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Grundsatzartikel

Studio-Tüff

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Peter Weihe Rundfunktechnik - Der Ohm-Bau zu Babel PDF Drucken E-Mail
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oder: Verwirrungen bei der sorglosen Vermischung alter und neuer Studiotechnik

In den letzen Jahren konnte man bei eBay vermehrt Auktionen von Verstärkerkassetten (neudeutsch: Mic Pre-Amps oder Line-Amps) und Entzerrern (neudeutsch: Equalizer) der alten deutschen Rundfunktechnik verfolgen. Ich habe mich oft gefragt, wo die Dinger wohl alle landen und ob sie dort tatsächlich wieder in altem Glanz erklingen und in Höchstform ihre Arbeit verrichten oder ob viele der neuen Besitzer vielleicht aus Unkenntnis Fehler bei der Verdrahtung oder Verschaltung mit anderen Geräten machen und deshalb nie in den vollen Genuss der ursprünglichen Klangqualität kommen werden.

Wahrscheinlich hat kaum einer der Käufer ein ausschließlich mit Rundfunktechnik ausgestattetes Studio, wo die Module in der Schaltungs-Umgebung betrieben werden, für die sie mal konstruiert wurden, sondern die meisten dieser Klassiker sollen an ihrem neuen Arbeitsplatz gerade ein wenig analogen Klang und Gefühl aus der guten alten Zeit in die moderne digitale Hütte bringen.

Rom5361

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich selbst habe auch diverse Kassetten der Rundfunktechnik von Neumann, Siemens, TAB, Telefunken, Maihak usw. ersteigert oder ganz altmodisch gekauft und diese in meinem Studio munter mit meiner mittelalten Analogtechnik (70er Jahre) , neuer Analogtechnik und der aktuellen Digitaltechnik kombiniert. Beim Testen und Vergleichen merkte ich dann plötzlich, dass man dabei Glück, aber auch extrem Pech haben kann, wenn man nicht die Regeln über die Anpassung der Impedanzen bei Studiogeräten bedenkt.

Richtung 1, Problem 1: Achtung, extreme Matschgefahr !
Richtung 2, Problem 2: Achtung, Ätz- und Mecker-Gefahr!

Klang das Signal über Gerät A in einigen Kombinationen mit anderen Modulen sehr gut, wirkte es in der Verschaltung mit anderen Geräten plötzlich sehr komprimiert und zusammengematscht und in wieder anderen Fällen ließen unangenehme Spitzen in den Präsenzen die gute alte Röhrenvorstufe gar nicht mehr warm und weich klingen , sondern meckerig, kratzig und harsch.
Seit diesen Versuchen und den Erklärungen der von mir konsultierten Techniker frage ich in jedem Studio, in dem ich Geräte aus der Rundfunk-Kassettentechnik erspähe (und das sind inzwischen wieder sehr viele) neugierig, wie und wo die guten Stücke in der Signalkette sitzen und almählich ergibt sich ein Bild, es dämmert mir und ich ahne Schlimmes:
Wahrscheinlich hat kaum einer der stolzen neuen Besitzer, diese Prachtstücke deutscher Ingenieurskunst jemals ohne erhebliche Nebenwirkungen und Klangeinbußen gehört, weil deren Ausgänge nicht korrekt an die Eingänge der nachfolgenden Geräte angepasst werden. Die Sonne geht nämlich erst richtig auf, wenn man die guten Stücke nach allen Regeln der Kunst an das nachfolgende Gerät anpasst.

Der Ausgangswiderstand des ersten Gerätes muss in einem bestimmten Verhältnis zum Eingangswiderstand des nachfolgenden Gerätes stehen!

Dabei hatte man mich gewarnt. Der in Vintage-Audio-Kreisen bekannte Audiofachmann Jan Bloemsma aus Holland, Elektronik-Ingenieur und erfahrener Tontechniker, der seit vielen Jahren ein Liebhaber der alten deutschen Rundfunktechnik ist und durch seine Studioarbeit deren Anpassungsprobleme mit modernen Geräten kennt, sagte immer wieder: "Du musst beim Testen dringend die richtige Anpassung der Ausgangs- u. Eingangsimpedanzen zwischen den Geräten herstellen, sonst kannst du gar nichts vergleichen und hörst zu viele ungewünschte Nebenwirkungen." Hmmmm?

