|
"Acoustic Instruments Combo"
Als lang ersehntes Update wurde der neue California Blonde II dazu konstruiert, den immer wachsenden Anforderungen von akustischen Instrumentalisten gerecht zu werden. Besonders bei Live-Gigs, Soloauftritten und nicht PA-verstärkten Darbietungen zeigt der 2-kanalige und 200 Watt starke California Blonde II, was in ihm steckt. Der Combo hat neue, zusätzliche Features wie einen niederohmigen, symmetrischen 1/4 Zoll Eingang, einen Mikrofoneingang mit Phantom-Power, einen verbesserten Endstufenschaltkreis, einen Mute-Schalter, „Reverb Defeat“-Schalter für jeden einzelnen Kanal, geschaltete XLR-Ausgänge für jeden Kanal und hochwertige Patching- und Signal-Routing-Möglichkeiten. Die „kalifornische Blondine“ leitet ihren Namen vom sandsteinfarbigen Bezug ab, der durch ein braunes Chassis mit cremefarbigen Drehknöpfen ergänzt wird. Ein cooles Aussehen und ein warmer, satter Ton machen diesen Amp zum idealen Verstärker für akustische Instrumente aller Art. Ich hatte nun Gelegenheit zu einem ausgiebigen Feldversuch und muss gestehen, dass dieser Combo der beste Akustik-Amp ist, den ich bisher gespielt habe. Aber dazu später mehr.
Die Eingänge auf der Frontseite
Ganz schön was los hier, war mein erster Gedanke beim Anblick der Vorderseite. Schließlich ist der Combo zweikanalig ausgelegt und hat dementsprechend viele Regler auf seinem Bedienpanel. Der Amp ermöglicht schließlich den Anschluss eines Instruments und eines Mikrofons gleichzeitig. Die XLR-Mikrofonbuchse ist ein echter symmetrischer Eingang mit Phantomspeisung. Der Sound des Mikros wird dann über die Regler des Channel 2 geregelt. Alternativ ermöglicht der Stereo-Klinkeneingang die unabhängige Steuerung zweier Pickups bzw. eines Piezo-Tonabnehmers und eines Schallloch-Mikrofons gleichzeitig. Bei Verwendung dieser Buchse wird gleichzeitig der Mikrofoneingang deaktiviert. Ich habe zunächst den Instrument-Input verwendet, der sich automatisch auf Piezo- bzw. magnetische Pickups einstellt. Ein „Low Z Balanced“-Schalter, der sich direkt unter der Buchse befindet, konfiguriert diese Eingangsschaltung für Gitarren mit niederohmigen, symmetrischen Ausgängen, wie beispielsweise dem Expression-System von Taylor. „Tuner Out“ dient dem Anschluss eines Stimmgerätes, der auch dann ein Signal herausgibt, wenn der Combo mit dem Mute-Schalter stumm geschaltet wurde. Eine sehr gute Sache beim Stimmen oder Instrumentenwechsel. Es gibt noch einen weiteren Instrumenten-Eingang, der ebenfalls als Aux-Eingang bezeichnet wurde. Er ist im Grunde genommen wie der Instrument-Input ausgelegt, führt das Signal aber in den zweiten Kanal. Auch dieser Eingang wird dann deaktiviert, wenn der Stereoeingang benutzt wird.
