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„Live-Vocals für Anspruchsvolle“
Besonders Sänger(-innen) haben bei Live-Performances häufig das Problem, dass der Sound, den man aus dem Studio durch die edlen Großmembran-Mikros gewohnt ist, nicht im Geringsten qualitativ reproduzierbar ist. Es liegt meistens an der mangelnden Präsenz, die dem Live-Vocalsound fehlt. Um es abzukürzen, man muss sich bei den Kondensator-Vertretern der Live-Mikros umschauen, wenn man eben diese präsente Brillanz (besonders im oberen Mittenbereich und den Höhen) haben möchte. Nun gut, Kondensator-Modelle gibt es auch für den Live-Bereich mittlerweile wie Sand am Meer, doch stellen sich hier gleich ein paar Probleme ein: Wie rückkopplungsfest ist das Mikro? Werden Zisch- und Popp-Laute sowie Handgeräusche zu stark übertragen? Vertragen sich die teilweise übertrieben gepushten Höhen mit dem so wichtigen Mittenbereich? Und so weiter, und so fort... Beyerdynamic brachte nun das TG-X 930 heraus, dessen Kapsel auf dem MC 930, einem Kleinmembran-Kondensatormikrofon aus dem Studio-Bereich, basiert. Durch eine Kompensation des Nahbesprechungseffektes will man im Hause Beyerdynamic bei diesem Mikrofon beispielsweise einen neutraleren Klang und einen nuancierteren Stimm-Sound erreichen. Das TG-X 930 bringt jedoch noch einige weitere Finessen mit sich. Man hat sich die Ziele bei dem Heilbronner Mikrofon-Hersteller bezüglich dieses neuen Mikrofons recht hoch gesteckt – dieser Test soll nun zeigen, ob das Endergebnis stimmt.
Die Fakten
Das TG-X 930 ist in den Farben schwarz und silber erhhältlich – uns stand für den Test die schwarze Variante zur Verfügung. Gleich beim ersten „in die Hand nehmen“ merkt man, dass dieses Mikrofon absolut hochwertig verarbeitet ist, es vemittelt einen sehr robusten und professionellen Eindruck. Das Messinggehäuse ist sehr sauber gedreht, ebenso sind die Gewinde an Schaft und Mikrofonkorb sehr präzise geschnitten, so dass das Abnehmen und Aufsetzen des Korbs problemlos und sauber vonstatten geht. Hat man den Drahtgeflechtkorb, der von innen mit einer Gaze ausgekleidet ist, erst einmal demontiert, offenbart sich die erste Besonderheit: Zum Vorschein kommt ein weiterer Innenkorb aus mehrlagigem, engen Drahtgeflecht, der zu Reinigungszwecken einfach abgenommen werden kann. Man hat hier also auf den Einsatz von Akustikschaumstoff als Popp- und Windschutz verzichtet und stattdessen diese duale Korbkonstruktion gewählt – der Hintergrund ist, dass die Rückwärtsdämpfung der Nieren-Charakterisik (Off-Axis: 180°) so erhöht wird und Feedbacks weniger schnell auftauchen sollen (der Praxis-Test wird zeigen, ob dieses Konzept aufgeht). Hinzu kommt, dass man eine solche Korbkonstruktion wesentlich einfacher reinigen kann als bei einer Variante mit Schaumstoff-Auskleidung – einfach mit Seifenlauge unter fließendem Wasser reinigen, gut trocknen lassen und fertig. Die Kapsel des TG-X 930 ist sehr straff elastisch gelagert, was meine Spannung auf die Hörbarkeit von Handgeräuschen stark steigen lässt. Das Mikrofon liegt mit seinen 330g Gewicht sowie seinen Maßen von 185mm (Länge) und 26mm bzw. 48mm (Schaft- bzw. Kopfdurchmesser) sehr angenehm in der Hand.
Kommen wir nun zu den technischen Daten des TG-X 930. Es handelt sich um ein Echtkondensator-Mikrofon mit Richtcharakteristik Niere, welches eine Spannungsversorgung von 44-52V benötigt (Phantomspeisung). Den Übertragungsbereich gibt Beyerdynamic mit 20Hz – 20kHz an, den Feldleerlaufübertragungsfaktor (bei 1kHz) mit 4mV/Pa, die Nennimpedanz mit 60 Ohm, die Nennabschlussimpedanz mit 1 kOhm, den max. Grenzschalldruckpegel mit 150dB(SPL), den Geräuschspannungsabstand (bezogen auf 1 Pa) mit ca. 64dB und den äquivalenten Schalldruckpegel mit 20dB(A).
