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Musiker-BoardDas Internet-Forum »Musiker Board« ist das größte deutschsprachige Forum für Musiker.

Betrieben wird das Musiker Board vom Musik Service in Aschaffenburg. Über 82 000 registrierte Benutzer sind regelmäßig online und tauschen in diesem gigantischen Informations-Pool Erfahrungen zu den verschiedensten Themen rund ums »Musikmachen« aus. Wer auch nach älteren Beitragen sucht, hat mehr als 2,7 Millionen Beiträge zu ca. 200 000 Themen zur Auswahl, wobei umfangreiche Suchfunktionen bei der Suche nach einem konkreten Thema äußerst hilfreich sind. Begleitet werden die Benutzer des Musiker Board von einem kompetenten Moderatoren-Team, welches sich aus professionellen Musikern, Coaches und Technikern zusammensetzt. Wir hatten Gelegenheit zu einem Gespräch mit Johannes Hofmann, dem Initiator und Administrator des Musiker Board und Mitgeschäftsführung des Musik Service Aschaffenburg.

Xound: Das Musiker Board zählt zu den ersten Internt-Foren, die speziell für Musiker entwickelt sind. Wie ist die Idee entstanden?

Johannes Hofmann (J.H.):
Die eigentliche Idee stammt von mir, d.h. ich bin im Prinzip der Erfinder des Musiker Board. Die Idee wurde geboren, da es mich immer mehr genervt hatte, am Telefon tagtäglich die gleichen Fragen beantworten zu müssen. Wenn jemand bei uns im Geschäft anrief und technische Fragen hatte, dann wurde er meist zu mir durchgestellt, und ich habe seine Fragen beantwortet.
Der erste Schritt war, dass ich die immer wiederkehrenden Fragen und die entsprechenden Erklärungen dann aufgeschrieben und ins Internet gestellt habe.
Wenn nun jemand wieder mit den gleichen Fragen anrief, konnte ich ihm sagen: Schau doch mal da und da im Internet nach und wenn du dazu noch Fragen hast, dann melde dich noch mal.
Auf diesem Konzept basierte das erste Forum, das war im Jahr 2001.

Xound: Wie sah die erste Struktur des Musiker Board aus?

J.H.: Zunächst nannte sich das Forum „Schwarzes Brett“ und war auf der Musik Service-Webseite zu finden. Das Ganze war eher in Form eines Gästebuchs angelegt, die Software dazu habe ich selbst geschrieben. Ich habe dann ein Thema angesprochen, irgendjemand hat einen Kommentar dazu abgegeben und dann habe ich wieder zurück geschrieben usw. Die Sache ist sehr explodiert. Wir haben dann die ersten Threads gebaut, so wie man das in einem richtigen Forum macht. Es hat sich dann die Notwendigkeit ergeben, die Themen in Gitarren, Drums, Keyboards, usw. aufzusplitten und dann immer weiter zu separieren.
Ursprünglich war das Forum Bestandteil von www.musik-service.de als Frage- und Antwort-Forum. Aus Suchmaschinen-technischen Gründen haben wir das Forum später auf eine eigene Domain gelegt.
Da ich die Software selbst geschrieben habe, musste ich ständig Anpassungen vornehmen. Das Forum wurde immer größer, die Anforderungen wuchsen rasant, so dass ich nur noch damit beschäftigt gewesen wäre, die Software ständig zu überarbeiten. Irgendwann war ich das leid und wir haben eine Forum-Software gekauft.

Xound: Als Administrator hat man ja mit einem Forum jede Menge Arbeit. Hast du zu Beginn schon Unterstützung bekommen?

J.H.: Ja, das kam relativ schnell. Nachdem ich die ersten Leute, die bei uns mit ihren Fragen anriefen, ins Internet verwiesen habe, haben die dort auch relativ schnell Antworten bekommen. Glücklicherweise gab es plötzlich immer mehr Leute, die nicht nur Fragen gestellt haben, sondern auch die Fragen der anderen beantworten konnten, d.h. immer mehr Leute haben mir jede Menge Arbeit abgenommen. Teilweise habe ich festgestellt, dass sich jemand meine Antworten, die ich irgendwann einmal ins Forum gestellt habe, Wochen später zu Eigen macht und die gleichen Antworten weiter gibt.
Anstatt mich darüber aufzuregen, dass jemand meine Information als seine weiter gibt, habe ich mich gefreut. Das Ganze hat Ruck Zuck eine Eigendynamik bekommen. Ich habe dann festgestellt, dass einige Leute z.T. mehr wussten als ich, selbst wenn ich ein gutes technisches Basiswissen habe. Oft haben wir auch Ingenieure im Forum, die dann bestimmte Sachen noch viel spezieller erklären können.
Und dann ging es schließlich nur noch darum, das Forum wachsen zu lassen.