Die Bedienelemente
Die kalifornische Blondine besitzt zwei unabhängige Kanäle, von denen jeder eine sehr aufwendige Klangregelung besitzt. Gain ist für die Anpassung des Eingangspegels zuständig. Eine Clip-LED gibt Auskunft über den Aussteuerungszustand. Im Prinzip lassen sich die Eingänge zwar auch anzerren, das Ergebnis hat aber nichts mit dem Sweetspot eines Vox AC 30 zu tun, sondern klingt eher kaputt. Sinn dieser Potis ist das saubere Anpassen der Signale. Die Klangregelung der beiden Kanäle ist bis auf den „Aural-Enhancer“ des ersten Kanals identisch. Aber dazu später mehr. Bass, Mid-Range und Treble sind sehr ausgefuchste und optimal auf den Bereich akustischer Instrumente ausgerichtete Klangwerkzeuge. Besonders der Mittenbereich kann wunderbar eingestellt werden. Treble bietet schöne seidige Höhen, die niemals nerven, während der Bass-Regler ein mächtiges Pfund liefert. Um Rückkopplungen zu unterdrücken, stehen pro Kanal je ein „Push Phase“-Schalter zur Verfügung. Dieser kehrt die Eingangs/Ausgangsphase um, wodurch sich regeneratives Feedback verringern lässt, das bei einer bestimmten Entfernung vor dem Amp bei hohen Lautstärken auftreten kann. Eine sinnvolle Einrichtung, die sehr gut arbeitet. Mit dem „Effekt Blend“ wird der Anteil eines externen Effektgerätes geregelt. Die dementsprechenden Anschlüsse befinden sich auf der Rückseite des Combos. In der Mastersektion befinden sich zwei Regler, die auf beide Kanäle gleichermaßen wirken, der Mastervolume- und der Reverb-Regler.
Der Aural-Enhancer
Diese Schaltung ist sozusagen das Markenzeichen von SWR und ist mittlerweile Bestandteil fast jeder ihrer Verstärker. Dieses Feature wurde entwickelt, um die tiefen Grundtöne des Basses besser zur Geltung zu bringen und den oberen Höhenbereich zu betonen und gleichzeitig bestimmte Frequenzen abzusenken, die die Grundtöne maskieren. Das Ergebnis ist ein transparenterer Sound, der den „zischenden“ Klang des Instrumentes hervorhebt, ohne ihn schroff oder hart klingen zu lassen. Dreht man diesen Regler aus der Minimalposition allmählich nach rechts, wird der Frequenzpegel der Bässe, Mitten und Höhen in Bereichen angehoben, die sich von der Klangregelung unterscheiden und diese ergänzen. Mir hat die Einstellung um die 12Uhr-Position am besten gefallen, denn hier werden die warmen Bässe sowie die seidigen Höhen angenehm gefeatured, ohne künstlich zu klingen. Der Einsatzpunkt unterscheidet sich natürlich je nach Instrument.
Die Rückseite
Mir einem rastenden Fußschalter kann der integrierte Hall über eine Klinkenbuchse ein- und ausgeschaltet werden. Daneben liegen die Buchsen für die beiden Effekt-Loops, da jeder Kanal seinen eigenen Einschleifweg besitzt. Der Send-Pegel, der in das angeschlossene Effektgerät geht, wird mit dem Gain-Regler auf der Front gesteuert, während das Return-Signal mit dem Effekt-Blend beigemischt werden kann. Dazu sollte der Effektanteil des angeschlossenen Effektprozessors möglichst auf Maximum eingestellt werden, da sonst Phasenprobleme mit dem Direktsignal auftreten können. Der Verstärker hat drei Line-Ausgänge in Form elektrisch symmetrierter XLR-Ausgänge. Man hat die Möglichkeit, jeden Kanal einzeln oder mit der dritten Buchse beide Kanäle gemischt weiterzuleiten. Alle drei XLR-Ausgangsbuchsen enthalten die interne Klangregelung und das Effekt-Loop-Signal. Das Signal des internen Halls wird hingegen nur über die Buchse herausgegeben, die beide Kanäle gemischt herausgibt. Die Speakerbuchse gibt 200 Watt an vier Ohm an den Lautsprecher und darf unter keinen Umständen im Betrieb herausgezogen werden, sonst kocht die Endstufe vor Wut und erzeugt Rauchzeichen.
Der Lautsprecher
Die geschlossene Box beherbergt einen 12 Zoll Lautsprecher und einen Supertweeter, wobei die Crossover-Frequenz bei 4 kHz liegt. Der Hochtöner kann mit dem „Level Control“-Regler stufenlos eingeblendet werden. Manche Instrumente wie Violinen klingen am besten mit ausgeschaltetem Tweeter, aber mit der akustischen Gitarre hat mir die 14Uhr-Stellung am besten gefallen. Eine Reflexöffnung erklärt den fetten Sound des Combos, der trotz seiner „kleinen“ Ausmaße ungewöhnlich groß klingt. Der California Blonde II Combo verfügt über Speakon- und Klinken-Boxenausgänge. So kann man eine eine Fullrange-Zusatzbox anschließen, die jedoch mindestens acht Ohm haben sollte, um die Endstufe nicht zu beschädigen.
