RCF MYTHO 6 professioneller Studio-Nahfeld-Monitor

Mytho-6-front1000Präzisions-Werkzeug

Dass der italienische Hersteller RCF sich im Thema Lautsprecher gut auskennt, dürfte kein Geheimnis sein. Mit jahrzehntelanger Erfahrung bei selbst entwickelten Komponenten, von den Treibern bis hin zu DSP- und Endstufen-Elektronik, haben die RCF-Entwickler weitaus mehr und vor allem präzisere Gestaltungsmöglichkeiten, als Hersteller, die nur fertige Komponenten miteinander kombinieren. Wie sich dieser „ganzheitliche“ Einfluss der Entwickler im konkreten Produkt wiederfindet, wird auch anhand der professionellen Studio-Monitor-Serie MYTHO deutlich. Xound hatte die edlen Monitore auf den Prüfstand. 


Konzept

Mytho-6-3 4left1000RCF´s MYTHO-Serie wurde in erster Linie für den professionellen Recording-, TV- oder Rundfunk-Bereich konzipiert. Entsprechend dieser Einsatzgebiete hat RCF bei den MYTHOs kompromisslos, neben umfangreichen Funktionen für die Anpassung, an die Studio-Umgebung auf Qualität und Präzision gesetzt. Das kompromisslose Design, die Auslese an Komponenten und die umfangreichen Editier-Möglichkeiten haben, wie bei allen professionellen Monitoren dieser Klasse, ihren Preis (Stückpreis knapp über 1000 EUR).
Die MYTHO-Serie umfasst z. Zt. zwei Modelle MYTHO 6 und MYTHO 8.
Während beim MYTHO 6 ein 6,5- Woofer zum Einsatz kommt, ist MYTHO 8 mit einem 8-Woofer ausgestattet. Die Woofer basieren auf der ICC-Technologie (Impedance Control Coil), bei der eine zweite Spulenwicklung, die gegenphasig zur „Hauptspule“ betrieben wird, stets die Impedanz der Treibers kontrolliert.  In Verbindung mit dem DSP sorgt diese Technologie dafür , dass eine präzisere Mittenwiedergabe sowie eine perfekte Phasenlinearität gewährleistet wird. Dazu wird auch der Übergangsbereich der aktiven Frequenzweiche zwischen Woofer und Hochtöner optimiert. Die MYTHO-Woofer verfügen über eine 51 mm Schwingspule. Die Magnetstruktur bietet eine spezielle Belüftungstechnik, die selbst bei extremer Auslenkung nicht nur Luftgeräusche sondern auch Kompressionseffekte reduziert,
Beide MYTHO-Modelle sind mit dem gleichen Hochtöner ausgestattet, einem 1 Kalottenhochtöner mit Aluminium-Titan-Membran.
Das Bassreflex-Gehäuse der MYTHO Monitore ist aus stabilem Aluminium Druckguss gefertigt.
Innen ist das Gehäuse durch spezielle Versteifungen verstärkt, um die Gehäuseresonanzen möglichst gering zu halten. Das macht die Basswiedergabe sehr konkret, ohne jegliches Wummern.
Im Vergleich zu einem, von außen gleich großen Holzgehäuse, ist das innere Volumen des MYTHO-Gehäuses größer. Daher kann die MYTHO-Box, trotz der beeindruckenden Performance, recht kompakt gehalten werden.  
Die Monitore stehen auf einem stabilen Metallfuß. Der Konstruktion ist so ausgelegt, dass sich die Box, wie auf einem Schlitten, nach vorne oder nach hinten verschieben lässt. Da die Führung auf der Fußoberseite leicht angeschrägt ist, lassen sich die Monitore durch Verschieben der Position mehr oder weniger nach oben neigen. Dieses Konzept vereinfacht die optimale Fokussierung der Boxen auf die Abhörposition. Auf der Gehäuse-Unterseite gibt es alternativ noch einen M 10 Gewindeanschluss, über den sich der Monitor auf ein Stativ montieren lässt.
Falls man die Monitore fest installieren möchte, findet man dafür auf der Gehäuserückseite vier eingelassene M5 Gewinde zur Aufnahme einer entsprechenden Wandhalterung.  
Auf der Gehäuse-Oberseite ist eine Griffmulde integriert. Diese erleichtert das Handling der immerhin fast 11 kg schweren Monitore beim Transport oder beim Aufstellen.
In die Vorderseite der Monitore haben die RCF-Entwickler einen Wave-Guide für den Hochtöner integriert, der die Dynamik der Höhenwiedergabe verbessert und eine gleichmäßige Abstrahlung der hohen Frequenzanteile gewährleistet. Gleichzeitig hat man sich auch einer speziellen Bassreflex-Öffnung gewidmet, die die Basswiedergabe präziser macht.
Die MYTHO- Monitore werden durch echtes Bi-Amping betrieben. Die Funktion der aktiven Frequenzweiche (Übergangsfrequenz: 1900 Hz) übernimmt die DSP-Elektronik. Darüber hinaus kümmert sich der DSP um Schutzschaltungen (Überhitzung, Auslenkung, Übersteuerung und
Softlimiter) sowie z.B.  um EQ-Funktionen, die die Performance optimieren. Die Bedienelemente für die DSP-Parameter sitzen auf einem sogenannten Input-Board. Dieses, mit Buchsen, Reglern und 12 kleinen DIP-Schaltern bestückte Board, befindet sich im unteren Bereich der Gehäuserückseite.  
Jede Box ist mit zwei Endstufen  ausgestattet, wobei für den Woofer 200 W RMS und für den Hochtöner 100 W RMS bereitgestellt werden. Das ist eine ganze Menge an Power für diese doch recht kompakten Monitore. Die Endstufen sind im Class AB Design konzipiert.  


