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Es ist auf den ersten Blick immer ein zweischneidiges Schwert, wenn man legendäre Serien in neuen Produkten wieder aufleben lässt. Zwei kritische Fragen schießen einem gleich durch den Kopf, wenn ein solches Phänomen auftritt: Hat das neue Produkt tatsächlich etwas mit dem alten, originalen Schätzchen gemeinsam oder bedient man sich lediglich alter (verdienter) Lorbeeren, um ein neues Produkt zu pushen? An dieser Stelle sprechen wir von der Focusrite ISA-Serie, deren ISA 110-Module damals quasi das klangbildende Herzstück der legendären Focusrite Forte Konsole Mitte der 80er Jahre waren. Der Name »ISA« muss also verpflichten, umso gespannter waren wir, als der achtkanalige Mikrofon/Line-Vorverstärker (mit A/D-Wandleroption) unser Studio erreichte – zumal wir in unserem Studio stolze Besitzer eines ISA 115 sind (wer dieses schon mal gehört hat, weiß, warum des Toningenieurs Augen da beginnen zu glänzen), der sich schon auf einen Vergleich mit dem neuen Familienmitglied freute. Doch eines sei vorweg bemerkt: Wo ISA drauf steht, ist auch ISA drin.
Konzept und Fakten
Der erste Blick auf die Frontplatte des 19"/2 HE großen ISA 828 macht seine Familienzugehörigkeit gleich klar – blaue Front, grau abgesetzte Sektionen, graue Potis mit gelben Kappen … der ISA-Look lässt grüßen. Alle acht Kanäle verfügen über die gleichen Bedienelemente – abgesehen davon, dass lediglich die ersten vier Kanäle mit frontseitigen Instrumenten-Eingängen in Form von 6,3 mm Klinken-Buchsen ausgestattet sind. Der Eingangspegel wird über einen vierstufigen Gain-Drehschalter in 10 dB-Schritten eingestellt – der Regelbereich gestaltet sich wie folgt: Für Mikrofon-Eingangssignale steht ein Bereich von 0–30 dB bzw. von 30–60 dB zur Verfügung (dies wird über die beleuchtete »30–60« Taste ausgewählt), bei Line-Signalen sind es –20 bis +10 dB. Die Mikrofonvorverstärker sind übrigens mit den legendären Lundahl LL1538 Übertragern ausgestattet. Eine zusätzliche Verstärkung kann über das stufenlose Trim-Poti eingestellt werden, hier sehen die Regelbereiche folgendermaßen aus: Für Mic und Line sind es 0–20 dB und in den ersten vier Kanälen wird der Instrumenten-Pegel ausschließlich über den Trim-Regler bestimmt, hier sind es dann +10 bis +40 dB. Vier weitere beleuchtete Tasten stehen für die zuschaltbare Phantomspannung, eine 180° Phasenumkehr, ein Hochpass-Filter (75 Hz, 18 dB/Oktave) und das Insert-Feature bereit. Aktiviert man den Insert-Schalter, wird der Signalpfad des Kanals unterbrochen, das am ADC-Eingang anliegende Signal wird dann zur digitalen Ausgangskarte geführt – das Mic/Line/Instrumenten-Signal liegt trotzdem an den analogen Ausgängen an. Die Eingangsquelle wird über einen Taster gewählt – der aktive Eingang (Mic, Line, Instrument) wird über entsprechende LEDs signalisiert. Über einen weiteren Schalter, der mit »Z In« bezeichnet ist, kann man verschiedene Vorverstärker-Übertrager-Impedanzen auswählen, um diese an die Ausgangsimpedanz des Mikrofons anzupassen – zur Wahl stehen: »Low« (600 Ohm), »ISA 110« (1,4 kOhm), »Med« (2,4 kOhm) und »High« (6,8 kOhm) – vier LEDs signalisieren die eingestellte Impedanz. Eine sechsstellige LED-Kette dient als Metering – über die globale Taste »Meters Pre ADC« entscheidet man, ob der Signalpegel gleich hinter den Verstärker-Stufen angezeigt wird oder der Pegel an den Wandler-Eingängen (bei installierter A/D-Wandlerkarte). Auf der Rückseite befindet sich übrigens ein Trim-Regler zur Kalibrierung der Meter-Ketten (in Mittelposition leuchtet die oberste, rote LED bei +22 dBu, bei Linksanschlag bei +18 dBu und bei Rechtsanschlag bei +26 dBu). Zu guter Letzt findet man eine Sektion, die lediglich die optionale A/D-Wandlerkarte betrifft. Hier stehen je ein Taster nebst Status-LEDs für die Einstellung der Samplerate (44,1 bis 192 kHz) und der Word Clock (externe Standard Word Clock oder 256x Word Clock) bereit.
