UAD Maag EQ4 Plug-In – Let your tracks shining!

Universal Audio dürfte mittlerweile jedem Musiker und Toningenieur ein Begriff sein, wenn es um die Emulation bekannter Equalizer, Kompressoren und Effektgeräte aus der Studioszene geht. Diesmal beschert uns das Team aus Kalifornien einen weiteren  Leckerbissen – den Maag Audio EQ4.
Dieser von vielen Toningenieuren wegen seines musikalischen Charakters geschätzte Equalizer sticht einem nicht nur durch seine auffallend hellblaue Farbe  direkt ins Auge, sondern verwöhnt auch - wie kaum ein anderer Equalizer - die Ohren mit den seidigsten Höhen seiner Klasse. Ob auch das Plug-In die vielen Klangfarben und den typischen Charakter des Originals einzufangen vermag, soll folgender Test zeigen.

Jeder Musiker, Toningenieur und Produzent kennt das Problem, dass man nachträglich während des Mischens der ein oder anderen Spur gerne noch etwas mehr Frische bzw. Brillanz spendieren möchte, ohne dabei aber den Charakter des Instruments bzw. dessen Frequenzgang zu stark zu verändern. Enhancer bzw. Exciter klingen häufig zu spitz, die typischen parametrischen Channel EQs zu analytisch und Röhren EQs meist zu dominant. Aber auch für diese Aufgabe gibt es - wie so oft im Bereich der Studiotechnik - mal wieder einen Spezialisten: Den Maag Audio EQ4™  bzw. EQ4M™.

maag eq4 hqDas Original
Bevor wir uns näher mit dem eigentlichen Plug-In beschäftigen, möchte ich kurz das Original vorstellen.
Der Maag Audio EQ4™ ist ein von Cliff Maag designter, voll analoger und auf höchstem Niveau gefertigter 6-Band Equalizer mit AIR BAND® (Shelf Boost von 2.5 bis 40kHz).
Bereits 1993 entwickelte Cliff Maag für den NTI EQ3 das legendäre AIR BAND®, welches selbst bei starker Anhebung des Hochtonbereiches stets angenehm klingt.  Das liegt daran, dass wenn man mit einem Shelving EQ in der Lage ist, eine so hohe Frequenz wie z.B. 40 kHz anheben zu können, im Bereich von 10-15 kHz einen extrem flach ansteigenden Frequenzverlauf mit dem EQ hinbekommt, was wiederum für das menschliche Ohr wesentlich ansprechender klingt als ein steil ansteigender Verlauf. Soviel vorweg zu dem o.g. AIR BAND®.Zwanzig Jahre später brachte Cliff Maag dann mit dem EQ4M™ eine verbesserte Version jenes EQ3 auf den Markt, welcher über einen höheren Headroom, einen True-Bypass, einen Eingangsempfindlichkeitsregler und gerasterte Potis verfügte. Der EQ4™ bzw. EQ4M™ eignet sich zum Mischen und Mastern gleichermaßen, wobei sein Hauptanwendungsgebiet eher das Veredeln und Herausarbeiten von Signalen sein dürfte, da bei 5 seiner 6 Bänder sowohl die Frequenz als auch die Güte fest vorgegeben ist. Lediglich das AIR BAND® erlaubt eine Veränderung der Arbeitsfrequenz. Die fest eingestellten Frequenzen der anderen Bänder sind aus musikalischer Sicht aber recht gut gewählt und erlauben ein effektives Arbeiten. Band 1 arbeitet bei 40 Hz, Band 2 bei 160 Hz, Band 3 bei 650 Hz und Band 4 bei 2.5 kHz. Sowohl das feste 2.5 kHz Mittenband als auch das AIR BAND® mit den Frequenzen 2.5, 5, 10, 20 und 40 KHz sind als Shelving EQ ausgelegt, die anderen Bänder haben Peak-Charakteristik.
Neben einer 19“ Stereo-Version EQ4M™ gibt es den Maag EQ4™ auch als Mono-EQ im 500er Format und zwar in zwei verschiedenen Ausführungen. Einmal als EQ4-500 Series und als EQ2-500er Series mit lediglich 2 statt 6 Bändern.QUAD group sRGB web

Der EQ4™ wird von vielen Toningenieuren und Produzenten (wie z.B. David Reitzas, Dave Pensado und Dylan Dresdow u.a.) vor allem sehr gerne auf Gesangsspuren angewendet, was zahlreiche bekannte Produktionen wie z.B. Madonna’s Ray of Light, Celine Dion’s Taking Chances, Snoop Dogg und The Black Eyed Peas u.a. eindrucksvoll beweisen. Aber auch bei Gitarrentakes und Stereosummen wird er häufig als Klang veredelndes Werkzeug eingesetzt.

