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Test: MXL V6 und 2010 PDF Drucken E-Mail
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„Großmembran-Doppelpack“

Der Mikrofonhersteller MXL, der dem kalifornischen Konzern Marshall Electronics angehört, ist schon lange kein Neuling mehr auf dem Markt. Der deutsche Vertrieb ist die Synthax GmbH und brachte die Marke MXL seinerzeit nach Deutschland (wir testeten Mitte 2003 erstmalig Produkte dieser Marke) und vertreibt die Produkte auch weiterhin – meist ein Zeichen dafür, dass man eine gewisse Kredibilität erlangt hat. Bereits damals waren wir von dem sehr guten Preis/Leistungsverhältnis der MXL-Mikrofone angenehm überrascht. Umso gespannter waren wir nun, als uns Synthax ein Paket mit zwei aktuellen MXL-Mikros in die Redaktion schickte. Wir testen für euch an dieser Stelle das V6 und das 2010.

MXL V6 – Die Fakten

Das V6 gehört zu der „Silicon Valve Series“ von MXL – die Zielsetzung bei der Entwicklung dieser Serie war es, Mikrofone zu schaffen, die die typischen Klangeigenschaften von Röhrenmikros besitzen, ohne sich jedoch der Röhrentechnologie zu bedienen, da diese eben auch Nachteile wie Rauschen, ein externes Netzteil und den Verschleiß der Röhren mit sich bringt. Ganz nebenbei werden diese Mikrofone in den USA entwickelt und auch gefertigt. Das V6 verfügt über eine spezielle FET-Schaltung ohne integrierte Schaltkreise (IC´s), mit der ein Röhren-Sound laut Hersteller perfekt simuliert werden soll – wir können also gespannt sein. Doch schauen wir uns das V6 zuerst einmal etwas genauer an. Dieses Mikrofon ist schon eine imposante Erscheinung – auf dem silber-grauen Mikrofongehäuse thront ein großer, goldener Drahtgeflechtkorb, hinter dem sich die 1“ Großmembran befindet. Der Korb ist übrigens von Innen mit einem zweiten, feinmaschigeren Drahtgeflecht ausgekleidet, um der Membran zusätzlichen Schutz zu bieten. Die Oberfläche des Metallgehäuses ist sehr glatt und wirkt beinahe so, als würde sich noch eine zusätzliche Acryl-Schutzschicht darauf befinden – jedenfalls macht das V6 einen solide verarbeiteten Eindruck und scheint bei „normaler“ Handhabung recht unempfindlich zu sein. Das Mikrofon hat eine Länge von 215mm, einen Durchmesser von 47mm und ein Gewicht von 520g. Das V6 wird übrigens in einem mit Samt ausgekleideten Holz-Case geliefert, eine Mikrofonstativ-Halterung ist inklusive. Das Mikrofon verfügt über eine feste Nieren-Richtcharakteristik, die Einsatzbereiche sind laut Hersteller Gesang, Sprache und akustische Instrumente. Der Übertragungsbereich ist mit 30Hz-20kHz angegeben, die Empfindlichkeit mit 22mV/Pa, der maximal verträgliche Schalldruckpegel mit 130dB(SPL) (THD: 0,5%), der äquivalente Eigengeräuschpegel mit 16dB(A) und die Ausgangsimpedanz mit 120 Ohm. Als Spannungsversorgung werden die üblichen 48 Volt Phantomspeisung benötigt. Schaut man sich den Frequenzgang in der beigelegten Gebrauchsanleitung einmal an, so ist die Linie ziemlich linear, mit leichten Welligkeiten/Absenkungen bei ca. 1,2kHz und 350Hz sowie einem leichten Abfall ab ca. 16kHz und 150Hz.
Soweit zu den technischen Fakten des V6, schauen wir nachher einmal, wie sich dieses Mikro in unserem Studio-Praxistest so verhält.

