|
"Wirkliche Meisterwerke"
Ein eigenes Produkt - oder direkt das gesamte Unternehmen - als "Meisterwerk" zu bezeichnen, erscheint auf den ersten Blick doch etwas vermessen, schließlich werden wir in der täglichen Werbeflut dauernd mit Superlativen bombardiert. Die Produkte erweisen sich dann vielleicht zwar als gut, sind aber dennoch eben nur durchschnittlich. Um vorweg zu greifen, kann ich sagen, dass Masterwork diesen Namen aber gerne tragen dürfen, von mir aus mit zusätzlichem Lorbeerkranz, denn diese Becken sind durchgängig wirklich ausgezeichnet!
Konzept
Nun, wie kommt man zu solch einer Meinung? Der deutsche Vertrieb Sound Service schickte uns zum Test nicht ein vorab ausgewähltes Setup, sondern fast die komplette Serie. Man könnte über jedes Becken sicher eine komplette Seite schreiben, dies würde jedoch den Rahmen sprengen.
Schön sind die Becken nicht. Das Glanzfinish hat einen etwas fahlen Goldton, optisch wirken die Instrumente eher unspektakulär und zurückhaltend. Ein wenig erinnern sie an das Aussehen der Becken in den 70er Jahren. Dennoch auffallend sind die wirklich sehr tiefen Hammermale und kräftige Furchen durch das Abdrehen.
Alle Becken weisen einen warmen und leicht trockenen Grundton auf, den Schlagzeuger und Werbefachleute nicht zu unrecht gerne als "erdig" beschreiben. Das Anschlaggeräusch ist ein wenig "heiser" und klingt erwartungsgemäß mit Holzstöcken besser als mit Karbon oder anderen neuartigen Materialien. Für sämtliche Instrumente der Custom-Pointer gilt: Sie sehen nicht nur unspektakulär aus, die meisten klingen auch so! Warum das gut ist? Ganz einfach: Aufdringliche Becken lassen sich vom Toningenieur oftmals schwerer in den Mix integrieren und gehen dem Hörer schneller unangenehm auf die Nerven. Dies gilt vor allem für die häufig gespielten HiHats, das Ride und Main Crash.
Die Custom Pointer sind nichts zum simplen Draufhauen, sondern haben durchweg einen riesigen Dynamikbereich. Die gesamte Spanne vom leichten Anhauchen mit Flanellschlägeln, bis zur vollen Breitseite ergibt großartige und vor allem kontrollierbare Ergebnisse. Lediglich die Rides sind für ein hartes Crashing zu schwer - und sind wir doch mal ehrlich: Das ist auch nicht ihre Aufgabe.
Die Hats
Drei HiHat-Pärchen in den Größen 13", 14" und 15" standen zum Test bereit. Das 13 Zoll messende Set verfügt über einen crispen und charaktervollen "Chick", wenn es mit dem Fuß gespielt wird und klingt halboffen und weit geöffnet grandios. Manche Trommler würden von einer 13er Hat möglicherweise ein rascheres Decay erwarten, doch ist immer das Verhältnis von Anschlag zu Grundschwingung sehr ausgeglichen, der Klang wird nie breiig. Als zweite HiHat eingesetzt ist dieses Instrument absolut genial. Die Becken in Standardgröße wirken sofort "erwachsener", sind leicht tiefer und haben ein weitaus kräftigeres Fundament. Die zueinander leicht unharmonischen Teiltöne im schwereren unteren und leichteren oberen Becken sorgen für eine gewisse Spannung, die den Klang stetig interessant hält, dabei aber niemals die Melodie- und Harmonieinstrumente in einer Mischung stören. Das ist wichtig, denn es gibt genügend Beispiele für HiHats und Rides, die in Mixen auf Dauer unangenehm auffallen. Das 14" „sizzelt“ stärker, hat geschlossen ein mittellanges Attack, ist äußerst kontrolliert und eignet sich daher uneingeschränkt auch für schnelle und präzise Figuren. Das schönste Sizzle bietet das große 15er Set, welches zudem einen langen und rauschigen "Chick" ertönen lässt, wenn es mit dem Fuß gespielt wird. Vorsicht bei der Mikrofonierung: Selbst etwas außerhalb des Nahbereiches klingt es noch recht bassig!
Rides und Flatrides
Flatrides verfügen über ein äußerst flaches Profil und keine Bell. Dadurch haben sie oft ein kontrollierteres und ausgeglicheneres Obertonspektrum. Das kleinste, 18 Zoll messende Instrument klingt sehr dunkel und schwingt lange und gleichmäßig aus. Das „Washing“ (die Grundschwingung des Rides) zeigt einen ausgeprägten Charakter. Insgesamt hat dieses kleine Instrument ein erstaunliches Fundament. Der „Ping“ hebt sich dennoch gut ab und klingt erstaunlich differenziert. Das 21 Zoll große Flatride lässt sich am einfachsten wie folgt beschreiben: Noch dunkler, noch länger.
