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"Alles wird Rot"
Alles begann vor etwa 13 Jahren. Im Juli 1994 gibt Sabrina Setlur ihr Debüt auf der „Rödelheim Hartreim Projekt“-Single „Wenn es nicht hart ist“. Mit Ihrem ersten Album „S ist soweit“ erregte Sabrina Setlur, damals noch unter dem Projektnamen „Schwester S“ große Aufmerksamkeit und revolutioniert die deutschsprachige Musik. Im Sommer 1995 zeichnet sie der Musiksender VIVA mit dem Comet als „Beste HipHop-Künstlerin 1995“ aus.
Zwei Jahre später wird die erste Single „Du liebst mich nicht“ aus Sabrina Setlur´s zweitem Album „Die neue S-Klasse“ veröffentlicht. Die Single landet nach nur wenigen Wochen auf Platz 1 der deutschen Charts. Es folgen viele weitere Hits sowie zahlreiche Auszeichnungen.
Heute zählt Sabrina Setlur sicherlich zu den erfolgreichsten Künstlern Deutschlands.
Nach fünf Studioalben präsentiert sich Sabrina nun im neuen musikalischen Gewand und bleibt sich doch gleichzeitig dabei treu.
Das neue Album „Rot“, produziert vom Erfolgsteam Moses Pelham und Martin Haas, zeichnet sich durch viele, interessante, vor allem „unverbrauchte“ Beats aus. Auffallend sind die vielen warmen Synthie-Sounds, die den musikalischen Raum um Sabrina ausfüllen und ein großartiges musikalisches Bett für die Rapperin und die vielen am Album beteiligten Sänger liefern. Der frische Wind hat dem Projekt sehr gut getan, und auch Sabrina zeigt sich extrem begeistert von ihrem neuen Werk.
Wir hatten Gelegenheit zu einem netten Gespräch mit Sabrina.
Xound: Wie hat sich das Konzept für das neue Album entwickelt?
Sabrina: Wir wussten am Anfang nicht genau, was wir für eine Platte machen würden. Für uns war nur sicher, dass wir eine Platte produzieren wollten, die wir so noch nicht gemacht haben. Wir haben angefangen, Beats auszusuchen, und ich habe meine Tracks geschrieben. Eines Tages während der Produktion rief mich Moses an und wollte mir etwas vorspielen. Wir trafen uns und ich dachte zunächst, der Typ ist wahnsinnig. Er spielte mir die elektronischen Beats von „Lauta“ vor. Wir saßen wirklich beide kopfnickend in Moses´ Musikzimmer und ich sagte ihm ständig „mach mal lauta“ (Anmerkung: So klingt´s halt mit Frankfurter Akzent.), „ich will den Beat hören“. Dadurch ist „Lauta“ einfach aus dem Herzen heraus entstanden, und das war wie ein Geschenk für uns, mit dem wir dann weiter gearbeitet haben.
Xound: Wie seid ihr auf das Thema „Rot“ gekommen?
Sabrina: Moses hatte - zunächst nur als Arbeitstitel - die Idee, das Projekt „Rot“ zu nennen. Ich war im ersten Augenblick ein wenig skeptisch und dachte Rot bedeutet Alarm, Leidenschaft usw. Doch während der Produktion sind mir tausend Sachen aufgefallen, die rot waren: rote Ampel, rote Hose, roter Lippenstift... Wir haben dann angefangen, mit dem Wort zu spielen und Floskeln daraus zu bilden: „Rot für die Welt“, „Alles wird rot“, usw. Irgendwie war das Lebensgefühl, das wir hatten, einfach rot. Und da war dann sehr schnell klar: Das passt, das muss so sein, „Rot“ ist die neue Platte, Rot ist die Farbe, Rot ist das Leben…
Xound: ...das ist dann halt der „rote“ Faden…
Sabrina: Stimmt.
Xound: Hört man das neue Album, so hat man schon das Gefühl, dass ihr euch besonders viel Mühe gegeben hat.
Sabrina: Eigentlich ist bei jeder Platte der Wille da, dass du alles gibst. Aber bei „Rot“ kann ich sagen, dass mir das Album auch persönlich am nächsten ist. Die ganzen Assoziationen, die du mit Rot verbindest, Liebe, Leidenschaft, Aufmerksamkeit, Hitze, Weiblichkeit, Sexyness, Wut, das steckt alles in mir, und das findet man alles auch in der Platte wieder.
Xound: Ihr habt letztes Jahr im Juni mit der Produktion begonnen. Da wart ihr für den Aufwand den ihr betrieben habt, doch eigentlich recht schnell.
Sabrina: Du bist der erste, der das sagt. Die meisten sagen immer: „Boa, hat das lange gedauert“. Aber, wie du schon richtig sagst, so eine Platte muss erst einmal gemacht werden. Es geht hier um Qualität, nicht um Quantität. Ich bin nun mal keine Künstlerin, die jedes Jahr wie am Fließband ein neues Album raus schiebt und sagt: „Hier bitte.“ Ich bin der festen Überzeugung, die Produktion für ein Album braucht seine Zeit.
Xound: Du bist ja nun mehr als 12 Jahre im Geschäft. Als du begonnen hast, gab es ja nicht so viele deutsche Rap-Sachen. Wie siehst du die gesamte Entwicklung in diesem Bereich?