In Zusammenarbeit mit dem Hersteller Brainworx entwickelt, bietet Universal Audio diesen legendären EQ nun auch als Plug-In für die UAD und Apollo Plattform an.

Das Plug-In
Die Installation erfolgt wie immer unproblematisch durch die Installation der neuesten UAD Software und der anschließenden Plug-In Registrierung über die bekannte Universal Audio Registration Software.
Der Aufbau des UAD EQ4 gleicht dem Original EQ4™ bis ins Detail. Die einzelnen Bänder lassen sich in 0,5 Schritten von -5.0 bis +5.0 im Pegel verändern, wobei die Zahlen keinen Bezug zum tatsächlichen dB-Wert haben, wie ich feststellen musste.  Zusätzlich wurde der Plug-In Version noch ein Level Trim Regler spendiert, mit der sich der Pegel des Signals stufenlos von -24 dB bis 0 dB anpassen lässt. Eine durchaus sinnvolle Ergänzung bei einem Equalizer. Allerdings wurde dieser Level Trim Regler wieder in rudimentärer UAD Manier in Form einer winzigen, mit der Maus einstellbaren Feststellschraube implementiert. Den Pegel direkt über ein Daten-Eingabefeld per Doppelklick oder gar mit Hilfe einer Anzeige in dB einzugeben ist leider nicht möglich. Eine einfache Signal-/Peak-Anzeige (Signal: grüne LED leuchtet, Peak: rote LED leuchtet) gibt dabei Auskunft über ein etwaiges Clipping des Signals. Ein Kritikpunkt, der auch bei anderen UAD Plug-Ins teilweise auffällt. Retro-Look hin oder her – ein bisschen mehr Bedienkomfort würde so manchem UAD Plug-In gut zu Gesicht stehen. Schließlich bieten andere Hersteller (z.B. NI, Sonnox, SSL, Waves etc.) diese Möglichkeit schon seit eh und je in ihren Plug-Ins an. Egal – sei‘s drum.EQ4 1 2Dafür wird man - wie man es von UAD gewohnt ist - mit einer überaus klanglich authentischen Emulation des Originals entschädigt. Schon nach einem kurzen Test auf diversen Gesangsspuren war ich vom klanglichen Ergebnis hellauf begeistert. Sowohl das AIR BAND® als auch die sinnvoll gewählten anderen, festen Frequenzbänder unterstützen einen beim Veredeln jeglicher Art von Gesangsspuren. Vocals bekommen durch den EQ4 endlich das typisch, angenehme Hauchen bekannter Soul-/R&B-Produktionen. Meiner Meinung nach ein Muss für alle, die ihren Vocals das letzte Quäntchen Hi-End Sound verleihen wollen.
Aber auch auf Gitarrenspuren lässt sich der UAD EQ4 überaus Gewinn bringend einsetzen.
Gitarren bewegen sich auf einen zu und klingen dabei immer äußerst natürlich. Man hört selbst im vollen Mix noch das Anzupfen jeder einzelnen Saite aber eben auf eine natürliche und angenehme Weise, wie ich es selten zuvor gehört habe.
Neben dem legendären AIR BAND® ist besonders das 2.5 kHz Mittenband des UAD EQ4 interessant. Mit ihm lässt sich nachträglich ein einzelnes Instrument im Mix entweder besser einbetten (Frequenz im Pegel absenken) oder aber auch mal nach vorne holen (Frequenz im Pegel anheben).
Mit dem 650 Hz Band bekommt man angenehm weich klingende Background Vocals und auch tolle Pianos für Balladen hin.
Das 160 Hz Band gibt Drums mehr Punch und mit dem 40 Hz und dem SUB Band kann man 808 Kicks nach Herzenslust designen. Auch lassen sich damit durch eine Kompression teilweise verlorengegangene Bassfrequenzen wiederherstellen.
Sogar die Interaktionen der Band Pass Filter wurden dabei exakt für dieses Plug-In nachgebildet. Der UAD EQ4 arbeitet dabei mit einem Minimum an Phasenverschiebungen und eignet sich aufgrund seiner hohen Klangqualität auch für den Einsatz in der Stereosumme. Kompliment!
Wer jetzt vielleicht denkt, dass diese Klangqualität mit einem hohen Ressourcenverbrauch einhergeht, der wird äußerst überrascht sein, dass dieser EQ auf einer UAD Solo DSP-Karte nur 3,2 % für ein Mono- bzw. nur 3,6 % für ein Stereosignal benötigt. Das ist wirklich sensationell!


