somlWohnzimmerkonzertMAKING OF

Wer es mag kann sich mit regnerischen Open Airs oder überfüllten Konzerthallen zufrieden geben – man kann es jedoch auch durchaus gemütlicher haben! Der Komponist und Produzent Martin Ernst bietet eine kuschelige und intime Alternative: Song Of My Life ist eine Konzertreihe der außergewöhnlichen Art. Regelmäßig lädt er berühmte Musiker sowie spannende neue Talente zu sich ins eigene Wohnzimmer in Erftstadt ein, um bis zu 100 geladenen Gästen zwischen Couch und Porzellanschrank ein zum Greifen nahes und unvergessliches Erlebnis zu bieten.

soml01Newcomer wie Profis müssen sich an nur zwei Bedingungen halten: Jeder Interpret muss einen „First Song“ und einen „Best Song“ darbieten und darf dafür den Rest gestalten, wie er sich am wohlsten fühlt. Bei der Wahl des „First Song“ ist genügend Spielraum gegeben - es darf sich entweder simpel gehasoml02lten um die erste gekaufte Single handeln. Erlaubt ist aber auch der Song, der den ersten Kuss ewig ins Gedächtnis gebrannt hat, genau wie derjenige des persönlichen musikalischen Erwachens. Der „Best Song“ kann natürlich nur das Stück sein, das für den allerbesten Song aller Zeiten gehalten wird.

Am 6. Juni 2013 gab es zum ersten Mal auch für diejenigen, die zuhause bleiben mussten, die Möglichkeit, das Event per Live-Stream vom Aufbau soml03über Soundcheck und Gespräche bis hin zu den Auftritten selbst aus unterschiedlichen Kameraperspektiven mit zu verfolgen.
Während solche Produktionen bei herkömmlichen TV-Sendern große Budgets verschlingen, ist es Martin Ernst mit Freunden gelungen, ein Format auf die Beine zu stellen, welches den Vergleich mit vielen teureren TV-Produktionen nicht scheuen muss. Mittlerweile umfasst das SOML-Team etwa 40 Mitarbeiter, darunter jede Menge kreative Profis. Da man bei den Kosten nicht wie viele TV-Sender aus dem Vollen schöpfen kann, ist die Kreativität und Flexibilität des Teams ein ganz entscheidender Faktor.

Welche Technik kommt zum Einsatz?
Im Folgenden erfahrt ihr mehr über die technischen Hintergründe der SOML-Produktion

Technik

Die Produktion teilt sich auf in verschiedene Gewerke:

1. Livesound im Wohnzimmer
2. Ton-Mischung und Aufnahme für den Livestream
3. Video-Aufnahme und Aufbereitung der Videoformate

Livesound

begringer x32

Für den Live-Sound im Wohnzimmer wird ein Behringer X32 Digital-Mischpult verwendet, welches mit drei digitalen Stageboxen (Behringer S16) verbunden ist.
Jede S16-Stagebox verfügt über 16 fernsteuerbare Mic/Line-Preamps sowie 8 Outputs inkl. einem eigenen Kopfhörer-Monitoring.

Die Kommunikation zwischen S16 und X32 erfolgt über die AES50 Technology (48 I/O) von KLARK TEKNIK, wobei sich bis zu drei Stageboxen an einen Mixer anschließen lassen.
In der Regel treten bei SOML mehrere Bands auf. Um lästiges Umstecken der einzelnen Mikrofonsignale beim Wechsel zur nächsten Band zu vermeiden, werden Signale der Instrumente, die alle Bands nutzen, wie z.B. Schlagzeug, Bass, Keyboards, Flügel usw., über die erste S16 Stagebox zum Digital-Mixer geführt, während die wechselnden Instrumenten-Belegungen auf die anderen beiden S16 aufgeteilt werden. Auf diese Weise, braucht man am Mixer lediglich zwischen der zweiten und der dritten Stage-Box umzuschalten und schaltet per Knopfdruck gleich zwischen jeweils 16 Kanälen um.
Als Monitor-System kommen mehrere Behringer P16-Monitor-Mixer zum Einsatz.

