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Test: Beyerdynamic Opus 900 UHF PDF Drucken E-Mail
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"Drahtlose Freiheit"
 
Die Opus Wireless-Serie des Heilbronner Audio-Spezialisten Beyerdynamic hat Familienzuwachs erhalten – man hat die Range nach oben um das Opus 900 System erweitert. Die neue Drahtlos-Anlage tritt im Prinzip die Nachfolge der 500er (MKII) und 800er Opus-Serie an und baut auf den Technologien dieser bewährten Produkte auf. Natürlich hat sich Beyerdynamic nicht auf den Erfolgslorbeeren ausgeruht und hat der neuen Serie eine Menge neuer Features und Technologien spendiert.
Opus 900 ist wirklich ein Hi-End Drahtlos-System und richtet sich an professionelle Anwender im Touring- und Broadcastbereich sowie Verleiher und Festinstallationsfirmen.

Uns standen für diesen Test ein 4-kanaliger Empfänger, zwei unterschiedliche Handsender mit vier verschiedenen Mikrofonköpfen, zwei verschiedene Taschensender, ein Nackenbügel-Mikro sowie ein Lavalier-Mikrofon zur Verfügung.

Der Empfänger: NE 900 Q
Der NE 900 Q ist ein 4-kanaliger True Diversity UHF-Empfänger – es stehen auch ein einkanaliger (NE 900 S) sowie ein zweikanaliger (NE 900 D) Empfänger innerhalb der Opus 900-Serie zur Verfügung. Der Empfänger befindet sich in einem solide verarbeiteten 19“/1HE-Metallgehäuse und ist zur Rackmontage geeignet – Antennenkabel zur Frontmontage der beiden Antennen liegen bei.
Beginnen wir mit der Beschreibung der Vorderseite. Hier befinden sich vier identische Bedien-Panels für die vier Kanäle. Ein großes, hintergrundbeleuchtetes LC-Display gibt übersichtlich Auskunft über sämtliche Parameter: Zwei 11-stellige Bargraphanzeigen informieren über den NF- und HF-Pegel, eine Batteriestandsanzeige informiert in fünf Stufen über den Status der jeweiligen Sender-Batterie, zwei weitere Symbolanzeigen („A“ und „B“) zeigen den momentan stärkeren Diversity-Kanal an (jedes Empfangsmodul verfügt übrigens über zwei getrennte Empfangsteile für die beiden Antennen) und ein „Schloss“-Symbol zeigt an, dass sich der Empfängerkanal im Lock-Modus befindet und somit vor versehentlichen Parameter-Änderungen geschützt ist (der Lock-Modus bleibt auch nach einem Aus- und Einschalten aktiv). Eine sechsstellige alphanumerische Anzeige informiert entweder über „Frequenzgruppe und Kanal“, „Frequenz“, „Squelchpegel“ (1-99), „Ausgangspegel bzw. Mute-Status“, „Kanal-Namen“ oder „Remote-Steuerung über PC“. Welcher Parameter gerade angezeigt bzw. geändert wird, zeigen sechs Felder unterhalb der alphanumerischen Anzeige an, indem das jeweilige Feld eingerahmt wird. Unterhalb des LC-Displays befinden sich zwei Tasten – „Scan“, um automatisch nach einem freien Kanal innerhalb einer Gruppe zu suchen, und „ACT“, um die Kanaleinstellung mittels Infrarot (die Infrarotsendediode befindet sic neben der ACT-Taste) an einen Empfänger zu übertragen. Des weiteren findet sich hier eine grüne LED, die anzeigt, welcher Kanal gerade für Parameteränderungen aktiviert ist – hier übrigens ein kleiner Kritikpunkt: Die LED ist so weit im Inneren des Gehäuses eingebaut, dass man schon ziemlich genau vor dem Empfänger stehen muss, um sie zu erkennen – schräg von oben oder der Seite ist die LED nur zu erahnen, wobei das LC-Display aus allen Winkeln perfekt ablesbar ist. Soweit zu den einzelnen Kanalmodulen. Ganz rechts auf der Frontplatte befindet sich ein Menu-Drehregler, der auch über eine Druck-Funktion verfügt, um durch die einzelnen Parameter zu navigieren und Änderungen vorzunehmen – hat man sich einmal mit einer Einstellung vertan, hilft die daneben liegende Escape-Taste weiter. Auf der linken Seite befindet sich neben dem Power-Schalter ein Kopfhörer-Ausgang (6,3mm Stereo-Klinke) nebst Lautstärkeregler, der auch über eine Druckfunktion verfügt, um auszuwählen, welchen Kanal man über den Kopfhörerausgang hören möchte – vier LEDs zeigen an, welcher Kanal gerade gehört wird.
Die Rückseite des NE 900 Q beherbergt neben den beiden Antennenanschlussbuchsen (TNC), vier Audioausgängen (symm. XLR) und dem Netzkabelanschluss noch zwei RJ11-Buchsen („Telefonstecker“-Format), die als Remoteverbindung (In und Out) für das System mit einem PC dienen. Über eine PC-Steuersoftware können bis zu 64 Kanäle gleichzeitig betrieben werden – es gibt übrigens auch einen Adapter von RJ11 auf USB.
Der Empfänger bietet 99 vorprogrammierte bzw. 960 frei wählbare Frequenzen (innerhalb 24 MHz in 25 kHz-Schritten) pro Frequenzband. Bis zu 16 Frequenzen pro Frequenzband können simultan und störungsfrei betrieben werden.

