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„Signature-Sound“
Eric Johnson ist ja ein traditioneller Strat-Spieler, der eigentlich nur spezielle und uralte Modelle der meistkopierten Gitarre der Welt spielt. Sein unverwechselbarer Gitarrenton ist ja bis auf seinen cleanen Sound eher untypisch weich und mittenbetont, was jedoch an seinem speziellen Setup mit Fuzz-Verzerrern und dem Chandler Tubedriver liegt. Der bescheidene texanische Gitarrenvirtuose ist ein wahrer Soundfetischist und Sammler uralter Pedale und Gitarren aus den unterschiedlichen Jahrgängen, um seinen Sound zu gestalten. Dazu kommen natürlich spezielle Speaker und Mikrofontypen, welche ja entscheidende Klanggestalter der moderner Gitarrenklänge sind. Die Kombination aus einem Erlenbody und dem Ahornhals ist eine der angesagtesten Stratocaster-Holzvariationen überhaupt und verspricht einen knackigen, perlenden Ton, aber dazu später mehr. Die Eric Johnson Strat ist in drei Farbvariationen erhältlich, in Two Tone Sunburst, Candy Apple Red und Schwarz.
Historisches
Seit dem Erscheinen der Stratocaster im Jahre 1954 hat sich diese Gitarrenbauform zur populärsten E-Gitarre aller Zeiten entwickelt. Populär wurden Fender-Gitarren Anfang der 60er Jahre vor allem durch junge Surf und Beat Bands. Das stromlinienförmige, für damalige Verhältnisse sehr futuristische Aussehen und der Twang-Sound ging Hand in Hand mit dem Lebensgefühl des Rock´n`Roll. Der endgültige Durchbruch gelang der Stratocaster mit Jimi Hendrix, der mit seiner extrovertierten und ausdrucksstarken Gitarrenarbeit diesem Instrument einen mächtigen Popularitätsschub gab. Heute ist die Stratocaster jedem Gitarristen ein Begriff und aus keinem anständigen Gitarristenhaushalt mehr wegzudenken. Ihr Sound ist einzigartig und besonders in den silbrigen Zwischenstellungen der Tonabnehmer sofort erkennbar.
Konzept
Die Eric Johnson Stratocaster ist ein relativ neues Mitglied der Fender-Familie und orientiert sich an Instrumenten aus dem Zeitraum Ende der 50er Jahre. Nach dem Motto „Never change a winning team“ finden sich hier alte Kollegen in einem wunderschönen Instrument vereint. Die Testgitarre ist mit dem klassischen, perfekten Bodyshaping und dem typischen Tremolo ausgestattet. Merkmale, die jedem Gitarristen bekannt sind. Obwohl man sich bei dieser Gitarre an alten Instrumenten orientiert, hält man hier nicht krampfhaft an uralten Zutaten, wie dem Dreiweg-Pickupschalter fest. Stattdessen hat man hier direkt den heutzutage verbreiteten Fünfstufen-Pickupschalter eingebaut, bei dem man die Zwischenpositionen der Pickups nicht nur durch genaues Zielen hinbekommt. Ein weiteres Merkmal sind die Mechaniken, die zwar wie „alte“ aussehen, aber „gestaggert“ sind. Mit „gestaggert“ bezeichnet man die unterschiedlich Achsenhöhe der Mechaniken, die nach oben hin abnimmt. Somit ist ein gleichmäßiger Druck der Saiten auf den Sattel gewährleistet. Dadurch entfallen auch die sonst üblichen Saitenhalterungen, die beim Einsatz des Vibratosystems Verstimmungen durch die Saitenreibung fördern können.
Holz und Hals
Der Korpus der in Candy Apple Red lackierten Eric Johnson Strat besteht aus Erlenholz, einem klassischen Stratocaster-Baustoff, der in Kombination mit dem Ahornhals einen sehr perligen Klang erzeugt. Der Korpus besitzt keinerlei Ecken und Kanten. Das typische Shaping ist ja eines der primären „Geschlechtsmerkmale“ einer Stratocaster, deren Formen laut einer Legende an die Kurven einer attraktiven Frau erinnern soll. Von der Rückseite her sieht man die Vierpunktverschraubung mittels eines Stahlblechs, auf der sich eine spezielle Gravur befindet. Der einteilige und leicht gelblich gebeizte Ahornhals ist mit der typischen 50´s Kopfplattenform ausgestattet. Er besitzt eine Vintage-typische und leicht abgerundete V-Form. Die Mediumbünde sind perfekt abgerichtet und befinden sich auf einem modernen 12-Zoll-Radius Griffbrett, das auch heftige Bendings ermöglicht. Der Zugang zum Halsstellstab befindet sich am Korpusübergang, was die Sache nicht unbedingt erleichtert. Das Instrument ist werksseitig jedoch perfekt eingestellt und man sollte die Arbeiten am Hals ohnehin einem Fachmann überlassen. Ebenfalls von hinten zu begutachten sind die gestaggerten Vintage-Mechaniken. Die Saiten werden wie bei den alten „Teilen“ noch von oben eingefädelt. Das Instrument lässt sich einwandfrei bespielen, nichts scheppert oder rappelt.