Peter-testet-NeumannOffen gestanden hatte ich genau wie die meisten anderen gehofft, dass diese Gesetze für mich einfach nicht gelten würden, wenn ich sie nur beharrlich ignorieren würde. Aber in diesem Fall ist die Physik leider genauso gnadenlos verlässlich wie bei Newtons Apfel.

Jan hatte Recht.
Die stark wechselnden, teilweise leider unbrauchbaren Klangergebnisse meiner Tests lehrten mich, dass ich mich besser schlau machen musste.

 

Also quetschte ich meinen Freund und Studiodoktor Manni Reckmeyer nach den technischen Hintergründen aus. Was war passiert?
Was bedeutet eigentlich die Anpassung der Aus- u. Eingangs-Impedanzen und wie kommt es zu diesen Effekten, die so gar nicht zum oft zitierten Klischee des warmen, fetten, offenen Analogsounds passen wollen?

Glücklicherweise meinte Manni, dass es keinen Sinn hätte, die Phänomene und die zugrunde liegenden physikalischen Gesetze hier in aller Tiefe zu erklären, weil das den Rahmen eines Artikels und sicherlich auch die Geduld der Leser sprengen würde. Aber ohne ein Minimum an Verständnis, erhält man kein Rezept, um die Probleme in den Griff zu kriegen. Also werde ich mal versuchen, Mannis Erläuterungen nur so weit wiederzugeben, wie ich sie für meine eigene Arbeit brauche - räusper - und gerade mal eben so selber verstehe.
Keine Angst, hinten kommen dann die handfesten Tipps.

Also hier kommt die Tontechnik light für Musiker:
Ich hatte ja oben bereits erwähnt , dass der Kern dieser Inkompatibilität zwischen alter und neuer Studiotechnik die Anpassung des Ausganswiderstandes oder der Ausgangsimpedanz an die Eingangsimpedanz des nachfolgenden Gerätes ist.

Impedanz = Widerstand, wird angegeben in Ohm.
Augangsimpedanz: Damit ist der Wechselstromwiderstand am Ausgang eines Gerätes gemeint.

Warum haben überhaupt neue und alte Geräte so unterschiedliche Ausgangs - und Eingangsimpedanzen?

Etwas Geschichte:
Die Studiotechnik in den USA hat sich zunächst aus der Post-Übertragungstechnik entwickelt und daher begegnen wir in einigen amerikanischen Audio-Klassikern wie dem Urei 1176 Kompressor auch heute noch dem für die Post typischen Eingangswiderstand von 600 Ohm. Um Signale über lange Leitungen verlustfrei übertragen zu können, hatten die Post-Ausgangsstufen einen Ausgangswiderstand von 600 Ohm und die darauf folgenden Eingangsstufen hatten einen Eingangswiderstand 600 Ohm, was zu einem Verlust von genau 6dB führte. Das Prinzip nennt man Leistungsanpassung, was wir aber für unsere Zwecke glücklicherweise nicht komplett verstehen müssen. Wir sollten uns nur den Wert 600 Ohm unbedingt merken und an die innere Alarmglocke koppeln, wann immer wir ihn in einem Manual als Eingansimpedanz entdecken. Also Achtung: 600 Ohm Eingansimpedanz, Vorsicht!!! Dazu später eine Anekdote.
In der modernen Studiotechnik wird mit Spannungsanpassung gearbeitet. Die heutigen Ausgangsstufen sind möglichst niederohmig und die folgenden Eingangsstufen möglichst hochohmig. Ein gängiger Eingangswiderstand eines modernen Studiogerätes ist 20 kOhm , also 20.000 Ohm.
Damit möchte man gewährleisten, dass möglichst viele Geräteeingänge oder Abnehmer parallel ohne Verluste an einen Ausgang angeschlossen werden können, ein Muss für verlustfreie komplexe Verschaltungen. Wenn man nämlich zwei Geräte mit dem gleichen Eingangswiderstand parallel an einen Ausgang hängt, halbiert sich die Impedanz. Aus parallelen 2x 20 kOhm werden 10 kOhm. Bei weiteren parallelen Eingängen verringert sich die Eingangsimpedanz immer weiter und würde sie durch immer mehr dieser sogenannte Abnehmer zu gering werden, wird von der Ausgangsstufe immer mehr Leistung gefordert, die sie nicht mehr liefern kann. Der für unsere Ausgangsstufe zulässige Abschlußwiderstand wird unterschritten. Man sagt auch, der Ausgang wird nicht korrekt abgeschlossen oder es liegt eine Fehlanpassung, eine Unteranpassung vor.
Schließt man drei oder mehr Geräte parallel, z.B. mehrere Bandmaschinen , AD-Wandler oder DAT-Recorder an den Master-Ausgang eines Pultes zum Aufnehmen eines Mixes, verringert sich also die Impedanz mit jedem Abnehmer weiter und man kann den daraus resultierenden Eingangswiderstand mit folgender Formel errechnen:

R = Widerstand.