Die Handsender: S 900 und S 900 M
Die beiden Handsender unterscheiden sich eigentlich lediglich dadurch, dass der S 900 M über ein Metallgehäuse (Magnesiumlegierung) verfügt, während der S 900 aus Kunststoff gefertigt wurde – erstaunlich ist hier übrigens, dass der „Metall“-Sender mit 172g (inkl. Batterie) nur 4g schwerer ist als sein „Kunststoff-Kollege“. Beim S 900 befinden sich der On/Off-Schalter und die Infrarot-Empfangsdiode an der Unterseite, beim S 900 M sitzt der On/Off-Schalter an der Unterseite (hinter einer Schutzkappe) und die IR-Diode im oberen Teil des Schafts. Beide Sender verfügen über ein LC-Display, das Auskunft über Fehlermeldungen, Gruppe, Kanal und den Batteriestatus (fünf Anzeigezustände) – leider ist das Display nicht beleuchtet, was in dunklen Live-Situationen sicherlich wünschenswert wäre. Der untere Teil des Schafts kann abgeschraubt werden – nun offenbart sich das Batteriefach für zwei 1,5V AA-Batterien, die einen Einsatz von mind. 20 Stunden gewährleisten. Um den Mikrofonkopf zu wechseln, schraubt man diesen einfach ab – in der Mitte des Gehäuse-Gewindes findet sich ein kleiner Trimmer, um die Empfindlichkeit einzustellen (0, -10, -20 und -30dB).

Die Mikrofonköpfe

Uns standen zu diesem Test insgesamt vier Mikrofonköpfe zur Verfügung: Zwei dynamische (DM 960 und DM 969), ein Elektretkondensator- (EM 981) und ein Echtkondensator-Mikrofonkopf (CM 930).
Das DM 960 ist ein dynamisches Mikrofon mit Richtcharakteristik Hyperniere. Der Übertragungsbereich beträgt 55Hz-18kHz und der maximal verkraftbare Schalldruckpegel 146dB(SPL).
Beim DM 969 handelt es sich ebenfalls um ein dynamisches Mikrofon, allerdings mit Richtcharakteristik Superniere – hier kommt die Opus 69-Kapsel zum Einsatz. Der Übertragungsbereich beträgt 65Hz-16kHz und der maximale Schalldruckpegel 146 dB(SPL).
Das EM 981 ist ein Elektret-Kondensatormikro mit Richtcharakteristik Niere und der Opus 81-Kapsel. Hier beträgt der Übertragungsbereich 50Hz-18kHz und der maximale Schalldruckpegel 146dB(SPL). Auf der Rückseite des Mikrofonkopfes (also an der Seite des Gewindes) befindet sich ein kleiner DIP-Schalter, um ein LoCut-Filter zu aktivieren.
Zu guter Letzt hätten wir noch das CM 930 im Angebot, ein Echtkondensator-Mikro mit Nieren-Charakteristik und der TG-X 930-Kapsel. Hier ist der Übertragungsbereich mit 40Hz-20kHz angegeben und der maximale Schalldruckpegel mit 146dB(SPL). Auch hier gibt es ein zuschaltbares LoCut-Filter mittels DIP-Schalter.

Die Taschensender: TS 900 C und TS 900 M
Auch bei den Taschensendern liegt der Unterschied der beiden Modelle eigentlich nur im Material – die C-Variante ist aus Kunststoff und das M-Modell aus Metall. Der TS 900 C verfügt zusätzlich noch über zwei Ladekontakte an der Unterseite und eine „Low Batt“-Anzeige an der Oberseite, ansonsten gibt es keinen Unterschied. Auf der Vorderseite sitzt ein LC-Display, das über dieselben Paramter wie bereits beim Handesnder beschrieben informiert. Auf der Oberseite befinden sich der Power-Schalter, die Sendeantenne und eine 4-polige Mini-XLR Buchse, an die entweder ein Lavalier- oder Headset-Mikro angeschlossen werden oder ein entsprechndes Instrumenten-Kabel, das dann auf 6,3mm Klinke endet. Klappt man die untere Seite des Gehäuses auf, findet sich das Batteriefach (2x 1,5 AA, Betriebsdauer mind. 20 Stunden), ein kleines Gain-Poti zur Einstellung der Eingangsempfindlichkeit, die Infrarot-Empfangsdiode sowie ein Zweiwegschalter, um den Betriebsmodus „Instrument/Gitarre“ oder „Mikrofon“ zu wählen (der Gain-Regler ist übrigens nur im Mikrofon-Modus aktiv). Auf der Rückseite befindet sich ein um 360 Grad drehbarer Gürtelclip, der einen absolut sicheren Halt garantiert.

