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Test: Alvarez MD 80-12 PDF Drucken E-Mail
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„12-saitige Dreadnought“

Alvarez-Gitarren habe ich ja in letzter Zeit immer wieder zu Gesicht bekommen und war von deren Fertigungsqualität angenehm überrascht. Die aus dem Bundesstaat Missouri stammenden Gitarren werden nach den Vorgaben und der Philosophie der Yairi-Tradition in China gebaut. Die Herstellung erfolgt nach engen Toleranzen, und alle Instrumente werden einer rigorosen Endkontrolle unterzogen, nachdem sie zuvor von den Gitarrenbauern bei Alvarez optimal eingestellt wurden. Eine 12-saitige Variante der MD 80 habe ich in dieser Ausgabe für euch ausgiebig getestet. Dabei habe ich nicht uneigennützig gehandelt, denn ich bin selber schon seit langem auf der Suche nach einer anständigen 12-saitigen, bezahlbaren Westerngitarre, die besonders im Studioeinsatz glänzen soll.

Konzept
Während des Auspackens aus dem schmucklosen Transportkarton aus Pappe schält sich aus den Schaumstoffkügelchen ein Transportkoffer der Extraklasse hervor. Er verfügt über ein eingebautes Hygrometer, um ein Auge auf die für Akustikgitarren so extrem wichtige Luftfeuchtigkeit des Raumes zu haben. Während E-Gitarren sich vergleichsweise resistent gegen trockene Luft hervor tun, erweisen sich akustische Instrumente aufgrund filigranerer Bauweisen und mehr unlackierter Angriffsflächen als sehr anfällig gegen zu geringe Luftfeuchte. Die Hölzer schrumpfen und gehen mit Lackrissen bis hin zur kompletten Verformung der Komponenten einher. Um diesem Umstand zuvor zu kommen, hat Alvarez in den Kofferdeckel besagtes Messinstrument integriert, eine sehr sinnvolle und lobenswerte Einrichtung! Bei unserer Testgitarre handelt es sich um eine schnörkellose 12-saitige Westerngitarre. 12-saitige Gitarren sind ja keine Brot- und Butter-Instrumente, die man alle Tage einsetzt. Doch besonders im Studioeinsatz bietet diese Akustikgitarren-Gattung immer einen besonderen Reiz und kann als zusätzliche „Farbe“ einen Song entscheidend prägen. Die Bauform der Alvarez MD 80-12 entspricht der einer Dreadnought-Gitarre, einer Größe, welche in ihren Maßen nur noch von einer Jumbo übertroffen wird. Sowohl Boden, als auch Zargen sind aus massivem Mahagoni gefertigt. Im Zusammenspiel mit der Fichtendecke entwickelt das Instrument einen extrovertierten und direkten Klang. Gleichzeitig besitzt der Hals sehr angenehme Maße. Er ist nicht zu klobig und ist ausreichend breit gestaltet, um eine sehr komfortable Bespielbarkeit zu ermöglichen.
Eine besondere Bedeutung kommt der Decke des Instrumentes zu. Sie ist aus massiver Engelmann-Fichte gefertigt, einem Kieferngewächs aus dem Westen Nordamerikas. Die Decke wird optisch von einer gleichmäßigen Maserung durchzogen, welche dem Instrument eine homogene Optik verleiht. Das Schall-Loch wird von einer schmalen Rosette sehr schlicht und geschmackvoll eingefasst. Die allgemeine Schlichtheit des Instrumentes wird zusätzlich durch eine Kombination von Tortoise und einem so genannten Herringbone-Binding abgerundet. Optische Verzierungen sind hier sehr dezent gehalten, so hat das Instrument zum Beispiel nur eine kleine ovale Griffbretteinlage am 12. Bund vorzuweisen, die üblichen Orientierungshilfen des dritten, fünften, siebten und neunten Bundes beschränken sich auf kleine weiße Orientierungspunkte auf der Oberseite des Halses. Wer also gewohnt ist, sich auf dem Griffbrett zu orientieren, sollte seine Gewohnheiten dahingehend verändern, sein Hauptaugenmerk auf den Rand des Halses zu richten.

