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"Flexibler Gitarren-Combo"
Die auf der diesjährigen Winter NAMM Show im Januar von Crate vorgestellte FlexWave-Gitarrenverstärkerlinie besteht aus insgesamt vier Combo-Modellen, einem Topteil und zwei 4x12 Zoll Boxen. Die Produktpalette reicht vom einfachen 15 Watt Übungsamp bis zum voll bühnentauglichen, mehrkanaligen 120 Watt Fullsize-Stack, ausgestattet mit digitalen Effekten und integriertem Stimmgerät. Crate setzt auch bei dieser neuen Verstärkerfamilie auf die patentierte „FlexWave 5“ Preamp-Technologie, welche die klanglichen Eigenschaften von Röhrenverstärkern mit analoger Halbleiterschaltungstechnik simulieren soll. Einen dieser Amps, nämlich den FlexWave 65/112, habe ich diesmal auf meinen Seziertisch bekommen.
Konstruktion
Der FW 65/112 gehört zur Familie der dreikanaligen Comboverstärker und macht rein äußerlich einen gut verarbeiteten und stabilen Eindruck. Der Amp wiegt etwa 16 kg, ist also nicht besonders schwer für einen Gitarrencombo dieser Größe. Wenn ich da an meinen alten Fender Twin Reverb Combo denke, hat man es hier fast mit einem Leichtgewicht zu tun. Das nach hinten offenen Gehäuse wurde aus 16mm starker MDF-Platte gefertigt und ist mit abriebfestem schwarzen Tolex-Kunstleder bezogen, während die Ecken durch Hartkunststoffkappen sicher vor Stößen geschützt sind. Das hellgrau lackierte Blech-Chassis ist frontseitig leicht nach hinten abgeschrägt und ermöglicht komfortables Arbeiten mit dem Gerät. Alle Bedienelemente sind schwarz beschriftet und heben sich so gut lesbar von dem hellgrauen Untergrund ab. Die für die Potis verwendeten griffigen Knöpfe drehen sich auf leichtgängigen, wackelfrei gelagerten Achsen. Der FW 65/112 ist mit einem 12 Zoll Crate Custom-Speaker ausgestattet, der mit maximal 65 Watt Leistung angetrieben wird. Zum Schutz der Lautsprechermembran verwendet Crate einen grauschwarzen Bespannstoff, der stramm befestigt ist und einen robusten Eindruck macht. Mit dem an der Oberseite verschraubten Handgriff lässt sich der Verstärker bequem und sicher tragen. Hier befindet sich auch das eingebaute chromatische Stimmgerät, ideal für die Kontrolle des Tunings und im idealen Blickwinkel eingelassen.
Die Bedienelemente
Links neben dem Instrumenten-Eingang befindet sich die High Gain-Sektion, bestehend aus drei Reglern: Gain, Shape und Level. Dieser Bereich bietet eine mördermäßige Zerre, ist also ideal für sahnige Lead-Sounds und Legato-Flitzereien. Der Shape-Regler steuert einen Einknopf-EQ. Dreht man ihn gegen den Uhrzeigersinn, werden Mittenfrequenzen stärker angehoben, gleichzeitig findet eine Absenkung von Höhen- und Bassanteilen statt. Im Uhrzeigersinn betätigt, zeigt sich die genau gegenteilige Charakteristik. Es folgt die gemäßigtere Zerrerabteilung, der Overdrive-Bereich. Auch hier beginnt die Poti-Reihe mit dem heiß geliebten Gain-Regler. Die Zerrintensität dieser Sektion kommt zwar längst nicht an die des High Gain-Bereiches heran, ist insgesamt aber fleischiger im Ton und wirkt weniger überzüchtet. Neben dem Level-Regler, der die Ausgangslautstärke dieses Bereiches bestimmt, besitzt die Overdrive-Sektion eine Dreiband-Klangregelung, bestehend aus Low, Mid und Treble. Die Klangregelung wirkt sich zusätzlich auch auf die Frequenzanteile des High Gain-Sounds aus. Die Zerrabteilung besteht somit nicht aus zwei komplett eigenständigen Kanälen, aber mit dem Shape-Regler lassen sich sehr eigenständige Sounds realisieren. Es folgt der cleane Kanal. Auch hier steht wieder eine Dreiband-Klangregelung zur Verfügung. Einen Gain-Regler sucht man hier jedoch vergebens, denn Anzerre ist nicht. Hier geht es um glasklare Gitarrenklänge, ohne jeglichen Anteil an „Schmutz“. Ganz im Gegenteil wirkt der Sound eingangsseitig sogar leicht komprimiert, was ja im cleanen Bereich durchaus Sinn macht. Country und Western sind für unseren Testkandidaten somit auch kein Fremdwort. Die Tonregelung greift ebenso wie im Overdrive-Kanal massiv ins Klanggeschehen ein und ermöglicht eine breite Soundpalette. Geschaltet werden die unterschiedlichen Kanäle mittels zweier Drucktaster, die jeweils zwischen den unterschiedlichen Kanälen angebracht sind, um diese auch optisch voneinander zu trennen. Auf der rechten Seite befindet sich die Effektsektion des FlexWave 65/112 in Form dreier Potis. Reverb regelt den Effektanteil eines fest eingestellten mittleren Plattenhall-Programms. Daneben befindet sich ein Regler, der für die Modulations-Effekte zuständig ist. Zur Auswahl stehen Chorus, Flanger und Phaser. Ein weiteres Poti regelt den Echo-Effekt. Hier stehen drei unterschiedliche Delay-Geschwindigkeiten zur Verfügung: Slap, also ein ganz kurzes Echo, Medium und Long. Die Effekte sind intern in der Reihenfolge Modulation - Delay - Reverb verschaltet. Alle für die Kanäle gemachten Einstellungen, inklusive der Effektauswahl, werden automatisch beim Kanalwechsel und beim Ausschalten des Verstärkers gespeichert. Der Amp besitzt im Übrigen keinen Master-Volume-Regler, so dass bei Veränderung der Gesamtlautstärke immer alle Kanalpegel angepasst werden müssen, wenn das gleiche Levelverhältnis der Kanäle beibehalten werden soll. Zum Üben mit Playbacks bietet der Crate FlexWave 65/112 die Möglichkeit, einen CD- oder MP3-Player einzustecken. Dazu steht eine Miniklinkenbuchse rechts neben dem Powerschalter zur Verfügung. Dieser Eingang hat keinen Levelregler, und man muss die Lautstärke am Ausgabegerät anpassen.