R ges = der resultierende Gesamtwiderstand

1 1 + 1 + 1

_____ = __ __ __

R ges R1 R2 R3

 

Beispiel mit 2x 20 kOhm und 1x 5 kOhm:

1 = 1 + 1 + 1

___ __ __ __

Rges (R1) 20 (R2) 20 (R3) 5

entspricht:

_1__

(R1) 0,05 +(R2) 0,05 +(R3) 0,2 = 0,3

R ges = 3,333...

Der Gesamtwiderstand ist in diesem Fall also 3,333 kOhm.

Als grobe Faustregel kann man sich einfach merken:
Der Gesamtwiderstand mehrerer parallel geschalteter Eingänge ist immer niedriger, als die kleinste beteiligte Eingangsimpedanz.

Die Ingenieure der deutschen Reichsrundfunkgesellschaft haben anders als ihre amerikanischen Kollegen schon sehr früh die Ausgangsimpedanz der Verstärker niedrig gehalten. So hatte der Urahn der deutschen Vorverstärker, der V41 (Baujahr 1943) einen Ausganswiderstand von 25 Ohm, während die Eingangsimpedanzen der nachfolgenden Geräte deutlich höher waren.
Die Nachfolger aus den 50er Jahren V72 und aus den 60er Jahren V76 und die Transistor-Modelle der 70er Jahre hatten Ausgangsimpedanzen von 25 bis 50 Ohm.

Eine weitere Faustregel besagt:
Der Eingangswiderstand sollte mindestens 10x so hoch sein wie der Ausgangswiderstand.

Helios-u.-Neumann Die Eingangswiderstände der meisten Geräte in der deutschen Rundfunktechnik lagen bei ca. 2 kOhm bis 2,5 kOhm mit ein paar Ausnahmen von 8 kOhm bis 11 kOhm. Damit hatte man genügend Spielraum, viele Abnehmer parallel an einen Ausgang zu schließen. Selbst bei sechs parallel angeschlossenen Eingängen von jeweils 2 kOhm lag man damit immer noch bei 333,333... Ohm, also mehr als dem 10fachen Wert von 25 Ohm, allerdings wesentlich unter den heute gebräuchlichen Werten von 20 kOhm. Für die Verteilung eines Signals an weitere Abnehmer hatten sich die deutschen Ingenieure zusätzlich Verteilerverstärker einfallen lassen, wie z.b. den TAB V74a oder den Siemens V274, der jeweils fünf mit Übertragern galvanisch entkoppelte Ausgänge hatte. Dazu hatte er einen Einganswiderstand von 11 kOhm, man konnte also problemlos mehrere V274 parallel an einen Ausgang anschließen und unterschritt dabei immer noch nicht dessen zulässigen Abschlusswiderstand. Dieser zulässige Abschlusswiderstand wird übrigens in den technischen Datenblättern vieler Rundfunkgeräte angegeben. Also beim eBay-Kauf zu jedem Gerät die technischen Unterlagen besorgen und ruhig mal reinschauen! Der V 74 und der V274 sind durch ihre hohen Eingangswiderstände sehr gut mit modernen Geräten zu kombinieren, man kann sie als echte Problemlöser einsetzen. Es gab in den Kanalzügen der Mischpulte auch so genannte Zwischenverstärker wie den Siemens V282c, der eine Eingangsimpedanz von 8 kOhm hat und auch problemlos mit modernen Geräten zu verschalten ist. Die deutschen Ingenieure hatten also für jeden Fall vorgesorgt, solange man bei der Rundfunktechnik blieb. Alle Geräte, die den im Braunbuch festgelegten Richtlinien des Institutes für Rundfunktechnik entsprachen, ließen und lassen sich in diesem perfekt abgestimmten System problemlos miteinander kombinieren.
Die Regler (Fader) der alten Mischpulte hatten allerdings Eingangsimpedanzen zwischen 300 Ohm und 600 Ohm, was zwar den Ausgangsimpedanzen der Rundfunkmodule angepasst ist, allerdings den zulässigen Abschlusswiderstand der meisten modernen Ausgangsstufen deutlich unterschreitet und diese endgültig ins Schwitzen bringt, wenn man sie direkt an den alten Regler anschließt.

