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„Staatsmännischer Rocksound“
Seid Mitte der 80er Jahre ist die deutsche Firma Hughes & Kettner erfolgreich im Bass- und Gitarren-Bereich tätig. Zunächst wurden in der von den Brüdern Hans und Lothar Stamer gegründeten Firma Lautsprecherboxen entwickelt. Ab 1986 wurden auch Instrumentalverstärker gebaut und vertrieben. Geräte wie der TubeMan, Rotosphere, Access und TriAmp erweiterten das Sortiment schnell und verhalfen dem Unternehmen auch international zu Anerkennung. Mittlerweile hat sich die Saarländer Firma zu einem weltweit anerkannten Hersteller etabliert, der hochwertige Geräte wie den ersten vollprogrammierbaren Gitarrenverstärker (AS 64), das leichteste PA-System (Light Line) oder den ersten Vollröhrenverstärker im Taschenformat (Cream Machine) herstellt. Wir möchten euch hier an dieser Stelle das Gitarren-Topteil Statesman Dual EL 34 vorstellen.
Konzept
Beim Statesman Dual EL 34 und der dazugehörigen 4x 12 Box (STM 412) handelt es sich um ein zweikanaliges Rockgespann, das laut Hughes & Kettner eine Symbiose aus dem „Early – Sixties“ Cleansound und dem „Eighties – Stack – Overdrive“ Sound darstellt. Man hat es also mit einem Verstärker zu tun, der mit einem cleanen und einem verzerrten Sound ausgestattet ist. Das Ganze hat man mit dem Look der sechziger Jahre versehen, und die Kombination schaut wirklich sehr gut aus. Im inneren hat man es mit Vollröhrentechnologie aus dem letzten Jahrhundert zu tun, die man klanglich bisher immer noch nicht toppen konnte.
Aufbau
Der Verstärker ist zweikanalig aufgebaut, wobei jeder der beiden Kanäle seine eigene Klangregelung, bestehend aus Treble, Mid und Bass, besitzt. Der Mid- und Treble-Regler beeinflussen sich gegenseitig, wie man es auch vom AC 30 her kennt. So werden die mittleren Frequenzen je nach Treble-Einstellung dezent ausgehöhlt und umgekehrt. Alle Regler auf Vollgas stellen, also in die „Englische Einstellung“ fahren, ist hier definitiv nicht angesagt. Stattdessen ist Fingerspitzengefühl gefragt. Selbst bei alten Marshalls halte ich die „Alles auf 10“ – Einstellung für Unsinn. Man sollte immer von der 12Uhr-Stellung ausgehen, um den Klang von diesen Ausgangswerten nach seinen Wünschen zu formen. Mit an Bord ist unser alter Freund, der Federhall, den sich ebenso, wie den Presence-Regler, beide Kanälen teilen. Alle „Staatsmänner“ sind mit einem echten Accutronics Spring Reverb ausgestattet, der Hallanteil je Kanal ist über einen Reverb-Balance-Regler auf der Rückseite kontrollierbar. Im Gegensatz zum Clean-Bereich besitzt die Zerrabteilung ein Gain-Poti für den Spaßfaktor, welches mittels des Master-Reglers im Zaum gehalten wird. Eine Besonderheit bietet aber auch der cleane Kanal an, den sogenannten „Twang“-Schalter. Er schaltet vom klassischen britischen Klangcharakter auf den Fender-artigen, kalifornischen Clean-Sound um. Bei höheren Lautstärken kann dieser Kanal sehr schön in die Sättigung gefahren werden, um satte Crunch-Sounds zu erzeugen. Zwischen den beiden Kanälen befinden sich drei weitere Drucktaster. Je ein Taster für den Clean- und den Distortion-Bereich. Ein weiterer „Kollege“ ist für eine Boost-Funktion zuständig, bei der gewisse Frequenzbereiche angehoben werden, um cremigere Lead-Sounds zu erzeugen. Gain-Reserven sind hier wirklich satt vorhanden, tendieren aber nicht in Richtung Metal. Es ist also ein fettes Hardrockbrett möglich, mit genügend Zerre für singende Lead-Sounds und krachende Riffs. Die Boost-Funktion arbeitet übrigens nur mit dem Drive-Kanal zusammen und kann mit dem dazugehörigen Fußschalter aktiviert werden. Mit einem weiteren Fußschalter sind auch FX-Loop und Reverb per Fuß schaltbar. Über den Effektweg können externe Effekte eingeschleift werden: SEND wird dabei mit dem Eingang, RETURN mit dem Ausgang des Effektgerätes verbunden. Der FX-Loop ist auch via Fußschalter aktivierbar. Alles easy, keine versteckten Extras, wie Push/Pull-Potis oder sonstige Späße. Für die Anpassung eines eingeschliffenen Effektprozessors gibt es den FX Level-Schalter. Er verringert den Ausgangspegel der FX-Send-Buchse um 10dB und erhöht zeitgleich die Eingangsempfindlichkeit der FX Return-Buchse um 10dB und unterstützt so eine optimale Anpassung des Effektweges an den Eingangspegel des jeweils verwendeten Effektgerätes. Soll ein Effektgerät zum Einsatz kommen, dessen Eingang für den Instrumentenpegel ausgelegt ist, diesen Schalter bitte unbedingt in die gedrückte Position bringen. Auch hier gilt: Bitte keine Fußeffekte einschleifen, sonst klingt der Amp wie „warme Cola“. Ein gutes 19 Zoll Teil sollte man schon benutzen. Der Effektweg ist sowohl seriell, wie auch parallel nutzbar.
