|
Bereits mit vier Jahren begann Tommy Emmanuel Gitarre zu spielen, mit sechs war er schon so gut wie mancher Profi. Als Tommy Emmanuel elf war, nahm ihn Country-Star Buddy Williams mit auf Tour. In den 60er Jahren startete er mit seiner professionellen Karriere durch. Seit vielen Jahren füllt er in seinem Heimatland Australien ganze Stadien. Seit einigen Jahren kennt man den Gitarren-Magier auch in Europa. Nach den Starts in kleineren Clubs entwickelt sich Tommy Emmanuel nun auch bei uns zum Gitarrenstar, und seine Konzerte werden von mal zu mal größer. 1999 verlieh Chet Atkins ihm den Titel »Certified Guitar Player« für seine Bemühungen in der Kunst des »Fingerstyle Guitar Playing«, eine Auszeichnung, die zu dieser Zeit nur zwei weitere Künstler genießen konnten. Tommy Emmanuel genießt mittlerweile den Ruf, zu den weltbesten Gitaristen zu gehören und kann auf mehrere Grammy-Nominierungen und Plattenverkäufe im Millionenbereich zurückblicken. Schaut man dem Gitarrenkünstler während seiner Performance auf die Finger, erinnert so manches an Zauberei. Tommy Emmanuel spielt – wie eine komplette Band – Begleitung, Solo, Rhythmus und perkussive Elemente in einem – und das mit nur zehn Fingern, verschiedenen Plektren und manchmal sogar einem Jazzbesen. Hin und wieder singt er sogar noch zu all den Dingen, die er aus seiner Gitarre mit seinen vielseitigen Picking-Techniken hervorzaubert. Dabei ist kein Hauch von Anstrengung zu bemerken. Tommy Emmanuel schafft es, seine Performance mit einer unglaublichen Leichtigkeit rüberzubringen und somit die Zuhörer in seinen Bann zu ziehen. Zurzeit geht der große Meister wieder in Deutschland auf Tour. Wir hatten Gelegenheit zu einem netten Gespräch.
Tommy Emanuel (T.E.): Mein erster Gitarrenlehrer war meine Mutter, da war ich vier Jahre alt. Später hat dann mein Bruder – er ist ein wenig älter als ich – die Rolle als Gitarrenlehrer übernommen. Er hat mir in dieser Zeit wirklich eine Menge geholfen. Ich habe immer schon andere Leute beobachtet, wie sie Gitarre spielen. Zunächst habe ich versucht, vieles nachzuspielen. Als ich älter war, wurde ich immer besser, und ich begann schließlich, meine eigenen Songs zu schreiben. Ich hörte eine Menge Musik im Radio oder von Platten und versuchte, die Sachen auszuarbeiten und auf meine eigene Art nachzuspielen. Ich habe also keine Musikschule besucht oder Musik studiert. Ich habe gelernt, Musik zu machen, weil ich es geliebt habe und weil ich es einfach wollte. Sehr viel Zeit habe ich auch damit verbracht, den speziellen Sound zu entwickeln, den ich gesucht habe.
Xound: Du sagst, du hast viele Gitarristen beobachtet und nachgespielt. Deine Art zu spielen, ist jedoch sehr speziell – so spielt kein anderer Gitarrist. Wie bist du auf diese Spielweise gekommen?
T.E.: Eine wichtige Inspiration war dabei, Sängern und Songwritern zuzuhören. Ich habe dann versucht, die gesamte Stimmung mit der Gitarre rüberzubringen. Ich denke und fühle eher wie ein Sänger und nicht wie ein Gitarrist, auch wenn ich meine Musik auf der Gitarre spiele. Dies unterscheidet meinen Sound und meine Art zu spielen von anderen Gitarristen.
Xound: Wenn du einen neuen Song schreibst, wie gehst du vor? Hast du schon konkrete Melodie-Ideen oder lediglich eine grobe Stimmung im Kopf?