Im Laufe der Jahre sind die Eingangsimpedanzen international allmählich bis auf die heutigen Werte gestiegen und auch die späteren Geräte der deutschen Rundfunktechnik hatten höhere Eingangsimpedanzen als ihre Ahnen aus den 50/60er Jahren. Allerdings lagen auch die Eingangsimpedanzen der letzten Modelle meistens mmer noch weit unter den heute gängigen Werten, und das ist der Grund für die oben beschriebenen Anpassungsprobleme.
 

Was bedeutet das "ins Schwitzen bringen" einer Ausgangsstufe, wenn der zulässige Abschlusswiderstand unterschritten wird?

Mike-Vogels-Pult Der zu kleine Eingangswiderstand des nachfolgenden Gerätes bewirkt, dass von der Ausgangsstufe mehr Leistung gefordert wird, als sie liefern kann. Die unerwünschten klanglichen Nebenwirkungen hängen stark von der Qualität der Ausgangsstufe und dem folgenden Eingangswiderstand ab und können bei einer geringen Unteranpassung kaum hörbar sein, sich aber bei minderwertigen Ausgangsstufen bis zu einem komplett unnbrauchbaren Signal extrem bemerkbar machen. Man kann also die zu erwartenden Effekte nicht verallgemeinern, sondern muss jede individuelle Verbindung mit verschiedenen Signalen testen.
Manfred Reckmeyer hat bei seinen Tests von ICs (integrierten Schaltkreisen), die in modernen Geräten verbaut werden, festgestellt, dass schon die Angaben der IC-Hersteller nicht für den Audio-Bereich zutreffen. Sie werden mit Belastungen hörbar nicht fertig. Häufig werden für unsere Anwendungen zu geringe zulässige Abschlusswiderstände angegeben, welche den Praxis-Hörtests nicht standhalten, die aber die Geräte-Hersteller trotzdem munter an die Käufer weitergeben. Bereits deutlich über dem angegebenen Wert für den zulässigen Abschlusswiderstand fangen einige der kleinen Käfer an, das Signal vor allem in den Höhen zu verbiegen oder zu verzerren.

Daher kommt jetzt von Manni die Faustregel 3:
An die Ausgänge der meisten modernen Geräte mit eingebauten Standard-ICs (das sind leider die meisten) sollte man kein Gerät mit einem Eingangswiderstand von unter 5 kOhm anschließen.

Beispiele aus der Praxis:
Richtung 1: Moderner Ausgang trifft auf niederohmigen Eingang.

Manfred Reckmeyer kroch beim Studioservice gerade hinter das Rack eines Kunden, als ihm auffiel, dass der Schalter für die Eingangsimpedanz des Master DAT-Recorders auf der Position 600 Ohm stand.
Er schaltete auf die höhere Eingangsimpedanz um und bat den Studiobesitzer, der gerade beim Mischen war, die Mehrspurmaschine laufen zu lassen. Plötzlich änderte sich der Sound dramatisch. Der Mix wurde durchsichtiger, dynamischer, lauter und der Frequenzgang war wesentlich breitbandiger. Das Klischee von "die Sonne ging auf" wurde mit einem kleinen Schaltvorgang wahr. Als Manni den Schalter wieder auf 600 Ohm stellte, schrumpfte die Dynamik wieder zusammen, alles klang gequetscht und klein. Die Ausgangsstufe des modernen Pultes konnte mit der Unteranpassung nicht fertig werden. Mannis Kunde hätte wahrscheinlich so weiter gemixt und sich gefragt, warum sein Mix bloß so merkwürdig klingt.

Bei einer Video-Live-Aufzeichnung mit Udo Lindenberg bei Radio Bremen ging ich in den Regieraum und stellte verwundert fest, dass neben dem gigantischen, millionenteuren Neumann-Pult ein kleines Billigmischpult stand, wie man es vielleicht in einem Proberaum einer Band erwarten würde, über das unsere Spuren abgehört wurden. Ich fragte mich, warum die Tontechniker nicht ihre Luxuskonsole benutzen, die sich kein privates Studio hätte leisten können und freiwillig in die Niederungen der Hobby-Audiotechnik abstiegen.