Praxis
Dass man es bei der neuen Opus 900-Serie mit einem Wireless-System der Oberklasse zu tun hat, bleibt nicht lange verborgen. Bereits die Verarbeitung der einzelnen Komponenten vermittelt absolute Roadtauglichkeit und Vertrauen ins Material, was schon einmal ein wichtiges Kriterium für Live-Equipment ist, wenn es mal etwas „ruppiger“ zugehen sollte. Um die Anlage zu bedienen muss man jedoch beim besten Willen kein ausgewiesener Drahtlos-Experte sein, denn die Inbetriebnahme sowie das Handling sind beinahe ein Kinderspiel. Einzig und allein die etwas zu tief verbaute LED in den Kanalmodulen und die fehlende Hintergrundbeleuchtung der Sender-LCDs lassen kleinen Anlass zur Kritik im Umgang mit der Anlage – vielleicht macht man sich in Heilbronn über diese beiden Punkte noch einmal ein paar Gedanken. Doch kommen wir nun zum Sound, und hier kann das Opus 900-System wieder voll punkten. Die Handsender liefern einen kristallklaren und zuverlässigen Sound, wobei man hier durch die Mikrofon-Wechselköpfe äußerst flexibel ist. Das DM 969 klingt sehr druckvoll und warm und vermittelt eine gute Sprachverständlichkeit. Beim DM 960 glaubt man kaum, dass man es mit einem dynamischen Mikro zu tun hat – der Gesamtsound ist sehr ausgeglichen, die Höhen besitzen sehr gute Präsenzen und die Sprachverständlichkeit ist hier wirklich hervorragend. Das Elektret-Kondensatormodell EM 981 klingt in sich sehr ausgeglichen, wobei der Sound im Bassbereich etwas dünner ist – für Sprachübertragung ist dieses Mikro wirklich bestens geeignet, Sänger sollten einmal ausprobieren, ob der Vocal-Sound noch genügend Fundament hat. Wie so oft im Leben ist man von den teureren Dingen begeistert, und so ist es auch bei dem Kondensator-Mikrokopf CM 930. Dieses Mikro klingt sehr druckvoll, hat einen schön aufgelösten Mittenbereich und wirklich edle Höhen – ich denke mal, dass sich z.B. Sänger aus dem Soul/Jazz-Bereich die Finger nach diesem Mikrofon auf der Bühne lecken werden.
Auch die Taschensender liefern beste Arbeit ab und garantieren zu jeder Zeit eine zuverlässige Sendestrecke. Sowohl das Nackenbügel-Mikrofon Opus 55 MkII, als auch das Ansteckmikrofon MCE 55.18 klangen sehr ausgewogen und direkt. Die Sprachverständlichkeit ist bei beiden Mikrofonen sehr hoch und durch die Kugelcharakteristik (bei beiden Mikros) ist es auch nicht so wild, wenn man mal etwas am Mikro vorbei spricht.
Alles in allem erhält man mit dem Opus 900 ein grundsolides „Arbeitstier“ mit sämtlichen professionellen Features, die man von einem Wireless-System erwartet.

Fazit
Beyerdynamic ist mit dem Opus 900-System ein wahrlich großer Wurf gelungen. Die Anlage arbeitet absolut zuverlässig, ist sehr intuitiv zu bedienen und bestens verarbeitet. Der Sound, den die einzelnen Komponenten liefern, ist ebenfalls über jeden Zweifel erhaben. Für eine Drahtlos-Anlage der Oberklasse ist auch der Preis absolut fair – schließlich wird man mit diesem System lange seine Freude und einen verlässlichen Arbeits-Partner haben.

UVPs:
NE 900 Q: 2.000 EUR
S 900: 140 EUR
S 900 M: 280 EUR
TS 900 C: 250 EUR
TS 900 M: 450 EUR
DM 960: 300 EUR
DM 969: 160 EUR
EM 981: 280 EUR
CM 930: 520 EUR

www.beyerdynamic.de


Beyerdynamic Opus 900
- Funktionsprinzip: True Diversity
- Verfügbare Frequenzbereiche: 668-692 MHz, 774-798 MHz, 790-814 MHz, 841-865 MHz
- Schaltbrandbreite: 24 MHz
- Empfindlichkeit: 2 μV
- Nennhub: +/- 40 kHz
- Ausgangspegel: 1,2 V
- Kompandersystem: NE 572
- Signal/Rauschabstand: > 110 dB(A)
- Klirrfaktor: < 0,5% bei 1 kHz