Xound: In jedem Forum dieser Art gibt es Leute von anderen Musikläden, die eine solche Plattform nutzen, um für sich selbst Werbung zu machen. Wie geht man damit um?

J.H.: Wir standen irgendwann einmal vor dem Punkt, wo uns bewusst wurde, dass wir, wenn so viele Leute unser Forum besuchen, die Inhalte nicht mehr so ohne Weiters kontrollieren können. So hat halt jeder Benutzer die Möglichkeit, für einen anderen Händler Reklame zu machen. Doch wir haben dann die Entscheidung getroffen: Das soll uns egal sein. Wir machen lieber ein großes Forum. Es war eine der wichtigsten Entscheidungen, das Forum frei lassen, bevor wir alles überreglementieren und z.B. Referenzen auf die Konkurrenz unterbinden. Wir hatten unseren eigenen Profit dadurch, dass wir hin und wieder mal ein Banner von uns im Forum platziert haben. Es geht uns in keinem Fall darum, Musik Service zu pushen, es macht einfach Spaß, ein fettes Forum zu haben.

Xound: Wann kamen die Moderatoren dazu?

J.H.: Ich habe das Forum ja am Anfang alleine moderiert, doch irgendwann bin ich wirklich kirre geworden. Ich hab gesagt, dass schaffe ich nicht mehr, und daraufhin haben sich ein paar Jungs gemeldet. Diese Moderatoren haben dann irgendwelche Rechte bekommen, andere z.B. darauf hinzuweisen, beim Thema zu bleiben. Mittlerweile haben wir über 30 Moderatoren –von den ältesten Moderatoren sind heute immer noch welche dabei. Das Forum ist heute so groß, dass man es gar nicht mehr anders schaffen kann.

Xound: So ein Forum ist ja ein demokratisches System. Bekommt man da nicht manchmal Bauchschmerzen, wenn man als Administrator bestimmte Dinge liest, die man persönlich völlig anders sieht?

J.H.:
Ich bin ein toleranter Mensch. Es gibt auch Moderatoren, die sind nicht so tolerant. Wir haben auch gerade mal wieder Krach im Forum, weil jemand mal eine politisch grenzwertige Äußerung gemacht hat. Doch wenn ich mir so manches Politik-Forum anschaue...da geht es bei uns noch relativ zivilisiert ab.
Natürlich gibt es Meinungsverschiedenheiten, und natürlich denkt der eine oder andere, ich weiß das besser oder ich habe Recht. Doch teilweise gibt es dann schon Krach, wenn sich mache Leute ungerecht behandelt fühlen. Zum Teil handelt es sich dabei um recht junge Leute, die gerade in der Schule begreifen, was Demokratie ist. Die kommen dann mit Dingen wie dem Grundgesetz oder der Menschenrechts-Konvention und übertragen staatspolitische Prinzipien auf ein Forum. Sie begreifen nicht, dass das Forum keine öffentlich rechtliche Geschichte ist, sondern eher einen Status hat, wie eine Kneipe. Ich bin der Kneipenwirt und wenn jemand meine Bedienung anfasst, dann kann ich ihn rausschmeißen (lacht).
Doch genau genommen kann ich nicht nur von mir reden. Ich entscheide nicht mehr alleine. Das ist immer eine gemeinsame Übereinkunft der Moderatoren mit mir. Wir haben uns auch schon untereinander gezofft, doch wir bilden dann eine Meinung heraus. Unser Ziel ist es, ein großes, informatives Forum für Musiker-Kommunikation zu haben. Und wer diesem Ziel entspricht, der ist willkommen, und wenn jemand kommt, um irgendwelchen Mist zu verbreiten oder sich selbst darzustellen oder politischen Mumpitz in die Welt zu setzen, dann dulden wir das nicht. Selbst wenn wir auch politische Diskussion im Forum haben, würden wir nicht zulassen, dass z.B. die NPD versucht, sich irgendwelche Jugendlichen unter den Nagel zu reißen. Das Forum ist weder ein rechtsfreier Raum, noch ist es ein öffentlich rechtlicher Raum, sondern es ist ein toleranter, privatrechtlicher Raum. Ich sehe das immer ein wenig wie eine Jugendkneipe, in der man schon vieles machen darf, aber halt nicht alles.