PW-Neumann Die Herren hatten ihre Hausaufgaben gemacht. Unsere Aufnahmen wurden wegen der schnellen und zuverlässigen Video-Synchronisation auf Tascam DA 98 8-Spur-Recordern gemacht. Die modernen Ausgänge der DA 98 konnten mit der niedrigen Eingangsimpedanz des alten Neumann-Pultes nicht fertig werden. Da war das Billig-Pult die bessere Wahl. Mit einem Neumann-Pult der letzten Generation wäre das wiederum möglich gewesen. Die Equalizer W 491, die häufig bei eBay angeboten werden, haben z.B. eine Eingangsimpedanz von mindestens 5 kOhm.
Damit klangen bei meinen eigenen Tests auch die Ausgänge moderner DA-Wandler immer stabil. Man muss also von Fall zu Fall entscheiden, das Handbuch lesen und genau hinhören!
Die traurige Nachricht ist allerdings, dass derjenige, der bei eBay zufällig Module aus der Baureihe des Radio Bremen Pultes kauft, nicht einfach die Ausgänge seiner DA-Wandler-Interfaces daran anschließen kann, wenn er hofft, den kultigen warmen Analogsound zu hören. Er würde stattdessen wahrscheinlich ein komprimiertes, in den hohen Frequenzen verbogenes, leicht oder sogar heftig zerrendes Signal hören.
Meine Test haben weiterhin ergeben:
Die meisten erschwinglichen DA-Wandler können mit niederohmigen Eingängen nicht leben.
Ich habe DA-Wandler-Ausgänge an ein Siemens Sitral Mischpult angeschlossen. Mit einem Wahlschalter am Mischpulteingang konnte man das Signal auf den Equalizer oder direkt auf den Fader schalten. Bei der direkten Verbindung mit den 300Ohm-Fadern brach das Signal total zusammen, über die Equalizer klang es stabil aber nicht ganz so gesund wie über ein modernes Gerät mit einem hochohmigen Eingang.
Ich wollte sicher sein, dass es nicht an der alten Sitral-Technik lag und habe einen V282c Zwischenverstärker dazwischen geschaltet. Nun klang es auch über die Equalizer und sogar über den Fader stabil. Wie bereits erwähnt hat der V282c einen Eingangswiderstand von 8 kOhm, womit er gut an moderne Geräte angepasst ist und sein Ausgang kann die 300Ohm-Fader bedienen - ein guter Fremdsprachen-Übersetzer also.
(Auch von den anderen Herstellern der Rundfunktechnik gibt es diese Zwischenverstärker mit den Endziffern -82. Die erste Ziffer lautet bei Siemens: 2--, TAB: 3--; Neumann: 4-- , Telefunken: 6-- , Lawo: 9--.)
Andere hochwertige, moderne Ausgangsstufen wie von meinen Massenburg (GML) Pre-Amps oder Equalizern werden sehr gut mit den 2 kOhm-Eingängen der Rundfunk-Equalizer fertig. Bei den 300Ohm-Fadern streiken allerdings auch sie. Auch eine Ausgangsstufe, die Manfred Reckmeyer zu Testzwecken in Transistortechnik gebaut hatte, übertrug den Klang auch bei sehr niedrigen Einagangsimpedanzen perfekt.

Es geht also! Man findet diese Qualität aber leider nicht in den allermeisten modernen Geräten mit Standard-ICs. Mit Hilfe eines Gerätes, mit dem ich den Eingängen wechselnde parallele Widerstände zuschalten kann, konnte ich testen, bei welcher Eingangsimpedanz die Ausgänge anfingen, sich merkwürdig zu benehemen.
Mannis Faustregel 3 hat sich bestätigt:
An moderne Geräten mit Standard-ICs in der Ausgangsstufe möglichst keine Geräte mit Eingagsimpedanzen unter 5 kOhm anschließen.