Die Rückseite
Hier geht’s ziemlich unspektakulär zu. Neben der Buchse für den externen Lautsprecher liegen die beiden Buchsen, die mit dem beigelegten Fußschalter verbunden werden können. Sie dienen der Kanalumschaltung und dem Wechseln der Effektbank, welches ohne Fußschalter nicht möglich ist. Für die Verbindung ist dem Combo ein spezielles Kabel beigelegt, das im Grunde aus zwei Stereo-Klinkenkabeln besteht. Um Fehlbelegungen zu vermeiden, ist die Buchse für die DSP-Steuerung schwarz und die für die Kanalwechsel weiß markiert. Der Dreifachfußschalter selbst besteht aus schwarz lackiertem Stahlblech mit einem unterseitig aufgeklebten, rutschfesten Schaumstoffstreifen. Die angeschraubten Seitenteile sind aus Kunststoff. Drei LEDs in rot, gelb und blau geben Auskunft über die gewählten Schaltzustände. Zu guter Letzt befindet sich hier noch eine Insert-Buchse. Sie dient dem Einschleifen eines externen Effektgerätes. Zum Anschluss wird ein spezielles „Stereo zu Mono“ Y-Kabel benötigt. Die beiden Mono-Stecker werden dabei mit den Ein- und Ausgängen des Effektgerätes verkabelt, der Stereo-Stecker findet dann in der Insert-Buchse seinen Platz.
Praxis
Beginnen wir mit dem cleanen Sound. Wie ich schon erwähnte, hat man es hier mit einem ultracleanen Kanal zu tun, der sich gut für Jazz-, aber auch Country-Sounds eignet. Die Gitarre spielt dabei natürlich eine entscheidende Rolle. Dabei erscheint der Sound leicht komprimiert, was die eben erwähnten Soundrichtungen weiter unterstützt. Durch die effektiv arbeitende Dreiband-Klangregelung können die Frequenz-Charakteristika der unterschiedlichsten E-Gitarrentypen und Tonabnehmer herausgearbeitet werden. Die beiden Zerrkanäle unterscheiden sich doch drastisch voneinander, obwohl sie sich eine Dreiband-Klangregelung teilen. Der Overdrivekanal ist eher im klassischen Rockbereich angesiedelt als der High Gain-Kanal, der eher etwas für die metallverarbeitende Zunft ist. Durchaus Röhren-ähnlich reagiert der Amp auf die Spielweise des Gitarristen. Die erzielbaren Distortion-Grade reichen hier von leicht angecruncht bis kräftige Hardrock-Zerre. Der High Gain-Kanal bietet Zerre ohne Ende. Dabei entpuppt sich der Shape-Regler als sehr einflussreiches Klangwerkzeug. Die Möglichkeiten des FlexWave sind sehr groß und decken ein breites Feld ab. Auch die Effektabteilung bietet viele Soundmöglichkeiten, wobei sie nur in Maßen einsetzbar ist, denn die fest eingestellten Delay- und Modulations-Effekte halten sich bezüglich ihrer Qualität in Grenzen. Ein nicht überhörbarer Rauschteppich nervt beim Einsatz der Modulations- und Delay-Effekte schon ein wenig. Das Fehlen eines Mastervolumens erschwert das Abstimmen der drei Kanäle, denn wenn man den Amp in einer Live-Situation einfach etwas lauter stellen möchte, muss man drei Kanäle pegeln.
Fazit
Mit drei Kanälen für High Gain-, Overdrive- und Clean-Sounds (auch über einen im Lieferumfang befindlichen Fußschalter anwählbar), einem eingebauten elektronischen Stimmgerät sowie einer digitalen FX-Sektion für Reverb, Modulations- und Delay-Effekte präsentiert sich der FW65/112 als ein üppig ausgestatteter Gitarren-Combo. Soundlich hat man sehr viele Möglichkeiten, die ein gutes Preis/Leistungsverhältnis präsentieren. Im Einsteigersektor ist der Crate FlexWave 65/112 ein empfehlenswertes Gerät.
UVP: 400 EUR
www.crateamps.com
Crate Flexwave 65/112
| Typ: |
Gitarrencombo |
| 3 Kanäle: |
Clean, Overdrive, High Gain |
| Leistung: |
65 Watt RMS |
| CD Input: |
29 dB |
| Gewicht: |
16 Kg |
| Maße: |
45,1 cm x 21,5 cm x 54,6 cm |
| Lautsprecher: |
12 Zoll Crate Custom Design, 8 Ohm |
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