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„Für Jeden etwas“
Manche Dinge brauchen halt ihre Zeit - mein letzter Versuch, mit Audio-Software auf dem PC Musik zu machen, war sicherlich um die Jahrtausendwende. Damals kämpfte man noch mit Windows 98 um eine einigermaßen latenzfreie Arbeitsumgebung, und die gängigen Softwares in diesem Bereich waren Vertreter wie Cubase oder Emagic Logic Audio. Jede Installation von neuer Hardware war ein spannendes Unterfangen mit ungewissem Ausgang, und man war immer froh, wenn man eine halbwegs stabile Konfiguration auf dem Rechner gefunden hatte. Als Schlagworte seien hier nur Treiberkonflikte und die leidigen Latenzprobleme genannt. Die beiden großen Softwarehäuser Steinberg und Emagic waren bei uns die Platzhirsche auf dem Markt und DSP-gestützte Systeme wie Digidesigns ProTools waren für die meisten User unerschwinglich. Es war die Zeit, wo die Dance- und Technomusik in allen Facetten ihren kommerziellen Höhepunkt hatte, und so kamen auch viele Schüler zu mir in den Keyboard-Unterricht, um ihre selbstkomponierten Konglomerate zu präsentieren, die sie meist mit einer Software namens „Music Maker“ erstellt hatten.
Es handelte sich um einen Sequencer, mit dem man in einer Art Baukasten kurze Audiofiles, die alle dasselbe Tempo und ähnliche Tonarten oder Harmoniedurchgänge hatten, in immer wieder neuen Variationen zusammensetzen konnte. Natürlich war man hier mit seinen kreativen Möglichkeiten etwas eingeschränkt, doch hatte das Programm schon damals einen außerordentlich hohen Spaßfaktor, gepaart mit einer intuitiven Bedienung, die auch Anfänger nach zehn Minuten mit dem Programm arbeiten ließ. Für mich als Musiker war das Programm natürlich uninteressant, und so blieb ich bis heute auf der Mac-Plattform mit Logic und verschiedenen Hardwares. Die Firma Magix, die den Music Maker produziert hatte, blieb natürlich in der Zwischenzeit nicht untätig in der Entwicklung dieser und neuer Softwares und so landete jetzt eine ganze Kiste von 2008er Versionen der Magix-Softwares auf meinem Schreibtisch. Nach kurzem Antesten der verschiedenen Tools in der Redaktion beschlossen wir, die verschiedenen Programme jeweils einmal genauer unter die Lupe zu nehmen und zwar unter typischen Bedingungen, also einem handelüblichen aktuellen PC, wie er in vielen Haushalten zu finden ist. Die ersten Eindrücke waren schon sehr beeindruckend und zeigten auch, wie nah die so genannten Profi-Applikationen vom Schlage eines ProTools oder Logic Pro mit den Tools einer Firma Magix, die zu einem Bruchteils deren Preises gehandelt werden, mittlerweile zusammenliegen. Auch die oft gehörte Behauptung, dass eigentlich nur auf Apple-Rechnern ein professionelles Arbeiten möglich ist, kann man so nicht mehr halten. Aufgrund des Umfangs dieses Tests wird er auf drei Ausgaben verteilt werden und soll auch zeigen, ob es möglich ist, größere Projekte aus unseren Studios auf der Magix-Plattform zu fahren und wie der Workflow auf dieser Plattform im Vergleich zu anderen Applikationen ist.
Die Magix Softwares und das Magix Portal
Im Test haben wir die folgenden Softwares: Music Maker in der Version Producer Edition 2008, Samplitude Music Studio 2008, Samplitude Pro Version 10, Music Cleaning Deluxe 2008 und Video Deluxe 2008 plus. Letztere ist natürlich keine Audio-Software, aber nach Angaben von vielen Profis aus diesem Bereich ein sehr beliebtes und oft genutztes Tools, das eine sehr große Verbreitung hat und in Zeiten von Podcast, Myspace & Co auch immer mehr in den Audiobereich zielt. Die professionelle Audiosoftware Samplitude gehört seit einigen Jahren zur Magix-Familie, daher sind sich der Music Maker und die kleine Samplitude-Version Music Studio in verschiedenen Punkten ähnlich, stammen jedoch aus zwei verschiedenen Audio-Engine-Familien. Magix produziert weiterhin noch einige interessante Tools zum Beispiel zur Bearbeitung von MP3-Files oder zur Formatkonvertierung von Audio- und Videofiles sowie zur Podcastproduktion und ist auch in der Bildbearbeitung und im Webdesign aktiv. Allen Magix-Produkten gemein ist die sehr günstige Preisgestaltung, die es wirklich allen ermöglicht, mit guten, professionell einsetzbaren Produkten zu arbeiten. Diese Maxime unterstützt Magix noch mit einem Webportal, das neben Support und Updates auch einen Shop, den Catooh Online Medienkatalog, bietet - mit einem großen Angebot an Soundfiles und Loops und anderer Medien für alle Einsatzbereiche sowie der Möglichkeit, seine Bilder und Musik zu präsentieren. So hat sich eine sehr große Community entwickelt, die einen sehr regen und fruchtbaren Austausch zwischen den Usern ermöglicht.
Magix arbeitet im Audiobereich eng mit der Firma RME zusammen, die hochwertige Audio-Interfaces und Preamps entwickelt. So sind bei der Entwicklung und der Anpassung von Treibern an die jeweiligen Computer und deren Betriebssysteme kleine Wege garantiert, die eine optimale Anpassung von Software und Hardware versprechen. Dass das Ganze noch aus deutschen Landen kommt, werte ich mal als klaren Vorteil, was man spätestens an den gut gegliederten Bedienungsanleitungen sehen kann.