Bespielbarkeit
Umfasst man das erste Mal den Hals der MD 80-12, fällt einem das sehr angenehme, flache D-Profil auf, wodurch das Instrument eine sehr gute Bespielbarkeit aufweist.
Der Griffbrettradius ist moderat und die Halsbreite kräftig, aber nicht übermäßig fett. So haben die Finger genügend Platz auf dem Griffbrett, um sauber und akkurat greifen zu können. Im Zusammenspiel mit dem Halsprofil ergibt sich so ein erstklassiger Spielkomfort. Das Instrument ist auch in hohen Lagen stimmstabil. Erst ab dem achten Bund beginnen leichte Intonationsprobleme, besonders, wenn die Saiten nicht mehr ganz taufrisch sind.

Sound
Dass die Alvarez-Gitarren ein unglaubliches Preis/Leistungsverhältnis aufweisen, ist mir schon bei meinen vorherigen Tests aufgefallen. Man versucht keine sterilen Instrumente auf den Markt zu bringen, so wie auch bei diesem Instrument, das im unteren Preissegment angesiedelt ist. Der Klang hat Charakter und Durchsetzungskraft. Wie auch bei den anderen von mir getesteten Alvarez-Gitarren ist mir auch hier deren ausgeprägte Obertonwiedergabe aufgefallen. Das ist zum einen auf die von Werk aus aufgezogenen Elexir-Saiten zurückzuführen, andererseits begünstigt die Holzwahl ein entsprechendes Klangergebnis. Doch was erwartet man im Allgemeinen von einer 12-saitigen Akustikgitarre? Einen glänzenden, orchestralen, breiten Klang, der wegen der doppelten Oktavsaiten einen natürlich perlenden Chorus-Sound erzeugt. Genau das tut die Alvarez MD 80-12 ohne Schnörkel und doppelten Boden. Gerade bei neuen rein akustischen Instrumenten ist der Klang noch etwas steif, weil sich die Harze in den verbauten Hölzern erst noch einschwingen und ausrichten müssen. So hat sich die Testgitarre bei meinem ausgiebigen Test schon leicht verbessert. Im Rahmen dieses Tests habe ich die Alvarez mit einer wesentlich teureren Martin 12-String einem direkten A/B-Vergleich unterzogen. Das Ergebnis war verblüffend, denn mein Eindruck des ausgeprägten Obertonbereichs bestätigte sich im direkten Vergleich beider Instrumente. Die Martin separiert die einzelnen Saiten besser und klingt in den oberen Mitten definierter, dafür bringt die Alvarez eine spritzigere Wiedergabe mit klingenden Präsenzen. Was den ein oder anderen stören mag, offenbart sich im Studio als eine sehr hilfreiche Klangeigenschaft, denn ohne großartigen Einsatz des Equalizers bettet sich der Klang des Testinstrumentes sofort wunderbar in Playbacks ein. Zu diesem Zweck habe ich sowohl mit dem Neumann KM 184, als auch mit dem Brauner Phantom C aufgenommen und war mit den Klangergebnissen sehr zufrieden. Man kann das Mikro jedoch weiter als gewohnt in Nähe des Schallochs platzieren, ohne einen mulmigen Klang befürchten zu müssen. Hier zählt natürlich jeder Zentimeter. Meine Klangergebnisse waren jedoch durchweg sehr zufriedenstellend. Die Stimmstabilität hat mir ebenfalls sehr gut gefallen, da die Saitenlage optimal eingestellt war und so gut wie keine Interferenzen aufgetreten sind.

Fazit
Die Alvarez MD 80-12 ist eine sehr gute 12-saitige Dreadnought-Westerngitarre, die mir besonders im Studio-Einsatz beste Dienste geleistet hat. Das Preis/Leistungsverhältnis ist wirklich klasse. An diese Qualität kommt man sonst nur mit wesentlich teureren Instrumenten heran. Die Bespielbarkeit ist einfach klasse und es ist sehr inspirierend, dem Klang dieses Instrumentes zu lauschen. Das offene Klangspektrum und die vorbildliche Verarbeitung machen die Alvarez MD 80-12 zu einem professionellen Instrument.

www.alvarezgtr.com
UVP: 670 EUR

Alvarez MD 80-12
Korpusstil: Dreadnought, 12-saitig
Boden / Zargen : Massives Mahagoni
Decke : Massive Engelmann – Fichte
Griffbrett : Palisander
Griffbrett-Intarsie: 12 F Diagonal
Korpuseinfassung: Ahorn
Schalllochrosette: Abalone
Mechanik: Nickel-Spritzguss
Politur: Natur