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„Achtfach sorglos“

Leider viel zu häufig kann man beobachten, dass bei Recordings zu wenig Wert auf das passende Front-End gelegt wird. Es werden mittelmäßige Mikrofone über schlechte Kabel mit mittelmäßigen Preamps verbunden, und dann wundert man sich, warum der Sound später im Mix auch nur mittelmäßig ist und warum man gewisse Frequenzbereiche (meist sind die Mitten und Höhen davon betroffen) auch nicht so gemischt bekommt, dass man einen ausgeglichenen und differenzierten Gesamt-Mix erhält.

Doch Eines sollte jedem klar sein: Was man am Anfang der Recording-Kette nicht reinholt, kann man später auch nicht kompensieren. Was ich damit sagen möchte ist, dass man besonders ganz am Anfang der Aufnahme-Equipmentreihe auf Qualität achten sollte. Mikrofone, Kabel und Preamp sollten von einer gewissen Qualität sein – natürlich sollten dann auch die weiteren Komponenten (wie z.B. A/D-Wandler, etc.) entsprechend sein, aber unser Thema an dieser Stelle ist wirklich der Anfang der Kette. Dass es bei Mikrofonen qualitative Unterschiede gibt, hat sich mittlerweile – selbst in Zeiten von „Geiz ist geil & Co“ - auch in semiprofessionellen Kreisen ein wenig herumgesprochen, doch bei der Vorverstärkung hört es dann meist auf. Ein Preamp soll doch einfach nur den Signalpegel aufholen und fertig, oder? Weit gefehlt, auch hier gibt es gravierende Unterschiede. Das tollste Mikrofon wird über einen schlechten Preamp niemals auch nur annähernd seine ganze Klasse ausspielen können. Gerade in kleineren Studios oder semiprofessionellen Homerecording-Umgebungen kommt zur finanziellen Situation meist auch noch ein Platzproblem hinzu – häufig können hier z.B. einfach keine acht 19“-Geräte zur Vorverstärkung für acht Kanäle verbaut werden. Und so geht der Trend seit einiger Zeit bei vielen Herstellern dahin, das Portfolio um mehrkanalige Preamps zu erweitern. RME hält bereits seit längerer Zeit mehrkanalige Preamps im Programm bereit, hier geht es nun bereits in die zweite Generation: Der Audio-Hersteller aus der oberbayerischen Gemeinde Haimhausen im Landkreis Dachau präsentierte unlängst die Weiterentwicklung des OctaMic, passender Weise mit Namen „OctaMic II“. Dieses Gerät vereint acht Mic/Line-Preamps mit einer 192kHz/24Bit A/D-Wandlung.
Auf der Gehäuse-Oberseite des OctaMic II steht „Quick Start Guide: Plug it in, switch it on, enjoy!“ – ob das Gerät diesem Spruch in Bezug auf die Einfachheit der Bedienung gerecht wird sowie die von RME versprochenen, deutlichen Verbesserungen gegenüber dem Vorgänger-Modell erfüllt, soll dieser Test zeigen.

Konzept und Fakten
Der OctaMic II präsentiert sich im RME-typischen 19“/1HE-Gehäuse mit einer Tiefe von 205mm. Als Änderungen bzw. Verbesserungen gegenüber dem Vorgänger wären folgende Punkte zu nennen: Die Klinkeneingänge der symmetrischen XLR/Klinken-Kombibuchsen sind nun phantomspannungsfrei, womit sie vollwertige Line-Eingänge darstellen. Die Eingangsstufen wurden komplett überarbeitet und bieten nun einen maximalen Eingangspegel von +21dBu. Die Rauschwerte der A/D-Wandler wurden auf 107,5dB verbessert, ebenso wurden die THD-Werte optimiert. Die Wärmeabfuhr ist durch das größere Gehäuse optimiert worden, die Phantomspannung ist stabiler geworden und das interne Netzteil mit Line-Filter ist wesentlich unempfindlicher gegenüber Spannungsschwankungen.
Die Bedienelemente sowie LED-Anzeigen für die acht Kanäle befinden sich auf der Vorderseite. Jeder Kanal verfügt über ein Gain-Poti, das einen Regelbereich von +6dB bis +60dB bietet, einen „+48V“-Schalter zur Aktivierung der Phantomspeisung, einen „Lo Cut“-Schalter zur Aktivierung eines 80Hz Hochpass-Filters (18dB/Octave) sowie einen „Phase“-Schalter, um das Signal um 180° in der Phase zu drehen. Des Weiteren finden sich in jedem Kanal drei LEDs: „48V“ (bei aktivierter Phantomspeisung), „Clip“ (leuchtet 2dB vor Erreichen des gewählten Referenzpegels plus eines Headrooms von 9dB auf – bei +4dBu leuchtet diese LED also bei +11dBu auf) und „Sig(nal)“ (zeigt in mehreren Helligkeitsstufen das Eingangssignal in einem Bereich von mehr als 50dB an). Neben der Sektion des achten Kanals befinden sich zwei weitere Schalter nebst Status-LEDs: Über „Clip Hold“ aktiviert man eine Funktion, die die jeweiligen Clip-LEDs im Falle einer Übersteuerung einmal pro Sekunde aufblitzen lassen, über den „Output“-Taster stellt man den Referenzpegel der Line Level Ausgänge ein (-10dBV, +4dBu oder Hi Gain). Bliebe noch der Power-Schalter zu erwähnen, und die Frontseite wäre komplett.
Sämtliche Anschlüsse des OctaMic II liegen auf der Rückseite. Als Mikrofon/Line-Eingänge finden sich hier acht Neutrik XLR/Stereoklinke-Kombibuchsen (servo-symmetriert), für die Line Level Ausgänge stehen acht Stereo-Klinkenbuchsen bereit. Über eine 25-polige Sub-D Buchse wurde der AES/EBU I/O realisiert – hier stehen über ein entsprechendes Breakoutkabel (Tascam-Pinbelegung) vier digitale AES/EBU-Ausgänge im Single Wire-Format zur Verfügung (entspricht acht Kanälen, da zwei Kanäle pro AES-Leitung geführt werden). Da man über das Breakoutkabel neben den vier Male-XLRs für die Ausgänge auch vier Female-XLRs erhält, kann über den AES1-Eingang die Synchronisation des Gerätes realisieren – Audio-Signale können jedoch nicht über die AES-Eingänge geführt werden, da ja kein D/A-Wandler an Bord ist. Das Digitalsignal liegt mit einer Wortbreite von 24Bit und einer Samplerate von bis zu 192kHz vor. Des Weiteren verfügt der OctaMic II über zwei optische Ausgänge im ADAT-Format (inkl. S/MUX-Format, welches bei 88,2kHz und 96kHz automatisch aktiviert wird, da ADAT ja nur bis 48kHz spezifiziert ist). Zudem steht ein Wordclock-Eingang in Form einer BNC-Buchse zur Verfügung, der über einen versenkten Schalter terminiert werden kann (ohne Terminierung: hochohmig, bei Terminierung: 75 Ohm). Über sechs DIP-Schalter wird die digitale Abteilung des OctaMic II konfiguriert, hier die Funktionen der einzelnen DIP-Schalter:
1: Externe Sync-Quelle: AES oder Wordclock
2: Clock intern (Master) oder extern (Slave)
3: Interne Clock: 44,1kHz oder 48 kHz
4: Aktiviert Double Speed Mode (aus 44,1kHz werden also 88,2kHz und aus 48kHz werden 96kHz)
5: Aktiviert Quad Speed Mode (aus 44,1kHz werden also 176,4kHz und aus 48kHz werden 192kHz)
6: AES-Ausgangsstatus Professional oder Consumer (AES/EBU oder S/PDIF)