MXL 2010 – Die Fakten
Das MXL 2010 ist ein Doppelgroßmembran-Kondensatormikrofon mit umschaltbarer Richtcharakteristik (Kugel, Niere, Acht). Das matt-silberne Metallgehäuse macht einen gut verarbeiteten Eindruck – die beiden 1“ Membrane werden von einem Drahtgeflechtkorb geschützt, der ebenfalls mit einem feinmaschigeren Drahtgeflecht von Innen ausgekleidet ist. Unterhalb des Mikrofonkorbs befindet sich auf der Vorderseite ein Dreiwegschalter, um die Richtcharakteristik zu wechseln – dieser Schalter machte zumindest bei unserem Testmodell einen etwas „hakeligen“ Eindruck, da er sich vertikal nicht zentriert in der entsprechenden Gehäuseaussparung befand und zudem auch (besonders zur Stellung der „Acht“ hin) etwas schwergängig schalten ließ. Nun gut, weiter im Text. Auf der Rückseite finden sich je ein Schalter für ein Hochpass-Filter (150Hz, 6dB/Oktave) und eine -10dB PAD-Abschwächung. Der Übertragungsbereich des 2010 beträgt laut Herstellerangaben 30Hz-20kHz, die Empfindlichkeit 15mV/Pa, der maximal verträgliche Schalldruckpegel 130dB(SPL) (THD: 0,5%), der äquivalente Eigengeräuschpegel 20dB(A) und die Ausgangsimpedanz 200 Ohm. Das Mikrofon hat eine Länge von 190mm, einen Durchmesser von 50mm und ein Gewicht von 530g. Eine leichte Höhenanhebung im Frequenzgang bei ca. 10kHz soll dem Mikrofon einen offenen und seidigen Charakter verleihen. Als Einsatzgebiete gibt der Hersteller Gesang, Sprache, Schlagzeug, Gitarre (akustisch und elektrisch) sowie Bläser an.
Soweit, so gut – schauen wir nun, wie sich die beiden Probanden im Studio-Praxistest verhalten.

