RØDE NTR

w1Bändchen-Mikrofone zählen zu den ganz besonderen Mikrofonarten und werden immer wieder eingesetzt, wenn es darum geht, eine Klangquelle auf ganz besondere Art und Weise einzufangen.
Der Einsatz eines Bändchen-Mikros bedarf allerdings einer gewissen Erfahrung, denn die Charakteristik des Bändchens ist schon sehr speziell. Mit dem NTR liefert RØDE ein aktives Bändchen-Mikrofon. Xound hatte das NTR auf dem Prüfstand.

 

Bändchen-Mikrofone galten schon immer als teuer und sehr empfindlich. Daher wurden die Bändchen in der Regel nur von Profis für ganz erlesene Aufgaben eingesetzt. Die klassischen Bändchen waren extrem empfindlich. Ein bisschen zu viel Schalldruck und das Bändchen konnte zerstört werden. Auch das versehentliche Anlegen von Phantompower hat so manches Bändchen nicht überlebt. Durch neue Technologien und neue Materialien ist es in den letzten Jahren gelungen, Bändchen-Mikrofone robuster und erschwinglicher zu machen – sicherlich einer der Gründe, warum diese speziellen Mikrofone in den letzten Jahren einen regelrechten Aufschwung erleben. Ein weiteres Argument für Bändchen-Mikrofone ist sicherlich der spezielle Charakter, mit dem das Mikro ein Instrument oder eine Stimme einfängt. In einer Produktionslandschaft, in der viele Musikproduzenten oder Toningenieure mit nahezu identischen Produktions-Tools arbeiten, sehnt man sich nach Individualität.

w4Konzept und Aufbau

Beim RØDE NTR handelt es sich um ein aktives Bändchen-Mikrofon, d.h. das NTR hat seinen eigenen Vorverstärker gleich an Bord. Dies macht durchaus Sinn, denn Bändchen-Mikrofone liefern nur extrem schwache Pegel und dass erfordert extrem gute XLR-Kabel und sehr gute Mikrofonvorverstärker, wenn die Aufnahme nicht rauschen soll. Durch den internen Vorverstärker umgeht man beim NTR genau diese kritischen Punkte: die Kabellänge zwischen Kapsel und Verstärker ist sehr kurz und das, am XLR-Ausgang anliegende Signal ist stark genug, um auch größere Strecken mit herkömmlichen Mikrofonkabeln zu überbrücken.
Dazu liefert das Aktiv-Konzept des NTR indirekt einen weiteren Vorteil. Während die klassischen Bändchen-Mikrofone durch Phantompower zerstört werden können, freut sich das NTR über die 48 Volt als als Phantomspeisung.
Das eigentliche Bändchen im NTR wird über eine spezielle Lasertechnik ausgeschnitten, wodurch ein sehr präziser Schnitt – ohne mikroskopische kleine Fransen am Rand- möglich ist. Das Bändchen ist lediglich 1,8 µm stark und ist daher sehr empfindlich. RØDE gibt als maximalen Schalldruckpegel 130dB. Bei hohen Schalldrucken sollte man also vorsichtig sein.
Die elastische Aufhängung des Bändchen-Elementes ist so wirksam, dass man sogar auf eine Mikrospinne verzichten kann. Für den sicheren Transport lässt sich die Bändchen-Aufhängung arretieren.
Der chemisch geätzte Metallkorb schützt die Bändchen-Kapsel, ist aber durchlässig genug, um den Klang nicht zu beeinflussen.  Das dünne Bändchen liefert einen Frequenzgang von 20 Hz – 20kHz, das ist schon beeindruckend.
Als Service bietet RØDE beim NTR 2 Jahre Garantie, nach Registrierung verlängert sich die Garantie sogar auf 10 Jahre! Während der Garantiezeit ist ein einmaliger Austausch des Bändchens kostenlos.