Mytho-6-back1000Bedienelemente

Der Ein- und Ausschalter der Monitore befindet sich in Form eines Beleuchteten RCF-Logos auf der Vorderseite der Monitore, gleich unter dem Subwoofer. Ist der Monitor ausgeschaltet, so leuchtet das Logo rot, berührt man den Schriftzug ganz leicht, so schaltet sich der Monitor ein und die Farbe der Logo-Beleuchtung wechselt zum weiß. Alle Anschlüsse und Bedienelemente befinden sich dagegen auf der Gehäuserückseite. Da wären zunächst die Kaltgerätebuchse sowie ein Spannungswahlschalter und der Audio-Eingang. Für den Audio-Input hat man eine XLR/Klinke- Kombibuchse zur Verfügung. Hier lassen sich symmetrische wie asymmetrische Geräte anschließen.
Die Eingangs-Empfindlichkeit wird über einen Regler kalibriert. Einstellbar sind Werte zwischen + 6 dBu und – 6dBu.
Als weitere Buchse finden wir eine USB-Schnittstelle. Diese ist allerdings für den User nicht nutzbar. Die digitale Schnittstelle dient lediglich zu Service-Zwecken.
Gleich oberhalb der USB-Buchse finden wir eine DIP-Schalterreihe, wie man auch sagt ein „Mäuseklavier“, mit 12 „Tasten“. Mit diesen Schaltern lässt sich nun der DSP konfigurieren. Die Schalter sind mit Buchstaben von „A“ bis „L“ bezeichnet. Damit man auch ohne Bedienungsanleitung weiß, welcher Schalter welchen Parameter steuert, finden wir eine entsprechende Beschreibung der Funktionen auf der Monitor-Rückseite aufgedruckt. Die Parameter-Auflistung ist in acht funktionale Blöcke aufgeteilt. Hier eine Übersicht der Features:

BASS TILT - Für diese Funktion sind zwei DIP-Schalter reserviert. Je nach Kombination der  Schalterstellungen lassen sich die tiefen Frequenzen in sanften 1 dB Schritten bis zu 4 dB absenken.  Das Filter hat eine Kuhschwanzcharakteristik und beginnt ab der Grenzfrequenz von 500 Hz abwärts. Das BASS TILT-Feature dürfte vor allem in kleineren, nicht akustisch perfekten  Regieräumen interessant sein, denn kleine, unbearbeiteten Räume verfügen - physikalisch bedingt - über unerwünschte Resonanzen in den tiefen Mitten. Genau hier setzt die BASS TILT-Funktion an.   
Ist der Raum größer, liegen auch die Resonanzfrequenzen tiefer.     