Es sein denn, man findet den gequetschten Sound cool.
Leider habe ich schon beobachten können, dass häufig genau das passiert, wenn jemand naiv Geräte miteinander verbindet, sobald sie nur alle einen XLR-Stecker oder Adapter haben. Dann wird die Kompression, die Zerrung und die fehlenden Höhen, die die Unteranpassung erzeugt, leider für den ureigendsten Klang unseres tapferen Rundfunkmodules gehalten. Dann wird der Rundfunk-Equalizer plötzlich zum frequenzabhängigen Kompressor, bevor man überhaupt etwas gedreht hat. So "funky" sollten sie aber eigentlich nie klingen.

24ch_siemens1Bayr.Rundf.Was kann man dagegen machen?
Tipps:

Zunächst sollte man alle alle Datenblätter lesen, gröbste Fehler damit ausschließen, die Kombinationen der Geräte sorgfältig testen und möglichst alle anderen Faktoren, sprich weitere Geräte wie zusätzliche Wandler oder Pulte dabei vermeiden. Dazu ist es hilfreich, wenn man einen möglichst puristischen Signalfpad als Referenz zum Vergleich hat.
Referenz-Pfad z.B.: Gerät 1 -Kabel- Studiomonitor.
Testaufbau: Gerät 1- Kabel-Gerät 2-Kabel-Studiomonitor.

Wichtig ist dabei, dass die Pegel bei beiden Wegen unbedingt auf weniger als ein halbes dB Abweichung identisch sind .
Schon ein halbes dB mehr Pegel verführt dazu, ein Signal besser zu finden.
Achtung: Einige Equalizer heben schon im Bypass bis zu 1,5dB Pegel an.
Mit etwas Glück findet man dann Kombinationen, die hervorragend funktionieren, weil die Ausgangsstufen von Gerät 1 die entsprechende Qualität haben. Ansonsten gibt es Geräte, die als Zwischenverstärker dienen können.
In meinem Studio hat sich mein Helios-Pult dafür bewährt, welches aus den 70er Jahren stammt und eine mittlere Eingangsimpedanz hat, die mit beiden Welten zufällig kompatibel ist. Vielleicht endeckt der eine oder andere ein altes Gerät für diesen Zweck neu - vorausgesetzt, es zerstört den Klang nicht, wenn das Signal nur hindurchfließt.
Eine perfekte Lösung bieten als Zwischenverstärker z.B. in Röhrentechnik der V 74, V74a, in Transistortechnik z.B.Siemens V 274 und V 282c oder die entsprechenden Module der anderen Hersteller.

Ansonsten läuft man Gefahr, dass der Wunsch nach dem kultigen Klang mehr vom Ton kaputt macht als warm.

Achtung weitere Fehlerquellen!
Vorsicht beim Verteilen eines Signals auf mehrere parallele Eingänge, z.B. beim Vergleichstest von Equalizern oder Kompressoren per Y-Kabel oder Parallel-Klinken am Steckfeld. Die Summe der Eingangsimpedanzen (siehe Formel oben) kann schon bei zwei Geräten den zulässigen Abschlusswiderstand für einen Ausgang unterschreiten. In dem Fall ist es ratsam, die Geräte jeweils einzeln anzuschließen und zum Vergleich umzustecken. Wenn man ein Signal 2x verschieden bearbeitet aufnehmen will oder auf parallelen Mischpultkanälen beim Mix unterschiedlich bearbeiten will, sollte man die Zwischenverstärker als Problemlöser nehmen.
Das gleiche Problem kann auftreten, wenn ein Mix parallel auf Bandmaschinen und digital aufgenommen werden soll. Die Summe der parallelen Eingangsimpedanzen der Master-Maschinen kann den Mischpultausgang oder Wandlerausgang ins Schwitzen bringen.

Richtung 2:
Rundfunk Pre-Amp trifft auf hochohmigen Eingang.
Oh, Schock! Fiese Höhenbetonung!

Eigentlich ist es die gängige Schulmeinung, dass es kein Problem sei, den niederohmigen Ausgang einer Röhrenvorstufe in den hochohmigen Eingang eines modernen Gerätes wie eines AD-Wandlers zu stecken. Schließlich machen das doch alle, die ganz puristisch ihre Signale direkt von den Röhren Pre-Amps in die AD-Wandler schicken. Zufällig habe ich dann doch eine gegenteilige Erfahrung gemacht.