w2Erster Eindruck

Wie die gelungene Verpackung, so vermittelt auch das RØDE NTR selbst in seinem schwarzen Outfit einen sehr edlen, extravaganten Eindruck. Die Form erinnert eher an ein Kunstobjekt als an ein funktionales Werkzeug. Da das Bändchen-Mikro eine Acht-Charakteristik liefert, ist der Mikrofonkorb auf beiden Seiten durchlässig, was den Blick eindeutig auf das schicke Bändchen-Element lenkt.
Für den sicheren Transport lässt sich die Bändchenaufhängung mit einer Schraube an der Kopfseite des Mikrokorbs arretieren. Für den Betrieb dreht man die Schraube einfach aus dem Gewinde heraus, allerdings sollte man sich einen sicheren Platz für die kleine Schraube überlegen, damit sie nicht verloren geht. Ein kleines Gewinde im Gehäusesockel oder in der Stativ-Halterung wäre - als definierter Aufbewahrungsort- vielleicht sinnvoll gewesen.
Trotz aller Eleganz wird das Mikrogehäuse, vor allem der Mikrofonsockel doch recht robust. Mit 1047 g zählt das NTR nicht zu den Leichtgewichten unter den Mikrofonen, gute Mikro-Stative sind daher umso wichtiger.
Gleich unter dem Mikrofonfach der Original-Box befindet sich ein weiteres Fach für das mitgelieferte Zubehör: eine Stativhalterung sowie ein Staubschutzbeutel. Falls das Mikro mal ein paar Tage nicht benutzt wird, sollte man unter Umständen den Staubschutzbeutel überziehen, denn Staub mag das Mikro gar nicht. Der Staubschutzbeutel passt sogar, wenn das Mikro noch auf dem Stativ montiert ist.

Praxis

Wie bereits erwähnt sind Bändchen-Mikrofone mechanisch sehr empfindlich. Man sollte unbedingt einen Windschutz bei der Abnahme von Stimmen oder Blasinstrumenten verwenden, um das Mikro nicht zu beschädigen. Ebenso gilt es, auf den maximalen Schalldruck von 130dB zu achten – aber das ist auch schon ganz schön laut.
Selbst wenn das RØDE NTR dank neuer Technologien sicherlich robuster ist, als die klassischen Bändchen-Mikros, sollte man das NTR lieber nicht unnötig strapazieren und doch eher wie ein rohes Ei behandeln. Selbst wenn man einen einmaligen Bändchen-Tausch während der Garantiezeit umsonst bekommt, bezieht sich dieser Service natürlich nicht auf Schäden, die durch falsches Handling entstanden sind.
Das NTR liefert aufgrund seines aktiven Konzeptes reichlich Output – ganz ungewohnt für ein Bändchenmikro. Auch das Rauschen ist leiser als bei den meisten Bändchen Mikrofonen. Grundsätzlich klingt das NTR transparent und präsent, wobei die jeweilige Position zur Signalquelle den Sound stark verändern kann.
Wie bereits erwähnt, verfügen Bändchen-Mikrofone generell über die Richtcharakteristik „Acht“, d.h. die Mikros nehmen den Schall von zwei Seiten auf, wobei die beiden Seiten nicht immer identisch klingen. Wo nun, bei der Aufnahme, vorne oder hinten sein soll, kann man letztlich selbst entscheiden, je nachdem welchen Sound man wünscht. Ich nehme mal an, dass die Seite des NTR, auf der nur „RØDE“ auf dem Mikrosockel aufgedruckt ist, als Vorderseite definiert ist. Von dieser Seite aus betrachtet, schimmert auch ein auf die Bändchenhalterung aufgedrucktes „NTR“ durch die Öffnungen des Mikrofonkorbs.
Man sollte stets bedenken, dass das Mikrofon auch gleichzeitig die Signale von der Rückseite aufnimmt, d.h. nimmt man ein Instrument oder Stimme in einer lauten Umgebung, z.B. in einem Bandgefüge auf, so fängt man auch die ganze Band recht laut mit ein – anders als bei einem Mikrofon mit Nierencharakteristik.
Beim ersten Antesten fiel auf, dass auch das NTR von jeder Seite aus anders klingt. Die oben definierte Vorderseite wirkt auf Anhieb etwas knackiger, während die Rückseite bassiger und dumpfer klingt. Generell fällt auf, dass der Nahbesprechungseffekt des NTR extrem stark ist. Je näher das Mikro an die Signalquelle rückt, desto kräftiger werden die Bässe.
Bewegt man das Mikrofon weiter von der Signalquelle weg, so wird der Sound immer mittiger und indirekter.
Da der Nahbesprechungseffekt beim NTR sehr deutlich ist, sollte man den Abstand zwischen Mikro und Klangquelle während der Aufnahme nicht verändern. Geht man bei der Aufnahme von Stimmen zu nah an das Mikrofon heran, so wird der Sound vor allem auf der Rückseite sehr basslastig. Als weiteres Phänomen beim NTR ist zu beobachten, dass sich der Sound auch stark verändert, wenn man sich aus der Mikrofonachse (Off Axis) heraus bewegt – vertikal wie horizontal. Auch hier gibt es vorne und hinten wieder unterschiedliche Auswirkungen.
Man kann dieses Phänomen ganz gut mit der Stimme ausprobieren. Am ausgewogensten klingt das Mikro vorne in der Mitte. Singt oder spricht man weiter unten ein, so wird der Klang bassiger, geht man weiter nach oben, so verändert sich der Sound zugunsten der Mittenfrequenzen; Bässe und Höhen werden leiser. Auf der Rückseite lässt sich beobachten, dass das Mikro im oberen Bereich nicht so mittig wirkt, wie auf der Vorderseite. Auch hier klingt die Mitte am ausgewogensten, wenn auch im Vergleich zur Vorderseite wie mit einer Art Loudness-Effekt (mehr Bässe und mehr Höhen). Bewegt man sich seitlich aus der Mikrofonachse heraus, so wird der Klang indirekter und weniger interessant.
Der starke Nahbesprechungseffekt sowie das Off-Axis-Verhalten des NTR bieten natürlich den Vorteil, dass man dem Mikrofon sehr viele unterschiedliche Soundcharaktere entlocken kann, je nachdem wie man das Mikro positioniert. Daher ist bei der Auswahl der Position Vorsicht geboten. Gerade für Sänger dürfte es nicht leicht sein, den Abstand zum Mikro diszipliniert einzuhalten. w 3
Bei der Aufnahme von Akustik-Gitarre fiel auf, dass das NTR extrem viel Bass, eigentlich schon zu viel Bass, liefert.
Dies kann man nur umgehen, indem man das Mikrofon weiter weg oder off-Axis positioniert, wobei der Sound schnell sehr indirekt oder mittig wirkt. Oder man verwendet ein Hochpassfilter im Mikrofon-Vorverstärker bzw. am Audio-Interaface. Bei soviel Bass würde auch dem NTR auch ein eigenes Lowcut-Filter gut stehen. Man findet immer wieder eine Position, die gut funktioniert, die optimale Position zu finden ist jedoch eine echte Gradwanderung.
Das NTR ist keinesfalls ein typisches Universal-Studiomikro sondern schon sehr speziell. Das NTR verfügt über einen interessanten Charakter, doch das Handling ist nicht ganz einfach – das Mikro einfach irgendwie hinstellen, funktioniert nicht. Man sollte das Signal vorher schon ausgiebig testen und mit der Mikroposition spielen, d.h. ein bisschen Geduld beim Aufbau des Setups ist schon wichtig. Nur so kann man die Stärken des NTR für sich nutzen und wird mit einem charaktervollen, charmanten Sound belohnt.