BASS ROLL-OFF - Dieses Feature wird wieder über zwei DIP-Schalter bedient. Es dient auch zur Reduzierung der tiefen Frequenzen, allerdings setzt der DSP hier wesentlich tiefer, bei 80 Hz an. Neben der Position „Off“ finden wir u.a. die Einstellungen – 3 dB und – 6 dB. Dieses Feature hilft dabei, die Basswiedergabe auszugleichen, falls der Monitor z.B. direkt vor einer Wand oder sogar in der Raumecke steht.
Der vierte BASS ROLL-OFF-Modus liefert einen 80 Hz Hochpass und macht Sinn, falls man die Monitore mit einem Subwoofer kombiniert. Das Tool ist auch ganz nützlich, wenn man die MYTHOs z.B. als Gesangsmonitore im Regieraum verwenden möchte. Zum Einsatz kommt hier ein Butterworth Hochpass-Filter, welches ab 80 Hz anpackt.

WOOFER – Falls man zu Testzwecken den Woofer abschalten möchte, schaltet man den entsprechenden DIP-Schalter auf „Off“.

TWEETER – Ähnlich wie beim WOOFER-Schalter lässt sich hier der Hochtöner zu Test- und Messzwecken abschalten.

POWER LED – Mit diesem DIP-Schalter kann die frontseitigen LEDs des RCF-Logos abgeschaltet werden, falls die Beleuchtung stört.

EQUALISATION –Mit diesem DIP-Schalter lässt sich zwischen LINEAR POWER Response und LINEAR FREQUENCY Response umschalten. Die tiefen Frequenzen verteilen sich im Raum kugelförmig. Je weiter man mit der Frequenz nach oben geht, desto gerichteter wird die Abstrahlung. Ist der Raum zu klein, so ergeben die Reflexionen im Bass-Bereich und unteren Mittenbereich eine Überpräsenz der tiefen Mitten und Bässe. Im Modi LINEAR POWER Response wird dieses „Überangebot“ ein wenig kompensiert. In größeren oder perfekt getrimmten Räumen, bei denen die Wandreflexionen vernachlässigt werden können, sollte man den Monitor auf LINEAR FREQUENCY Response einstellen.   

TREBLE TILT - Bei diesem Filter handelt es sich um einen EQ mit Kuhschwanzcharakteristik, mit dem sich die Höhenwiedergabe an die räumlichen Bedingungen anpassen lässt. Die Grenzfrequenz ist bei 6 kHz angesetzt. Einstellbar sind, neben dem linearen Betrieb, eine Anhebung um 1 dB sowie Absenkungen um -1 dB und -2 dB.    

DESKTOP CONTROL - Oft werden die Monitore auf die Tischoberfläche oder die Meterbridge eines Mischpultes gestellt, was durch die Reflexionen und Resonanzen eine Bass-Anhebung hervorruft. Schaltet man den entsprechenden Schalter auf „On“, so wird diese Bass-Überpräsenz durch ein Filter mit einer Centerfrequenz im Bereich der 150 Hz-Oktavlage kompensiert.    