Die "richtigen" Rides verfügen natürlich über Kuppen - und was für welche! Die Ridebells sind absolute Highlights in dieser Serie! Die Obertonstruktur der Kuppe ist charaktervoll, ohne zu schneiden und sich in den Vordergrund zu spielen, Kuppen-Ping, Schulter-Ping und Washing gehören bei allen Rides wirklich zusammen. Wie oft spielt man Becken, bei denen die Bell wie ein ganz anderes Instrument klingt. Hier nicht. Die Kuppe reagiert zudem sehr feinfühlig auf ein Anspielen mit Kopf, Schulter und Schaft. Es gibt nur wenige Becken, die außerdem so stark auf unterschiedliche Stöcke reagieren. Der Unterschied zwischen den verschiedenen Durchmessern und Gewichten, vor allem aber den Kopfformen wird bei Masterwork´s Custom Pointer sehr deutlich.
Das 20" klingt recht "airy", mit einem weitaus höheren Washing als das 21" oder 22", die Kuppe klingt leichter. Das gesamte Becken wirkt transparent, fast wie bei Crash/Rides. Das 21" hingegen ist deutlich schwerer und sicher das vielseitigste Ride im Programm, aber das 22" ist einfach nur grandios. Von der charaktervollen Grundtonstruktur, über den Ping auf der Schulter und Kuppe, bis hin zur Integrierbarkeit in Mischungen unterschiedlicher Musikstile ist dieses Instrument ein wirkliches Meisterstück. Ein Beckenständer, ein Stick und dieses Becken, und man kann minutenlang Musik machen, die nicht langweilig wird.
Crashes
Die Crashbecken sind in "Thin" und normaler Dicke erhältlich, allerdings sind die Instrumente durchweg recht schwer und daher nicht wahnsinnig schnell und explosiv. Beim Testen der Crashbecken wird deutlich, dass es sich bei Masterwork immer um handgefertigte Unikate handelt. So ist beispielsweise das 17" Crash tiefer gestimmt als das 18", was zunächst vielleicht verwundert, aber in keiner Weise ein Nachteil ist. Bei Becken von der Stange ist das natürlich anders. Man sollte also handgefertigte Crashbecken immer im Set oder Trio testen und kaufen, denn nicht alle Kombinationen sind sinnvoll. Die Mühe lohnt sich jedoch, denn hat man einmal ein Set gefunden, wird man viel Freude daran haben. Allen Crashes ist der rauschige und kräftige Attackschmatzer gemein, eine leicht gedehnte Zeitstruktur (mittellange Attackzeit, kurzes Decay, langes Sustain des tiefen Washs). Vor allem die großen Becken haben viel zu bieten, denn sie sind auch sehr soft oder sogar ride gespielt hochinteressant.
Effects
Die China-Crashes in 16", 18" und 22" sind allesamt vielsagend und leicht heiser, liefern aber auch kräftig gespielt nicht die ultrakurzen, heavy-metal-typischen "Kch"-Sounds. Vor allem das 22" erinnert etwas an Crashboxes. Durch ihr langes Zeitverhalten bei dennoch kontrolliertem Attack laden sie zum häufigen Spiel ein, wohingegen der sich Sound vieler anderer nach kurzer Zeit "abnutzen" würde. Tipp: Mit dem Stockkopf ride gespielt klingen die Custom Pointer ebenfalls großartig!
Eine wirkliche Überraschung sind die 8" und 10" Splashes. Vor allem das 8" ist ein Gedicht: Wie man es vom Namen erwartet, "platscht" es frisch mit einem komplexen Attack, der sich innerhalb der kurzen Attackzeit immer wieder aufzubäumen scheint. Die Ausklingzeit lässt kurz die interessante Grundtonstruktur erkennen, und dann ist der Spuk schon wieder vorbei. Es schreit förmlich danach, noch einmal gespielt zu werden. Es ist laut genug, um sich durchzusetzen, charaktervoll genug, um Aufmerksamkeit zu wecken und Kontrastpunkte zu setzen und dennoch verhalten und ausgeglichen genug, um den musikalischen Ablauf nicht zu sehr zu stören. Das 10" ist ein idealer Partner für das 8" Splash, da es einen für ein Splash äußerst tiefen Grundton hat - bei trotzdem kurzem Attack.
Fazit
Nun, dies ist natürlich ein Testbericht und soll kein emotionsgeladener Lobgesang sein. Und die Medaille hat bekanntlich zwei Seiten. Diese Becken sind zwar vielseitig einsetzbar und absolut hochwertige Profi-Instrumente, aber man muss sie wirklich "kennen lernen". Im Musikgeschäft ist es möglich, dass der Schlagzeuger sie nach einem kurzem Test links liegen lässt, weil sie eben nicht auffällig, aufdringlich und wunderschön sind, sondern ihre Qualitäten über die Zeit und besonders im Studio unter Beweis stellen. Diese Becken verdienen generell genauere Betrachtung, sind definitiv mehr als eine Empfehlung wert und werden zu wirklich fairen Preisen angeboten. Vor allem aber die Crashes sollten sorgsam ausgesucht und gematched werden, da die handgefertigten Einzelstücke trotz nomineller Vorgaben durchaus unterschiedlich ausfallen können.
UVPs:
14" HiHat: 296,11 EUR
20" Ride: 296,31 EUR
16" Crash: 213,04 EUR
18" Crash: 260,61 EUR
8" Splash: 94,01 EUR
22" China: 355,81 EUR
www.masterworkcymbals.de
Masterwork Custom Pointer:
- vollständig handgearbeitete Becken
- tiefe Hammermale
- großer Dynamikbereich
- tiefer Grundklang |