behringerP16MMit diesen kleinen Digital-Mixern hat jeder Musiker die Möglichkeit, sich einen eigenen Monitor-Mix einzustellen. Das P16 wird direkt vom X32 aus mit den entsprechenden Instrumenten- und Mikro-Signalen versorgt. Bis zu 16 einzelne Kanäle stehen dabei zur Auswahl. So werden bereits im X32 alle Signale in 16 verschiedenen Stems zusammengefasst und das Monitor-Signal der P16-Systeme auf In-Ear-Hörer der Musiker oder auf kleine Monitorboxen gelegt.

Das Publikum hört den Livesound über eine kompakte PA inkl. Subwoofer-System.

Ton-Mischung und Aufnahme für den Livestream

Ton-Mischung und Aufnahme für den LivestreamWarum lässt sich nicht direkt der Livesound aus dem „Wohnzimmer-Mixer“ für den Stream verwenden?
Das Publikum im Wohnzimmer hört ja stets eine Mischung aus dem direkten Sound der Instrumente im Raum und den dazu gemischten Signalen über die PA. Der Zuhörer im Livestream hört dagegen nur die abgenommenen Signale, nicht aber den Raumklang.
D.h., würde man die Mischung direkt aus dem Wohnzimmer-Mixer, vom eigentlichen Instrumentensound im Wohnzimmer abgekoppelt, hören, wäre der Mix alles andere als attraktiv. Daher muss der Sound für den Livestream separat gemischt werden.
Um die Mikrofon- und Instrumenten-Signale gleichermaßen für den Live-Sound wie für den Stream abzugreifen, lassen sich die o.g. Behringer S16 im Splitter-Modus betrieben.

s16Die digitalen S16 Stageboxen verfügen neben den AES50-Schnittstellen über digitale Ausgänge im 8-kanaligen, optischen ADAT-Format. Über entsprechende Glasfaser-Leitungen werden nun die einzelnen Kanal-Signale zum hauseigenen Studio geführt, welches sich im Keller, gleiche unter dem Wohnzimmer befindet.

Als Produktions-System kommt hier ein ProTools HD-System mit mehreren HD192-Interfaces zum Einsatz. Die HD192-Interfaces sind ebenfallHD192-Interfacess mit ADAT-Schnittstellen ausgestattet, so dass sich die S16-Signale problemlos ins Studio-System einspeisen lassen.
Alle Spuren aus dem Wohnzimmer werden in ProTools für spätere Bearbeitungen aufgezeichnet. Gleichzeitig wird in Echtzeit die Tonmischung für den Livestream erstellt.
Damit die Mischung stets optimal zu den gesendeten Bildern passt, lässt sich das Video-Bild in der Tonregie über einen Monitor darstellen.

Video-Aufnahme und Aufbereitung der Videoformate

img_9325Zur Erzeugung der richtigen Lichtstimmung ist das Wohnzimmer mit ca. 30 Scheinwerfern bestückt, die sich über einen DMX-Controller ansteuern lassen. Auf diese Weise lassen sich auch dynamische Licht-Inszenierungen realisieren.
Die Firma mindandvision aus Leverkusen übernimmt als technischer Dienstleister die Produktion der Videosignale bzw. der Streamingtechnik. Dieses Mal ist diese nämlich wesentlich aufwendiger als noch beim Konzert mit Gregor Meyle und Yasmina Hunzinger. Produziert wird durchgängig in HD - 1080i50.