Xound: Ihr seid ja mit eurem Forum die Nr. 1. Da gibt es ja sicher auch Neider. Wie sieht es mit Konkurrenten aus?

J.H.: Ich glaube es ist schwer, unseren Status aufzuholen. Es gab in der Vergangenheit schon
Attacken auf das Musiker Board, ebenso haben Leute versucht, unsere Benutzer auf andere Foren umzulenken. Es gab sogar einen Mitbewerber, der unser Forum 1:1 nachgebaut hat, doch er hatte ein Problem, es war keiner in seinem Forum. (lacht)
Die Software ist ja nicht das große Problem, die kann man kaufen und auf seinem Server installieren, und schon hat man ein Forum. Wenn dann allerdings ein Ansturm kommt, wie wir ihn haben – es sind fast jeden Abend über tausend Leute gleichzeitig online - dann kommt der Server ins Schnaufen. D.h. wir müssen immer schnellere, größere und bessere Server kaufen oder mieten. Diese notwendige Infrastruktur bricht auch vielen Leuten, die das mal so schnell nebenbei machen wollen, das Genick. Man braucht schon mehr als nur einen Billig-Account bei 1&1.

Xound: Mit so vielen Usern im Forum hat man die Möglichkeit, sich ein direktes Bild von den Bedürfnissen und Wünschen der Musiker zu machen. Wie wird so etwas genutzt?

J.H.: Vor einiger Zeit kam ein Vertrieb mit einem neuen Gitarrenmodell zu uns – die Marke möchte ich jetzt nicht nennen - und fragte uns, was wir davon halten. Wir haben darüber gesprochen, dass es viel interessanter sein sollte, zu wissen, was die Musiker in Deutschland davon halten. Ich habe dem Vertrieb dann angeboten, mal ein Experiment zu machen und habe einen Thread gestartet. Innerhalb von zwei Stunden hatten wir 40 bis 50 Kommentare zu dieser Gitarrenserie, die dermaßen vernichtend war, dass man sagen konnte: Die Serie ist durchgefallen.
Die Gitarre war damit für Deutschland gestorben. Der Vertrieb war natürlich froh, dass er die Gitarren noch nicht geordert hatte. Wie man sieht, kann man das Forum sehr einfach zur Markforschung nehmen.
Auch wenn Firmen mit neuen Produkten auf den Markt kommen, kann ich diese Infos im Forum ausstreuen, das verbreitet sich wie ein Lauffeuer.

Es gibt da noch ein anderes Beispiel von einem Hersteller, den ich hier nicht konkret nennen mag. Dieser Hersteller hatte einen Gitarrenverstärker produziert. Von 50 Verstärkern waren 27 defekt. Das hat sich im Forum dann in Windeseile verbreitet. Ich habe den Hersteller damals angerufen und gebeten, jemanden ins Forum zu schicken, der eine Lösung anbietet, um die Wogen zu glätten. Doch sie haben niemanden ins Forum geschickt, weil sie mir nicht geglaubt haben. Schließlich ist dieses Produkt im Forum fertig gemacht worden. Das konnte ich nicht verhindern.

Xound: Wenn ein Hersteller ein unbrauchbares Produkt auf den Markt bringt, ist das eh eine Frechheit, dann muss er sich auch der Verantwortung stellen.

J.H.:
Da hast du Recht.

Xound: Wenn man böse Absichten hätte, könnte man ein solches Forum ja auch nutzen, um Meinungen und Trends zu steuern.

J.H.:
Das stimmt, aber das mache ich nicht. Ich kann gerne befreundeten Firmen wie in den o.g. Beispielen helfen und darauf achten, dass solche Aktionen nicht aus dem Ruder laufen, doch ich werde nicht versuchen, die Meinungen unserer User zu beeinflussen. Das macht auch keinen Sinn. Wahrheiten finden halt ihren Weg. Wenn jemand eine Kritik posted, und du löschst diesen Eintrag, dann dauert es eine halbe Stunde und dann macht´s der Nächste. Du kannst eine unangenehme Wahrheit erläutern, du kannst die Sache begleiten und relativieren oder nach Lösungen finden, aber du kannst sie nicht löschen und aus einem „X“ ein „U“ machen.

www.musiker-board.de

 

Xound zwei 08

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