Schweden Ich hatte mit einer V76-Vorstufe Aufnahmen gemacht und den Pegel über mein Helios-Pult geregelt. Als der Pegel auch ohne das Pult perfekt stimmte, wollte ich den Signalweg kurz halten und habe den V76 direkt in den Wandler gesteckt. Plötzlich hörte ich unangenehme, harsche obere Mitten. Zunächst dachte ich, dass mein altes Helios-Pult den Sound vorher weich gemacht, ihn entschärft hatte. Aber das hätte es ja dann ja auch sonst bei anderen Pre-Amps schon machen müssen und schließlich sollte doch gerade der V76 weich und seidig klingen. Ich habe also etwas geforscht und wieder die Kiste mit den schaltbaren Widerständen parallel zum Eingang des Wandlers angeschlossen. Tatsächlich verschwanden die fiesen Resonanzen, wenn ich mit meinem parallelen Widerstand den Abschlusswiderstand erniedrigte. Je höher die Impedanz wurde, desto unangenehmer wurden die oberen Präsenzen des V76. Bei ca. 2,5 kOhm klang es so, wie man sich diesen Klassiker wünscht. Dann gab es für mich kein Halten mehr. Alle Rundfunk Pre-Amps und EQs in meinem Arsenal mussten getestet werden. Selbst beim voll klingenden, weichen V72 hörte ich die gleichen Effekte. Der modernere Neumann V476 zeigte sich hingegen weniger anfällig. Insgesamt hatten aber fast alle Rundfunkmodule ähnliche Effekte, jeweils individuell verschieden stark ausgeprägt und in leicht unterschiedlichen Frequenzen.

Das Ergebnis hat mich sehr überrascht, weil es bedeutet, dass fast jeder, der die alten Röhrenvorstufen oder deren Nachfolger in Transistortechnik als Mic Pre-Amp oder Frontend für seine Digitalwandler benutzt, diese wahrscheinlich noch nie wirklich so gehört hat, wie sie eigentlich klingen können und sollten, es sein denn, er hat zufällig ein Gerät mit mittlerer Eingangsimpedanz dazwischen geschaltet.

Schlimmer noch, das Gerät, welches eigentlich den warmen Röhrensound liefern soll, fabriziert auch noch zusätzliche Härte.
Alle lieben die alten Vorstufen, aber kaum jemand hat sie je wirklich gehört.

Manfred Reckmeyer erklärte mir dazu, dass die Ausgangstransformatoren der Pre-Amps auf einen sehr hohen Abschlusswiderstand je nach Typ mit einer Resonanz bei Frequenzen am oberen Ende des Hörbereichs reagieren können. Kaum ein Übertrager zeigt diese Effekte nicht.

Was kann man dagegen machen?
Tipps:

In diesem Fall kann eine parallel geschaltete Eingangsimpedanz eines dritten Gerätes sehr hilfreich sein, weil sie den Abschlusswiderstand unserer Pre Amp Ausgangsstufe vermindert und diese dadurch besser angepasst wird.

Schaltbare parallele Widerstände können helfen, die optimale Eingangsimpedanz oder den optimalen Abschlusswiderstand für den Pre-Amp zu finden.

Die gute Nachricht ist, dass man die Resonanzen in den oberen Mitten auch nach Geschmack nutzen kann.
Bei akustischen Rhythmus-Gitarren oder bei tiefen Heavygitarren-Sounds können sie das Signal z.B. deutlicher und durchsetzungsfähiger machen, während verzerrte Solo-Sounds dann fies und ekelig werden.Auch bei Gesang kann man auf die zusätzliche Betonung der S- u. Zischlaute gut verzichten.

Ganz einfach und problemlos "Plug and Play" ist die wilde Verschaltung von alten Audio-Klassikern und modernen Studiogeräten also nicht. Man kann den Gesetzen der Physik dabei nicht entkommen aber sie bietet netterweise ja auch Lösungen an. Dazu sollte man die Manuals oder Datenblätter der Geräte besitzen und ruhig mal reinschauen. Wenn man nämlich in den vollen Genuss seiner Schätze aus der alten Rundfunktechnik kommen möchte, ist es nicht damit getan, Stecker in passende Adapter zu stecken.

Wenn man aber alle Gerätekombinationen nach den alten Regeln der Studiotechnik herstellt, wird man von den Klassikern der Rundfunktechnik mit einer Klangqualität belohnt, die weit über den bei eBay gezahlten Preis hinausgeht und so bald in China nicht kopiert werden kann.

P.S.: Übrigens, wer sich für die alte Rundfunktechnik interessiert, dem kann ich folgende Internetseite empfehlen: www.kubarth.de