Zum Einsatz kommen fünf professionelle Full-HD Schulterkameras von Panasonic, die per Multicore mit dem Ü-Wagen verbunden sind. Durch das Multicore laufen HD-SDI, Blendensteuerung, Intercom, Stromversorgung und Tally-Information für alle Kameraleute. Drei der Kameras stehen auf Stativen, eine Kamera ist drahtlos mit einer HD-SDI Funkstrecke angebunden und eine ist als Handkamera mit Kabel im Einsatz. Dazu kommen drei GoPro Minikameras, die auf HD-SDI konvertiert werden um interessante Spezialaufnahmen und Extrem-Weitwinkelshots zu bekommen. Eine spezielle Remotecam wird dazu noch im Set aufgestellt. Diese Kamera kann aus dem Ü-Wagen gesteuert werden (schwenken/neigen, Zoom, Blende). Eine unbemannte Totalenkamera komplettiert das Kamerasetup – insgesamt also 10 Kameras.

Der Ü-Wagen ist mit einer dreifach-redundanten Stromversorgung ausgestattet. Er wird standardmäßig aus dem Haus mit Strom versorgt, kann jedoch bei Wegfallen des Landstroms automatisch und unterbrechungsfrei auf eine Pufferbatterie umschalten, die ihn bis zu 6 Stunden weiter mit Strom versorgt. Nötigenfalls kann ein Stromaggregat, das sich unter der Heckachse befindet den Wagen auf Dauer versorgen. Diese Redundanz ist im Veranstaltungsbereich sehr wichtig, da die Landstromversorgung hier meist unsicher ist.

Im Wagen werden die Kamera- bzw. Außensignale zuerst durch eine 40x40 HD-SDI Kreuzschiene geleitet, die ein sehr flexibles Routing der Signale ermöglicht. Die Kreuzschiene leitet die Kamerasignale dann an den 2-Mischebenen Bildmischer weiter, der bis zu 16 Kamerasignale verarbeiten kann.
Der Ton wird, wie bereits beschrieben, im hauseigenen Tonstudio auf ProTools gemischt und per AES50 Leitung (CAT5) digital an den Ü-Wagen übergeben, zusammen mit weiteren Intercomsignalen aus dem Tonstudio bzw. dem FOH Platz. Im Wagen werden noch weitere Tonkanäle hinzugefügt, wie z.B. MAZ Einspieler. Danach läuft das Signal über einen Sendebegrenzer (TC Electronics DBMax) und wird dort auch noch um ein Frame verzögert, um die Processing-Zeit des Bildmischers auszugleichen.
Auch die Ausgänge des Mischers laufen über die HD-SDI-Kreuzschiene und werden dadurch an die weitere Peripherie im Wagen verteilt, wie z.B. digitale Videopegelmessgeräte (Hamlet HD-SDI Waveform, Vectroscope). Aufgezeichnet wird in Sendequalität im Avid DNxHD-Codec auf SSD mit mehreren digitalen Mazen, einmal als komplettes Signal und zum anderen als Clean-Feed – also ohne jegliche Grafiken und Einblendungen für spätere Nachbearbeitung. Per HD-SDI gelangt das Sendesignal außerdem in die beiden H264 Encoder – einer läuft nur blind im Hintergrund mit, um bei einem Ausfall direkt umschalten zu können. Die Encoder liefern einen hochwertigen 720p25 HD-Stream, der per IP-Satelliten Anlage über Eutelsat zu einem Cloud-Server gestreamt wird. Diese Satellitenverbindung ist dediziert und bietet Quality of Service, der nötig ist um Engpässe in der Bandbreite zu vermeiden, die bei gewöhnlichen IP „Consumer“ Satellitenverbindungen zwangsweise auftreten würden, da hier die Verbindungsgeschwindigkeit mit anderen Nutzern geteilt wird und deshalb nie garantiert werden kann.
Der Cloud-Encoding-Server erzeugt aus dem HD-Stream drei neue Streams in unterschiedlichen Qualitäten, die an die verschiedenen Abnehmer wie Bild.de, Ampya, Livestream.com etc. geliefert werden. Dort wiederum wird der Stream an die jeweiligen Player auf den diversen Internetseiten ausgeliefert.

www.songofmylife.de
www.mindandvision.tv
www.lightlife.de