Fazit

Mit dem NTR-Bändchen-Mikro liefert RØDE ein interessantes Mikrofon, welches durch seinen eigenen Soundcharakter eine Bereicherung für den professionellen Mikrofon-“Fuhrpark“ darstellt. Das NTR ist keinesfalls ein Allrounder sondern ein Speziallist und ist eher an professionelle Soundingenieure und Produzenten adressiert, die bei der Aufnahme genau wissen, was sie wollen, und wie sie zum Ergebnis kommen.


Autor: Hagü Schmitz

www.hyperactive.de

UVP: 888 EUR

Facts

Geräteart: aktives Bändchen-Mikrofon
Akustisches Prinzip: Bändchen (Velocity Transducer); Ultra-feines Aluminiumbändchen (1,8 µm)
Aktive Elektronik: Übertrager und symmetrischer Preamp-Stufe (eigens entwickelt und gefertigt)
Richtcharakteristik: Acht
Einsprechrichtung: Seite
Übertragungsbereich: 20Hz – 20kHz
Ausgangsimpedanz: 200Ω
Grenzschalldruckpegel: 130dB (@1kHz, Klirrfaktor von 1% an 1kΩ)
Empfindlichkeit: -30.5dB re 1 Volt/Pascal (30.00mV @ 94 dB SPL) +/- 2 dB @ 1kHz
Eigenrauschen: 15dBA
Speisung: 48 V Phantompower
Anschlussbuchse: XLR
Gewicht: 1047g
Abmessungen: 216 mm x 65 mm x 65 mm
Besonderheiten: 2 Jahre Garantie, nach Registrierung sogar 10 Jahre !
                        1 kostenloser Austausch des Bändchens innerhalb der Garantiezeit
Lieferumfang: Stativhalterung RM2 und Staubschutzbeutel



Add this page to your favorite Social Bookmarking websites
 
Kommentare (0)add comment

Kommentar schreiben
kleiner | groesser

busy