ist vor allem, dass man die Aufnahmen zunächst mit der höchstmöglichen 1-Bit Stream Qualität aufnehmen und archivieren kann, um gegebenenfalls später die entsprechend benötigten Formate, z.B. für CD-Produktion oder TV-Ton via AudioGate-Software zu konvertieren.
Falls man mit der Festplattenkapazität auskommt, sollte man unbedingt im 1-Bit-Format arbeiten. So hat man eine unglaublich präzise Auflösung und einen guten Headroom.
Gerade bei Live-Aufnahmen mit extremer Dynamik kann man sicherheitshalber diesen Puffer gut gebrauchen.
Falls man im WAV-Format aufnimmt, sollte man wenn möglich immer mit 24 Bit arbeiten, so kann man sich gegenüber der 16Bit-Variante den Luxus erlauben, niedriger auszusteuern, was auch gerade bei Live-Anwendungen einen Sicherheitsaspekt darstellt. Die Aufnahme benötigt dann zwar mehr Speicherplatz, allerdings kann so auf den internen Limiter verzichtet werden.
Der Preis von unter 1.500 EUR inkl. Netzteil, Tasche und AudioGate-Software ist einfach sensationell. Man kann nur hoffen, dass Korg auf der Basis der 1-Bit Technologie weitere Geräte für den Profi-Bereich entwickelt. Der Einstieg ist in jedem Fall gelungen.


Die 1-Bit Technologie
Die 1-Bit-Technologie wurde in den späten 80ern von Dr. Yoshio Yamasaki
(Waseda-Universität, Japan) entwickelt. Dr. Yamasaki meldete sein 1-Bit-Verfahren 1992 zum Patent an, um eine kommerzielle Nutzung zu ermöglichen. Sony und Philips übernahmen die Technologie unter der Bezeichnung „Direct Stream Digital” (DSD) als Grundlage für die SACD (Super Audio Compact Disc). Solche 1-Bit SACDs gibt es seit 1999. Momentan umfasst der Katalog über 4.000 Titel. Aktuell gibt es folgende hoch auflösende Audioformate für den Consumer- und Pro Audio-Bereich:

Sony/Phillips Super Audio CD (SACD)
Zwei Ebenen („Dual Layer”): 1 Bit/2,8MHz und 16 Bit/44,1kHz (herkömmliches „Red Book” CD-Format)

DVD-A
PCM bis zu 24 Bit/192kHz

1-Bit-Aufnahmen stellen den momentanen Stand der Audiotechnik dar. Die Authentizität, das vernachlässigbare Eigenrauschen, die atemberaubende Dynamik, eine weitaus bessere Abbildung sowie die analog-ähnliche Tiefenstaffelung begeistern selbst Experten. Das 1-Bit-Format hat den Vorteil, dass man es in jedes beliebige Multibit-Format aller gängigen Sampling-Frequenzen wandeln kann. Diese Technologie wird übrigens auch von den A/D-Wandlern aller hochwertigen PCM-Systeme verwendet, die ebenfalls auf dem 1-Bit-Prinzip beruhen. Allerdings werden diese Daten dann mit Hilfe mehrerer Filter reduziert und auf 16 bzw. 24 Bit kodiert. Bei einem 1-Bit-Audiosystem ist diese Datenreduktion überflüssig, weil die Daten der A/D-Wandler 1:1 aufgezeichnet werden können. Das genau erklärt, weshalb in diesem Format erstellte Aufnahmen präsenter, tiefer und realistischer klingen. Das PCM-Verfahren ist übrigens so umständlich, dass für die Wiedergabe erneut Berechnungen notwendig sind, um aus den „rohen” Datenklötzen wieder einen flüssigen Datenstrom zu machen. Auch dabei treten Verfälschungen auf, die beim 1-Bit-Verfahren kein Thema sind. Auf Grund dieser fehlenden Zwischenstadien arbeitet das 1-Bit-Verfahren weitaus effizienter als die PCM-Technologie. 1-Bit/2,8224MHz-Aufnahmen werden nicht von unzähligen Rundungsfehlern beeinträchtigt und bieten zudem einen Frequenzgang von 10Hz-100kHz. Unter dem Strich ergibt sich hieraus eine Klangtreue, die sich kaum noch von dem ursprünglich aufgezeichneten Klangereignis unterscheiden lässt. Damit ist übrigens nicht nur die Links/Rechts-Abbildung gemeint, sondern auch die Vorne/Hinten-Staffelung (Tiefe) des Schallfelds.