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Test: Yamaha Motif XS 7 – Teil 3 PDF Drucken E-Mail
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Arpeggiator und Sequencer

Im dritten und letzten Teil des Motif XS Tests wollen wir uns mit den Features und Funktionen des Arpeggiators und Sequencers auseinandersetzen. Ein Arpeggiator war in den Anfängen der elektronischen Musik lediglich ein Feature, mit dem man Akkorde nach einem rhythmischen Muster zerlegen konnte und über ein oder mehrere Oktaven ablaufen lassen konnte. Viele Synthesizer der damaligen Zeit hatten diese Funktion an Bord und die gerade aufkommenden Sequencer sowie die MIDI-Schnittstelle machten den Arpeggiator schnell populär. In der heutigen Zeit wird mit dem Arpeggiator natürlich sehr viel mehr gemacht, da neben reinen Noten-Events auch jede Menge an Controllerdaten übertragen werden können und neben der reinen Akkordzerlegung auch komplette kurze Instrumentalstücke verwendbar sind,
man nennt sie Pattern oder Phrases.

Aufbau des Arpeggiators
Der Motif besitzt vier unabhängige Arpeggiatoren, die jeweils 6.000 verschiedene Phrasen abspielen können. Es können auch 256 eigenen Phrasen im Gerät aufgenommen und erstellt werden. Dieser riesige Fundus an Phrasen und rhythmischen Pattern muss natürlich zwecks besserer Übersicht in musikalische Kategorien eingeteilt werden, damit die Bibliothek sinnvoll nutzbar ist. Yamaha teilt hier die Arpeggios in 17 Kategorien ein:

ApKb Flügel/Klavier/Keyboard
Organ Orgel
GtPl Gitarre/Zupfinstrumente
GtMG Gitarre für Mega-Voice
Bass Bass
BaMG Bass für Mega-Voice
String Streicher
Brass Bläser
RdPp Rohrblatt/Pfeifeninstrumente
Lead Synth Lead
PdMe Synth Pad + Musikeffekte
Cprc Chromatische Percussion
DrPc Schlagzeug/Percussion
Seq Synth Sequencer
Chord Akkordsequenz
Hybrd Gemischte Sequenzen
Cntr Controller Sequenzen
NoAsg Keine Zusweisung

Die Arpeggios verwenden „Velocity Swichting“, um möglichst realistische Klangeigenschaften zu erreichen, für die Mege-Voices und ihre komplexe Struktur werden extra Arpeggios in den Bereichen Gitarre und Bass kreiert. Dadurch erreichen diese Arpeggios eine sehr hohe Authentizität, und die Bass- und Gitarren-Abteilung ist eines der Highlights dieses Bereichs.
Weiter geht es mit den Subkategorien, wo die Arpeggios dann nach musikalischen Gesichtspunkten und Stilistiken sortiert werden. Hier werden die Stilrichtungen Rock, Rhythm&Blues, Elektro, Jazz, World, und General verwendet. Über eine Suchfunktion wird man auch sehr schnell fündig. Folgendes ist zu beachten: Die einzelnen Phrasen sind natürlich für die jeweiligen Instrumente von Klavier, Gitarre, Bass oder Schlagzeug konzipiert und lassen sich folglich nicht auf andere Instrumente anwenden, insofern relativiert sich auch die riesige Anzahl der Arpeggios. Sie lassen sich nun in allen Bereichen des Motif XS verwenden, sei es im normalen Spielbetrieb durch Druck auf die Arpeggio-Taste, im Sequencer bei der Komposition eines Titels, in einem externen Sequencer durch Synchronisation über MIDI-Clock oder in einer Performance. Hier lassen sich die vier Arpeggiatoren nebeneinander einsetzen und spielen zum Beispiel den Drumpart, den Bass, eine Gitarre und ein Fender Rhodes. Da die Arpeggios auch über eine Akkorderkennung verfügen, kann man auf dem Motif eine Begleitung wie auf einem normalen Keyboard kreieren, nur mit dem Vorteil, mit ganz anderem Ausgangsmaterial und ganz anderen Editierungsmöglichkeiten arbeiten zu können. Es besteht sogar die Möglichkeit, in diesem „Style“ bis zu fünf Variationen mit anderen Bassfiguren, mit Drum-Breaks, etc. zu schaffen. Und natürlich kann in jedes Arpeggio in punkto Tongestaltung und Klangverhalten dezidiert eingegriffen werden. Wenn man in einer solchen Performance mal ein wenig herumspielt und auch andere Arpeggiomuster probiert, merkt man erst das Potential dieses Gerätes. Die Parameter des Arpeggios enthalten zum Beispiel „Hold“- und „Trigger“-Einstellungen für das Verhalten auf der Tastatur, „Accent-Phrase“ für Betonungsphrasen in Abhängigkeit zur Anschlagsdynamik, „Random SFX“ für zufällige Nebengeräusche wie Bundgeräusche etc. und verschiedene Wiedergabeparameter je nach gespielten Noten. Schlussendlich kann ein Arpeggio natürlich auch nur aus Controllerdaten bestehen, um Synthsizer-Sounds mehr Leben zu verleihen. Die Möglichkeiten sind hier schier unerschöpflich.

Praxis und Sequencer
Das Ganze macht dann auch Sinn im Zusammenspiel mit dem internen Sequencer, der nahtlos in das Konzept passt. Neben der ewigen Frage, ob es Sinn macht, Songs innerhalb eines Instruments mit all seinen Nachteilen wie kleines Display, umständliche Bedienung, etc. zu machen oder lieber mit einem rechnergestützten Programm und großem Monitor, hat der Motif natürlich den Vorteil, alle Komponenten quasi fest verdrahtet im Gerät zu haben. Wer sich hier einarbeitet, hat ein starkes Werkzeug an der Hand:
Ein Song besteht im Motif aus 16 getrennten Spuren, einer „Scene-Spur“ und einer Tempo-Spur. Die einzelnen Spuren lassen sich einfach in Realtime aufnehmen und im „Song Edit“-Modus wie gewohnt mit Parametern wie „Quantize“, „Transpose“, usw. editieren. Auf der Scene-Spur kann man Szenenwechsel wie Solo oder Stummschaltungen vornehmen. Auf der Tempospur kann man alle Einstellungen bezüglich der Zeitachse des Songs verwalten. Schlussendlich lassen sich aus den Spuren einzelne Pattern bilden, die in einer Kette schließlich den Song ergeben. Hieraus lässt sich dann auch wieder eine „Song Chain“ bilden, die man sehr gut verwenden kann, wenn ein ganzes Konzert-Live-Programm verwaltet werden muss.

Fazit
In den vergangenen drei Testreihen konnte man sehen, welches Potential in einem solchen Instrument steckt. Sicherlich werden die meisten all die vielen Features des Motif XS gar nicht nutzen wollen, doch wird es für die meisten Anwendungen von Studiobetrieb bis Bühne, vom Kompositions-Tool bis zum Master-Controller kaum eine Anwendung geben, die der Motif XS nicht perfekt ausfüllt. Dies fängt in der Einteilung in die drei gängigsten Tastaturgrößen an, geht über die Möglichkeit des Einbaus einer Firewirekarte für Studio- und Computeranwendungen weiter und endet in der sehr guten Sound- und Arpeggio-Bibliothek, wo wirklich keine Wünsche mehr offen bleiben. Zusammen mit den vielen Möglichkeiten der Echtzeitsteuerung ist hier Yamaha dem Traum des perfekten elektronischen Instruments wieder einen Schritt näher gekommen.

UVP: 3.299 EUR

www.yamaha.de