Sabrina: Ich muss gestehen, ich sehe meine eigene Entwicklung, und darüber freue ich mich, auch wenn sich das vielleicht arrogant anhört. Ich habe mich noch nie sehr für andere deutsche Sachen interessiert. Klar, ich nehme all diese Sachen wahr, doch ich stecke nicht so tief in der Materie drin, dass ich ein Urteil, sei es positiv oder negativ, darüber abgeben kann. Das ist überhaupt nicht böse gemeint, gegenüber den jungen Menschen, die deutsche Rap-Sachen machen, aber ich bin einfach nicht so in dieser Szene drin. Mich inspirieren ganz andere Sachen. Vielleicht werde ich mich irgendwann mal damit auseinandersetzen.
Xound: Bei „Rot“ haben sehr viele Musiker, vor allem auch viele Sänger mitgewirkt. Hat sich das so ergeben oder gehörte dies von Anfang an zum Konzept?
Sabrina: Das hat sich so ergeben. Es ist für mich unfassbar, wie viele gute Sänger sich da aufgetan haben, die ja nun auch größtenteils meinen Chor bilden. Das sind einfach faszinierende, talentierte Menschen, die mit Feuer und mit dieser „roten“ Leidenschaft an die Sache herangegangen sind. Aber wenn du schon mal jemanden wie Sebastian Hämer im Haus hast, wärst du blöde, ihn nicht zu fragen.
Bei den Sängern handelt es sich ja um gestandene Sänger. Ich finde es schön, wenn Menschen Spaß an einer Sache haben. Und wenn sie diesen Spaß auch so mit Euphorie ausdrücken , wie es meine Musiker tun, dann will ich diese Menschen auf der Bühne haben, dann will ich ihr Feuer spüren und mit ihnen zusammen meinen Traum leben. Das finde ich wunderschön und ich bin dankbar, dass es möglich ist.
Aber auch die gesamte Band begeistert mich. Mit den meisten Musikern arbeite ich schon seit mehr als 12 Jahren. Das ist alles so phantastisch, das kann man gar nicht in Worte fassen.
Auch wenn es sehr theatralisch klingt, aber ich kann´s einfach nur immer wieder sagen: Ich bin dankbar für dieses Geschenk.
Xound: Wirst du auch viele Musiker mit auf Tour nehmen?
Sabrina: Wir werden mit einer zehnköpfigen Band auf die Bühne gehen. Bis auf den Drummer und den Chor ist die Besetzung der Band seit 12 Jahren unverändert. Das sind noch immer die gleichen Pappenheimer, meine Lieblinge (lacht). Wir hatten jetzt in den letzen Wochen bereits einige Auftritte mit den neuen Sachen und das war einfach toll.
Xound: Ihr habt am Schluss des Albums beim Track „Das Leben ist Rot“ vielen Leuten die Möglichkeit gegeben, sich zu dem Thema „Rot“ zu äußern. Wie viele Menschen haben sich insgesamt gemeldet und ein Statement abgegeben?
Sabrina: Ich weiß nicht, wie viele es genau waren, aber es waren ganz schön viele. Moses hatte die Sachen bereits vorher ausgewählt und mir die besten vorgestellt. Ich glaube, ich würde irre dabei, wenn ich dreißigtausend Menschen höre, die über „Rot“ sinnieren. Es waren so viele schöne Sachen dabei, und dann ist es superschwer, sich zu entscheiden. Ich würde am liebsten alle Statements verwenden (lacht). Daher war ich ganz froh über Moses´ Vorauswahl.
Xound: Du hast eben beschrieben, wie nahe du dem neuen Album bist. Gibt es für dich auf dem Album einen Lieblingssong?
Sabrina: Die ganze Platte spiegelt mich und meine Gefühlswelt wieder. Von daher kann ich sagen, dass je nach Stimmung auch immer ein anderer Track für mich da ist. Wenn ich an manchen Tagen morgens aufwache, ist für mich „Rot“ der Titel des Tages, weil ich vielleicht einfach nicht so gut drauf bin. Heute Morgen war es irgendwie zwischen „Im roten Raum“ und „I think I Like It“. Jetzt im Augenblick ist es „I think I Like It“. Ich hab jetzt gerade Feuer im Arsch, ich bin gut drauf (lacht).
Das ist halt das Schöne an Musik. Sie kann so viele Dinge in dir auslösen, und das sollte man alles genießen.
Xound: Gibt es in Bezug auf das neue Album eine Vision, einen Wunsch?
Sabrina: Seit Monaten fragen mich Leute, was ich denn gerade mache und wie das neue Album klingen wird. Ich habe bemerkt, dass ich die ganze Zeit nur davon geschwärmt habe, und daher bin ich so froh, dass das Album nun endlich raus ist.
Ich bin nicht Gott, ich bin nicht Moses, ich weiß nicht, wie sich alles entwickeln wird. Ich kann niemanden zwingen, meine Platte zu hören. Ich kann euch nur alle herzlich einladen, die rote Reise mit mir zu machen. Ich freue mich natürlich, wenn viele Menschen die Platte mögen, doch erst einmal freue ich mich darüber, dass ich solch eine Platte machen konnte.
Xound: Deine Platten zählen zu den erfolgreichsten deutschen Musikproduktionen. Wie kann man jungen Musikern in der heutigen, für das Musikbusiness nicht gerade einfachsten Zeit Mut machen?
Sabrina: Ich kann jungen Musikern nur das auf den Weg geben, was ich auch für mich selber sehe. Das heißt, einfach sich selbst treu zu bleiben und an sich zu glauben, auch wenn es manchmal hart ist. Solange man an das Talent, was man hat, glaubt und mit diesem Talent arbeitet, kann man nichts falsch machen.
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