Praxis
Ich habe das Beyerdynamic TG-X 930 sowohl mit Gesang als auch mit einer Akustik-Gitarre getestet – vorweg sei bemerkt, dass dieses Mikrofon wirklich einen Top-Job geliefert hat, doch der Reihe nach. Beginnen wir bei den Vocals: Hier liefert das Mikro einen wirklich edlen und nahezu neutralen Sound ab, der sich hinter manchem Studio-Mikrofon nicht zu verstecken braucht. Die Nahbesprechungskompensation wird hier sehr deutlich, da die Frequenzen der unteren Mitten und Bässe zwar bei naher Besprechung angehoben werden, aber nicht in einem undiferenzierten „Wummern“ enden. Hier bleibt der Sound auch noch klar, wenn man Lippenkontakt zum Mikrofonkorb hat. In den Mitten vermittelt das TG-X 930 eine angenehme Wärme, die dem Gesamtsound auch zu einem tragenden Fundament verhilft, da es hier wirklich „voll“ klingt, aber niemals übertrieben oder färbend. Die Sprachverständlichkeit ist als sehr gut zu bezeichnen, der Bereich zwischen 2kHz und 6kHz, der hier sehr wichtig ist, kommt wirklich kristallklar rüber und wird detailliert aufgelöst, wodurch sich der Vocal-Sound auch bei größeren Instrumentierungen einer Band immer gut durchsetzt. Die Höhen setzen dem Vocal-Sound das I-Tüpfelchen auf, hier erhält man wirklich eine klare Brillanz und Offenheit, wodurch der Gesamtsound eine gewisse Leichtigkeit und jede Menge Präsenz erhält. Was die Handgeräusche angeht, so muss ich sagen, dass ich hier zwar schon Mikrofone in der Hand hatte, die diese Störgeräusche besser eliminiert haben, aber es liegt noch im absolut vertretbaren Rahmen. Das doppelte Korbkonzept geht hingegen absolut auf, Popp- und Zischlaute werden sehr wirkungsvoll unterdrückt, keine Spur vom Vermissen eines Schaumstoffeinsatzes – ebenfalls sehr positiv fiel die Rückkopplungsfestigkeit dieses Mikros aus, hier muss man sich schon anstrengen, um ein „Pfeifen“ zu erhalten. Alles in allem ist der Vocal-Sound, den das TG-X 930 abliefert, absolut erstklassig. Zudem sehe ich den Einsatz als sehr universell – hier werden sowohl Pop-Vocaleros, als auch Rocker, Blueser, Soul-Acts, Singer/Songwriter, Jazzer, etc. mit diesem Mikro glücklich werden (Heavy-Metal-Bands möchte ich vielleicht nicht unbedingt zum erklärten TG-X 930 Kreis zählen, dafür ist der Sound dann einfach zu edel und sauber).
Doch wie ich eingangs bereits erwähnte, habe ich das neue Beyerdynamic-Mikrofon auch mit einer Akustik-Gitarre getestet. Hier bestätigten sich im Prinzip alle Eigenschaften des Vocal-Tests. Die Gitarre klang sehr offen und naturgetreu, die Mitten wurden fein genug aufgelöst, um auch z.B. bei komplexen offenen Akkorden die Einzeltöne detailliert nachvollziehen zu können. Beim Einsatz vor der Gitarre fiel aber zusätzlich die sehr gute Dynamik und Ansprache des Mikrofons auf, der Sound folgte dem Gitarrenanschlag quasi auf dem Fuße. Als Instrumenten-Mikrofon machte das TG-X 930 also ebenfalls eine sehr gute Figur.
Fazit
Mit dem TG-X 930 ist Beyerdynamic ein wirklich großer Wurf in Sachen Live-Sound gelungen. Der Sound ist sehr edel, nahezu neutral, präsent und sehr vielseitig einsetzbar. Dabei begrenzt sich der Einsatz nicht „nur“ auf Vocals, denn auch vor einer Akustik-Gitarre konnte dieses Mikrofon im Test voll punkten. Meine Empfehlung: Unbedingt antesten.
www.beyerdynamic.de
UVP: 650 EUR
Beyerdynamic TG-X 930
- Wandlerprinzip: Echtkondensator
- Übertragungsbereich: 20Hz – 20kHz
- Richtcharakteristik: Niere
- Feldleerlaufübertragungsfaktor bei 1 kHz: 4,0 mV/Pa
- Max. Grenzschalldruckpegel bei 1 kHz: 150 dB(SPL)
- Spannungsversorgung: 44-52 V Phantomspeisung
- Abmessungen:
Länge: 185 mm |