Advertisement

Test: Alvarez MF 1000 PDF Drucken E-Mail
Benutzer Bewertung: / 1
SchlechtSehr gut 
„Folk-Gitarre“

Alvarez Gitarren werden in St. Louis, im US-Bundesstaat Missouri nach den Vorgaben und der Philosophie der Yairi-Tradition entwickelt. Die Herstellung erfolgt nach engen Toleranzen und Spezifikationen. Die akustischen Instrumente von Alvarez sind als umfangreiche Produktpalette erhältlich und eignen sich für nahezu jeden Stil der modernen Musik. Die Gitarren werden einer rigorosen Endkontrolle unterzogen, nachdem sie zuvor von den Fachleuten bei Alvarez optimal eingestellt wurden. Das garantiert eine sehr gute Bespielbarkeit jedes einzelnen Instruments, von dem ich mich nun selber überzeugen konnte.

Konzept und Aufbau
Bei der MF 1000 handelt es sich um eine Folk-Gitarre - das klingt jetzt vielleicht etwas nach Lagerfeuer-Romantik und lauen Sommernächten am Baggersee, aber auch ganz „gewöhnliche“ Gitarristen, die nicht des Fingerstyle-Pickings mächtig sind, werden ihren Spaß mit dem Instrument haben (so viel sei schon mal verraten). Die Korpusform liegt irgendwo zwischen Dreadnought und Jumbo, dadurch liegt die Gitarre sehr angenehm im Arm und lässt sich hervorragend bespielen. Die Gewichtsverteilung ist optimal, und der Hals besitzt ausgesprochen angenehme Maße. Trotz ihrer kompakten Größe bietet das Instrument einen sehr großen Klang. In Sachen Korpusform, Balkensystem und der dekorativen Intarsienverzierungen haben sich im Laufe der Zeit alle Hersteller von akustischen Gitarren direkt oder indirekt von Christian Frederik Martin´s (1796 – 1873) Entwürfen beeinflussen lassen. So auch bei unserem Testinstrument, der MF 1000, die in liebevoller Handarbeit gefertigt und eingestellt wurde. An Materialien verwendet der Hersteller massives Indian Rosewood mit einer ebenfalls massiven Fichtendecke. Diese klassische Mischung ist ein Garant für einen spritzigen, klaren Ton mit einem kräftigen Klang-Fundament. Das Ebenholzgriffbrett begünstigt diesen Klangcharakter, da es sich hier ebenfalls um ein sehr hartes Holz handelt. Optisch rundet das Elfenbein-Binding und eine Abalon-Rosette das Aussehen der MF 1000 ab, obwohl die Gitarre alles in allem sehr schlicht wirkt. Auf ein Tonabnehmersystem hat man bei diesem Modell verzichtet, was ich eigentlich auch nicht vermisse. Alvarez bietet übrigens auch eine Cutaway-Variante mit der Bezeichnung MD 1000C an, die mit der 600MKII Elektronik ausgestattet ist.

Praxis und Sound
Vor dem Auspacken fällt einem erst einmal das tolle Case (eine Mischung zwischen Gigbag und Koffer) auf, welches mit einem Hygrometer ausgestattet ist, um die Luftfeuchtigkeit anzuzeigen. Bei akustischen Gitarren gibt es für mich in erster Linie einen Punkt, der mich wirklich interessiert, der Klang! Außerdem ist es wichtig, dass die Verarbeitung gut ist. Diese beiden Dinge gehen Hand in Hand und ein gutes handwerkliches Geschick, gepaart mit anständigen Klanghölzern, bringt uns dem Trauminstrument näher als jedes Firmenemblem.
Dass die Firma Alvarez hierzulande trotz ihrer außergewöhnlich guten Instrumente noch relativ unbekannt ist, dürfte sich jedoch bald ändern, denn gute Qualität setzt sich letztlich immer durch. Auffallend ist beim ersten Bespielen der MF 1000 der angenehme Hals, der perfekt eingestellt ist und eine relativ niedrige Saitenlage bietet. Ich bin immer froh, wenn die Saiten bei akustischen Gitarren nicht zu hoch liegen, aber das ist natürlich Geschmacksache und kann bei Bedarf geändert werden. Dadurch klingt die Gitarre nicht so „steril“, was mir persönlich auch sehr entgegenkommt. Von Werk aus sind Elixier-Saiten aufgezogen, die ja sehr lange halten und viele Obertöne produzieren. So hat man beim Kauf einer Alvarez-Gitarre erst einmal keine Toten Saiten auf dem Instrument, und im Laden klingen die Gitarren beim Antesten sehr frisch. Ein kluger Schachzug also. Die Halsmaße sind sehr gut abgestimmt. Wenn man bei einer Akustik-Gitarre in den ersten drei Bünden A-Dur oder D-Dur nicht sauber greifen kann, weil der Hals zu schmal ist und die Finger nicht nebeneinander passen, sollte man sich nach einem anderen Instrument umsehen. Das ist hier nicht der Fall. Gleichzeitig kann man die Gitarre bis in die obersten Lagen bespielen, ohne eine Sehnenscheidenentzündung zu riskieren und kann auch solistisch auf diesem Instrument brillieren. Klanglich hat man es mit einem lässigen, nicht aalglatten, coolen Sound zu tun, der natürlich bedingt durch die niedrige Saitenlage einen gewissen Charme hat, den Leo Kottke vielleicht nicht unbedingt lieben würde. Schaut man sich einmal die Userliste von Alvarez an, merkt man, in welche Richtung die Instrumente klanglich tendieren. Leute wie Ritchie Blackmore, Zack Wylde und Südstaaten-Chefgitarrist Warren Haynes spielen die Instrumente aus den amerikanischen Akustikschmiede. Deren Soundideale liegen ja bekanntlich nicht im glasklaren Klang-Segment, sondern arbeiten immer mit dem gewissen Anteil an „Schmutz“, der eine Symbiose mit dem Obertonbereich eingeht. Der extrovertierte, edle Klang und die erstklassige Bespielbarkeit machen die MF 1000 zu einer regelrechten Waffe. Meine Empfehlung: Unbedingt antesten.

Fazit
Die Alvarez MF 1000 ist nicht nur für Fingerstyle-Gitarristen interessant, sondern auch ganz gewöhnliche Rockgitarristen kommen mit den Instrumenten voll auf ihre Kosten. Die Gitarre ist sowohl klanglich, als auch optisch ein absoluter Leckerbissen, und auch im „normalen“ Studioalltag kann die MF 1000 glänzen, vorausgesetzt das spielerische Können wird diesem Instrument gerecht. Die Bespielbarkeit ist allererste Sahne und es ist sehr inspirierend, dem Klang dieses Instrumentes zu lauschen. Die Offenheit im gesamten Klangspektrum und die vorbildliche Verarbeitung machen die Alvarez MF 1000 zu einem absolut professionellen Instrument.

www.alvarezgtr.com
UVP: ca. 1.900 EUR


Alvarez MF 1000
Korpusform: Folk-Gitarre
Boden/Zargen: massives Indian Rosewood
Decke: massive Fichte
Griffgrett: Ebony
Korpus-Binding: Ivory
Schallloch-Rosette: Abalone
Stimmmechaniken: Gold Die Cast
Finish: Natural