Sound und Praxis
Beim ersten Einschalten des California Blonde II Combos habe ich zuerst nicht gemerkt, dass der Mute-Schalter gedrückt war. Lange Rede, kurzer Sinn, ich habe den Amp mit angeschlossener Gitarre immer weiter aufgedreht und bin dann endlich auf den Mute-Schalter gekommen. Über zu wenig Leistungsreserven kann man beim besten Willen nicht klagen, ich habe gedacht, die Scheiben zerspringen bis zu meinem Nachbarn. Klanglich fällt sofort das angenehme Fundament des Combos auf. Der Sound ist warm und brillant, ohne harsche Höhen. Man könnte den Amp auch als so etwas wie eine Mini-PA bezeichnen. Der Anschluss eines Mikrofons bietet zudem die Möglichkeit, Gesang und Gitarre gleichzeitig zu verstärken. Hier beweist der Combo, dass er mehr kann, als nur Gitarren und akustische Instrumente zu verstärken, denn auch Sprache und Gesang werden erstklassig wiedergegeben. Dank des eingebauten Tweeters kann man den Obertonbereich exakt dosieren, ohne schneidende oder unangenehme Höhen zu produzieren. Die gesamte Klangregelung ist wirklich sehr gut abgestimmt und genau auf den Bereich akustischer Instrumente ausgelegt. Ich habe zwei akustische Gitarren, die mit mittelmäßigen Pickupsystemen ausgerüstet sind. Was dieser Combo soundtechnisch aus den beiden Instrumenten herausholt, habe ich bisher mit keinem anderen Amp hinbekommen. Sehr nützlich ist auch die Möglichkeit, auftretendes Feedback beim Spielen in relativ hohen Lautstärken mit dem „Push Phase“-Schalter zu unterdrücken. Natürlich ist auch hier irgendwann mal Schluss, aber wenn man einmal in den Genuss dieser Schaltung gekommen ist, möchte man sie nicht mehr missen. Der interne Hall klingt ebenfalls sehr gut. Hier bekommt der ohnehin schon „große“ Sound dieses Combos eine zusätzliche Dimension. Mit dem Aural-Enhancer hab ich mich in der mittleren Einstellung um die 12 Uhr am wohlsten gefühlt und der Piezopickup meiner akustisch hervorragend klingenden Larrivee, den ich mehr als Hilfsmittel und weniger als ernsthaftes Abnahmesystem ansehe, hat jedenfalls plötzlich ungewöhnlich gute Soundqualitäten zu Tage gebracht.
Fazit
Der California Blonde II ist ein Combo der Oberliga für akustische Instrumente. Sein Klang ist sehr groß und ausgewogen. Es ist fast unmöglich, den Amp irgendwie schlecht klingen zu lassen. Die Entwickler bei SWR haben sich wirklich sehr große Mühe gegeben, die Klangregelung so effektiv wie möglich auf die Bedürfnisse akustischer Instrumente abzustimmen. Im Zusammenspiel mit den enormen Leistungsreserven bietet der Verstärker einen direkten und druckvollen Klang, der seinesgleichen sucht. Meine Empfehlung: Unbedingt antesten!
UVP: 999 EUR
www.swrsound.com
SWR California Blonde II
- 200 Watt RMS an 4 Ohm
- 1x 12" Celestion Lautsprecher
- Eminence Tweeter
- SWR Preamp
- Aural-Enhancer
- Mikrofon-Input
- Phantom-Power
- Aux-Input
- Je Kanal 3-Band EQ
- Phase Reverse
- Effekt Loop
- Low Z Balanced Input für Expression System Guitars
- Line Out
- XLR Out
- External Speaker OUT
- Reverb
- Gewicht: 23,1 kg
- Maße: 63,5 x 38,1 x 35,6 cm |