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"Multitalent"
Im ersten Teil des Tascam DM-4800 Tests (Xound vier|07) haben wir bereits die Grundfunktionen des Mischpultes beschrieben. Hier nach einiger Praxiserfahrung nun der zweite Teil.
Die Projektstruktur
Das DM-4800 verwaltet seine gesamten Daten in Form von Projekten. Ein Projekt besteht stets aus den gespeicherten Automationsdaten, aus den Grundeinstellungen und aus fünf Bibliotheken. Innerhalb dieser Bibliotheken finden wir komplette Parameter-Settings für Snapshot-Einstellungen, Einstellungen für die EQ´s und Dynamik-Prozessoren (Kompressor/Expander), eine separate Library für Gate-Einstellungen sowie eine für die internen Effekte. Jede Bibliothek verfügt über vier Bänke a 128 Speicherplätze. Dazu kommt jeweils eine Presetbank mit vorgegebenen Werkseinstellungen. Die Effektsektion bietet sogar gleich zwei Preset-Bänke.
Die DM-4800-Projekte lassen sich ganz bequem auf einer CompactFlash-Karte abspeichern. Dieses Konzept erweist sich in der Praxis als außerordentlich clever, da sich diese Daten ganz einfach von einem DM-4800 zum anderen transferieren lassen. Man kann so z.B. seine persönliche Mix-Session mit in ein anderes Studio nehmen und hat stets alle notwendigen Daten dabei. Ein weiterer Vorteil: Die Projektdaten inkl. Automation können direkt von der CompactFlash-Karte aufgerufen werden, d.h. ein lästiges Umkopieren z.B. in den internen Speicher bleibt erspart.
Die Effekte
Das DM-4800 ist mit zwei internen Multi-Effektprozessoren bestückt, wobei einer dieser Prozessoren mit Tascam-eigenen Algorithmen arbeitet, während der zweite Prozessor seine Effekte auf der Basis von originalen TC-Works Effekten bezieht.
Wie bereits im ersten Teil des Tests in Xound vier|07 beschrieben, lassen sich über die Routing-Funktionen des DM-4800 die Ein- und Ausgänge der Effektprozessoren allen möglichen „Quellen“ und „Zielen“ zuordnen. (Das können z.B. Aux-Sends als Eingang für den Effektprozessor sein und z.B. einzelne Kanäle als Effekt-Return.) Die Routing-Möglichkeiten sind enorm, und so werden der Kreativität des Users so gut wie keine Grenzen gesetzt.
Das eigentliche Auswählen der Effekte erfolgt über das Effect-Menu. Hat man noch keine eigenen Effekte kreiert, so wird man zunächst mit Presets beginnen. Wie bereist erwähnt, stehen dafür zwei Libraries a 128 Presets zur Auswahl. Die Editierung der einzelnen Effekt-Parameter erfolgt über die Software-abhängigen vier Taster und vier Regler gleich unterhalb des DM-4800 Displays. Die konkrete Funktion dieser Bedienelemente kann von Effekt zu Effekt variieren, bleibt jedoch durch die entsprechenden Darstellungen im Display stets übersichtlich. Hat man auf der Basis von Presets eigene Effekte kreiert, so lassen sich diese in einer der eigenen Library-Bänke ablegen.
Für die Tascam-eigenen Effekte stehen insgesamt 12 verschiedene Algorithmen zur Verfügung: Vom Chorus, Flanger, Phaser, Delay (ob Mono oder Stereo), über Dynamik-Effekte wie De-Esser und Kompressor, bis hin zu Effekten wie Distortion, Exciter oder Pitch-Shifter. Die Einstellung der Effekte erfolgt bei den Stereo-Effekten über bis zu 24 einzelne Parameter. Alle einzelnen Parameter hier zu nennen, würde den Rahmen sprengen. Auffällig ist, dass sämtliche Effekte – der sehr spezielle Distortion-Effekt mal ausgenommen - sehr warm und edel, also keinesfalls zu „elektronisch“ oder steril klingen. Eine echte Wohltat im Vergleich zu den vielen Software-Plug-Ins der verschiedenen Workstation-Softwares.
Das Gleiche gilt auch für die Hall-Fraktion des DM-4800.
Gerade bei der Erzeigung von Hall, der „Königsklasse der Effekte, zeigt sich schnell, wie gut ein Effektprozessor und dessen Algorithmen wirklich sind. Auch hier punktet der DM-4800 eindeutig. Tascam setzt dabei ausschließlich die TC Works Algorithmen ein, die bereits in vielen TC-Geräten überzeugt haben. Mit bis zu 18 Parametern inkl. speziellem Raum-Editor lassen sich Effekte programmieren, deren Spektrum von sehr natürlich klingenden, edlen Räumen bis hin zu völlig spacigen Hall-Effekten reicht. Wie bei den Tascam-eigenen Effekten hat man hier die Qual der Wahl zwischen jeweils 128 verschiedenen Presets.