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Das überaus positive klangliche Ergebnis des UAD EQ4 sorgt eigentlich schon für einen „Must Have“ Effekt. Wer einen edel klingenden Equalizer nicht nur für Vocals, sondern auch für die Stereosumme sucht, dem sei der UAD EQ4 wärmstens empfohlen. Neben dem Pulteq EQ, dem Neve 1073 und dem Massenburg EQ dürfte der Maag EQ4™ zur Top 5 der Equalizer zählen.
Universal Audio und Brainworx beweisen hier wieder einmal, wie realistisch man gute Audio Hardware mittlerweile auf Softwarebasis emulieren kann.
Bei mir hat der UAD EQ4 jetzt schon seinen dauerhaften Insert-Platz in der Vocal- und Gitarren-Gruppe gefunden. Verbesserungswürdig wären für mich allenfalls die etwas sehr puristisch ausgestattete Pegelkontrolle in Form einer Feststellschraube, die man dann noch mühsam mit der Maus bewegen muss. Ansonsten kann man Universal Audio und Brainworx zu diesem Plug-In wieder einmal nur gratulieren.


Facts

  • Exakte Emulation des Maag EQ4®
  • 6 Band Equalizer inklusive des berühmten AIR BAND®
  • Bietet beispiellose Transparenz und Präsenz im Hochtonbereich während der natürliche Klang des Originalsignals erhalten bleibt.
  • Der Vocal Sound von Madonna, Celine Dion, Snoop Dogg, und den Black Eyed Peas
  • Produzenten wie David Reitzas, Dave Pensado, und Dylan Dresdow werben mit ihren Namen für diesen EQ.
  • Minimalste Phasenverschiebungen selbst bei extremeren EQ Einstellungen
  • Zusätzlicher Trim Control Regler zur leichteren Anpassung des Pegels (bei der Original Hardware nicht vorhanden)EQ4M inside v2 sRGB web
  • Hohe Klangqualität / Konstruiert für den professionellen Einsatz / Mastering
  • Interaktionen der einzelnen Band Pass Filter wurden detailgetreu für das Plug-In eingefangen.
  • CPU-freundlich / Ressourcen schonend

Spezifikationen

  • In / Out (Power): On / Off
  • Level Trim: stufenlos: -24 dB – 0 dB (Output)
  • Sub (Gain): 21 Schritte, -5.0 - 5.0 (value does not equal dB; in 0.5 Schritte)
  • 40 Hz (Gain): 21 Schritte, -5.0 - 5.0 (value does not equal dB; in 0.5 Schritte)EQ4 1 1
  • 160 Hz (Gain): 21 Schritte, -5.0 - 5.0 (value does not equal dB; in 0.5 Schritte)
  • 650 Hz (Gain): 21 Schritte, -5.0 - 5.0 (value does not equal dB; in 0.5 Schritte)
  • 2.5 kHz (Gain): 21 Schritte, -5.0 - 5.0 (value does not equal dB; in 0.5 Schritte)
  • Air Gain: 21 Schritte, 0 - 10.0 (Wert entspricht nicht dem dB-Wert; in 0.5 Schritten)
  • Air Band (Frequenz): 6 Schritte (Off, 2.5 kHz, 5 kHz, 10 kHz, 20 kHz, 40 kHz)
  • CPU-Verbrauch bei einer UAD Solo: 3,2 % (Monobetrieb) bzw. 3,6 % (Stereobetrieb)

Preis UVP:  229 EUR

Autor: Sudad Ghadaban (Piano Schmitz Essen)



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