Auf der Rückseite befinden sich die Anschlüsse des ISA 828. Als analoge Eingänge stehen acht XLR-Buchsen (Mic) und acht 6,3 mm Klinken (Line) zur Verfügung. Acht symmetrische Analog-Ausgänge sind in Form einer 25-poligen Sub-D Buchse (Tascam Pin-Belegung) realisiert worden. Ebenso als 25-pol Sub-D stehen acht ADC-Inputs (Analog-Digital-Coverter Eingang) bereit, um zur optionalen A/D-Wandlerkarte geführt zu werden. Bliebe noch der Netzteilanschluss und der Slot für die A/D-Wandlerkarte und die Rückseite wäre komplett.
A/D-Wandlerkarte
Die optionale A/D-Wandlerkarte ist mit TI Burr-Brown ProAudioAmplifiers und PCM4220 Wandlerchips bestückt und arbeitet in 192 kHz/24 Bit-Qualität. Die acht digitalen Ausgänge (AES oder S/PDIF) liegen als 25-polige Sub-D Buchse vor (Tascam Pin-Belegung), wobei die unterschiedlichen Konfigurationen über Jumper auf der Karte und zwei Druckschalter geändert werden können (Single/Dual Wire, versch. Sample-Rates, etc.). Als ADAT-Ausgänge sind zwei optische Schnittstellen vorhanden, die ebenfalls die unterschiedlichsten Formate (ADAT normal, SMUX II, SMUX IV) unterstützen. Natürlich verfügt die A/D-Karte auch über WordClock-I/O in Form zweier BNC-Buchsen.
Anwendung und Fazit
Beim Focusrite ISA 828 handelt es sich um ein interessantes Hi-End Frontend-Gerät für alle Recordingleute mit professionellen Ambitionen, die mehr als nur ein oder zwei Signale in bester Qualität aufnehmen möchten. Das Handling des ISA 828 ist sehr einfach, ob mit oder ohne integriertem Digital-Board. Als Besitzer eines legendären Focusrite ISA 115 wollten wir uns natürlich nicht nehmen lassen, den ISA 828 mit dem »alten« ISA 115 zu vergleichen. Der Sound des 8-Kanal Preamps ist sehr sauber und transparent – ganz gleich, ob bei Mikro-, Line- oder Instrumenten-Signalen. Und auch bei extrem dynamischen Signalen zeigt der ISA 828 genügend Dynamikreserven und wird damit dem klassischen Focusrite ISA-Image gerecht, wobei der »alte« ISA 115 ein wenig offener klingt.
Beim Verstellen der variablen Eingangsimpedanz konnten wir keinen konkreten Unterschied bei den gängigen Studio-Mikrofonen feststellen – vielleicht sähe es da bei einem Bändchen-Mikrofon anders aus.
Für den Einsatz mit DAWs oder sonstigen digitalen Recordern zeigt sich die interne Wandleroption als sehr nützlich. Entscheidend ist dabei natürlich auch die Frage, wie gut dieser Wandler klingt, doch auch hier kann man durchaus beruhigt sein. Der interne Wandler steht einem ProTools HD-Wandler in Nichts nach. Wird die Wandlereinheit über einen externen Clock-Generator synchronisiert (wir testeten dies mit einer Apogee Big Ben-Clock), so gewinnt der ISA 828 noch um Einiges an Klarheit, vor allem in den hohen Frequenzen.
Alles in allem handelt es sich beim ISA 828 um ein sehr effektives Hi-End Frontend-Gerät mit ausgezeichneter Performance und einem fairen Preis.
www.focusrite.com
UVPs:
ISA 828: 2 974 EUR
A/D-Karte: 1 070 EUR
Focusrite ISA 828
- 8-Kanal Mikrofonvorverstärker mit Lundahl LL1538 Übertragern
- acht XLR/Mic- und acht Klinke/Line-Eingänge
- schaltbare Mikrofon-Eingangsimpedanz
- vier DI-Instrumenteneingänge mit variabler Impedanz
- High-Pass-Filter und Phase-Reverse
- Inserts zwischen Pre-Amps und Wandler
- Standard 25-Pin Sub-D analog-I/O-Anschlüsse
- optionale High-End 8-Kanal AD-Wandlerkarte mit 192 kHz
- Eingangspegel: –126 dB at 60 dB gain
- S/N max Headroom (9 dBu): 106 dB
- THD (30 dB gain): 0,0008 %
- Frequenzgang (0 dB): (–0,5 dB) 10 Hz – (–3 dB) 110 kHz
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