Das Tremolo
Hier handelt es sich um ein klassisches Vibratosystem aus magnetischem, massivem Material. In den 70er Jahren verwendete Fender billigere Gusskonstruktionen, die heutzutage zwar unter Sammlern wieder gefragt sind, aber bei weitem nicht so gut klingen wie die Ur-Modelle oder dieses Customshop-Tremolo. Der Sustainblock geht mit den Magneten des Stegpickups eine Symbiose ein, wodurch der Klang positiv beeinflusst wird. Auf der Rückseite des Korpus sind fünf Federn eingebaut, die dem Saitenzug entgegenwirken und die Brücke in die Waagerechte ziehen. Diese einfache, aber effektive Konstruktion hat entscheidend zur Entwicklung neuer Spieltechniken und neuer Systeme beigetragen. Aus ungeklärten Gründen meldete Fender das System nach ersten positiven Rückmeldungen im April 1954 nicht unter dem korrekten Terminus „Vibrato“, sondern mit dem irreführenden Namen „Tremolo“ zum Patent an. Diese Verwechslung zieht sich seitdem durch das gesamte Programm der Firma, da die Verstärker der Marke Fender, die tatsächlich über ein „Tremolo“ (im Sinne möglicher kontinuierlicher Lautstärkeschwankungen) verfügen, mit dem falschen Zusatz „Vibrato“ bezeichnet werden. Die Saitenreiter sind aus Blech gefertigt und ebenfalls aus dem Customshop. Sie fördern ebenso den klassischen Twang, der dieses Instrument so berühmt gemacht hat.
Elektrik-Trick
Die Elektronik besteht aus drei speziellen Single-Coil-Tonabnehmern, die über einen Kippschalter angewählt werden können. Dabei handelt es sich um eigens für dieses Modell entwickelte Tonabnehmer, die nach den Wünschen von Eric Johnson gewickelt wurden. Sie sind leider nicht einzeln erhältlich, denn die Teile klingen wirklich sehr gut und könnten auch anderen Stratocaster-Modellen zu neuem Glanz verhelfen. Besaßen die ersten Stratocaster noch einen Dreiwegschalter, mit denen die Tonabnehmer einzeln angewählt werden konnten, wurde in den 70ern der Fünfwegschalter eingeführt, der auch auf dieser Gitarre zu finden ist. Mit diesem lassen sich auch die beliebten Kombinationen des Hals- oder Stegtonabnehmers mit dem mittleren Pickup anwählen oder, durch Modifikation der Schaltung, ein „Out of phase“-Sound, also ein durch Phasenverdrehung bedingter „hohler“ Klang in den Kombinationsstellungen erzeugen. Weiter sind ein Lautstärkeregler und zwei Tonregler für den Klang verantwortlich. Diese Schaltung lässt viel Spielraum für Modifikationen und Veränderungen, die im Laufe der Jahre in die Produktion von Serien- und Sondermodellen eingeflossen sind. Beim Eric Johnson Modell ist ein Klangregler für den Steg-Tonabnehmner zuständig und der zweite Regler für den mittleren und den Hals-Pickup. Diese leicht modifizierte Schaltung ermöglicht das leichte „Abdunkeln“ des Stegpickups, was besonders bei High Gain Sounds einen sahnigeren Sound ermöglicht.
Praxis und Sound
Schon trocken gespielt kommt die brillante Wiedergabe der Gitarre zur Geltung. Dies ist der Kombination der Klanghölzer zu verdanken, wobei dem Hals den weitaus höheren Anteil am letztendlichen Klang zugesprochen werden muss. Ahorn ist nun mal ein recht hartes Holz und färbt den Klang dementsprechend höhenreich. Das exzellente Vibratosystem überträgt die Saitenschwingungen optimal an den Korpus, wodurch ein rundum gelungener Stratocaster-Ton erst möglich wird. Am Verstärker angeschlossen, offenbart sich ein Klang, der nah an die Qualität der Customshop-Modelle heranreicht. Die Gitarre klingt im cleanen wie im verzerrten Bereich und in jeder Tonabnhemer-Position und Kombination ausgewogen. Angezerrte Sounds haben genügend Mitten-Punch, um einen stabilen Sound zu ermöglichen. Klasse. Selbst bei viel Verzerrung bietet der Steg-Pickup dank des Klangreglers, beim leichten Zurücknehmen der Höhen, einen erstaunlich sahnigen Sound. Um jedoch wie Eric Johnson zu klingen, benötigt man neben einem entsprechenden Können noch einiges an Equipment. Die Gitarre ist wegen des sehr flachen 12-Zoll-Radius übrigens sehr angenehm zu bespielen. Der Griffbrettradius ist nicht zu verwechseln mit der Saitenlage, denn es handelt sich um die Rundung des Griffbretts, das deutlich flacher gestaltet ist als bei einer alten Stratocaster, wodurch der Ton beim Saitenziehen nicht abstirbt. Außerdem erhält man ein Gibson-artiges Spielgefühl, das durch die Medium-Bünde noch verstärkt wird. Alles in allem hat man es hier mit einer tollen Gitarre zu tun, die man als „Custom Shop Strat von der Stange“ bezeichnen könnte.
Fazit
Mit dem Eric Johnson Modell ist Fender eine rundum gelungene Stratocaster geglückt. Man hat es hier mit einer wirklich klassischen Strat zu tun, die jedoch auf dem aktuellen Stand der „Technik“ ist. Diese Gitarre lässt sich sehr angenehm spielen und liefert einen exzellenten Strat-Ton, der in den verschiedensten Musikrichtungen einsetzbar ist. Antesten lohnt sich.
www.fender.com
UVP: 2.299 EUR
Fender Stratocaster Eric Johnson
Bauform: Solidbody
Korpus: Erle
Hals/Griffbrett: Einteilig Ahorn
Bünde: 21 Medium
Mensur: 64,8 cm
Mechaniken: Fender Gotoh Vintage Style
Steg: Fender Syncronized Vibrato
Pickups: 3 x Custom E.J. Singlecoils
Regler: 1x Volume, Tone Neck, Tone Steg
Schalter: Fünfweg
Zubehör: Deluxe Blonde Case, schmaler Vintage Gurt, Kabel |