Komplettiert wird die Rückseite durch die Netzanschlussbuchse für das interne Netzteil. Wie man sieht, ist der OctaMic II sehr übersichtlich aufgebaut und der eingangs erwähnte „Quick Start Guide“-Slogan scheint Recht zu behalten – anschließen, einschalten, Spaß haben.

Praxis
Was soll ich sagen, die Bedienung des RME OctaMic II ist wirklich ein Kinderspiel, die Qualität, dieser achtkanalige Preamp liefert, ist hingegen absolut erwachsen. Die Mikrofoneingänge klingen angenehm frisch und offen sowie nahezu neutral – vom Charakter kommt der Sound RME-typisch eher „knackig“ als weich oder warm daher. Mikro-Signalen, wie z.B. angecrunchten oder stärker verzerrten E-Gitarren, straight gespielten Akustik-Gitarren oder Drums kommt dieser Klangcharakter der Preamps sehr entgegen – bei einer virtuos gespielten klassischen Gitarre beispielsweise klingt es ein wenig hart (doch auch hier ist natürlich alles Geschmackssache). Die Preamps klingen jedenfalls sehr dynamisch und liefern auch in dem kritischen Mittenbereich eine feine Auflösung – auch in den Höhen hat man nicht den Eindruck, als würde durch die Vorverstärkung etwas „beschnitten“. Die gleichen Klangeigenschaften gelten auch, wenn man Line-Quellen an den OctaMic II anschließt.
Die Aussteuerungsfestigkeit sowie der damit verbundene Headroom sind ebenfalls als sehr gut zu bezeichnen, ebenso wie das Rauschverhalten.

Fazit
Man erhält mit dem RME OctaMic II einen achtkanaligen Mic/Line-Preamp, mit dem man auf professionellem Niveau arbeiten kann. Das Gerät ist sehr logisch aufgebaut und sollte sich jedem User auf den ersten Blick erschließen. Der Klang der Eingangsstufen ist offen und nahezu neutral, zudem dynamisch und rauscharm. Wenn man bedenkt, dass man noch keine 170 EUR pro Preamp-Kanal bezahlen muss, ist der OctaMic II definitiv eine klare Empfehlung.

www.rme-audio.de
UVP: 1.343 EUR

RME OctaMic II
- Acht symmetrische XLR/Klinke Mic/Line Eingänge
- 54 dB Gain-Range
- Eingangsimpedanz: XLR 2 kOhm, Klinke 5 kOhm
- Analoger Eingangspegel: von -40 dBu bis +21 dBu
- Maximaler Ausgangspegel: +21 dBu
- Ausgangsimpedanz: 75 Ohm
- THD: < 0,0005 % @ 30 dB Gain
- Weiter Frequenzbereich (200 kHz) mit spezieller HF-Filterung im Eingang
- Frequenzgang -0,5 dB: 5 Hz - 200 kHz
- Trittschallfilter: 80 Hz, 18 dB/oct.
- Line Out: 6,3 mm Stereoklinke, servosymmetrisch
- Phantomspeisung: +48 Volt schaltbar pro Kanal
- AD-Wandlung bis 24Bit/192kHz
- Sync-Quellen: AES/EBU (auch S/PDIF koaxial), Wordclock, intern