Automation
Wie bereits seine Vorgänger ist auch das DM-4800 mit einer dynamischen Mix-Automation ausgestattet. Bei den alten Tascam-Digital-Mischern war dafür meist ein externer Computer mit entsprechender Software notwendig. Nicht so beim DM-4800. Das Mischpult hat alles gleich an Bord. Man benötigt lediglich die CompactFlash-Karte als Speichermedium, auf die die jeweiligen Automations-Versionen abgelegt werden können.
Automatisieren lassen sich folgende Funktionen: Faderbewegungen, Mutes, Panorama- /Balanceeinstellung (Stereo und 5.1), Stereobreite bei gekoppelten Kanälen, sämtliche EQ-Parameter, Aux-Sends/Aux-Master, Kompressor/Gate-Einstellungen, einige Routingfunktionen, Bus-Masterpegel sowie Abruf von Einstellungen aus den Bibliotheken.
Die Automation benötigt stets eine Zeitinformation, sei es über SMPTE- oder MIDI-Timecode (MTC). Sobald diese anliegt, synchronisiert sich die Automation zur laufenden Clock.
Die Verwaltung der Automationsdaten sowie die Voreinstellung der Automations-Features erfolgt über das entsprechende Automations-Menu. Entscheidend ist, dass man die Automation auch nur auf einzelne Parameter oder Parameter-Gruppen beschränken kann.
Um die ersten Mix-Durchgänge aufzuzeichnen, versetzt man die Automation in den Write-Modus. Sobald der Timecode läuft, zeichnet das DM-4800 alle vorher ausgewählten Parameter-Veränderungen auf.
Außer dem Write-Modus bietet die Automation Modi wie Auto-Fade (automatischer Fade-Out des Summenfaders), Trim (zum Korrigieren eines Mixes), Static (merkt sich nur statische Zustände, keine Bewegungen) und Safe (schreibgeschützter Mode). Beim Trimmen eines Mixes erlaubt das Feature „Trim All“, die gesamten vorher aufgezeichneten Faderbewegungen global um einen bestimmten Wert nach oben oder unten zu trimmen.
Zum Unterdrücken der Automation schaltet man einfach mit einem Knopf die Automations-Engine ab.
Gerade beim Korrigieren einzelner Mix-Passagen erweist sich als sehr praktisch, dass das DM-4800 mit berührungsempfindlichen Fadern bestückt ist. Sobald man den Fader berührt, nimmt die Automation neue Daten auf, sobald man den Fader wieder loslässt, übernimmt der Fader wieder die alte Position. Ist die Auto-Revert-Funktion aktiviert, so kreiert das DM-4800 dabei sanfte Übergänge.
Schaltet man die Fader-Layer auf Aux 1-12 um, so lassen sich auf diese Weise auch die Aux-Sends komfortabel automatisieren.
Da die anderen Parameter-Regler und Schalter nicht berührungsempfindlich sind, werden deren Bewegungen erst aufgezeichnet, wenn wirklich der Parameter verändert wird. Für den Aufnahme-Ausstieg der Automation lässt sich nun eine Zeitspanne zwischen 0,5 und 10 Sekunden einstellen. Wir der entsprechende Parameter für diese Zeit nicht mehr verändert, wird die Aufzeichnung gestoppt.
Maschinensteuerung/Remote DAW-Steuerung
Wie bereits im ersten Teil des Tests beschrieben, lassen sich über das DM-4800 auch externe „Maschinen“ steuern. Die eigentliche Kommunikation mit externen Geräten kann entweder via MIDI oder über die serielle RS-422 Schnittstelle erfolgen.
Die einzelnen Funktionen hängen natürlich vom jeweiligen Gerät ab, das gesteuert werden soll.
Das DM-4800 bietet außer komfortablen Laufwerks-Funktionen auch Features wie umfangreiche Locator-, Shuttle-Funktion, Spurwahlschalter für die Aufnahme u.v.m.
Zu den möglichen Geräten zählen neben dem internen Timecode-Generator z.B. Geräte wie DTRS-Recorder, Video-Recorder, Tascam-Harddiskrecorder wie MMR-8 und MMP-16, DAT-Recorder mit Timecodespur sowie beliebige DAW-Systeme (mit Softwares wie Logic, Sonar, Nuendo, Cubase und Motu DP). Die Steuerung der DAW-Softwares erfolgt entweder via Mackie Control oder über Mackie HUI- Emulation, wobei neben den o.g. Steuerfeatures viele weitere Fernsteuerfunktionen (wie Fader, Panorama, Sends, Solo, Mute, Spuranwahl für die Aufnahme, usw.) möglich sind.