Die Softwares und ihre Systemvoraussetzungen
Beginnen wir mit der Music Maker Producer Edition 2008: Der Music Maker ist die älteste der Audio-Applikationen, basiert mittlerweile aber auch auf der Audio-Engine von Samplitude mit der Erfahrung von 20 Jahren im professionellen Audiobereich. Mit der 2008er Version verfügt der Music Maker über 96 Tracks, beliebig konfigurierbar als MIDI, Audio oder VSTi-Tracks. Er bietet Unterstützung für VST und DirectX, womit die gängigen Schnittstellen auf dem PC abgedeckt sind. Er kommt mit 3500 Samples, Loops und Phrases und verfügt über eine komplette Einbindung für Video. Neu sind ebenfalls das 5.1 Surround-Mixing, die Mastering Suite 2.0, Elastic Audio und eine Ampsimulation und nicht zuletzt die neuen Instrumente Revolta 2, Vita und Vital Instruments. Zusammen mit dem Mixer und den Studioeffekten sowie den vielen Exportformaten sowohl für Audio als auch für Video hält man ein professionelles Werkzeug für die Multimedia-Produktion in Händen.
Das Samplitude Music Studio 2008 ist dagegen die abgespeckte Version von Samplitude, die für Newcomer und Erstanwender unbedingt die richtige Wahl ist. Mit überschaubarer, logischer Oberfläche ist es einfach zu bedienen und bietet trotzdem eine professionelle Funktionalität. Mit Multitrack-Recording ist die Anwendung auch für Bands zu empfehlen, die Schnittstellenvielfalt ist mit VST, ASIO, Rewire und DirectX umfangreicher, es werden professionelle Studio-Effekte geboten, die hochwertigen virtuellen Instrumente werden von Yellow Tools gestellt und es können Podcasts erstellt und hochgeladen werden. Die Oberfläche ist mehr an den Samplitude-Look angelehnt und so richtet sich das Programm an Bands sowie an MIDI-Arranger. Podcaster, Webdesigner und Multimedia-Künstler erhalten mit dem Programm ein leistungsstarkes Werkzeug zu einem sehr günstigen Preis.
Das Flagschiff der Magix Audio-Programme ist die Samplitude Software, die nun in Version 10 erschienen ist. Hier trifft man auf alle professionellen Features, die man heutzutage in einem solchen Programm erwartet. Neu ist unter anderem eine erweiterte Spur- und Objektautomation sowie eine Masterautomation, die die neue Cleaning und Restauration Suite unterstützt. Hier sind jetzt auch neue Dynamics in Form eines neuen Multibandkompressors und eines Multiband Enhancers zu finden. Ferner gibt es neue Plug In Suites, das Elastic Audio Easy und ein neues Tempo-Menu mit neuer Audio-Quantisierung. Es steht jetzt der Independence LE von Yellow Tools mit einer 4GB großen Sample Library zur Verfügung.
Die Music Cleaning 2008 XXL Software ist eines von verschiedenen nützlichen Tools, die bei Überspielungen von Vinyl, der Konvertierung in andere Formate und anderen Jobs gute Dienste leistet. Hier hat sich Magix etwas Besonderes einfallen lassen: Zur Überspielung von Vinyl ist ein kleiner Phono-Preamp beigelegt, der zwischen Plattenspieler und Verstärker geschaltet wird und bei Bedarf via USB zum Audio-Interface für Vinyl-Überspielungen wird, ohne die Verkabelung ändern zu müssen. Einmal in den Rechner überspielt, lässt sich ein komplettes Mastering durchführen.
Die Video Deluxe 2008 Plus Software ist eine eingeführte Videoschnittsoftware, die in der 2008er Version unter anderem volle HD-Unterstützung, 5.1 Surround-Nachvertonung, hochwertige Spezialeffekte sowie 3D-Echtzeit-Animation bietet. Mit ihrer perfekten CD/DVD-Gestaltung lässt sich jedes Videoprojekt - von Podcast bis zur animierten DVD - liebevoll gestalten. Auch hier ist ein übergreifender Look in den Anwendungen festzustellen, der einen einfachen Einstieg in die Materie ermöglicht.
Die Systemvoraussetzungen gestalten sich bei allen Programmen als erfreulich moderat, jedoch sollte man hier wie bei allen ähnlichen Programmen davon ausgehen, dass ein aktueller Rechner den Programmen erst den richtigen „Saft“ gibt, so dass sie wirklich Spaß machen. Wir verwendeten in diesem Test einen handelsüblichen PC der 500EUR-Klasse von Aldi/Medion mit 1,8GHz Core 2 Duo Prozessor und 1GB RAM unter Windows Vista Home Edition. Als Audio- und MIDI-Interface verwendeten wir ein M-Audio Ozone USB-Interface sowie den Phonopreamp von Magix und ein RME-Interface. Man kann nach den ersten Testreihen schon sagen, dass die Softwares sehr moderate Anforderungen an den Rechner stellen, ihn aber auch in Extremsituationen an den Rand des Machbaren schicken, Latenzen aber in erfreulich kleinem Rahmen bleiben. Die ersten Praxistests folgen im nächsten Heft.
www.magix.com
UVPs:
Music Cleaning Lab 2008 XXL: 99,99 EUR
Music Maker 2008 Producer Edition: 99,99 EUR
Samplitude Music Studio 2008: 99,99 EUR
Samplitude 10 Professionell: 999 EUR
Video Deluxe 2008 Plus: 99,99 EUR |