Praxis
Da Gesang, Sprache und Akustik-Gitarre zu den Einsatzgebieten beider Mikrofone zählen und sich diese Schallquellen auch sehr gut für einen Mikrofontest eignen, haben wir auch genau diese drei Anwendungszwecke für unseren Studiotest gewählt. Beginnen wir mit dem MXL V6. Hier fallen gleich die sehr präsenten Höhen auf, die dem Sound zwar eine schöne Offenheit verleihen, gleichzeitig aber auch je nach Schallquelle zur Vorsicht anhalten. Bei der Akustikgitarre sollte man sich eine Mikrofonposition suchen, wo die Gitarre möglichst naturgetreu und neutral klingt (wir haben den Hals/Korpus-Übergang gewählt) – in der Stegposition klangen die Höhen teilweise schon sehr „harsch“ und scharf. Auch bei Gesang und Sprache sollte man den Sprecher/Sänger zu ein wenig Disziplin bezüglich der Zischlaute anhalten. Beachtet man diese Faktoren, setzen die präsenten Höhen dem Gesamtsound wirklich ein „Sahnehäubchen“ auf. Kommen wir nun zu dem Faktor, der Assoziationen zu Röhrenmikrofonen aufkommen lässt, nämlich zu den Mitten. In den Mitten klingt das V6 ziemlich warm und alles andere als neutral, was aber positiv gemeint ist. Man erhält so einen schönen, Vintage-angehauchten Sound, mit starker Präsenz und Durchsetzungsfähigkeit – bei hohen Pegeln verdichtet sich der Sound ein wenig mehr, fast so, als wäre ein moderat betriebener Kompressor mit im Spiel. Das V6 lässt den Gesamtsound dadurch aber nicht undynamisch wirken, vielmehr rückt der Sound dadurch mehr nach vorne und wirkt druckvoller. Die Auflösung der Mitten ist für ein Mikrofon dieser Preisklasse überraschend gut, man kann auch feine Nuancen z.B. im Gitarrenspiel mühelos nachvollziehen. Im Bassbereich liefert das V6 ebenfalls ganze Arbeit, teilweise ist es sogar etwas „too much“, was sich aber durch ein Hochpassfilter bei ca. 80-100Hz problemlos wieder in den Griff bekommen lässt – mir ist es lieber, ein Mikrofon überträgt einen Frequenzbereich etwas zu stark, als wenn frequenzmäßig irgendwo gar nichts übertragen wird (denn wo nichts ist, kann man auch nichts equalizen). Der Gesamtsound des V6 geht definitiv in Richtung Röhre – warme Mitten, präsente Höhen und substantielle Bässe.
Kommen wir zu dem zweiten MXL-Mikrofon, dem 2010. Dieses Mikro klingt im Gesamten definitiv neutraler als das V6. Die Höhen sind schön klar und offen, besitzen aber nicht diese durchsetzungsfähige Präsenz. In den Mitten wird die Schallquelle nahezu verfärbungsfrei übertragen, die oberen Mitten dominieren hier ein wenig mehr, was dem Gesamtsound aber auch zu mehr Leichtigkeit verhilft. Bei den Bässen erleben wir ein ähnliches Phänomen wie bereits beim V6, hier und da wirken sie zu voluminös – doch da das 2010 ja über ein integriertes, zuschaltbares Hochpassfilter verfügt, sollten wir da nicht lange drüber reden, denn das Filter leistet ein guten Job. Je nach Aufnahmeraum klingt das 2010 in der Richtcharakteristik-Einstellung „Kugel“ in den Bässen wesentlich moderater und somit im Gesamten frischer, was eigentlich etwas merkwürdig ist, da ja besonders Kugel-Mikros ideale Tiefton-Übertrager sind. Aber wie bereits erwähnt, es kommt hier natürlich auf den Aufnahmeraum und seine Akustik entscheidend mit an – einfach ausprobieren.
Alles in allem leisteten beide MXL-Mikros gute Ergebnisse, sowohl beim Gitarren-Recording, als auch bei den Vocals und der Sprachübertragung. Die Wahl, ob das V6 oder das 2010 nun der persönliche Favorit ist, muss jeder für sich und seine Anwendungszwecke entscheiden. Ich persönlich fand die Gitarren- und Vocal-Sounds, die ich mit dem V6 erzielt habe, charaktervoller und charismatischer. Die Sprachübertragung hat mir beim MXL 2010 besser gefallen, da es einen neutraleren Sound lieferte, was ich bei Sprachaufnahmen eher favorisiere. Aber wie gesagt, alles Geschmacksache – mit beiden Mikros lassen auf jeden Fall professionelle Ergebnisse erzielen.

Fazit
MXL beweist ein weiteres Mal, dass auch günstige Mikrofone professionelle Ergebnisse abgeben können – und das sogar im Doppelpack. Die beiden Mikrofone liefern grundverschiedene Sounds – das V6 orientiert sich eher am Röhren-Vintage-Zeitalter und klingt warm in den Mitten sowie präsent in den Höhen, das 2010 hingegen klingt ziemlich neutral, mit einer leichten Betonung in den oberen Mitten.

UVPs:
V6: 298 EUR
2010: 277 EUR

www.mxlmics.com


MXL V6
- Richtcharakteristik: Niere
- Übertragungsbereich (+/-3dB): 30Hz-20kHz
- Max. Schalldruckpegel (THD:0,5%): 130dB(SPL)
- Empfindlichkeit: 22mV/Pa
- Äquivalenter Eigengeräuschpegel: 16dB(A)
- Ausgangsimpedanz: 120 Ohm

MXL 2010
- Richtcharakteristik: Kugel, Niere, Acht
- Übertragungsbereich (+/-3dB): 30Hz-20kHz
- Max. Schalldruckpegel (THD:0,5%): 130dB(SPL)
- Empfindlichkeit: 15mV/Pa
- Äquivalenter Eigengeräuschpegel: 20dB(A)
- Ausgangsimpedanz: 200 Ohm
- Besonderheiten: schaltbares Hochpassfilter, schaltbare PAD-Abschwächung