T.E.: Das ist unterschiedlich. Manchmal entsteht eine Idee aus einem einzigen Akkord oder aus ein paar Akkorden und ich denke: Oh, das klingt nett. Dann singe ich manchmal einige Melodien über die Akkorde und versuche eine Stimmung hinzubekommen, die sich gut anfühlt. Ich verlasse mich dabei stets auf meinen »natürlichen« Instinkt (lacht). Wenn es mir gefällt, dann arbeite ich weiter alle Details aus.
Xound: Was schreibst du lieber, Instrumental-Songs oder Songs mit Gesang?
T.E.: Die meisten meiner Songs sind Instrumental-Songs – ich bin nicht so gut im Texten (lacht).
Xound: Wenn man dich spielen sieht, wundert man sich, was man mit nur zehn Fingern spielen kann.
T.E.: (Lacht) Alles ist bis ins Detail ausgearbeitet, damit die Songs mit mir alleine, ohne zusätzliche Musiker oder Instrumente, funktionieren. Daher muss alles sehr sorgfältig arrangiert werden und ich muss sicherstellen, dass alles in jeder Situation klappt. Darüber hinaus lasse ich genügend Raum für Improvisationen, vor allem um beim Konzert auf der Bühne noch möglichst spontan sein zu können. Ich glaube, dass ich eine ganz gute Balance zwischen möglichst ausgeklügeltem Arrangement und Spontaneität gefunden habe.
Xound: Was magst du lieber: Auf der Bühne zu stehen und das direkte Feedback des Publikums zu bekommen oder in Ruhe im Studio an Aufnahmen zu arbeiten?
T.E.: Ich mag beides, und ich bin sehr glücklich, beides zu haben. Viele Leute werden nervös, wenn sie ins Studio gehen, da alles wie unter einem Mikroskop betrachtet wird.
Ich liebe es, im Studio zu spielen, ich liebe diese Herausforderung. Du hast hier exzellente Mikrofone, einen guten Hall, hast einen perfekten Kopfhörer-Sound usw. Wenn du live spielst, ist das eher Entertainment. Deine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass die Leute sich wohl fühlen und eine gute Zeit haben – natürlich solltest du dich auch selbst wohl fühlen (lacht). Doch es gibt nichts schöneres, als in solch einem Augenblick für das Publikum da zu sein. Doch auch wenn das Live-Konzert für mich eine wichtige Inspiration darstellt und ich wirklich mein Bestes gebe, die Live-Performance ist niemals perfekt. Im Studio kann ich mir die Zeit nehmen und so lange an den Aufnahmen arbeiten, bis sie in meinem Sinne perfekt sind.
Xound: Welche Ratschläge würdest du jungen Musikern auf den Weg geben, um weiter zu kommen?
T.E.: Der einzige Weg, überhaupt irgendwo im Musikbusiness weiter zu kommen, ist, sehr hart zu arbeiten. Du musst ein gutes Repertoire mit guten Songs haben. Dann solltest du in der Art wie du spielst immer wieder variieren und dich nicht auf einen einzigen Stil festlegen. Eines ist ebenfalls sehr wichtig: Wenn du Konzerte geben möchtest, dann solltest du Musik spielen, die die Leute lieben und nicht nur Musik für andere Musiker machen. Wenn du es schaffst, deine Songs mit Ausdruck rüberzubringen und ein gutes Gefühl zu vermitteln, dann erreichst du auch die Herzen der Leute.
Xound: Bist du oft in Deutschland?
T.E.: Ja, Deutschland hat einen speziellen Platz in meinem Herzen. Als ich begann, in Europa Konzerte zu geben, war Deutschland das erste Land, in dem ich aufgetreten bin. Ich habe mittlerweile viele Freunde in Deutschland. Ich bin begeistert, dass ich mittlerweile in den größeren Hallen auftreten kann. Die Leute in Deutschland haben ein offenes Herz für meine Musik und das freut mich sehr.
www.tommyemmanuel.com |