Mytho-6-left-side1000Praxis

Trotz aller noch so interessanten Funktionen ist für einen Monitor letztlich entscheidend: wie klingt er?
Obwohl ich - neugierig wie ich halt bin - alle möglichen Setup-Konfigurationen ausprobiert habe, bin ich letztlich wieder bei den Werkseinstellungen gelandet. Alle Klang-Kompensations-Funktionen waren deaktiviert und alle EQ-Einstellungen sind neutral. Diese Einstellung hat mir für meine Abhörumgebung am besten gefallen. Die Abhörposition sollte im Bereich zwischen 1 und 2 Metern liegen.
Bereits beim ersten Antesten mit Musik aus der Konserve bemerkt man, dass der Monitor weit aus mehr Details liefert, als man es von den vielen einfachen und preiswerten Monitoren her kennt. Die Konturen der einzelnen Instrumente werden sehr klar dargestellt. Selbst kleine Unzulänglichkeiten im Mix bei der Balance der Instrumente oder bei der Dosierung von Raum- oder Hall-Effekten werden schnell enttarnt.
Beim Hören der Konservenmusik fällt auf, dass die MYTHOs im wesentlich präsenter in den Mitten sind, als man es von anderen Monitoren oder HiFi-Lautsprechern her kennt. Was beim einfachen Hören von Musik u.U. ein wenig anstrengend ist, entpuppt sich beim späteren Mixen einer Mehrspuraufnahme als Trumpfkarte.
Alle Instrumente, besonders die eher mitten-betonten Sounds, lassen sich sehr genau zusammenfügen, ohne dass die Konturen verloren gehen. Von dieser Eigenschaft profitiert man vor allem bei Aufnahmen von Vocals, Gitarren und Pianos und Orchester-Instrumenten. Aber auch synthetische Klänge wie z.B. mehrere Synthe- und Keyboard-Tracks lassen sich sehr präzise zu einem ausbalancierten Mix zusammenfügen.  
Trotz des homogenen Mixes gehen die Konturen der einzelnen Instrumente nicht verloren.
Die Frequenzweiche der MYTHO 6 trennt bei 1900 Hz. Der Übergang zwischen Woofer und Hochtöner scheint sehr gelungen, man nimmt in diesem Bereich weder Betonungen noch Abschwächungen bestimmter Frequenzen war.
Die räumliche Abbildung der Signale überzeugt ebenfalls. Die Positionen einzelner Signale im Stereoimage werden eindeutig dargestellt.
Gemäß Datenblatt reicht der Frequenzgang der MYTHO 6 von 40 Hz bis 20000 Hz, was auch den Höreindruck bestätigt. Insgesamt wirken die Monitore sehr klar, offen, der Bass drückt nicht nur im Bereich der tiefen Mitten sondern geht auch weiter nach unten. Ein zusätzlicher Subwoofer ist, für meinen Geschmack, bei den MYTHOs nicht erforderlich.
Ganz gleich, ob man leise hört oder mehr aufdreht, der Klang und der perspektivische Klangeindruck der RCF-Monitore bleibt konstant, was auch für die Zuverlässigkeit der MYTHO 6 spricht. Diese Konstanz ist selbst gewährleistet, wenn man sich mit den Ohren aus der Lautsprecher-Achse heraus bewegt, d.h. eine starre Sitzhaltung im Sweetspot ist nicht notwendig.
In Bezug auf die Leistung sollte man mit den MYTHO 6 als Nahfeldmonitor mehr als ausreichend Reserven unter der Haube haben. Voll aufdrehen kann man die MYTHO 6 eigentlich gar nicht, das wäre definitiv zu laut.        
Wenn es auch kein technisch aufwendiges Feature darstellt, die Möglichkeit Woofer oder Tweeter einzeln abschalten zu können, ist in der Praxis ganz hilfreich, bei der Feinabstimmung der Monitore. Wann hat man schon die Gelegenheit zu testen, wie der Raum auf den Woofer oder den Hochtöner alleine reagiert?


Fazit

Mit den MYTHO 6 Studio-Nahfeld-Monitoren liefert RCF ein zuverlässiges und sehr präzises Tool für den Tonstudiobereich. Selbst wenn die Monitore mit ihren vielen Anpassungsmöglichkeiten universell in nahezu allen Regieräumen perfekt funktionieren sollten, spricht man bei einem Paarpreis von ca. 2000 EUR definitiv den professionellen Tonstudio-, TV- Studio- und Broadcast-Bereich an. In diesen Bereichen sind solche Investitionen für Monitore üblich. Nicht nur der Profi weiß, wie wichtig zuverlässige Monitore sind.


Facts

Geräteart: 2-Weg aktiv-Monitor
Endstufen:  300 Watt (RMS) Class AB Design, davon 200 W für Woofer, 100 W für Hoch/Mitteltöner
Treiber: 6.5 Neodym ICC belüfteter Woofer & 1 Aluminum Dome-Tweeter mit Constant Directivity Wave-Guide
Gehäuse: resonanzarmer Aluminium Druckguss, reflexionsfreies Gehäusedesign, Bassreflexöffnungen mit niedriger Verzerrung
DSP Processing: Feineinstellungen am Input-Board
einstellbare DSP-Parameter: Bass Tilt, Roll-Off, Treble Tilt, Desktop
Schutzschaltungen: Überhitzung, Auslenkung, Übersteuerung, Softlimiter
Übergangsfrequenz der aktiven Frequenzweiche: 1900 Hz
USB-Anschluss: nur für Service-Zwecke
Eingänge: XLR/Klinke Kombibuchse
Eingangsempfindlichkeit: 6/+6 dBu
Frequenzgang (-3dB): 40 Hz bis 20000 Hz
Max. Schalldruck: 114 dB
Abstrahlwinkel: horizontal 110°, vertikal 70°
Abmessungen: 37 x 26,5 x 25 cm (H x B x T)
Gewicht: 10,5 kg

Autor: Hagü Schmitz

www.rcf.it

UVP: 1210 EUR

http://www.rcf.it/de_DE/products/recording/mytho-reference-monitors/mytho-design



Add this page to your favorite Social Bookmarking websites
 
Kommentare (0)add comment

Kommentar schreiben
kleiner | groesser

busy