Praxis
Im Zusammenspiel mit der 4x 12 Box STM 412 hat man es hier mit einem anständigen Allrounder zu tun, der in vielen Stilistiken zuhause ist. Zunächst hab ich den Amp im cleanen Bereich gespielt. Hier glänzt der Testverstärker, was das Zeug hält. In bester Fender-Manier tönt der Verstärker brillant und rund, ohne Schärfe oder unangenehme Frequenzanteile. Dreht man den Kanal weiter auf, geht er allmählich in die Sättigung und der Klang wird, ähnlich wie beim Fender Deluxe, fett und leicht komprimiert. Dann hat man aber auch schon die Nachbarschaft am Hals, weil der Verstärker enorme Leistungsreserven besitzt. Schaltet man nun in den Overdrive-Kanal, geht zunächst einmal die Dynamik zurück und der Amp klingt etwas kleiner, als zuvor. Klare Sache, denn die Verzerrung geht mit einer Kompression Hand in Hand. Die Zerrstruktur ist harmonisch und das Klangbild insgesamt ausgewogen. Der Verstärker lässt sich von einer leichten Anzerrung bis hin zu saftigen Bratsounds stufenlos einstellen. Dabei bleibt der Sound immer rockig und driftet nie in Metal-Bereiche ab. Im Gegensatz zu Marshall, wie beispielsweise dem klassischen JCM 800, ist der Klang mittiger angesiedelt, was im Bandgefüge von Vorteil sein kann, denn so setzt sich der Sound immer gut durch.
Fazit
Der Hughes & Kettner Statesman Dual EL 34 mit der dazugehörigen 4x 12 Box STM 412 sind ein kompaktes Allround-Gespann für den semiprofessionellen und professionellen Bereich. Sein Klang ist insgesamt ausgewogen und ideal für Mainstream, also Pop- und Rockmusiker geeignet. Auch Country- und Rockabilly-Anhänger kommen mit dem Amp voll auf ihre Kosten, denn der cleane Kanal bietet einen hervorragenden Klang. Das ideale Teil also für Top 40 Gitarristen, die keine Digitalamps spielen wollen, aber trotzdem eine große Palette Sounds abrufen müssen. Die eigentliche Ampverzerrung ist nichts für Leute von der „Nu-Metal-Punk-Brat“-Front. Dafür sollte man schon einen Metal-Verzerrer vor den Cleankanal setzen und losbraten.
www.hughes-and-kettner.de
UVPs:
Statesman Dual EL 34: 1.299 EUR
STM 412: 799 EUR
Hughes & Kettner Statesman Dual EL 34
Kanäle: Clean + Twang, Overdrive + Boost
Leistung: 50 Watt
Endstufe: 2x EL34
Preamp: 2x 12AX7
Effekte: Accutronics Feder-Hall
Effekt-Weg: Seriell/Parallel umschaltbar
Fußschalter/Stageboard: 1x FS-3N inklusive, FS-2 optional
Schaltfunktionen: Kanäle, Boost, Second Master; mit zusätzlichem FS-2: Hall, FX-Loop
Special Features: Second Master, Twang- und Boost-Mode, Hall-Balance-Regler, Second Master
Equalizer: 3-Band EQ pro Kanal
Speaker-Anschlüsse: 1x 4 Ohm, 1x 8 Ohm/2x 16 Ohm , 1x16 Ohm
Maße: 678 x 254 x 253 mm
Gewicht: 15,3 kg |