Schaltet man auf das Fader-Layer „Remote“ um, so lassen sich die Bedienelemente des Mixers (Fader, Taster, und Drehregler) direkt zur Steuerung der DAW nutzen.
Interessant ist dabei, dass der Tascam-Mixer seine 24 Fader in drei Gruppen aufteilt, die wie drei separate Controller mit unterschiedlichen MIDI-Ports fungieren können, die von den angeschlossenen Geräten auch dementsprechend als separate Controller erkannt werden.
Bei unserem „Controller-Test“ haben wir das DM-4800 mit Logic Pro ausprobiert. Alles lief völlig problemlos.
MIDI
Die Kommunikation zwischen dem DM-4800 und anderen MIDI-Geräten kann sowohl über die physischen MIDI-Anschlüsse (In, Out, Thru sowie MTC-Port), als auch über das integrierte USB-Interface erfolgen, wobei via USB zwei virtuelle MIDI-Ports nutzbar sind. Auf diese Weise hat man insgesamt drei MIDI-Ports plus MTC-Port zur Verfügung, wobei sich definieren lässt, welcher MIDI-Port welche Funktionen übernehmen soll. Der Mixer empfängt und sendet dabei die verschiedensten MIDI-Daten wie Controller-, System-Exclusive-, Clock-Daten, Programmchanges, Noten, After Touch, PitchBend, u.v.m. D.h. mit dem DM-4800 lassen sich viele externe Geräte via MIDI fernsteuern. Ebenso kann auch der Tascam-Mixer via MIDI ferngesteuert werden. Auch hier hat der User nahezu alle Optionen für eine intelligente MIDI-Integration.
Tascam Mixer Companion
Mit Hilfe dieser kostenlosen Software (Windows- und Mac-kompatibel) lassen sich innerhalb einer Browser-Struktur Projekte und Bibliotheken verwalten, Backups anlegen und die Transport-Funktionen über ein kleines Panel fernsteuern. Darüber hinaus liefert die TMC-Software eine komfortable Meter-Bridge-Darstellung mit allen 64 Kanälen, sämtlichen Bussen und den Aux-Wegen - übersichtlicher geht´s wirklich nicht.
Praxis-Fazit
Sound-mäßig gibt es beim DM-4800 nichts zu meckern. Das Mischpult klingt sehr warm und transparent. Auch bei extrem dynamischen Signalen bleibt das DM-4800 im Klang stets offen.
Während der gesamten Testphase arbeitete das DM-4800 völlig einwandfrei. Dies fing bereits bei der Installation an. Sämtliche Installationen, sei es die Installation der Audio- und MIDI-Treiber, der TMC-Software, aber auch die gesamte Kommunikation mit angeschlossenen Geräten lief absolut problemlos - an dieser Stelle ein Kompliment an die Tascam-Entwickler.
Das DM-4800 wird auf Grund seiner Features und vor allem seiner Zuverlässigkeit mehr und mehr als Live-Pult eingesetzt (mehr dazu siehe auch Statement von René Decker im ersten Teil des Tests).
Wir haben das DM-4800 via der optionalen Firewire-Karte mit Logic Pro zunächst mit der 7er Version betrieben und sind später auf die Version 8 umgestiegen. Hier noch mal zur Erinnerung: Über die Firewire-Karte kann das DM-4800 als „komfortables Audio-Interface“ direkt an einen Rechner angeschlossen werden. Die bidirektionale Kommunikation zwischen Computer und DM-4800 schafft bis zu 32 Spuren gleichzeitig in beide Richtungen.
Die Kombination von DM-4800 mit einer DAW-Software – in unserem Fall halt Logic - ist unschlagbar. Das DM-4800 fungiert dabei als hochwertiges Audio-Interface mit vielen Kanälen und stellt gleichzeitig die Remote-Control für die Workstationbedienung und Maschinensteuerung dar. Mal ganz davon abgesehen, dass man mit dem DM-4800 ja schließlich noch ein komfortables Digital-Mischpult mit 64 Kanälen, 24 Mikro/Line-Preamps, Motorfadern, internen Effektprozessoren, Mix-Automation und kompletter Monitor-Sektion geliefert bekommt. Und das alles zu einem sensationellen Preis von insgesamt ca. 6.000 EUR.
UVPs:
DM-4800: 5.720 EUR
FireWire-Board: 495 EUR
www.tascam.de |